Auch wenn ich die häufig gemachte Assoziation ebensowenig mag, habe ich mir den Film dennoch angeschaut.
Zu etwas eine andere Ansicht zu haben hat mich noch niemals davon abgehalten, mich damit auseinander zu setzen.
Ich kann mich sicherlich täuschen, aber dennoch nicht des Eindrucks erwehren, dass die Menschen in den 1920er Jahren schon mal weiter waren als heute. Heute reden wir in unserer Gesellschaft viel über Toleranz, und es ist ganz besonders wichtig, was man wie zu sagen hat, und welche Worte gut oder böse sind. Viel zu oft wird Tolereanz nur geheuchelt, und wenn sich Leute sicher fühlen, offenbaren sie zuweilen ihre wahren Gedanken. Da heißt es plötzlich: "Ich habe nichts gegen Schwule, aber die sollen sich nicht in der Öffentlichkeit küssen.", und: Das ist wiederlich." oder: "Nicht vor meinen Kindern.". - Und das sind noch die vergleichsweise vorsichtigen Äußerungen. In gewissen Kreisen, deren Vertreter leider bald in den Bundestag einziehen werden, fallen da noch ganz andere Worte.
Der Schlussatz des Films hat mich wieder mal sehr nachdenklich gemacht:
Erst 1982, ein Jahr nach dem Wahlsieg von Francois Mitterrand, endete meine Registrierung als Homosexueller.
Pilou wurde in den 1920er Jahren, zu einer Zeit, als Homosexualität nicht strafbar war, von der Polizei ohne jede Notwendigkeit als Schwuler registriert. Damals hat man sich nichst weiterdabei gedacht, aber dieses Stigma hing im fast sein ganzes Leben an, und war während des 2. Weltkriegs eine massive Bedrohung für sein Leben.
Sein großes Glück war, dass solche Daten damals noch nicht elektronisch gespeichert und wurden, und dementsprechend nicht so einfach ausgewertet werden konnten. Heute sieht das anders aus, und das ist auch der Grund, weswegen ich unnötige Datenansammlungen, Datenzugriffe und Datenverarbeitung als so bedenklich sehe. Wenn heute irgendwo in den Datenbanken der Staatsorgane der elektronische Vermerk entsteht, dass ich als Mann hin und wieder in Frauenkleidern rumlaufe, dann bleibt das für eine seeehr lange Zeit gespeichert. Aber wer von euch kann schon sagen, welche Partei in 5 Jahren an die Macht kommt, und wie dann die Verhältnisse aussehen. Dann wird es mir im Gegensatz zu Pilou nicht helfen, dass ich versuche, so unauffällig wie möglich zu leben.
Und wenn jetzt unsere Freundin und Helferin kommt und sagt, dass solche Abfragen mit den Programmen die die Polizei hat, überhaupt nicht möglich sind: Ich bin Softwareentwickler und Datenbankprogrammierer, und ich kann euch versichern, dass man aus den in Datenbanken immer alles auswerten kann, was in den Daten gespeichert ist, auch wenn es die zur Bedienung vorhandenen Anwenderprogramme nicht können. Die Programme sind nur eine künstliche Beschränkung, die man jederzeit überwinden lässt. Die Sprache, mit der das möglich ist, nennt sich SQL. Sie ist ein sehr mächtiges Werkzeug und ist Bestandteil aller Datenbanksysteme. Mit SQL suche, verarbeite und konvertiere ich von Berufs wegen Daten für meine Kunden im gewerblichen Umfeld, und kann wirklich alles machen, was in den Daten drin steht. Das lässt sich durch kein Gottvertrauen und keine Gutgläubigkeit dieser Welt verhindern.
Michi
Edit: Verlorenen Textteil wieder eingefügt.