Hallo Claudia, Uta, Hallo zusammen,
Uta schrieb:
... wenn die Begutachterei wegfällt ,heißt das ja noch lange nicht, dass man durch die gesellschaftliche Ächtung .... nicht doch krank wird
Stimmt. Aber das ziemlich drastische Problem mit dem Andrea (ab08) konfrontiert wurde, hätte es ohne das 'Krankheitsbild Trans' vermutlich nicht gegeben. Und viele andere Probleme gäbe es auch nicht.
Ich bin sehr sicher, dass es für alle Menschen mit trans*-Phänomen insgesamt besser ist, wenn man einen allgemein unaufgeregten Umgang, frei von Krankheit, mit uns findet und denjenigen hilft, die Hilfe brauchen. Wie das dann aussehen kann und soll, darüber sollten wir gemeinsam streiten und dann endlich an die Arbeit gehen.
Zum Thema Kosten schrieb Claudia:
Schon jetzt muss man notwendige/hilfreiche Medikamente trotz ärztliche Diagnose und Verordnung selbst bezahlen
Das weiss ich (siehe Fussnote im vorherigen Beitrag) Aber: Bedarf es dann noch eines weiteren Beleges dafür, dass das ganze Thema, sowohl das TSG als auch das Gesundheitssystem als Ganzes, dringend reformiert werden müsste? Und wenn es mit dem TSG und den Kosten jetzt schon nicht funktioniert: Wieso sollte man solchen Unsinn dann noch verteidigen?
Da du auf den von Anne-Mette verlinkten Artikel verweist, in dem steht:
Zitat:"
In einigen Ländern sorgt sie (Anm: die ICD-Definition) dafür, dass die Betroffenen bei den kostspieligen Behandlungen zur Geschlechtsanpassung auf finanzielle Unterstützung durch die Krankenkassen hoffen können. Dies würde vielfach entfallen, wenn der Wunsch, ein anderes Geschlecht zu haben, zu einer reinen Privatangelegenheit wird."
Von Privatangelegenheit redet hier niemand! Es geht darum die Sache für alle besser zu machen, es geht darum, gemeinsam darüber nachzudenken, wie möglichst vielen möglichst gut gedient ist.
Wenn du jetzt schreibst:
"Ich schreibe hier ja nicht, um andere zu ärgern, sondern weil ich große Bedenken habe." dann verstehe ich das. Allerdings verstehe ich deine Opposition gegen Änderungen am Namens- und Personenstandsrecht, die du hier an anderer Stelle deutlich ausgedrückt hast, absolut gar nicht mehr. Da geht es nicht um Kostenerstattung, viel eher um Kostenvermeidung, und trotzdem bist du dagegen, obwohl es ganz offensichtlich vieles für viele erleichtern würde, wenn die Gutachterei (wenigstens) an dieser Stelle gekippt würde.
Zum Thema möglicher Änderungen:
Das "eventuell" und das "vielleicht" vor dem Wort "Gutachter" in meinem Beitrag hast du geflissentlich überlesen? Ich werde es kaum fertigbringen, eine Lösung zu präsentieren, die allen zusagt. Mir persönlich ist es doch fast egal, wer wessen Brüste bezahlt, aber für eine Forderung an eine Sozialkasse muss im bestehenden System nunmal eine Begründung mitgeliefert werden. Die muss und darf aber nicht darin bestehen, dass trans* ganz allgemein ein Krankheitsbild ist (mit den von Svetlana und Andrea genannten Folgen). Sie kann auch darin bestehen, dass jemand individuell unter dem Fehlen von Brüsten massiv leidet. Das dieser Mensch dann quasi wieder 'krank' ist bzw. sein muss, um Leistungen zu bekommen, liegt in den Abläufen des Gesundheitssystems begründet; Beschwerden -> Diagnose durch Doc -> Behandlung -> Kostenübernahme durch KK.
Möglicherweise!! liegt darin aber ein Ansatz für den Komplex ICD, MDK und KK, indem man nämlich den Bedarf nicht mehr über trans*(-sexualität) als Krankheitsbild, sondern über die individuellen Leiden unter den falschen körperlichen Gegebenheiten beschreibt*, wie die WMA es (im Ansatz) schon tut. Es kann nämlich nicht die Aufgabe der Einen sein, die Kostenerstattung der Anderen zu 'er-leiden', nur weil ein m.E. äusserst fragwürdiger ICD-Code erhalten werden soll.
Ich fände es toll, wenn sich stattdessen mal eine Arbeitsgruppe (vielleicht von körperphänomenalen Transsexuellen?) hinsetzt und einen ernstzunehmenden
und praktikablen Vorschlag erarbeitet, statt mir und vielen anderen eine Krankheit ans Bein zu quatschen oder Wolkenkuckucksheim-Erklärungen zu formulieren und damit, unter anderem, behindern, dass die Gesellschaft zu einem adäquaten Umgang mit Menschen findet, die sich (noch) nicht klar über ihr Sein äussern können.
So schwierig es ist, man muss zwischen dem
'für krank erklären' einer ganzen Gruppe von Menschen einerseits und den Ansprüchen einzelner Menschen an die Sozialversicherung andererseits unterscheiden. Es sind und bleiben zwei verschiedene Themenbereiche, auch wenn sie in unserem Kontext bisher immer zusammen gedacht wurden.
Und mal ganz abgesehen von all unseren Meinungen, Wünschen und Empfindlichkeiten: Das Thema heisst doch nicht nur
'Wir gegen die Gesellschaft. Wie holen wir am meisten für uns raus?' Es geht immer auch um den Umgang aller Menschen mit dem Thema Geschlecht, wozu auch ganz cis-ige Heteros, Feminist_innen, Intersexuelle, Kinder die dazu noch nichts sagen können und viiiile andere gehören.
Marielle
* Ja, ich weiss: Transsexualität und das Leiden unter dem eigenen (falschen) Körper seien doch ein- und dasselbe, sagen bekannte Aktivist_innen schon lange und immer wieder; bewiesen hat das aber noch niemand. Es könnte genauso gut sein, dass wir im Grunde alle das gleiche Phänomen in unterschiedlichen Ausprägungen haben und sich dieses 'Phänomen' weit in die gesamte Menschheit erstreckt. Und dann? Alle krank?