Moin Moin,
..... um sich "ihr eigenes Frausein" zu erkämpfen. Das werden sie auch so schnell nicht ablegen
Das sollen sie, um Himmels Willen, doch auch gar nicht tun.
Es geht doch grade darum, Zuweisungen aufzubrechen und selbstbestimmte 'Geschlechtlichkeit', egal welcher Art, zuzulassen. und anzuerkennen. Alle sollen für sich selbst bestimmen, wie sie sich selbst bestimmen, aber niemand soll (über) andere bestimmen. Insoweit korrigiere ich mich aber gern: Es geht nicht nur um die halbe Menschheit, sondern um die ganze. Es geht nicht nur um selbstbestimmtes Frausein, sondern auch um selbstbestimmtes Mannsein und um selbstbestimmte Abkehr von diesen Kategorien*.
Ich schrieb's neulich schon so ähnlich: Wenn jemand (aus einer freien Willensentscheidung heraus) von sich sagt eine Frau oder ein Mann oder keines von beiden zu sein, dann muss das als richtig anerkannt werden. Allein schon deswegen, weil es bis dato keinen Gegenbeweis gibt. Vielmehr werden sowohl die sozio-kulturellen, als auch die biologischen Grundlagen der bisherigen 'Beweise' für Geschlechtsbestimmungen immer dünner.
Es geht also nicht darum von Menschen zu fordern ihre Selbstbestimmung aufzugeben und sich fortan als 'unbestimmt' zu bezeichnen. Die Selbstbestimmung ist ja auch niemals das Problem. Das Problem entsteht erst durch abgeleitete Zuweisungen, Erwartungen und Forderungen.
Soll jemand doch sagen, er (
der Jemand) sei eine Frau oder ein Mann. Prima! Das darf aber eben nicht zu den Zuweisungen führen, die heute noch absolut üblich sind: Ein Frau hat dies zu tun und jenes zu lassen, ein Mann muss das erreichen und dies meiden. Und es darf auch nicht dazu führen, dass dieser Jemand vom Rest der Menschheit erwartet, ihm ein (stereotypes Vor-)Bild für seine Selbstbestimmung zu liefern. In den Zuweisungen, Erwartungen und Forderungen liegt das Problem, nicht in der Selbstbestimmung.
Im Jahr 2016 ist ein Mensch, der sich als Frau selbstbestimmt, Chef_in der BerlinerVerkehrsbetriebe und in dieser Position (nach den gängigen Masstäben**) ziemlich erfolgreich. 1916, lächerliche hundert Jahre vorher, hätte dieser Mensch in der gleichen Stadt nichtmal an den Reichstagswahlen teilnehmen dürfen, weil 'Frauen' als dafür ungeeignet angesehen wurden. Sie seien per se nicht in der Lage, sich eine entsprechend fundierte Meinung über Politik und Wirtschaft zu bilden. Ah ja .....
Unter den jungen Feminist_innen gibt es eine ganze Reihe Menschen, die sich sehr bestimmt als Frau bestimmen; freiwillig und gerne. Ich käme nie auf die Idee, denen ihr Frausein abzusprechen. Im Gegensatz zu vielen anderen, Gaga-Biggi ist da nur die Spitze des Eisbergs, kommen diese Menschen, Frauen, aber auch nicht auf die Idee, mir ein stereotypes Mann-Bild überzustülpen, weil sie sich von diesem schwarze(r)n Unsinn emanzipiert haben. Diese Frauen brauchen die Definition 'Mann' maximal noch zur Auswahl von Sexualpartner_innen. Und eine äussere Zuweisung brauchen sie für ihr Frausein schon gar nicht. Sie sind es; im Rock, im Kleid, auch in Hosen, auch mit Kurzhaarschnitt, auch mit 220 auf der linken Spur und auch mit großartigem, fundiertem Engagement für die Gesellschaft.
Tun wir 2016 aber bitte nicht so, als sei wegen Sigrid Nikutta und einiger anderer alles in bester Ordnung. Es gibt auch heute noch jede Menge Zuweisungen und blödsinnige Projektionen von binär gedachten Stereotypen; auch hier in Deutschland, auch hier im Forum.
have a nice weekend mankind
Marielle
*) Ob 'Geschlecht' dann noch der richtige Begriff ist, ist eine andere Frage. Mit 'sex' und 'gender' kommt man aber schon ganz schön weit in diesem Diskurs.
**) Ob diese Masstäbe gut sind, ist eine andere Frage. Die hat aber definitiv auch wieder nichts mit 'Geschlecht' zu tun, sondern viel eher mit der Definition von persönlichem und gesellschaftlichem Wohlstand und Glück.