Eine gute Lösung
Verfasst: So 20. Mär 2016, 21:39
Facebook gibt seinen Nutzern auch in Deutschland die Möglichkeit, ihre Identität über die Kategorien "Mann" und "Frau" hinaus festzulegen. 60 Auswahlmöglichkeiten werden geboten.
Das ist schön, aber in der Realität auf der Strasse funktioniert die Welt halt immer noch in zwei Geschlechts-Schubladen. Frau/Mann, Schublade auf, Typ rein, Schublade zu. Das läuft in den Hirnen der absolut überwiegenden Zahl der Menschen täglich automatisch ab. Warum das so ist, soll hier in diesem Post nicht das Thema sein. Obwohl es sicherlich ein sehr spannendes Thema ist.
Hier möchte ich heute eine gute Lösung schildern, die meine Frau und ich heute gefunden haben. Ich bin ganz happy darüber, obwohl es eigentlich so ziemlich einfach und banal ist. Aber der Reihe nach:
Heute Nachmittag waren wir bei schönstem Frühlingswetter in Meersburg am Bodensee und sind dann in ein nettes kleines Hotel eingekehrt, wo wir letzte Woche schon waren, also was wir schon kannten, wo man nett mit Blick auf den See sitzen kann und wo es feinen Kaffee und Kuchen gibt. Als die Bestellung kommt, sagt der Kellner ganz nett "da haben wir einmal den feinen Rhabarberkuchen für den Herren und den Apfelkuchen für die Dame" . Das habe ich noch versucht zu übergehen, obwohl es mir gegen den Strich geht. Ich weiss ja, dass die Leute nicht in mich hinein schauen können. Als er dann mit den Getränken kam sagte er "einmal den latte macchiato für den Herren und den Tee für die Dame" . Da konnte ich dann nicht mehr. Ich habe ihn ganz höflich gebeten, mich nicht mit Herren anzusprechen, da mein empfundenes Geschlecht weiblich ist. Ich merkte, er war ganz kurz etwas irritiert, hat dann aber sehr nett reagiert. Und als er dann nach ein paar Minuten wieder kam, hat er gefragt "ist bei den Damen alles in Ordnung, schmeckt der Kuchen" . Das hat er dann als, er abräumte auch wiederholt, ob bei den Damen alles in Ordnung war usw. Das war sehr schön und hat mir gut getan und es hat mir auch wieder gezeigt, ich kann nur selber die Dinge gestalten, von aussen und von anderen kommt es nicht. Irgendwie stimmt die alte Weisheit "jeder ist seines Glückes Schmied" .
Mich stört es schon lange, wenn ich diese alte männliche Rolle spielen muss und damit ist jetzt fertig. Ich habe mit dieser Situation meine Frau zwar etwas, wie sie später auch sagte, überfordert. Und es war insgesamt eine komisch Situation. Also nicht für mich, aber für den Kellner wahrscheinlich, da sehr ungewohnt und für meine Frau auch, da endlich mal ausgesprochen war, was schon lange im Raum schwebte. Und es hat einiges geklärt. Nun zunächst war meine Frau etwas grumpfelig. Aber zu meiner grossen Überraschung kam es beim Abendessen zu einem tollen Gespräch. Wir haben über die Situation am Nachmittag in dem Kaffee gesprochen und wie es sich abgespielt hat. Und erstaunlicherweise sagte meine Frau dann, "na es stört mich ja auch, wenn ich als DAME angesprochen werde. Das ist für mich ein Begriff, der aus dem vorigen Jahrtausend stammt und nicht mehr in unsere heutige Zeit passt. Ich möchte nicht als Dame angesprochen werden". Das fand ich super. Wir haben dann beide gefunden, eine zeitgemässe und für alle passende Lösung ist, dass wenn wir wieder einmal als Herr und Dame angesprochen werden, wir einfach darum bitten, Geschlechtsneutral angesprochen zu werden und zwar beide. Also dieses "mein Herr", "meine Dame" einfach weg lassen. Einfach nur nett mit Sie oder besser noch mit Du ansprechen und gut ist.
Eine gute Lösung wie wir beide finden. Eigentlich banal, aber ich glaube, damit kommen wir beide gut über die Runden in nächster Zeit.
LG
Katarina
Das ist schön, aber in der Realität auf der Strasse funktioniert die Welt halt immer noch in zwei Geschlechts-Schubladen. Frau/Mann, Schublade auf, Typ rein, Schublade zu. Das läuft in den Hirnen der absolut überwiegenden Zahl der Menschen täglich automatisch ab. Warum das so ist, soll hier in diesem Post nicht das Thema sein. Obwohl es sicherlich ein sehr spannendes Thema ist.
Hier möchte ich heute eine gute Lösung schildern, die meine Frau und ich heute gefunden haben. Ich bin ganz happy darüber, obwohl es eigentlich so ziemlich einfach und banal ist. Aber der Reihe nach:
Heute Nachmittag waren wir bei schönstem Frühlingswetter in Meersburg am Bodensee und sind dann in ein nettes kleines Hotel eingekehrt, wo wir letzte Woche schon waren, also was wir schon kannten, wo man nett mit Blick auf den See sitzen kann und wo es feinen Kaffee und Kuchen gibt. Als die Bestellung kommt, sagt der Kellner ganz nett "da haben wir einmal den feinen Rhabarberkuchen für den Herren und den Apfelkuchen für die Dame" . Das habe ich noch versucht zu übergehen, obwohl es mir gegen den Strich geht. Ich weiss ja, dass die Leute nicht in mich hinein schauen können. Als er dann mit den Getränken kam sagte er "einmal den latte macchiato für den Herren und den Tee für die Dame" . Da konnte ich dann nicht mehr. Ich habe ihn ganz höflich gebeten, mich nicht mit Herren anzusprechen, da mein empfundenes Geschlecht weiblich ist. Ich merkte, er war ganz kurz etwas irritiert, hat dann aber sehr nett reagiert. Und als er dann nach ein paar Minuten wieder kam, hat er gefragt "ist bei den Damen alles in Ordnung, schmeckt der Kuchen" . Das hat er dann als, er abräumte auch wiederholt, ob bei den Damen alles in Ordnung war usw. Das war sehr schön und hat mir gut getan und es hat mir auch wieder gezeigt, ich kann nur selber die Dinge gestalten, von aussen und von anderen kommt es nicht. Irgendwie stimmt die alte Weisheit "jeder ist seines Glückes Schmied" .
Mich stört es schon lange, wenn ich diese alte männliche Rolle spielen muss und damit ist jetzt fertig. Ich habe mit dieser Situation meine Frau zwar etwas, wie sie später auch sagte, überfordert. Und es war insgesamt eine komisch Situation. Also nicht für mich, aber für den Kellner wahrscheinlich, da sehr ungewohnt und für meine Frau auch, da endlich mal ausgesprochen war, was schon lange im Raum schwebte. Und es hat einiges geklärt. Nun zunächst war meine Frau etwas grumpfelig. Aber zu meiner grossen Überraschung kam es beim Abendessen zu einem tollen Gespräch. Wir haben über die Situation am Nachmittag in dem Kaffee gesprochen und wie es sich abgespielt hat. Und erstaunlicherweise sagte meine Frau dann, "na es stört mich ja auch, wenn ich als DAME angesprochen werde. Das ist für mich ein Begriff, der aus dem vorigen Jahrtausend stammt und nicht mehr in unsere heutige Zeit passt. Ich möchte nicht als Dame angesprochen werden". Das fand ich super. Wir haben dann beide gefunden, eine zeitgemässe und für alle passende Lösung ist, dass wenn wir wieder einmal als Herr und Dame angesprochen werden, wir einfach darum bitten, Geschlechtsneutral angesprochen zu werden und zwar beide. Also dieses "mein Herr", "meine Dame" einfach weg lassen. Einfach nur nett mit Sie oder besser noch mit Du ansprechen und gut ist.
Eine gute Lösung wie wir beide finden. Eigentlich banal, aber ich glaube, damit kommen wir beide gut über die Runden in nächster Zeit.
LG
Katarina