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Wer begnügt sich mit der "kleinen Lösung“?
Verfasst: Sa 6. Feb 2016, 16:27
von Andrea aus Sachsen
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Mit Freude lese ich hier immer wieder Berichte und Geschichten von denjenigen, die Ihre Transition bis zur geschlechtsangleichenden Operation durchziehen. Wenn ich dagegen für mich Aufwand, Nutzen und Risiken dieses letzten, für manche sicher entscheidenden Schrittes, gegeneinander abwäge, komme ich zu dem Ergebnis, dass ich aus heutiger Sicht auch ohne GaOP gut leben könnte. Das ganze nennt sich bekanntlich die "kleine Lösung". Bitte nicht verwechseln mit der "kleinen GaOP", die vor kurzem hier Thema war!
Obwohl ich, wie gesagt, hier viel zu dem Thema lese, fällt mir spontan niemand ein, der bzw. die genau diese Lösung ebenfalls für sich favorisiert.
Deshalb mal meine Frage in die Runde: Wer strebt zwar die VÄ/PÄ an (oder hat diese bereits hinter sich), aber keine GaOP?
Re: Wer begnügt sich mit der "kleinen Lösung“?
Verfasst: Sa 6. Feb 2016, 17:07
von exuserin-2017-01-16
Hallo Andrea, in der Dresdner SHG ist eine ältere Dame die das aus Altersgründen und den Risiken für sich auch ablehnt.
LG uta
Re: Wer begnügt sich mit der "kleinen Lösung“?
Verfasst: Sa 6. Feb 2016, 18:15
von Joanna
Hallo Andrea,
ich lebe transident oder als Transgender nun schon weit über 40 Jahre. Mit der deutlichen Tendenz mich immer weiter zunehmend als "Frau" in der Öffentlichkeit zu bewegen und zu zeigen und mich auch weiter zu outen. Sicherlich sind in den vergangenen Jahren auch meine Möglichkeiten, mein Frausein auszuleben größer geworden, nicht zuletzt auch durch die Toleranz meiner Frau. Ich bin nun in einem Alter (67), wo eine GaOP für mich natürlich nicht mehr in Frage kommt.
Hätte ich aber vor 20 oder 30 Jahren gewusst, was ich heute weiß, dann hätte ich diesen Schritt ganz sicher in die engere Wahl gezogen
Liebe Grüße an alle von Joanna
Re: Wer begnügt sich mit der "kleinen Lösung“?
Verfasst: Sa 6. Feb 2016, 23:10
von Veronika
Hallo zusammen,
die große oder kleine Lösung ist für mich hier nicht die Frage, mit fast 64 Jahren erübrigt sich das Thema für mich, da ich dann auch große Probleme mit meiner Frau bekäme und dann wohl am Existenzminimum leben würde.
Ich bin seit September hier im Forum und nach allem was ich bisher und auch vorher als stiller Leser mitgelesen habe muss ich für mich sagen, hätte ich mich doch besser schon vor 10 Jahren zur großen Lösung entscheiden sollen und den ganzen Weg gehen sollen. Ich beneide alle die den Weg konsequent gehen und bei denen in absehbarer Zeit der OP Termin ansteht.
Ich habe wohl den Zeitpunkt verpasst.
Ich wünsche allen die den Weg gehen alles liebe und gute.
Veronika
Re: Wer begnügt sich mit der "kleinen Lösung“?
Verfasst: Sa 6. Feb 2016, 23:36
von Nicoletta
Hallo in der Runde,
ich kann mich meinen Vorrednerinnen nur anschließen. Auch ich bis 67, wobei für meine Entscheidung gegen eine GaOp Alter, Bedenken wegen des gesundheitlichen Risikos und Rücksicht auf meine Frau, die das kaum tolerieren könnte, zusammenkommen. Ich habe meine jetzige Frau vor fast 21 Jahren geheiratet. Hätte ich damals gewusst, was ich heute weiß, hätte ich mich sicher für die Operation und gegen die Ehe entschieden. Ich wusste damals zwar, dass mit mir "etwas" nicht stimmte, ging aber davon aus, dass ich in einer normalen Ehe schon "normal" zu empfinden lernen würde.
Glücklicherweise hat sich die Gesellschaft positiv weiterentwickelt (nicht ausnahmslos natürlich), so dass ich heute keine Schwierigkeiten darin sehe, trotz physischer Anomalitäten als Frau zu leben und als solche anerkannt und respektiert zu werden. Das genügt mir. Anstreben möchte ich nur noch eine VÄ/PÄ, um auch "richtige" Papiere bekommen zu können, außerdem -- da sehe ich mehr Schwierigkeiten der Akzeptanz bei meiner Frau -- eine Lösung für mein Haar zu bekommen.Über das schüttere Haar werde ich immer als "Mann" erkannt, und das stört mich, da möchte ich gerne stimmiger sein. Andererseits baut es mich immer wieder auf, wenn ich, wie heute, eine E-Mail von einer Frau bekomme, die vor 25 Jahren bei mir studiert hat und mir nun, nachdem sie auf meine Homepage gestoßen ist, Glückwünsche zu meinem Mut ausspricht, mein Leben nach meinem Empfinden auszurichten statt nach rein äußerlichen Gegebenheiten. Sie ist nicht die erste, sondern eine in einer Reihe von mindestens ca. 10 Bekannten und Unbekannten, die mir per E-Mail ihre Glückwünsche ausgesprochen haben. Es ist in diesem Lande heute möglich, unbehelligt als Frau zu leben und als solche anerkannt zu werden, auch wenn die Papiere anderes aussagen. Das stimmt sicher nicht immer und überall, aber ich bin in der glücklichen Lage, dass es in meinem Umfeld überwiegend stimmt.
Allen einen schönen Sonntag,
Nicoletta
Re: Wer begnügt sich mit der "kleinen Lösung“?
Verfasst: So 7. Feb 2016, 01:17
von Ulrike-Marisa
Moin,
auch für mich ist mit 62 Jahren der Zug vermutlich abgefahren, zumal ich seit fast 40 Jahren mit meiner Frau zusammen bin. Ich kann nur noch Lösungen unterhalb der GAOP leben, auch wenn ich das noch so möchten täte. Es geht einfach unter den gegeben Umständen nicht mehr. Dazu habe ich schon vielfach geschrieben über das Leben mit dem Kompromiss und Status Quo. Ich bin nicht unglücklich, denn das Leben mit meiner Frau bietet viele andere Aspekte, um die es sich zu leben lohnt. Ich nutze meine Freiräume, mehr wird es nicht mehr geben...
LG, Ulrike-Marisa
Re: Wer begnügt sich mit der "kleinen Lösung“?
Verfasst: So 7. Feb 2016, 07:29
von Tatjana_59
Hallo Andrea,
bei mir ist es ähnlich wie bei meinen vorschreiberinnen.
Ich begnüge mich mit der kleinen Lösung.
Wie du vermutlich ja mitbekommen hast aus anderen Postings von mir, bin ich nicht mehr die gesündeste.
Bin zwar noch im zarten Alter von gerade mal 56 Jahren, ein Mauerblümchen sozusagen.
Leider habe ich halt die verschiedensten internistischen schwere Vorerkrankungen, die es mir unmöglich machen die Gaop anzustreben. Es sei denn ich gehe gewaltige unüberschaubare Risiken ein.
Dafür lebe ich nun doch wieder zu gerne, und möchte jetzt nach abgeschlossener Vä/Pä meine hoffentlich noch vielen Jahre als Frau genießen.
Ich bin ja schon froh das ich mit reinem Gewissen die Hormontherapie, wenn auch etwas eingeschränkt machen kann.
Zudem würde meine Frau die Gaop auch nicht tolerieren.
Meine Frau ist meinen Weg immer mit mir gegangen, und für mich stand immer im Vordergrund sie nicht zu verlieren.
Ich musste ihr von Anfang an versprechen mich nicht operieren zu lassen, egal wie weit mein Weg geht, das stand ja bei Beginn irgendwo in den Sternen.
Ich muss aber sagen ich komme in meinem Alter mit der kleinen Lösung durchaus klar.
Wenn ich vor 20 Jahren meinen Weg beschritten hätte wäre das vermutlich nicht der Fall gewesen.
Aber die vielen WENNS im Leben bringen uns in der Regel nie weiter.
Das Gynokadin hat meinen ohnehin schon nicht sehr großen Anhang zwischen den Beinen noch mehr schrumpfen lassen, Hoden sind auch kleiner geworden.
Brustaufbau werde ich auch knicken müssen, da ich definitiv jetzt schon B Brüste habe, und selber bezahlen wird finanziell zu schwierig.
ich bin zufrieden so wie es ist.
Im Prinzip kann ich sagen, Ziel erreicht.
Gruß Tatjana
Re: Wer begnügt sich mit der "kleinen Lösung“?
Verfasst: So 7. Feb 2016, 10:05
von ExUserIn-2026-04-08
Dann will ich mich als "Küken" outen. Bin 54 Jahre ...
Aber meine Gründe für eine "ganz kleine Lösung" sind etwas anderer Natur. Ich lebe nicht Vollzeit als Frau. Mir ist die ganze Auseinandersetzung, vor allem im Beruf, zu viel. Existentiell würde mir als Beamten auch nicht viel passieren. Aber ich möchte vor allem meine Ruhe an dieser Ecke haben. Vielleicht wäre das anders, wenn ich nicht in einer festen Beziehung leben würde.
Aber der Hauptgrund ist, dass ich meinen Körper gut finde. Dabei ist es mir eigentlich nicht wichtig, ob der männlich oder weiblich ist. Sondern er ist für mich ein Wunderwerk, wie alles zusammen arbeitet und mir ein schönes Leben ermöglicht. Da werde ich sicher nicht mit Hormonen oder gar einer OP dazwischen funken. Es ist alles gut wie es ist. Diese Erkenntnis ist aber auch erst gut 5 Jahre alt. Seit dem geht es mir in vielerlei Hinsicht besser.
Deshalb kann ich auch nicht verstehen, dass andere Menschen so massiv mit ihrem körperlichen Geschlecht unzufrieden sind. Aber ich respektiere das.
Re: Wer begnügt sich mit der "kleinen Lösung“?
Verfasst: So 7. Feb 2016, 12:36
von Dolores59
Eine große Lösung kommt für mich nicht in Frage, weil ich mit meinen Dasein als Mann zufrieden bin. Mir geht es um die äussere Hülle, ich möchte ganz einfach die Kleidung tragen, die ich schön finde. Wenn mich einmal eine Unzufriedenheit überkommt, schaue ich in die Bibel und lese im Hohenlied Salomos (Kap. 1, 15-17):
"Siehe, meine Freundin, du bist schön; schön bist du, deine Augen sind wie Taubenaugen.
Siehe, mein Freund, du bist schön und lieblich. Unser Lager ist grün. Die Balken unserer Häuser sind Zedern, unsere Täfelung Zypressen."
Das sage ich vielleicht vor dem Badezimmerspiegel, wenn ich so aussehe:
Quelle: http://i38.servimg.com/u/f38/18/64/71/84/dscf5617.jpg
(Alle, die das Verlangen haben, herzlich zu lachen, dürfen das gerne tun. Lachen ist gut für Leib, Seele und Geist.)
https://chrismon.evangelisch.de/artikel ... -hin-30838
Menschen, die die große Lösung wählen, haben meinen Respekt, das ist ganz klar. Für mich genügt der derzeitige Status als Mann in Frauenkleidung.
LG
Dolores
Re: Wer begnügt sich mit der "kleinen Lösung“?
Verfasst: So 7. Feb 2016, 15:05
von Victoria
Hallo Andrea,
am Anfang meines Lebens als Frau hatte ich nicht an eine GaOp gedacht und strebte nur die kleine Lösung an.
Mit der Zeit hatte sich meine Einstellung dazu aber geändert!
Seit Juni 2015 stand dann für mich fest das ich auch die GaOp machen lasse.
Mit Beginn der Hormoneinnahme (08/2015) und zusehender Verweiblichung meines Körpers, passend zu meinem Inneren,
wird mein Wunsch nach einer GaOp immer stärker bzw. hat sich verfestigt!
Die mit viel Glück Ende diesen Jahres, spätestens Anfang 2017 ansteht!
Alter spielt hier keine Rolle, Frau sollte auf ihr Inneres hören! Bin selbst schon 57!
Vielleicht passiert es dir auch, das du deine Einstellung änderst!
LG
Vicci

Re: Wer begnügt sich mit der "kleinen Lösung“?
Verfasst: So 7. Feb 2016, 15:44
von ab08
Danke Vicci,
es ist eine sehr private (intime) Entscheidung.
Es hängt von der Person/Situation ab.
Wichtig ist, dass jede/jeder sich die Sache genau überlegt.
Es ist eine große Operation, also auch mit erheblichen Risiken behaftet.
Manche begnügen sich mit der kleinen Lösung und fühlen sich wohl.
Für andere ist der Verzicht auf die GAOP aber die größere Belastung...
Wie sich andere entscheiden, sollte daher keine Rolle spielen.
Liebe Grüße
Andrea
Re: Wer begnügt sich mit der "kleinen Lösung“?
Verfasst: So 7. Feb 2016, 15:49
von Victoria
ab08 hat geschrieben:Manche begnügen sich mit der kleinen Lösung und fühlen sich wohl.
Für andere ist der Verzicht auf die GAOP aber die größere Belastung...
Wie sich andere entscheiden, sollte daher keine Rolle spielen.
Liebe Grüße
Andrea
Genau, jede muss für sich selbst entscheiden!
Keine darf es sich ein- bzw. ausreden lassen!
LG
Vicci

Re: Wer begnügt sich mit der "kleinen Lösung“?
Verfasst: Mo 8. Feb 2016, 11:13
von Cybill
Abby hat geschrieben:... Das bisschen anatomischer Unterschied zwischen Männlein und Weiblein wird meiner Meinung nach ohnehin überbewertet, Frausein findet meiner Auffassung nach eher zwischen den Ohren als zwischen den Beinen statt...
Genau!

Re: Wer begnügt sich mit der "kleinen Lösung“?
Verfasst: Mo 8. Feb 2016, 11:57
von steffiSH
Ich will MEINS durchziehen ohne wieder irgendwo eingeordnet zu werden.
Auch mittels einer OP kann ich niemals eine 100% Frau werden (weiss auch nicht ob ich das wollte)
und "nur" Mann sein will ich auch nicht, weil ich mich nicht als 100% "nur" Mann fühle.
Aber 100% ich sein will ich schon - 100% ich!
... und das erlaube ich mir .
Re: Wer begnügt sich mit der "kleinen Lösung“?
Verfasst: Mo 8. Feb 2016, 13:02
von ChristinaF
Geht mir genauso wie fast allen Vorschreiberinnen.
Eine große OP werde ich aus Risikogründen nicht mehr vornhemen. Mir gehts auch so wirklich gut, bin bei Bekannten und Kolleginnen/Kollegen als Frau voll akzeptiert und kann sehr glücklich so mit mir leben.
LG
Christina