Moin,
natürlich steckt jede in einer anderen Situation, aber aus meiner Sicht ist es für Kinder überhaupt kein Problem, wenn Papa (zeitweise) zur Mama wird. Man muss es ihnen noch nicht einmal erklären, wenn sie es von Anfang an nicht anders kennen. Problematisch wird es eher, wenn es durch Außenkontakte wie Freunde oder Schule zu Irritationen kommt. Spätestens dann in der Pubertät und die lieben Kleinen sich auch geschlechtlich orientieren müssen, kann es schwierig werden. Dann ist es sicher nicht falsch, wenn sie noch "männliche" Vorbilder haben, an denen sie sich orientieren und ihren eigenen Weg finden können.
Ich denke, stabile Verhältnisse, in denen Kinder sich geborgen und beschützt fühlen, ist die Ausgangsbasis für Vertrauen und Selbstvertrauen. Ob das Mama und Papa, zwei Frauen oder Oma/Opa sind, ist völlig zweitrangig. Lernen sie, dass TG etwas völlig Normales und Unspektakuläres ist, ist es kein Thema für sie und sie haben eine Option mehr, ihr Leben zu leben. Es sind wir, die Erwachsenen, die etwas "Schlimmes" zumindest etwas besonderes daraus machen. Warum eigentlich ? Kann man das nicht auch anders, also ganz unspektakulär sehen ?
Wie die Welt in 30, 50 oder 100 Jahren aussieht, kann ich mir auch nicht vorstellen. Aber Röcke und Nagellack dürften da weitgehend verschwunden sein. Wer nutzt Kosmetik und Kleidung, die vor 100 Jahren "in" waren ? Aber ich bin davon überzeugt, dass es Mittel geben wird, männlich und weiblich auszudrücken und damit auch für die Menschen dazwischen genügend Möglichkeiten, sich auszudrücken. Ich hoffe nur, dass das dann "normaler" wird.
Was wäre das für eine Zwickmühle gewesen, damit zu rechnen, dass man wahrscheinlich die Frau verliert, die man liebt, nur weil
man nicht mehr länger verheimlichen kann, was man ebenfalls liebt....weil die Konsequenzen Liebeskummer und die Aussicht jemanden zu finden, die eine Frau als Mann haben möchte sehr gering sind.
Es gibt aber Möglichkeiten, dieser Zwickmühle zu entrinnen. Am besten ist die Situation, wenn man bereits am Anfang mit offenen Karten spielt und der Partnerin mitteilt, wie man sich selber sieht. Das Risiko ist definitiv vorhanden, dass die Partnerin geht. Aber da hält es sich mit möglichem Kummer noch in Grenzen. Aber auch später kann man jederzeit das offene Gespräch suchen. Natürlich wird es immer schmerzhafter, wenn es dann schief geht, aber das Schlüsselwort ist für mich Authentizität oder "Ich bin wie ich bin". Man muss zu sich selber stehen und seine Bedürfnisse auch leben können. Ich kenne keine TG, die das nur als "Hobby" nebenbei betreibt.
Es ist mMn Teil der Persönlichkeit, die gelebt werden will. dabei ist die Frage unerheblich, woher es kommt (für diese Erkenntnis habe ich 10 bis 20 Jahre gebraucht), sondern nur, wie ich es leben kann. Damit wird es zwangsläufig Bestandteil der Beziehung, egal ob ich darüber rede oder nicht. Es beeinflusst mein Handeln. Durch "Geheimhalten" kann ich meine Partnerin nicht davor verschonen. Sie wird immer unsere Unzufriedenheit spüren.
Ich bin der Meinung, wenn man sich, seine Bedürfnisse und seine Gefühle nicht ernst und wichtig nimmt, ist man zu einer tiefen Beziehung unfähig. Vergesse ich mich selber und denke, ich müsste nur auf die Bedürfnisse der Partnerin schauen, wird das der Partnerin zwar schmeicheln, aber sie wird auf Dauer den Respekt verlieren. Unsere (industrialisierten) Vorstellungen von Liebe sind so verkitscht, dass grundlegende eigene Bedürfnisse auf der Strecke bleiben.
Ich habe mehrere langjährige Beziehungen, davon eine Ehe, hinter mir. Ich habe mich zwei Partnerinnen von ihnen anvertraut, die aber davon nichts wissen wollten. Die Beziehungen gingen (aus anderen Gründen) auseinander. Aber ich hätte in beiden nicht weiter leben wollen. Erst jetzt habe ich die Partnerin gefunden, die das akzeptiert, wenn auch nicht begeistert ist. Auch sie muss sich damit auseinander setzen, was eine Menge Mühe macht. Aber diese Beziehung hat für mich ein Fundament, weil ich spüre, dass ich angenommen werde, wie ich bin und fühle. Umgekehrt habe ich natürlich auch die Bedürfnisse meiner Partnerin zu respektieren. Unter dieser Voraussetzung können auch Ehen zwischen Menschen funktionieren, die sich vor der Ehe nie gesehen haben.
Ich glaube, das ist gar nicht so sehr ein Glücksfall mit meiner Partnerin zusammen zu sein (auch wenn es mich glücklich macht), sondern wenn man sich selber nicht aus den Augen verliert, sondern ganz in die Beziehung einbringt, also sich selber im Fokus behält, wird man immer zumindest zu einer Situation kommen, die einem gerecht wird. Und die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass man im Leben neben den richtigen Freunden und auch die richtige Partnerin findet.
Grüße
Vicky