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Sind wir nichts außergewöhnliches mehr?

Verfasst: Di 21. Apr 2015, 21:35
von Katja-H
Hallo ihr Lieben,

ich lebe meine feminine Seite ja normalerweise nur aus, wenn ich auf Geschäftsreise bin, reise also mit doppeltem Gepäck. Wenn ich beruflich mehrere Tage unterwegs bin, miete ich mich in der Regel (als Mann) in Ferienwohnungen ein.

Vor wenigen Wochen, ich hatte eine kleine Ferienwohnung direkt über der Wohnung der Vermieterin, die Balkone versetzt, so dass sie durchaus sehen konnte, wenn ich auf dem Balkon saß. Ich war voll aufgebrezelt, also mit Brüsten, Make-up, Perücke und in angemessener Kleidung, Rock und Pullover, auf dem Balkon, meine Zigarette genießend, als auch sie auf Ihren Balkon trat.
Natürlich sah sie mich, meinte nur: "Sie sehen etwas anders auf, muss mein Blickwinkel sein". Es folgte eine längere, ganz normale Unterhaltung, wie unter Nachbarn üblich.
Ansonsten keine weitere Reaktion.

Heute hatte ich mich, in einer anderen Ferienwohnung, auch wieder zurechtgemacht, und saß auf der Terasse, die Sonnenstrahlen ausnutzend, als mein Vermieter, der wenige Häuser weiter wohnt, kam. Ich war in voller Schönheit ;-), von Stiefeln bis Perücke, sichtbar.
Er fragte nur "Ich suche Herrn .....?", meine Antwort "Sitzt vor Ihnen."
Er brauchte einige Unterlagen aus der Ferienwohnung, die er sich natürlich auch holen durfte. Danach folgte eine gutnachbarliche Unterhaltung über durchaus mindestens eine Viertelstunde. Keine Fragen wegen meines Outfits, keine von mir bemerkbare Irritation, als wie wenn man sich schon Jahre so kennen würde.

Eine ähnliche Erfahrung konnte ich vor Jahren schonmal in einem kleineren Hotel machen.


Sind wir denn im Straßenbild schon so angekommen, dass wir als normal angesehen werden?

Eine fragende Katja :?

Re: Sind wir nichts außergewöhnliches mehr?

Verfasst: Di 21. Apr 2015, 23:13
von Franka
Hallo Katja,

ich weiß nicht ob wir wirklich schon so angekommen sind, aber Fremde haben selten ein Problem mit unsereins. Man trifft sich, ist freundlich und trennt sich wieder. Niemand verliert sein Gesicht und alles ist gut.
Später wird dann im schlimmsten Fall bei Freunden über uns gelästert, was sie für einen "Spinner" getroffen hätten oder aber es ist ihnen wirklich egal, im besten Fall akzeptieren sie uns sogar.
Für Freunde, Verwandte und Familie ist es da schon schwerer, weil man sich immer wieder trifft, sie mit uns zusammen öffentliche Auftritte haben könnten und somit auch ihr Ansehen darunter "leiden" könnte.
Ich bin jedenfalls bisher immer genauso behandelt worden in Frauenkleidung, wie in Männerkleidung und hatte keinerlei Probleme in der Öffentlichkeit.

Re: Sind wir nichts außergewöhnliches mehr?

Verfasst: Mi 22. Apr 2015, 08:31
von bianca
Hallo Katja!

Erstmal WOLLEN viele von uns nichts Besonderes sein. Denke ich wenigstens, wenn ich von mir ausgehe. Zum anderen ist es immer die Frage, WIE ich in die Öffentlichkeit gehe. Wenn ich aussehe, als sei ich eben grade aus einem Bordell entsprungen, muss ich mich nicht wundern, wenn ich auffalle oder blöd angemacht werde. Da viele von uns aber darauf bedacht sind ganz 'normal' zu wirken, ist es eher schön, nicht aufzufallen.
So empfind ICH es wenigstens.

Liebe Grüße
Bianca.

Re: Sind wir nichts außergewöhnliches mehr?

Verfasst: Mi 22. Apr 2015, 11:48
von exuserin-2015-07-09
Hallöle,

seit ich mich das erste Mal vollständig verwandeln ließ, ist mein Blick ein anderer geworden und es fallen mir zwar nicht täglich, aber oft Damen auf, die eigentlich männlich sind. Im Bus, in der Bahn, in der Stadt, im Straßenverkehr ... Zumeist nicht schrill, sondern angepasst und "wenig" auffällig. Ja, ich glaube, dass viele Ihren Platz in der Gesellschaft gefunden haben bzw finden können, ohne anzuecken. Dennoch sollte man sicher auch auf gegenteilige Reaktionen eingestellt sein. Es gibt viel Akzeptanz in unserer Gesellschaft - aber halt auch immer wieder dumme Menschen.
Bei einer Veranstaltung habe ich (als Mann) neulich Jule getroffen und bewusst angesprochen, um mich mit Ihr zu unterhalten. Während unseres Gespräches habe ich dann deutlich die vielen Blicke gespürt. Also doch noch nicht gewöhnlich ...
.. und das ist viellecht auch gut so !?
Bussy Vanessa L.

Re: Sind wir nichts außergewöhnliches mehr?

Verfasst: Mi 22. Apr 2015, 21:55
von Katja-H
Hallo ihr Lieben,

auch ich WILL in der Öffentlichkeit nicht auffallen, kleide mich auch altersmäßig entsprechend, wobei ich durchaus versuche, meine Weiblichkeit zu betonen. Wenn ich en-femme unterwegs bin, fühle ich mich als Frau, also normal und stimmig. Negative Reaktionen von mir fremden Menschen sind eine absolute Ausnahme, in der Regel werde ich nett und höflich behandelt.

Natürlich bin ich mir bewusst, dass spätestens auf den zweiten Blick mein Geburtsgeschlecht zu erkennen ist, mein feminines Bewegungsmuster und meine Gestik sind noch stark verbesserungsfähig :wink: . Das macht mir auch nichts aus, denn mich sehen Leute, die mich nicht als Mann kennen. Die denken dann höchstens: "Ach, mal wieder ein verkleideter Mann". Und denken darf jeder, was er will.

Bei den von mir angesprochen Fällen war ich jedoch meinem Gegenüber schon als Mann bekannt. Ist ja eigentlich auch eine Art Outing. Und auch auf dieses "Outing" erfolgte keine Reaktion.


Katja

Re: Sind wir nichts außergewöhnliches mehr?

Verfasst: Do 23. Apr 2015, 12:17
von Ulrike-Marisa
Moin zusammen,

...ich denke wir sind so normal oder außergewöhnlich wie wir uns selber geben und fühlen.
Auch ich gehöre zu den unauffälligen zurückhaltend gekleideten Frauen, wenn ich en Femme bin. Das, was andere in mir glauben zu sehen und meinen zu wollen ist mir eher unwichtig. Ich bin so wie ich bin und das für alle.
Gerade war ich erstmalig als Kollegin auf einer Dienstreise zum Selbstverwaltungsparlament unseres großen Sozialwerkes von Wasser und Schiff. Ich habe es gemacht und bin herzlich aufgenommen worden. Sicher werden sich andere Delegierte, die mich z.T. kennen, schon mal einen Gedanken darauf gemacht haben - die Reaktion war aber überwiegend positiv und geradezu herzlich - nicht nur bei den Damen. Das ist ausbaufähig, denke ich.
In der Stadt am Rhein, wo wir getagt haben, hat es auch sonst keine ungewöhnlichen Reaktionen gegeben. Insofern denke ich, kann schon gesagt werden, dass wir angekommen sind in der Gesellschaft und es auch als normal angehen wird und eben nichts besonderes mehr - außer frau/man möchte gezielt gesehen werden und Reaktionen provozieren.
Alles alter Hut? - bestimmt noch nicht aber wir arbeiten daran...

Liebe Grüße, Ulrike-Marisa ))):s

...jeder Weg beginnt mit dem ersten Schritt, dem weitere folgen können...

Re: Sind wir nichts außergewöhnliches mehr?

Verfasst: Do 23. Apr 2015, 21:25
von Katja-H
Hallo Ulrike-Marissa,

Gruß von Kollege/Kollegin an Kollegin. Innerhalb unseres "Vereines" gibt es bei Transgendern kaum Schwierigkeiten, drei Transgender/Transsexuelle gibt es bei uns mindestens.

Mit Deinen Erfahrungen und den Erfahrungen von Saari "hallo Saari" gehe ich völlig konform. Angepasst gekleidet und entsprechend unauffällig, soweit dies möglich ist, hatte ich bisher kaum negative Reaktionen. Natürlich kommt es auch ganz stark auf die eigene Ausstrahlung an. Wenn ich mit mir als Frau im reinen bin und das "Frau sein" für mich normal ist, strahle ich auch diese "Normalität" aus.

Katja

Re: Sind wir nichts außergewöhnliches mehr?

Verfasst: Fr 1. Mai 2015, 23:29
von Lina
MartinaTrans hat geschrieben:
bianca hat geschrieben:Hallo Katja!

Erstmal WOLLEN viele von uns nichts Besonderes sein.

Exakt :-)
Ich schon, aber nicht speziell weil oder indem ich T bin.


(fehlendes Wort hinzugefügt)