15.-18.01.26 Akademie Waldschlösschen: Wochenende für Transfrauen und Crossdresser
15.-18.01.26 Akademie Waldschlösschen: Wochenende für Transfrauen und Crossdresser - # 7

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Violetta-TransFlower
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Re: 15.-18.01.26 Akademie Waldschlösschen: Wochenende für Transfrauen und Crossdresser

Post 91 im Thema

Beitrag von Violetta-TransFlower »

Olgy hat geschrieben: Di 13. Jan 2026, 22:07 Just in time habe ich gestern auf dem Schneematsch ausgerutscht und muss morgen früh noch zum Arzt, bevor ich losfahre. Hoffe geht alles gut und ich noch rechtzeitig nach Göttingen ankomme.
Bis bald
Olgy

Liebe Olgy, (dr)

Na solche Sachen braucht man da wirklich nicht.

Ich hoffe, Es war nicht allzu schlimm mit dem Sturz.
Ich wünsche Dir Alles Gute, das Du auch heute Alles Geplante für Dich schaffst.

Kannst ja mal Rückmeldung geben, ob alles in Ordnung ist.

Und ich wünsche UNS ALLEN eine gute, sichere und staufreie Anreise, bis morgen.
))):s

wünscht Dir Was
Deine/Eure Violetta 💜 🌺
🌺 Das Glück 🍀 wohnt wieder in meinem Herzen 💜🙏
Martina
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Re: 15.-18.01.26 Akademie Waldschlösschen: Wochenende für Transfrauen und Crossdresser

Post 92 im Thema

Beitrag von Martina »

Ihr Lieben,

Das verlängerte Wochenende im Waldschlößchen war in mehrerer Hinsicht eine Premiere für mich. Zum einen waren 4 Tage nonstop en femme präzedenzlos - ich hatte Sorge, meiner Weiblichkeit womöglich überdrüssig zu werden, was sich schließlich als unbegründet erwies. Zum anderen, weil ich nie zuvor mit so vielen Gleichgesinnten zusammensein konnte. Unter‘m Strich war das Wochenende eine lange Kette, bestückt mit Glücksperlen einer nach der anderen - ich bin nachhaltig geflasht! Es begann im Kleinen schon Mittwoch.

TAG 1 - Mittwoch
Die Anreise war mit Komplikation verbunden: 10km vor dem Waldschlösschen, wo ich schonmal meinen „Koffer“ parken wollte, versetzte ein Getriebeschaden meinen Camper in den Notlaufmodus. Mehr schlecht als recht konnte ich die Ziele aber doch noch erreichen. So stand zuerst ein Termin im Nagelstudio an - auch Premiere für mich. Mit Gel-Nägeln ging‘s dann direkt zum Vorglühen-Treffen mit Jana, Liv, Melissa und Olga im Restaurant Stadtwall, gefolgt von gemeinsamem Absacker im Hotel. Alles en femme natürlich. Mein Nachtplatz mit dem Camper lag vor den Toren der Stadt.

Waldschlößchen am Mittwochabend: Der stimmungsvolle Anblick ließ die Erwartungen klettern.

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TAG 2 - Donnerstag
Jana, Liv und Olga waren autark mobil, sodass ich Melissa noch vom Hotel abzuholen hatte und wir mit Getriebeschaden schön langsam zum Waldschlößchen getuckert sind. Der Checkin verlief freundlich und super, gefolgt vom ersten gemeinsamen Mittagessen. Nachmittags gab‘s dann mit allen Teilnehmerinnen eine ausgiebige Vorstellungsrunde. Mit von der Partie waren auch 3 Partnerinnen / Lebensgefährtinnen, deren Teilnahme, so mein Eindruck, allseits bestens gelitten war. Dennoch war‘s absolut aufmerksam von Karin, deren Duldung nicht stillschweigend zu antizipieren, sondern ausdrücklich in der Gruppe zu erfragen. Ich fand es schön und Zuversicht stiftend, wie freundlich, einfühlsam und aufgeschlossen sich die drei Cis-Damen in unser Wochenende integriert haben. So kann das also klappen im partnerschaftlichen Zusammenleben - wunderbar!

Martina direkt nach dem Checkin

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TAG 3 - Freitag
Nach dem Frühstück gab‘s den ersten Schmink-Workshop. Gehe ich also ungeschminkt zum Frühstück??? Sinnvoll wär‘s, aber die Eitelkeit hat obsiegt - wenigstens quick+Dirty musste ich dann doch machen, um dann zu sehen, dass etliche Schwestern hier in der geschlossenen Gruppe viel pragmatischer unterwegs waren. Hätte ich mir die Eitelkeit also sonstwo hinstecken können! 😅
Große Fragen zum Schminken hatte ich eigentlich nicht. Das groß thematisierte Bartschattenproblem und seine Kryolan-Lösung ist bei mir glücklicherweise irrelevant. Also malte ich wie immer, nur mit viel mehr Muse, so vor mich hin und erhielt positives Feedback für meine autodidaktischen Resultate. Nur der erste Lippenstiftversuch ging farblich daneben, was mir auch die anderen Mädels bestätigten; zum schwarzen Outfit musste dann girlyhafte Pastellrosa wieder runter und wurde durch ein sattes Rot ersetzt. Elke, die Partnerin von Carolin, hatte dann aber noch einen Vorschlag für meine Haare und legte ganz lieb Hand an. Das Ergebnis fand ich sehr vorteilhaft.

Nachmittags gab‘s aufschlussreiche Infos zur Stimmbildung und Stilberatung.

Martina nachmittags

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Mit dem Lippenstift in Rot war die Schuhauswahl für den Abend quasi gesetzt. Ein erstes Highlight musste her, bin ich doch verrückt nach auffälligen und stilvollen Schuhen. Auch der zweite Abend ging wieder bis in die Puppen - wieder waren Violetta und ich die letzten, die den Weg ins Bett gefunden haben. Davor mussten aber natürlich noch paar nächtliche Fotos vom Outfit gemacht werden - den vorangegangenen Rotwein kann man, denke ich, gut in meinen Augen ablesen.

Martina in Rot nach viel Rotwein

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TAG 4 - Samstag
Den vormittäglichen Schminkworkshop hab ich geschwänzt. Stattdessen gab‘s nette Gespräche und ich konnte mich um das Nachmittagsoutfit für den Ausflug nach Göttingen kümmern; musste ich ja erstmal aus dem geparkten Koffer auswählen.

Martina vormittags

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Der Ausflug nach Göttingen bot beste Gelegenheit für weitere Gespräche und nette neue Bekanntschaften. Allein der Busfahrer auf dem Hinweg dürfte eigentlich maximal LKW fahren, da seine Fahrkünste zur Personenbeförderung gänzlich ungeeignet waren. Und als wollte er uns challengen, war die Heizung voll aufgedreht - Qualm unter den Perücken gab‘s kostenlos. Kindliche Freude löste Karin in mir aus, als sie mich von hinten antippte und lobende Worte für mein Outfit fand, das ich erstmals in dezentem Boho-Style versucht hatte (schon wieder Premiere).

Martina nachmittags

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Zurück aus Göttingen stieg die Aufregung samt Puls mit Blick auf die „Schwesternzeit-LateNight-Abschlussparty“, zu der ich auch noch eine Karaoke-Einlage angekündigt hatte. Das Outfit sollte dafür wieder ein Highlight werden, zum Song „Patricia the Stripper“ passen (etwas Sexappeal durfte also sein), schlicht und elegant anmuten und natürlich vorteilhaft sein. Eine nie zuvor erlebte Herausforderung im Grenzbereich von Sexappeal und Stil. Ob‘s mir gelungen ist, mögen andere entscheiden. Das erhaltene Feedback am Abend, am Folgetag und auch heute wieder legt mir die Vermutung nahe, dass ich damit einen Treffer hatte. Wenn meine Frau die Fotos sehen würde - sie würde wohl aus den Latschen kippen und wäre traumatisiert.

Martina abends

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TAG 5 - Sonntag
Natürlich war auch die dritte Nacht extrem kurz. Aber Adrenalin macht’s möglich! Nach dem Frühstück folgte eine Feedbackrunde, die in aller Achtsamkeit und Respekt den Teilnehmerinnen Unterstützung bei Selbsteinschätzung und Selbstbewusstsein bieten konnte. Ich bin bis heute sehr berührt von dem vielen Zuspruch, den ich erhalten habe und sage an dieser Stelle an alle Mädels, die‘s lesen, nochmal DANKE ♥️. IHR SEID WUNDERVOLL!!!
Nach dem Mittagessen ging‘s ans Verabschieden, was mitunter sehr schwer gefallen ist, da sich manche anschließende Wege geografisch genau entgegengesetzt darstellten - mit der verbundenen räumlichen Ferne trotz innerer Nähe. Nur eines ist sicher: Wenn uns das Leben gewogen bleibt, gibt‘s ein Wiedersehen. Und darauf freue ich mich schon heute riesig!
Die Heimreise - ich war ja die mit dem weitesten Weg laut Quizergebnis (sorry Melissa, dass ich Dir wegen 3km mehr Distanz den 1. Platz in dieser Wertung genommen hab!) - verlief trotz Getriebeschaden glücklicherweise glimpflich, wozu ich auch jedwede ungünstige Fahrsituation gemieden habe und freiwillig erstmals auf einer deutschen Autobahn vollgetankt habe - Augen zu und durch beim Anblick der Tankquittung und sch… drauf, das neue Getriebe kostet über das 100-fache. War‘s das Wochenende oder das Getriebe - nach 3 äußerst kurzen Nächten waren 7 Stunden Rückreise ohne Schlafpause drin. Adrenalin macht‘s möglich! 🤪

Ich bin bis heute hin und weg von den Erlebnissen und Eindrücken. Ich hatte an dem Wochenende Raum+Zeit völlig verloren, fast wie Leben in einem Paralleluniversum. Die gedankliche Verheiratung des Erlebten mit dem realen Alltagskontext dauert noch an - vermutlich noch länger.

Ich umarme all die lieben Menschen, die ich kennenlernen durfte. Sowas gab‘s in dieser Art nicht in meinem Leben. Ich empfinde große Dankbarheit dafür.

Das Geschriebene ist kein chronologischer Bericht. Der hier ist persönlich und subjektiv, also auch mit bewussten und unbewussten Auslassungen. Ich sag‘s nur, falls jemand was vermisst.

Geflasht und ganz herzlich grüßt euch:
♥️🌹💋 DIE MARTINA 💋🌹♥️
laura_naomi
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Re: 15.-18.01.26 Akademie Waldschlösschen: Wochenende für Transfrauen und Crossdresser

Post 93 im Thema

Beitrag von laura_naomi »

Ihr lieben, das liest sich ja total nach einem erfüllten Wochenende.
Mal sehen ob es mir im nächsten Jahr ausgeht.
Bin gerade auf dem Weg nach Wien zum Regenbogen Ball
Martina
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Re: 15.-18.01.26 Akademie Waldschlösschen: Wochenende für Transfrauen und Crossdresser

Post 94 im Thema

Beitrag von Martina »

Bleibende Eindrücke, Erkenntnisse und neue Fragen – ein Rückblick vom 22.02.2026 und 15.05.2026

Im CD-Forum hatte ich, noch benommen von den Eindrücken und Erlebnissen, wenige Tage nach dem Wochenende einen Bericht nebst Bildern gepostet. Dies war eine eher chronologische Schilderung der mir wichtigen Ereignisse. Nicht mehr. Aber: Dieses Wochenende war mehr, je länger ich die Eindrücke und Erlebnisse, die ich nachfühlen kann, erinnere und vergegenwärtige. Ich bin in sowas langsam, war schon immer langsam, aber zumeist dann besonders gründlich. Diese Beobachtung meiner Mutter an Kind 4 von 4, als ich etwa 19 war, verstand ich damals nicht so recht, sie bewahrheitete sich aber mit den Lebensjahren immer wieder.
Vor dem Wochenende bewegte mich u.a. der Gedanke, was ich mache, wenn ich an Tag eins oder Tag zwei der Martina überdrüssig werde, schließlich kannte ich meine Geschlechtsidentität als recht volatil jeweils im Verlauf der Tage. Aber ich erlebte es anders. Martina fiel mir keinen Tag zur Last, und die Trennung samt Rückverwandlung am vierten Tag kurz vor Heimkehr fiel schwer; ich hätte gerade so weiterleben können, obgleich mir klar war, daß dieser safe space mich wie ein Paralleluniversum vereinnahmt hatte. Im weiteren Austausch mit einer lieben Schwester, die ich an diesem Wochenende kennenlernen durfte, war dann sogar für uns beide klar, daß wir, gäbe es keinerlei soziale Konsequenzen nach einer intuitiven Wahlentscheidung, uns gegenwärtig für die weibliche Form des Erscheinens und Erlebens entscheiden würden. Interessant war dabei u.a. auch ein Bildvergleich. Es wurde augenfällig vor allem aus den Feedbacks des Gegenübers oder von Freunden, dass die Bilder von der Person in der femininen Version deutlich mehr Zufriedenheit und Glück ausstrahlen, als sonst im Mannmodus.
Nach dem Wochenende hatte sich in mir für eine Woche eine Stimmung ergeben, die ich ähnlich erinnerlich nur einmal zuvor erlebt habe, und das war 1990 mit zarten 25 Jahren – eine absolute Ausnahmestimmung also. Über den Geschehnissen des Alltags lag ein sonderbarer Schleier und ich sah mich nicht in der Lage, mich persönlich mit Kolleg*innen und Mitarbeitenden zu konfrontieren, sodass ich die ganze erste Woche im Homeoffice verweilte. Das Erlebte hatte mich so sehr von der alltäglichen Realität entkoppelt, dass die Berührung mit eben dieser befremdlich wurde. Das Gewohnte erschien plötzlich sonderbar und verklärt. Aber was war es genau, das in mir diese Ausnahme-Reaktion hervorrief?
Um diese Frage zu beantworten, ist der Psychologe in eigener Sache gefragt. Ein Versuch ist’s wert. Wer bin ich, und wenn ja, wieviele? Kenne ich mich? Vor allem, kenne ich mich vollständig? Um das mit einem Ja beantworten zu können, muss vorangegangen sein, dass ich mich selbst vollständig er-kenne. Nun zeigen mir solche Reaktionen wie nach dem Waldschlößchen doch deutlich, dass ich wohl manches über mich weiß, aber eben nicht alles in mir er-kannt habe; woher sollten sonst die Befremdlichkeiten des Alltäglichen herrühren!?!
Es ist zwischenzeitlich etwas Zeit seitdem vergangen und ich kann, wenn ich das Heute mit dem Gestern aus 2025 vergleiche, Veränderungen feststellen, die nicht mit Paukenschlag, sondern schleichend sich eingestellt haben.
Zurück zum Waldschlößchen: Das waren Tage, an denen ich ohne jegliche Rücksichtnahme auf Erwartungen und Konventionen mein Äußeres und mein Inneres wählen und auskehren konnte, völlig frei nach meiner eigenen Stimmung, und ich bin dabei auf ein Umfeld gestoßen, das mich genau damit wie selbstredend akzeptiert hat. Was wie selbstverständlich angenommen werden sollte, ist zumindest in meinem Alltag nicht in solchem Maß repräsentiert. Aus Bescheidenheit, Scham, Rücksichtnahme, Manieren, Konformitätsbestreben, Pflichtbewusstsein, Anpassungsbestreben an soziale Normen …? Da mag von allem was dabei sein.
Status Quo vor dem Waldschlößchen: Es gab wenige Menschen, die Martina erlebt haben, grundsätzlich aber als eine gelegentliche Variante des Martin verstehen mussten, da sie den Martin seit vielen Jahren kannten. Einzig Violetta aus Thüringen (Transflower) kannte mich ausschließlich als Martina, was dem Kontakt zu ihr einen Ausnahmecharakter verlieh. Natürlich werde ich im Forum nicht als Martin wahrgenommen, aber Hand auf’s Herz: das echte Leben findet im persönlichen und weniger im virtuellen Kontakt statt. Das hat sich also nun mit dem Waldschlößchen verändert.
Es ergaben sich in der Gruppe Situationen, in denen über mich, ausdrücklich über „Martina“ gesprochen wurde. Das war schonmal neu und ungewohnt, dass wie selbstverständlich über mich ausschließlich bezüglich meiner weiblichen Identität gesprochen wurde – der Martin war erstmals zu 100% wie weggefegt. Es dauerte keinen Tag, bis das Ungewohnte von mir als selbstverständlich empfunden wurde. Vor 3 Wochen etwa wurde in einem Gespräch bei Freunden eine andere, mir nicht bekannte Martina thematisiert und ich spürte erstmals, obgleich im MM anwesend, dass die Aussprache des Namens Martina in mir zündete, also ebenso wie beim Vorkommen eines Namensvetters. Wie hat sich das angefühlt? Einfach nur richtig, denn Martin und Martina – es stimmt beides. Und wieder spüre ich, dass für mich ein weiblicher Phantasiename wie z.B. Marusha, den ich zunächst hier im Forum gewählt hatte, nicht adäquat ist, denn Martin / Martina erlebt das soziale Geschlecht fluide und stark volatil im Tagesverlauf; die „sortenreine“ Identität Mann / Frau kommt schon vor, ist ebenso volatil und nicht der Normalzustand. Ich will nicht verheimlichen: Sortenrein fühlt sich alles am schönsten an, aber ich komme mit den Grauzonen dazwischen zunehmend besser klar, sodass das Maß innerer Konflikte geringer wird.
Der Umstand, dass über Martina in der 3. Person gesprochen wurde, bedeutete natürlich auch, dass nun weitere Menschen die Martina kennen, ohne einen Martin als Basis mitzudenken. So etablierten sich langsam neue Freundschaften und die mit Violetta durfte sich trotz der großen Unterschiede zwischen uns vertiefen.
Mit Jana (aus dem Cuxland) folgten nach dem Waldschlößchen mehrere Videocalls mit interessanten Themen und Feststellungen und ich durfte sie und ihre Frau zu Hause besuchen, als ich im Norden zuletzt unterwegs war – ein riesiger Vertrauensbeweis, für den ich sehr dankbar bin. Der nächste Termin für ein Treffen war bald gefunden, musste aber unglücklicherweise von mir extrem kurzfristig abgesagt werden. Dafür hat mein Kalender schon die nächsten 2 Termine eröffnet – Vorfreude groß!!!
Bei unserem Treffen hatten wir ein gemeinsames Foto komplett vergessen. Die KI hat uns aber eines aus den zwei Selfies vor unserem Treffen zusammengebastelt.
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Mit Geli aus dem Großraum Frankfurt kam’s auch zu einem ersten Treffen in Darmstadt, da ich in der Gegend aktuell recht oft beruflich unterwegs bin. Gesundheitlich war ich ziemlich angeschlagen – ein Männerschnupfen bleibt halt ein Männerschnupfen, auch wenn ihn Frau zur Schau trägt.
Und schon wenige Wochen später konnten wir ein weiteres sehr nettes Treffen arrangieren. Eine CD-Freundin von Geli, die jedoch in keinem Forum, aber ansonsten sehr aktiv ist, war mit von der Partie und wir hatten auch an diesem Abend viel Spaß.

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Und mit Violetta ließ sich ein drittes Treffen ausmachen, das erste Wiedersehen nach dem Waldschlößchen. Violetta hat dazu ja schon berichtet in ihrem Thread. Auch da war ich bei ihr zu Hause und durfte erleben, wie Vertrauen wächst. Sehr schön!!! Ein besonderes Merkmal unserer Beziehung ist für mich, dass ich gerade wegen unserer großen Unterschiede den Teil an Vorurteilen, den ich noch mit mir herumtrage, deutlich reduzieren konnte, ohne gleich in die völlige Naivität abzudriften.
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Martina hat also in 2026 mehr soziale Kontakte gefunden, und das macht sich bemerkbar. Vor 2 Jahren nötigte mich der Leidensdruck-Stau gleich nach der Abreise von zu Hause auf den nächstbesten Rastplatz, um die Transformation zu vollziehen – „notgeil auf Frausein“ umschreibt’s unschön, aber recht treffend. Da ist völlige Entspannung eingekehrt mittlerweile, und die zunehmenden sozialen Kontakte für Martina sind wesentliche Auslöser für diese Entspannung.

Hier sitze ich an einem kalten verregneten Gardasee und hatte seit langer Zeit endlich mal wieder die Muse, meine Gedanken zu sortieren und aufzuschreiben. Dem Sch-Wetter sei’s gedankt.

❤️🌹Martina🌹❤️
Beatrixtg
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Re: 15.-18.01.26 Akademie Waldschlösschen: Wochenende für Transfrauen und Crossdresser

Post 95 im Thema

Beitrag von Beatrixtg »

Martina hat geschrieben: Fr 15. Mai 2026, 16:10 Interessant war dabei u.a. auch ein Bildvergleich. Es wurde augenfällig vor allem aus den Feedbacks des Gegenübers oder von Freunden, dass die Bilder von der Person in der femininen Version deutlich mehr Zufriedenheit und Glück ausstrahlen, als sonst im Mannmodus.
Eine Feststellung die ich in letzter Zeit oft bestätigt finde.
Martina hat geschrieben: Fr 15. Mai 2026, 16:10 Um diese Frage zu beantworten, ist der Psychologe in eigener Sache gefragt. Ein Versuch ist’s wert. Wer bin ich, und wenn ja, wieviele? Kenne ich mich? Vor allem, kenne ich mich vollständig? Um das mit einem Ja beantworten zu können, muss vorangegangen sein, dass ich mich selbst vollständig er-kenne. Nun zeigen mir solche Reaktionen wie nach dem Waldschlößchen doch deutlich, dass ich wohl manches über mich weiß, aber eben nicht alles in mir er-kannt habe; woher sollten sonst die Befremdlichkeiten des Alltäglichen herrühren!?!
Gute Frage. Damit beginnt das erkennen der eigenen Person. Bei mir äusserte sich das mit der Zeit so, dass ich Mann und Frau bin. Heterosexuell, aber im Gefühlsleben mehr feminin. Aber nicht Frau. Woher soll ich auch genau wissen, wie sich eine Frau fühlt? Eine Frau? Sicher nicht alle gleich. Sein wahres mich zu erkennen ist meines Erachtens das Ziel. Und dieser Weg ist nie abgeschlossen.
Martina hat geschrieben: Fr 15. Mai 2026, 16:10 Es ist zwischenzeitlich etwas Zeit seitdem vergangen und ich kann, wenn ich das Heute mit dem Gestern aus 2025 vergleiche, Veränderungen feststellen, die nicht mit Paukenschlag, sondern schleichend sich eingestellt haben.
Siehe oben, der Wg ist nie abgeschlossen.
Martina hat geschrieben: Fr 15. Mai 2026, 16:10 Status Quo vor dem Waldschlößchen: Es gab wenige Menschen, die Martina erlebt haben, grundsätzlich aber als eine gelegentliche Variante des Martin verstehen mussten, da sie den Martin seit vielen Jahren kannten. Einzig Violetta aus Thüringen (Transflower) kannte mich ausschließlich als Martina, was dem Kontakt zu ihr einen Ausnahmecharakter verlieh. Natürlich werde ich im Forum nicht als Martin wahrgenommen, aber Hand auf’s Herz: das echte Leben findet im persönlichen und weniger im virtuellen Kontakt statt. Das hat sich also nun mit dem Waldschlößchen verändert.
Es ergaben sich in der Gruppe Situationen, in denen über mich, ausdrücklich über „Martina“ gesprochen wurde. Das war schonmal neu und ungewohnt, dass wie selbstverständlich über mich ausschließlich bezüglich meiner weiblichen Identität gesprochen wurde – der Martin war erstmals zu 100% wie weggefegt.
Ein wichtiger Meilenstein, sich selbst erkennen und hinterfragen. Wichtig dabei ist doch, wie Du Dich selbst siehst, und nicht was andere vielleicht über Dich denken. Das war für mich der Wendepunkt. Und dann die Aufforderung von meiner Familie, "Sei Du endlich Du selbst!" Ich muss leider gerade weg. Vielleicht kann ich später weiter kommentieren. Nur noch so viel, tolle Fotos!

Lieben Gruss Beatrix
Ich bin nicht Mann, ich bin nicht Frau, ich bin einfach ich. Und das ist gut so.
Lana
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Re: 15.-18.01.26 Akademie Waldschlösschen: Wochenende für Transfrauen und Crossdresser

Post 96 im Thema

Beitrag von Lana »

Liebe Martina,

hab ganz lieben Dank für die Einblicke in deine Gefühls- und Gedankenwelt!

Ich bin immer hin- und hergerissen, ob ich bei solchen oder ähnlichen Aussagen was dazu schreiben soll:
Martina hat geschrieben: Fr 15. Mai 2026, 16:10 die Trennung samt Rückverwandlung am vierten Tag kurz vor Heimkehr fiel schwer; ich hätte gerade so weiterleben können, obgleich mir klar war, daß dieser safe space mich wie ein Paralleluniversum vereinnahmt hatte. Im weiteren Austausch mit einer lieben Schwester, die ich an diesem Wochenende kennenlernen durfte, war dann sogar für uns beide klar, daß wir, gäbe es keinerlei soziale Konsequenzen nach einer intuitiven Wahlentscheidung, uns gegenwärtig für die weibliche Form des Erscheinens und Erlebens entscheiden würden.
Da denke ich mir jedesmal:
Woran liegt es, dass ihr das, was sich gut anfühlt und womit ihr euch wohlfühlt, nicht auslebt? Welche gravierenden "sozialen Konsequenzen" sind so schwerwiegend, dass ihr das eigene Leben dahinter zurück stellt? Wovor habt ihr Angst? Ich meine, was ist es wirklich, das euch einen so wichtigen Teil eures Lebens die meiste Zeit verstecken lässt?
Habt ihr Angst vor der eigenen Courage?
Davor, dass da etwas "ausbrechen" könnte, das sich nicht mehr einfangen lässt?
Ist es die Angst vor dem Kontrollverlust, die euch daran hindert, euch einfach mal vom Leben treiben zu lassen? Ohne genau zu wissen wohin, ohne selbst am Ruder zu sitzen?

Vielleicht erscheinen meine Fragen übergriffig. Ich kenne ja die näheren Lebensumstände und Komplikation nicht. Und vielleicht bin ich auch nur naiv genug, anzunehmen, dass ein freies Leben außerhalb der Mehrheitskonventionen in der heutigen Zeit kein großes Problem darstellen sollte?

Nimm meine Nachfrage also bitte nicht als persönlichen Vorwurf an dich, liebe Martina :)
Mich treibt diese Frage schon länger um, und das "Problem" wird hier regelmäßig von den unterschiedlichsten Menschen angesprochen. Ich erlaube mir, es an dieser Stelle aufzugreifen, weil ich deine Darstellung dieses Zwiespaltes zwischen Wunsch und Wirklichkeit sehr plastisch finde. Zumal du es für ein paar Tage real erleben durftest...

Gedanken dazu würden mich auch von anderen interessieren, ganz gleich, wie eure jeweiligen Umstände sein mögen. Um die geht es mir gar nicht, sondern darum, ob sie nicht nur eine Art "Vorwand" sein könnten, um eurer eigenen Wahrheit ein Stück weit auszuweichen?
Oder anders gefragt:
Wie ehrlich sind eure Begründungen wirklich, weshalb ihr euer Bedürfnis nicht in dem Maße auslebt, wie ihr es gerne würdet?

LGL
Das Herz hat seine Gründe, die der Verstand nicht kennt.
Blaise Pascal
Martina
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Re: 15.-18.01.26 Akademie Waldschlösschen: Wochenende für Transfrauen und Crossdresser

Post 97 im Thema

Beitrag von Martina »

Lana hat geschrieben: Sa 16. Mai 2026, 01:07 Liebe Martina,

hab ganz lieben Dank für die Einblicke in deine Gefühls- und Gedankenwelt!

Ich bin immer hin- und hergerissen, ob ich bei solchen oder ähnlichen Aussagen was dazu schreiben soll:

Da denke ich mir jedesmal:
Woran liegt es, dass ihr das, was sich gut anfühlt und womit ihr euch wohlfühlt, nicht auslebt? Welche gravierenden "sozialen Konsequenzen" sind so schwerwiegend, dass ihr das eigene Leben dahinter zurück stellt? Wovor habt ihr Angst? Ich meine, was ist es wirklich, das euch einen so wichtigen Teil eures Lebens die meiste Zeit verstecken lässt?
Habt ihr Angst vor der eigenen Courage?
Davor, dass da etwas "ausbrechen" könnte, das sich nicht mehr einfangen lässt?
Ist es die Angst vor dem Kontrollverlust, die euch daran hindert, euch einfach mal vom Leben treiben zu lassen? Ohne genau zu wissen wohin, ohne selbst am Ruder zu sitzen?

Liebe Lana,
Deine Gedanken und Fragen sind keinesfalls übergriffig oder anmaßend, sondern ehrlich und diskursanregend. Also erstmal vielen Dank, dass Du Dich doch entschlossen hast, zu schreiben. Anstand und Höflichkeit stehen der Ehrlichkeit öfters mal im Weg, und das mag dann ok sein, wenn man mit dem Gegenüber keinen offenen Diskurs, aus welchen Gründen auch immer, haben möchte. Der Diskurs aber ist das Element, das Potential für Veränderung und damit für Leben in sich trägt.
Du hast eine Reihe von Fragen an „uns“ formuliert. Ich kann selbstverständlich nur für mich sprechen. Am stärksten polarisieren Deine Fragen zur Angst vor der eigenen Courage und vor dem Kontrollverlust. Ja, diese Fragen sind absolut berechtigt, und nein, Angst ist bei mir nicht im Spiel – zumindest spüre ich keine. Die Angst unterliegt m.E. Naturgesetzen:
1. Die Angst zieht genau das an, wovor sie sich fürchtet.
2. Tue, wovor du dich fürchtest, und die Angst verschwindet.
Mag widersprüchlich erscheinen auf den ersten Blick. Es bedeutet nach 1. nur, dass das Gefürchtete eintreten wird, wenn ich angstvoll agiere. Das Tun nach 2. setzt natürlich voraus, daß man es nicht angstvoll tut, sondern mit klarem Verstand und Vergegenwärtigung und Berücksichtigung der mit dem Tun verbundenen Risiken.
Damit käme ich schon zum Fazit: Nein, ich habe keine Angst, sondern betreibe eigentlich nur Risikomanagement.
Ich antizipiere gleich die Gegenfrage „welche Risiken denn?“ und gebe gerne tieferen Einblick in meinen Status Quo.

Die Subsumption resultiert im Wesentlichen in wirtschaftlichen Risiken, und ich schicke voraus, dass ich ein „niemals“ kategorisch ausschließe, sondern einen evtl. geeigneten Zeitpunkt in den Blick nehme, von dem ich nicht weiß, ob er jemals eintreten wird und ich dann evtl. einen anderen Kurs einschlage. Über die gesamte Gemengelage hatte ich auch vor wenigen Monaten einen aufwendigen ergebnisoffenen Diskurs mit ChatGPT, der meine persönlichen wie beruflichen Themen zum Gegenstand hatte. Die Analyse beider Sphären nebst Bewertung hat die KI super auf den Punkt gebracht, lediglich bei der Strategieableitung blieb’s unbefriedigend – da fehlt der KI dann doch die erforderliche Kreativität und ich bin auf meinen eigenen Input angewiesen. Die mehrfach geäußerte Fürrede aus meinem Umfeld, ich sollte in die universitäre Lehre umsiedeln, klingt absolut nett, wäre wirtschaftlich aber in meinem Fach eher als Liebhaberei beim Finanzamt zu deklarieren. —> Option ausgeschieden, obgleich Martina da sicher Spaß gehabt hätte.

Im privaten Umfeld respektiere ich die Tatsache, dass Menschen unterschiedlich gut mit meinem Genderfluidum klarkommen, schließlich war diese Tatsache noch vor wenigen Jahren gar kein Thema in meinem Leben. Das ist für mich ein Gebot der Fairness. Und das gilt ganz besonders für mein engstes Umfeld, angeführt von meiner Frau und den 2 Söhnen mit 14 und 18 Jahren – ja, auch da war ich Spätzünder. Meine Frau arrangiert sich mittlerweile sehr gut mit den Tatsachen; ich kann meine Erlebnisse berichten und achte nur darauf, keine Details über mein Äußeres mitzuteilen, denn sie hat einerseits ein großes Problem, Martina verkörpert anzusehen und andererseits logisch auch ein Problem, wenn detailreiche Schilderungen das Kopfkino befeuern und Bilder erzeugen. Gerade gestern Abend – wir haben just eine 2er-Auszeit am Gardasee für uns, wie jedes Jahr, und dieses Jahr wohl erstmals ohne existentielle von Martina ausgelöste Sorgen – konnte ich ihr erzählen, dass die im vergangenen Jahr entstandenen sozialen Kontakte der Martina ganz viel Druck vom Kessel genommen haben. Das hat sie sichtlich gefreut und führt womöglich auch bei ihr zu weiterer Entspannung. Ob sich dadurch neue private Optionen eröffnen, bleibt abzuwarten. Für mich ist nur dieser Grundsatz klar: Ich möchte mich nicht trennen, und solange man gemeinsam auf dem Weg ist, bestimmt immer der langsamere Teil das Tempo. Mir sind deshalb Auszeiten wie diese so wichtig, weil sie den Nährboden für Veränderung und Offenheit mitbringen. Der Große kennt mein Thema seit 2 Jahren und ihn juckt’s nicht; der Kleine weiß noch nichts davon, aber das wird sich in absehbarer Zukunft ganz sicher auch noch ändern.

Aber zurück zu den wirtschaftlichen Aspekten, die maßgeblich dafür stehen, wie wir leben können. Einschnitte hier würden unmittelbar zu Einschnitten dort führen. Nun nehme ich mich selbst nicht so wichtig, dass ich aufgrund meiner sich ergebenden persönlichen Lage meinen Liebsten sofort Einschnitte zumute, wenn ich’s selber vermeiden kann. Natürlich würde es mit weniger gehen, aber das würde Anstrengungen eben nicht nur meinerseits bewirken. Und so traurig es ist – Bildungschancen haben doch auch einiges mit wirtschaftlichen Möglichkeiten zu tun - , möchte ich keinesfalls die Chancen meiner Kinder schmälern. Als Spätzünder ist’s evtl. sogar nötig, dass ich auch über die Regel-Altersgrenze hinweg erwerbstätig bleibe. Wir werden sehen, ob und wieviel Irrwege sich die Brut leistet – ich war damals auch nicht gleich auf dem richtigen Gleis.

Ich versuche, meine Erwerbssphäre kompakt zu schildern, was schwerfällt, da meine Vita diesbezüglich ein absolutes Unikat darstellt und ich in meiner Branche daher in puncto Know-how auch ein ziemliches Unikat bin.
- Seit über 30 Jahren im mittelständischen Ingenieurbüro mit über 300 Mitarbeitenden
- Autokratische und sehr erfolgreiche Führung durch den Allein-Gesellschafter in den Branchen-TopTen, mit einer stark kompetitiven Führungs-Substruktur – bis zum Generationswechsel vor wenigen Jahren
- Seit dem Generationenwechsel ein m.E. einigermaßen vergeigter Kulturwandel trotz Aufnahme von Mitarbeitenden als Gesellschafter
- Mehrköpfige Geschäftsführung mit z.T. stark ausgeprägten narzisstischen Persönlichkeiten
- Erweiterung der Geschäftsführung just zu der Zeit, als ich mein erstes Outing hatte; „Diversität“ wurde als programmatisch proklamiert und mit der Etablierung einer (Quoten-) Frau in der Geschäftsführung gefeiert, die erklärtermaßen aber nicht als Quotenfrau gesehen werden darf. Um Missverständnisse zu vermeiden: Diese Frau ist menschlich absolut anständig und offen – da komme ich mit ihr bestens klar - , jedoch fachlich lange nicht ausreichend gerüstet. Natürlich wäre ich eine Option für diese Besetzung gewesen, aber ich sehe da überwiegend mein biologisches Geschlecht als Hindernis zum damaligen Zeitpunkt.
- Die Indikatoren des Unternehmens zeigen konstant bergab. Der Prophet im eigenen Haus wird nicht gehört; die dominant-narzisstischen Teile der Geschäftsführung müssen den Propheten als Besserwisser, Klugscheisser und Kniebohrer empfinden, da er Fragen stellt, die eigentlich sie selbst ehrlich stellen müssten, es aber nicht tun, weil die Antworten zu unangenehm sind und an der Selbstherrlichkeit nagen. Als Trendursachen werden unsubstantiiert wechselnde Parolen ausgegeben, völlig wirkungslos.
- Da habe ich noch knapp 7 Jahre vor mir, als Stachel im Fleisch der Unternehmensführung (nicht des Gründers, der für Tacheles-Ansprache offen ist, auch wenn’s wehtut). Bin quasi unkündbar und in einer etablierten Rolle, deren Wortmeldung in der Geschäftsführung schnell zu Unbehagen und in der nächsten männerdominierten Führungsstruktur für Aufmerksamkeit sorgt.
Das ist mein Kapital, und in einem unglücklicherweise männlich-narzisstisch geführten Mittelstandsunternehmen im konservativsten Teil Deutschlands möchte ich dieses nicht leichtfertig verspielen. Das Gedankenspiel, Martina in mein Berufsleben einzuführen, habe ich schon mannigfach angestellt, aber ein unter’m Strich vorteilhafter Schachzug wurde noch nicht ersichtlich. Rein menschlich hätte ich größte Lust, die relevanten Protagonisten mit Martina zu konfrontieren, aber die persönliche Lust halte ich besser unter Kontrolle. Alles kann, nichts muss: Mit dieser Devise sehe ich der Veränderung des Lebens und weiterer Indikatoren zu. Ob und wann sich zuträgliche Optionen für die Martina ergeben, wird sich zeigen. Die Brechstange jedenfalls war noch nie mein Mittel der Wahl, eher die Beharrlichkeit und Ausdauer.
Das war nun recht umfangreich, aber kürzer geht’s kaum, um verständlich zu machen, warum ich mit dem Kompromiss lebe. Vor 3 Jahren existierte dieser Kompromiss noch gar nicht. In 3 Jahren hat sich irre was bewegt, zumindest bei mir. Nichts davon konnte ich prophezeien und bin doch einverstanden mit dem Erreichten. Dass das nicht das Ende ist, ist selbstredend. Was in 3 Jahren sein wird? KEINE AHNUNG!!! Langeweile bestimmt nicht.
Im Übrigen: Sollte man aus meinen Zeilen eine Klage herauslesen können, dann sei angemerkt, dass das für mich eine Klage auf komfortabelstem Niveau ist. Mir ist klar, dass viele in deutlich unangenehmeren Verhältnissen klarzukommen versuchen. Seit Martina in meinem Leben ist, sehe ich mich eher als Glückspilz denn als Opfer oder üble Laune der Natur.

Liebe Grüße!
Martina
Malvine
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Re: 15.-18.01.26 Akademie Waldschlösschen: Wochenende für Transfrauen und Crossdresser

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Beitrag von Malvine »

Hallo Lana,

Danke für deinen Gedankenanstoß.
Ich habe das gerade für mich reflektiert. Wenn ich unterwegs bin, dann sind meine Tage meist gut ausgefüllt und erlebnisreich und oft ist es die Emotionalität des Erlebten.... möge dieser Tag doch ie Enden. Doch auch solche Tage gehen irgendwann zu Ende und ich lege meine äußere Weiblichkeit ab. Ich möchte weder mit Perücke noch mit Makeup oder mit BH und Silis schlafen gehen. Dann geht es unter die Dusche und außer dem Nagellack an den Füßen und den Ohrringen bleibt nichts "typisch weibliches" mehr an mir.
Was aber bleibt sind die Erinnerungen und Emotionen an einen erfüllten Tag en femme.
Wenn es am nächsten Morgen wieder in den neuen Tag geht, ist da wieder der gewohnte Ablauf eines männlichen Alltags da. Im Bad geht's schnell, die Klamotten sind funktional und zweckmäßig und das Tagesprogramm wird angegangen. Der Wunsch der Weiblichkeit wurde gelebt und genossen und das Bedürfnis gestillt....das Leben kann in den gewohnten Bahnen weiter gehen.
Für mich macht gerade diese Diskrepanz den Unterschied. Wäre Malvine der Alltag, wäre es nichts mehr besonderes. Hier ist wohl für mich die Grenze zwischen Crossstyling und Transident.
Wenn ich es noch weiter herunter breche, dann ist auch der zeitliche Aufwand einer täglichen Verwandlung für mich ein Aspekt. Ich versuche für mich ein optimales Ergebnis in der Optik zu erzielen.
Natürlich ist aber auch die Angst da, als Mann der gerne seine weibliche Seite lebt und zeigt, ausgegrenzt und angegangen zu werden - auch wenn sich diese Ängste im Alltag bisher nicht so recht bestätigt haben. Bisher wurde ich immer als Person positiv angenommen.
Ich denke, ich/wir stehen uns da oft genug selbst im Weg.

LG Malvine
Nicht das schwarze Schaf ist anders, die Weißen sind alle gleich
Daniela04
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Re: 15.-18.01.26 Akademie Waldschlösschen: Wochenende für Transfrauen und Crossdresser

Post 99 im Thema

Beitrag von Daniela04 »

Liebe Lana, liebe Martina und Malvine
Lana hat geschrieben: Sa 16. Mai 2026, 01:07 Gedanken dazu würden mich auch von anderen interessieren, ganz gleich, wie eure jeweiligen Umstände sein mögen.
Auch ich nehme den Pfad auf, den Du aufgeworfen hast. Wir konnten beide (Lana und ich) am letzten Samstag sehr gute persönliche Gespräche führen. Wir thematisierten nicht direkt meine Situation, aber Deine glaube ich zu kennen: Lana ist Dein Leben, der männliche Part ist eigentlich nicht mehr da, Lana ist normal.

Was für uns die Treffen ausserordentlich macht, ist, dass wir unsere Weiblichkeit genau an solchen Treffen ausleben. Am Sonntag Abend am letzten Wochenende war es für mich analog Martina sehr schwer, mich abzuschminken und meine weibliche Kleidung abzulegen, ich war einfach traurig.
Klar: ich brauche keine Perücke, schlafe im Nachthemd und tagsüber trage ich weibliche Kleidung, ausser ich habe Besuch. Meine weibliche Seite lege ich "im Normalbetrieb" nicht ab, übe das Schminken ab und zu (z.B. an Auffahrt).

Warum gehe ich dann nicht weiter?
Grundsätzlich fühle ich nicht den Druck von Martina, ich schlüpfe in meiner männlichen Rolle wenn es sein muss. Ich habe mich abgefunden, weil einerseits meine Familie es nicht verkraften würde. Sie sind glücklich, endlich wieder den Vater zu haben, der für sie da ist und sie unterstützt bei ihren nicht kleinen Baustellen. Natürlich sehen sie das Offensichtliche: Ich habe langes Haar und kein Schnurrbart mehr, sie achten vermutlich nicht, dass meine Augenbrauen gemacht sind und vor allem, dass ich kein Haar an meinen Armen habe. Sie haben wieder ihren Papa.
Der zweite Aspekt ist, dass ich ein öffentliches Amt habe: Ich bin Gemeinderat in meiner Gemeinde. So wie es aussieht werde ich dieses Amt noch bis Ende 2028 oder Frühsommer 2029 ausüben. In meiner konservativen Gemeinde müsste ich bei einem Coming Out das Amt niederlegen.

Vielleicht ist es aber auch, dass die tägliche Umwandlung zur Frau ein Reiz ist. Ich zelebriere es wenn ich am Morgen die Strumpfhosen und das Kleid anziehe, am Abend mich schön mache, vor allem dann, wenn ich männliche KLeidung trage wie heute: Wenn der Gärtner gegangen ist, fange ich an und freue mich schon riesig!

Da kein direkter Druck da ist, geniesse ich die Wechsel einfach, wobei ich dann tendiere zu sagen: Zurück zur Weiblichkeit.

Herzliche Grüsse
Daniela
Ich will einfach der sein, der ich wirklich bin: ein Mann, der seine mittlerweile erkannte sehr bedeutende Weiblichkeit vertieft kennenlernen möchte.
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Re: 15.-18.01.26 Akademie Waldschlösschen: Wochenende für Transfrauen und Crossdresser

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Beitrag von Beatrixtg »

Martina hat geschrieben: Fr 15. Mai 2026, 16:10 Der Umstand, dass über Martina in der 3. Person gesprochen wurde, bedeutete natürlich auch, dass nun weitere Menschen die Martina kennen, ohne einen Martin als Basis mitzudenken. So etablierten sich langsam neue Freundschaften und die mit Violetta durfte sich trotz der großen Unterschiede zwischen uns vertiefen.
Schön!
So ein Ereignis hinterlässt Spuren. Und das ist gut so. Wenn aan sich öffnet, kommen ganz neue Reaktionen. Und man erfährt auch von anderen, was sie sonst nie ansprechen würden. Das ist jedenfalls meine Erfahrung.
Martina hat geschrieben: Fr 15. Mai 2026, 16:10 Bei unserem Treffen hatten wir ein gemeinsames Foto komplett vergessen. Die KI hat uns aber eines aus den zwei Selfies vor unserem Treffen zusammengebastelt.
Oh KI ist anscheinend doch für etwas gut :-)
Martina hat geschrieben: Fr 15. Mai 2026, 16:10 Mit Geli aus dem Großraum Frankfurt kam’s auch zu einem ersten Treffen in Darmstadt, da ich in der Gegend aktuell recht oft beruflich unterwegs bin. Gesundheitlich war ich ziemlich angeschlagen – ein Männerschnupfen bleibt halt ein Männerschnupfen, auch wenn ihn Frau zur Schau trägt.
Und schon wenige Wochen später konnten wir ein weiteres sehr nettes Treffen arrangieren. Eine CD-Freundin von Geli, die jedoch in keinem Forum, aber ansonsten sehr aktiv ist, war mit von der Partie und wir hatten auch an diesem Abend viel Spaß.
Sehr schönes Foto
Ja, so ein Grossanlass kann lebensverändernd sein, sofern man (sorry Frau) auch zu lässt!
Martina hat geschrieben: Fr 15. Mai 2026, 16:10 Und mit Violetta ließ sich ein drittes Treffen ausmachen, das erste Wiedersehen nach dem Waldschlößchen. Violetta hat dazu ja schon berichtet in ihrem Thread. Auch da war ich bei ihr zu Hause und durfte erleben, wie Vertrauen wächst. Sehr schön!!! Ein besonderes Merkmal unserer Beziehung ist für mich, dass ich gerade wegen unserer großen Unterschiede den Teil an Vorurteilen, den ich noch mit mir herumtrage, deutlich reduzieren konnte, ohne gleich in die völlige Naivität abzudriften.
Sehr schön, Ich freue mich für Euch. Ich habe auch festgestellt, als Beatrix habe ich viel mehr gute Freunde. Woran das wohl liegen mag? Vielleicht, weil ich als Mann immer Hemmungen hatte, meine Gefühle zu zeigen. Kommt als Bumerang zurück. Ich jedenfalls will nicht mehr zurück
Martina hat geschrieben: Fr 15. Mai 2026, 16:10 Martina hat also in 2026 mehr soziale Kontakte gefunden, und das macht sich bemerkbar. Vor 2 Jahren nötigte mich der Leidensdruck-Stau gleich nach der Abreise von zu Hause auf den nächstbesten Rastplatz, um die Transformation zu vollziehen – „notgeil auf Frausein“ umschreibt’s unschön, aber recht treffend. Da ist völlige Entspannung eingekehrt mittlerweile, und die zunehmenden sozialen Kontakte für Martina sind wesentliche Auslöser für diese Entspannung.
Siehe Text oben. Ich freue mich für alle, die Dabei sein konnten und etwas wichtiges mit nach Hause genommen haben. Weiter so, steht zu Euch. Ihr habt mehr vom Leben, wenn Ihr es für Euch lebt, nicht für die Nachbarn!

Liebe Grüsse Batrix
Ich bin nicht Mann, ich bin nicht Frau, ich bin einfach ich. Und das ist gut so.
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