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Re: Die Liebe zum Rock und anderen Dingen
Verfasst: So 13. Dez 2015, 11:58
von ExUserIn-2026-04-08
hat es eigentlich damals, als die ersten frauen in hosen schlüpften, auch völlig verschiedene bedeutungsebenen gegeben?
Gute Frage, ich weiß es nicht. Ich bin mir aber sicher, dass eine Bedeutungsebene der Protest war. Die Rolle der Frau war lange Zeit extrem eingeengt. Viele Frauen hatten darunter zu leiden, da ihre Interessen und Eigenschaften nicht mit der gesellschaftlichen Rolle konform ging. Die Unterdrückung kam ja nicht nur von den Männern, sondern auch von Frauen, die das tradierte Rollenmodell weitergegeben haben. Ich denke, bei den meisten hatte es nicht den Sinn, den "inneren Mann" zu leben. Aber das ist Spekulation.
wieso ist es eigentlich wichtig, hier zu differenzieren?
Ich glaube nicht, dass ein Wir-Gefühl bei Männern entsteht, die Röcke tragen wollen ohne einen geschlechtlichen Hintergrund auszuleben.Sie wollen als Männer gesehen werden, Trans* wollen das eben nicht.
Ich halte den Unterschied für bedeutend, weil es einen "Einheitsbrei" nicht gibt. Und er ist vor allem bedeutend, weil die Menschen in der Regel nicht differenzieren, wo sie aus meiner Sicht differenzieren sollten.
Re: Die Liebe zum Rock und anderen Dingen
Verfasst: So 13. Dez 2015, 17:25
von martina
Vicky_Rose hat geschrieben:Ich glaube nicht, dass ein Wir-Gefühl bei Männern entsteht, die Röcke tragen wollen ohne einen geschlechtlichen Hintergrund auszuleben.Sie wollen als Männer gesehen werden, Trans* wollen das eben nicht.
vielleicht erinnerst du dich an eine zeit vor etwa 40, 50 jahren, als das auto noch nicht so allgegenwärtig war. wenn man im sommer mit dem auto nach italien fuhr und man begegnete auf italienischen strassen einem anderen deutschen, hat man sich immer zugewunken.
vor 25 jahren war ich recht intensiv mit dem rennrad sportlich unterwegs. jedesmal, wenn ein anderer rennradfahrer entgegen kam, winkte man zum gruss.
beispiele dieser art, von denen es sicher noch das eine oder andere gibt, bringen die kleine empfindung eines WIR-gefühls. meinst du, sowas wäre nicht möglich bei rocktragenden männern, ganz unabhängig von allen anderen faktoren?
liebe grüsse
martina
Re: Die Liebe zum Rock und anderen Dingen
Verfasst: So 13. Dez 2015, 20:02
von ExUserIn-2026-04-08
Eine interessante Frage. Spontan gesagt, meine ich, dass ein mögliches Wir-Gefühl evtl. auf der Tatsache basieren kann, dass beide Typen sich ungewöhnlich verhalten, aber nicht, weil beide ähnliche Absichten verfolgen.
Wahrscheinlich ist das aber ohne Belang, wenn dadurch mehr Offenheit entsteht. In diesem Sinne gebe ich Dir Recht.
Re: Die Liebe zum Rock und anderen Dingen
Verfasst: So 13. Dez 2015, 22:35
von Lina
Eigentlich fand ich, dass Lara und Vicky es sehr gut auf den Punkt gebracht haben - MUSS es denn kramphaft dieses WIR gefühl geben, wenn man so unterschiedliche Ausdrücke der jeweiligen Identität gibt? Ich meine, was sollen "wir" damit anfangen? Es ist doch völlig OK, dass jemand voll der Mann sein will und gleichzeitig irgend etwas zum Ausdruck bringen durchs tragen weiblich anmutender Kleidung. ICH habe aber da definitv kein WIR gefühl. Vielleicht überlappend vergleichbare Ziele. Ich kann mir denken, dass es anderen auch so geht. (Aber die können ja für sich selbst reden ...)
Vicky zitiert da auch Sachen wie "geschlecht Verleugnen" und "Betrug" - genau daran erinnere ich mich auch. Und so weit geht also das Verständnis für die, mit denen ein "Wir-Gefühl" erhofft wird? Eine andere Betrachtungsweise der Geschlechter-Identitäten - dafür ist kein Platz. Was soll ich denn da für ein "Wir-Gefühl" haben?
Völlig OK, dass andere ein verändertes Männerbild anstreben - das unterstütze ich auch in meiner Weise. Ich zähle zu den Trans*, die Vicky erwänt, die nicht nur als als anders gekleidete Männer gesehen werden wollen. Ich sehe die rein physiologische Seite des Geschlechts und das soziale Konstrukt der Geschlechter-Rollen als völlig trennbare Phänomene. Und jeder sollte die Seite wählen wo er oder sie sich richtig fühlt. Und wenn die Menschen, mit denen interagiert wird, es auch richtig finden, dann ist es wirklich richtig. Darüber Außerungen wie "Betrug", "Täuschung", "verleugnen" los zu lassen, finde ich schlichthin unverschämt. "Wir-Gefühl" deshalb abgelehnt.