Nora_7 hat geschrieben: Fr 22. Mär 2024, 18:34
Was in Tschernobyl und Fukushima passiert ist, ist schlimm. Die Gründe dafür sind bekannt. Es bringt nichts, diese Unglücke immer wieder anzuführen. Sie sind durch menschliche Fehler verursacht, gegen die es Maßnahmen gibt.
Hm jain. Tschernobyl hauptsächlich, aber auch durch eine Technologie, die sehr schwer zu handhaben ist. Fukushima war durchaus genau so kalkuliertes Risiko wie bei AKWs in D, F, USA, usw. Erdbeben und Tsunamis waren konstruktiv eingeplant, aber eben nur bis zu einer gewissen Grenze. Die wurden vom vom Beben knapp erreicht, was mutmasslich ein Notkühlsystem beschädigte. Die Flutwelle übertraf aber die Flutschutzmassnahmen um mherere Meter. Der darauf folgende Blackout der gesamten Stromversorgung inkl Notsysteme war auf jeden Fall ausserhalb jeglicher Betriebsparameter. Durch die Flutwelle war die gesamte Region so betroffen, dass keine Notstromversorgungen herangeschafft werden konnten. Legendär ist der Versuch des Betriebspersonals, die Sensorik und die Bremsstäbe mittels zusammengeschalteter Autobatterien wieder kurzfristig zum Laufen zu kriegen.
Es gibt hunderte Beinahe-Katastrophen, die gerade so verhindert werden konnten. Nicht durch gut im voraus geplante Notfall-Prozeduren, sondern platt gesagt durch Kaugummi, Klebeband und viel Glück. Auch in Deutschland sind mehrere Male Reaktoren nur Minuten oder wenige Meter an einem GAU vorbei geschrammt. Grundremmingen, Hamm-Uentrop, Biblis, Brunsbüttel und andere.
Natürlich kamen in Tschernobyl, Fukushima, Three Mile Island und anderen auch strukturelle Mängel der Reaktoren dazu, organisatorische und psychologisch/soziologische Faktoren der Menschen. Nicht zuletzt auch ökonomische, sowohl bei der Kontruktion (9m Wellenhöhe als Kompromiss zwischen Wahrscheinlichkeit und Kosten) als auch im Betrieb und nach aussen gegenüber den shareholdern. Auch in Deutschland wurden Störfälle von Betreiberfällen heruntergespielt und unzureichend aufgearbeitet, was tw erst Jahre später ans Licht kam.
Das Problem ist, das es im Endeffekt keine Rolle spielt, welcher Art der letzte Fehler in der Kette ist, der zur Katastrophe führt. Eine Technologie, die auf Null-Fehlertoleranz angewiesen ist, wird irgendwann scheitern. Vor allem, wenn sie gleichzeitig in einem Spannungsfeld von Kosten und Ertrag funktionieren soll. Jedes zusätzliche Prozent Sicherheit erfordert nicht linear sondern exponentiell mehr Kosten.
Was ausserdem häufig ausser acht gelassen wird: AKWs und die gesamte Atomindustrie sind Primärziele für Extremismus und Terrorismus. Das betrifft auch Transporte, Brennelemente-Produktion und Aufarbeitung, Zulieferung von Komponenten, usw. Von Zwischen- und Endlagern mal ganz zu schweigen. Alle Betriebe müssen entsprechend abgeschirmt werden. Alle Mitarbeitenden überprüft und überwacht. Auch das traditionell schlecht bezahlte Personal in Sicherheits- und Reinigungsdiensten, hinter Lenkrädern, usw.
Das führt, wie Robert Jungk schon in den 70ern ausführlich dargelegt hat, zum Atomstaat, was tiefe Konsequenzen für die Politik und Demokratie hat. Jungk wurde damals wie viele andere illegal von deutschen Sicherheitsbehörden ausgeforscht, was seine Thesen eindrücklich bestätigte.
All das sind Folgekosten, die spezifisch für Atomkraft sind, bei den Bau und Betriebskosten aber in der Regel nicht aufgelistet werden, weil sie aus irgendwelchen Haushaltsposten, also aus Steuern, bezahlt werden.
Also: Nicht alle technischen bzw physikalischen Risiken lassen sich vollständig beherrschen. Nicht alle natürlichen Risiken lassen sich überhaupt beherrschen. Nicht alle menschlichen bzw systemischen Risiken lassen sich zuverlässig abdecken. Vor allem nicht bei einer ökonomisch betriebenen Technologie.
Gerade Fukushima hat gezeigt, dass auch der Stand der Technik und beste Absichten einfach überrollt werden können.
Das Restrisiko ist nie null, die Kosten werden exponentiell höher und je mehr Anlagen und Elemente im Gesamtsystem, je länger der Betriebszeitraum, desto höher das Restrisiko. Es gibt Mittel, aber sie sind nie absolut sicher. Insofern ist Deine Aussage oben faktisch falsch.
Nora_7 hat geschrieben: Fr 22. Mär 2024, 18:34
Der Bürger trägt die ganze Last z.B. der sogenannten Energiewende, die ihm aufgedrückt wird und ihn in den Ruin treiben kann. Mal eben 50.000€ für eine neue Heizung mit Niedrigtemperaturheizkörpern einzubauen, schafft bei weitem nicht jeder eben mal so. Von weiteren Dämmmaßnahmen noch abgesehen. Dafür steigen die Gaspreise und Strompreise weiterhin, weil es so gewollt ist. Es sind Lasten, die der Bürger nicht zu verantworten hat, sondern überhastete deutsche Alleingänge, die für das Weltklima keine Bedeutung haben. Aber für den Bürger um so mehr. So zahlt der Bürger auch für die Stromvernichtung aus Windenergie, wenn keine Abnehmer da sind, damit die Windradbetreiber auf 60-80.000€/Jahr Gewinn kommen. Pro Windrad.
OK, das ist eine ganze Menge ... was so nicht wahr ist oder aber keinen Zusammenhang hat und bestimmt kein Argument für neue AKWs ist. Kein Mensch
muss jetzt 50k€ ausgeben. Solange die bisherige Heizung läuft sowieso nicht. Und 50k€ sind auch eher virtuell; es sei denn eins verlässt sich auf seltsame Artikel in Zeitungen, die einem Fossil-Milliardär gehören oder auf Heizungsfirmen, die keine (noch) Ahnung haben oder abzocken wollen. Andere Heizkörper sind in der Regel auch nicht erforderlich (Studien und Erfahrungsberichte für WP mit Standardheizkörpern in Altbauten auf Anfrage). Bei Vorschriften für Dämmmaßnahmen kenne ich mich nicht so aus.
Gaspreise steigen vor allem aus politischen Gründen aka Russlands Krieg, aber natürlich auch, weil wir die Folgekosten der Fossilverbrennung nicht mehr weiter anderswo sozialisieren können. Ohne massive CO2 Reduktion müssen wir nämlich in Zukunft Dämme statt Dämmung bauen. Unabhängig davon werden sie auch durch den weltweiten Bedarf steigen. Sprich: Gerade wenn andere Länder (noch) keine Energiewende machen, lohnt sich der Umstieg bei uns in Zukunft.
Fun fact für Heizkosten: Eigentlich war parallel zur steigenden CO2-Abgabe (das ist eine EU-Vereinbarung, kein deutscher Alleingang) bereits im Koalitionsvertrag die Auszahlung eines Klimagelds vereinbart. Damit werden insbesondere Geringverbrauchende begünstigt, also wenn sie auf Erneuerbare umstellen, eMobilität, usw. Dieses Konzept ist wissenschaftlich abgesichert (Kempfert, Ramstorf, Quaschning sind die Suchworte). Nur wird das Klimageld verzögert: Vom FDP-Finanzministerium. Ein Schelm, wer hier vorsätzliche politische Stimmungsmache vermutet.
Die Strompreise an der Leipziger Strombörse sind aktuell auf dem Niveau von 2021. Dass das nicht bei "uns" ankommt ist keine Frage der Erzeugungstechnologie sondern unserer Stromlieferfirmen. Die Strompreise wären mit Atom höher als jetzt, weil (teurer) Atomstrom wg Merit-Order Erneuerbare aus dem Netz drängen würde. Die Strompreise sind hoch, weil fossil betriebene Kraftwerke das gleiche tun. Sie schaufeln dabei unsere Stromkosten als "Übergewinne" in die Taschen der Fossil-Betreiber und mittelbar in die Länder, aus denen wir Kohle, Öl und Gas importieren. Die Strompreise sind in anderen europäischen Ländern niedriger, wo sie staatlich gedeckelt, also künstlich niedrig gehalten werden, bezahlt durch Steuergelder. Die Strompreise bei uns wären niedriger, wenn statt der fossilen mehr Erneuerbare plus Speicher einspeisen könnten.
Windräder und PV-Anlagen werden vom Netz abgehängt, wenn sie ihren Strom nicht loswerden können. Sie können am flexibelsten geregelt werden, im Gegensatz zu thermischen Kraftwerken (fossil, atom). Auch wenn der Strompreis an der Börse negativ ist. Dann lohnt die Einspeisung nicht und es werden Betriebsstunden bei Windrädern gespart. Deshalb sind Speicher und Umwandlungen ja so wichtig, zum Beispiel
sowas. Aber auch die Netzmodernisierung inkl Südlink-Leitung, damit Bayern den Windstrom wenigstens kaufen kann. Dass Windräder still stehen oder abgehängt werden ärgert hauptsächlich deren Betreibende. Eine Verwertung bringt nämlich erheblich mehr als die Stillstandsvergütung.
So. Nichts davon hat irgendetwas mit AKWs zu tun. Nicht die Heizungen, nicht die Fossilpreise, nicht die überalterten Netze. Höchstens die Strompreise, denn die wären absehbar mit
"nukular" am höchsten.
Die deutschen Meiler wurden seit einem Jahrzehnt im Auslaufbetrieb gefahren. Sie müssten grundlegend überholt und modernisiert werden, denn sämtliche Wartungsintervalle etc sind längst abgelaufen. Sprich: Bei den AKWs starten wir fast bei null und würden Jahre brauchen, um die letzten 6% Strom wieder ans Laufen zu bringen. Neubauten lassen sich eher in Jahrzehnten rechnen, weil diejenigen, die schon keine Windräder im Hinterhof wollen - NIMBY - schon gar keine AKWs oder Zwischen- oder Endlager oder Brennelemente- oder Wiederaufarbeitungsfirmen. Es gibt keinen Nachwuchs, keinen Wissenstransfer von Praktiker*innen (jetzt in Rente), keine unterstützende Industrie oder Infrastruktur in Deutschland, nichts. Deshalb hat die deutsche Energiewirtschaft das Thema auch intern beerdigt und sich darauf beschränkt so viel (Staats)Geld wie möglich aus dem Ausstieg zu ziehen.