Bingo Sabine,sabine_allein hat geschrieben: Mi 29. Jan 2020, 12:05 Wenn ich das mal auf mich beziehen darf, dann gibt es bei mir Körperzustände, während derer ich das extrem irritierende Empfinden habe, über nicht existente Körperteile zu verfügen, körperliche Erfahrungen damit gemacht zu haben und Erinnerungen daran habe, gerne hätte, dass ich sie berühren kann usw..
Das Fehlen empfinde ich dann als sehr belastend und diese Last liegt dann irgendwann auf allen Teilbereichen meiner Patchworkidentität.
Das macht sehr sehr unglücklich und fängt an mich zu beHerrschen. Ich nehme dann alle Teilbereiche meines Lebens als unreal wahr und bin bei allem und allen gegenüber extrem distanziert. Das Aufrechterhalten meines Cis Passings als Typ kostet mich dann extrem viel Kraft oder hat mich vielmehr vor meinem Outing viel Kraft gekostet, aber auch im eher androgyneren Erscheinen ist das manchmal noch schwer.
Du beschreibst sehr anschaulich und drastisch, was ich auch so empfinde. Aber ich kann nicht den Schwenk auf die "andere Seite" machen, da ich beide Seiten brauche. Ich habe deswegen von zwei Landkarten gesprochen. Du schreibst von Phantomkörperteilen.
Du schreibst weiter unten:
Was hindert Dich ? Blöde Frage, was hindert mich, es zu tun ? Ich tue es, immer wieder ein Stückchen mehr. Ich wiederhole für mich mehr und mehr, dass ich ein recht auf meine Weiblichkeit habe und dass dadurch mir kein Zacken aus der (männlichen) Krone fällt und umgekehrt. Dazu kommt der Gedanke, mich mit meiner Männlichkeit zu versöhnen, der meiner weiblichen Seite Angst macht, sie könne dadurch verschwinden. Ich trage beides so massiv in mir, dass ich auf keine Seite verzichten kann und will. Was ich also brauche, ist die eigene Akzeptanz als ganzer Mensch. Das ist leichter gesagt als getan, denn ich glaube nicht, das ich meine Weiblichkeit in meinem Alltag im persönlichen Umfeld inklusive der Arbeit frei leben kann. Das ist wahrscheinlich das, was Du im Schlusssatz meinst. Ich denke, je mehr ich meine weibliche Seite positiv besetze, um so mehr will diese Seite auch offen gelebt werden. Der innere Konflikt vertieft sich, statt sich durch Akzeptanz aufzulösen.Ich würde gerne diese verdammte Scham loswerden, denn eine Alternative dazu, es zu akzeptieren und in mein Leben zu integrieren, scheint es nicht zu geben.
Es ist mMn tatsächlich so, dass es keinen Grund gibt, weshalb ich, je nach Stimmung, nicht offen als Frau und als Mann leben kann. Mein weibliches und mein männliches Ich leben nebeneinander statt miteinander. Das führt immer wieder zu inneren Irritationen und quälenden Situationen. Den Fehler im System im Außen zu lokalisieren macht es nicht einfacher. Es bindet uns die Hände, etwas zu tun. Und das macht uns unfrei. Wir sind damit Abhängige der äußeren Umstände. Ob die real oder eingebildet sind, sei dahingestellt. Wenn ich mir vorstelle, welche Diskussion losgetrten würden, wenn ich mich als "Mischwesen" offen auf der Arbeit präsentieren würde ? Ich habe viele Außenkontakte, die ich nicht verlieren möchte. Also kommt noch das Thema Angst dazu.
Ich glaube, es gibt keinen Königsweg. Aber ich arbeite auch noch daran. Die Traumwelt meiner Weiblichkeit sucht massiv einen Weg in die Realität. Noch ist sie zu sehr ausgegrenzt.