Hallo Anke,
zuersteinmal möchte ich sagen, wie toll ich es finde, dass sich hier so viele Gedanken um die Situation von Trans* in unserer Gesellschaft machen! Das ist nicht selbstverständlich. Zudem sind es auch noch gute Gedanken, konstruktiv, respektvoll und wertschätzend - das schätze und mag ich sehr, vielen Dank!
Anke hat geschrieben:
Aber bisher gibt es keine Koordination und Vernetzung und ob beim zweiten Waldschlösschentreff etwas zählbares herauskommt ist keineswegs sicher. Nach meinem Eindruck ist seit dem ersten Treffen kaum etwas passiert.
Kleine Korrektur, das Treffen 2014 war das zweite Treffen, das Treffen 2015 wird das Dritte sein.
Bei allem gebotenen Respekt, aber für jemand, die nicht dabei war, ist das nur eher schwer zu bewerten? Ein kaum hoch genug zu bewertendes Ergebnis des Treffens von 2014 ist die Waldschlösschen-Erklärung [1]. Warum ist sie so bedeutsam? Zum einen natürlich wegen ihres Inhalts. Aber vor allem, weil praktisch alle Anwesenden diese Erklärung gezeichnet haben! Das dokumentiert auf eine bisher einmalige Art und Weise die gemeinsame Basis und vor allem den gemeinsamen Willen, der zu diesem Treffen auch die ganze Zeit deutlich zu spüren war.
Hast Du mal versucht, mit mehreren Trans*-Gruppen *gemeinsam* etwas zu machen? Egal was, einfach nur etwas zusammen? Meine Erfahrungen damit sind auch nicht groß, doch fast alles was ich bis dato (mit-) angepackt habe, wurde zu einem Politikum und jedes Handeln zu einer Art Spießrutenlauf. Aus irgendeiner Ecke kommen immer Befindlichkeiten, Kritik und teils recht heftige Unterstellungen oder Anfeindungen. Ich möchte damit jetzt keinesfalls diejenigen kritisieren, die dies, in vielen Fällen berechtigt, äußern, sondern ich möchte versuchen zu vermitteln, dass die Entwicklungsprozesse teils gefühlte Ewigkeiten brauchen, bis ein sichtbares Ergebnis nach außen getragen werden kann. In der Zwischenzeit arbeiten viele Aktive eher im Verborgenen oder in zumindest geschützten Bereichen, um die Arbeit halbwegs bewältigen zu können.
Ich habe dies gerade auch wieder in der dgti mitbekommen. Dort haben wir auch ein Forum und das wurde im letzten Jahr von einige sehr streitbaren Menschen benutzt, um ihrem Frust Luft zu machen. Das ist auch alles in Ordnung, doch es hat unendlich viel Energie bei den dgti Mitgliedern gebunden, diese aufflammenden Diskussionen halbwegs im Zaum zu halten. Wirkliche inhaltliche Arbeit kam dann, bei der begrenzten Freizeit die wir alle für ehrenamtliche Arbeit haben, viel zu kurz.
Ich bin *sehr* für Partizipation! Und Konsens. Es darf nicht passieren, dass sich ein kleines Grüppchen nach außen als Vertreterin unserer großen Gruppe darzustellen versucht. Das ist auch nicht das Ziel, der noch etwas verhaltenen Außenwirkung. Das Ziel ist, gute Arbeit zu leisten, die dann, wenn man alles bedacht zu haben meint, breit nach außen getragen werden soll. Dieser Schritt wird das nächste Treffen im August sein, zu dem SO VIELE Gruppenvertreter_innen wie möglich kommen sollen!
Daher auch noch einmal die ganz ausdrückliche Aufforderung: Bitte tragt diese Information in Eure Gruppen! Und sorgt dafür, dass sie ein_e Vertreter_in für das Treffen im August anmeldet [5].
Es ist wirklich wichtig!
Bis dahin arbeiten fast 30 Personen aktiv daran und stecken Stunden über Stunden ihrer Freizeit dort hinein - und das bereits seit August 2014. Nach außen sieht man davon nicht viel, zugegeben, doch das wird sich, wenn wir zur Gründung im August kommen, dann ändern.
Anke hat geschrieben:
Von daher kann eine Initiative hier aus dem Forum sicher nicht schaden, sondern gut tun. Außerdem ist das keineswegs als Konkurrenz dazu zu verstehen, sondern als Ergänzung und Unterstützung.
In NRW mag ja viel passieren, hier in BW fehlt mir im Augenblick der Anknüpfungspunkt. Ein Trans BW gibt es eben nicht. Und bisher fehlen mir hier die Mitstreiterinnen, die mit mir zusammen so etwas auf die Beine stellen.
Super, dass Du in BW etwas machen möchtest!
Ich würde dies in mehreren Schritten angehen. Zunächst einmal Recherche. Wer ist denn da? Das niemand da ist, kann ich kaum glauben. Da gibt es sicherlich Gruppen, Vereine und Strukturen, vermutlich im Kielwasser von LSB, die existieren. Ein erster Ansprechpartner hierfür ist vermutlich das "Netzwerk LSBTTIQ Baden-Württemberg" [2] und deren Mitglieder [3]. Auf der Webseite ist ein Sprechendenrat mit zwei Vertreter_innen gerade für den Bereich Trans* genannt, Isabelle Hlawatsch und Ines Ims, beide aus Ulm. Das wären doch ideale Ansprechpartner_innen? Für mich sieht dieses Netzwerk nach einem idealen Ansatz aus? Je nachdem wie Trans* in BW vertreten ist, könnte dies schon fast die Verbandsstruktur sein, mit der man arbeiten möchte? Vielleicht kann man daraus auch irgendwann die Trans* Arbeit emanzipieren...
Auf einigen Webseiten überregionaler Vereine, wie die der dgti, gibt es auch noch Listen von Selbsthilfegruppen [4], die man anschreiben könnte.
Als nächstes müsste man die Bedarfe ermitteln. Was wollen die alle eigentlich? Wo liegen die Schwächen? Und wie setzen sie vielleicht auch bereits die Ziele um, die Du ansprichst oder umsetzen möchtest?
Als Dritten Schritt kann man dann beginnen Pläne zu machen, wie man nicht gedeckte Bedarfe umsetzen könnte oder das Netzwerk verbessern könnte.
Um noch kurz auf NRW zurück zu kommen, hier passiert nicht viel, dann habe ich das falsch vermittelt, tut mir leid. Es gibt ein paar in ihrer Region sehr aktive Gruppen, die dort auch tolle Arbeit machen, doch leider wissen die meisten allenfalls vom Namen her etwas von den anderen. Es existiert also kein tragfähiges Netzwerk. Daran wollen jetzt ein paar Aktive arbeiten - und "ein paar" ist schon fast wörtlich zu nehmen, denn viele sind das nicht. Komischerweise sagen aber die Gruppenvertreter_innen, wenn man sich dann mal trifft, dass sie ein Netzwerk vermissen. Also der Bedarf ist da, doch es macht keiner. Auf der anderen Seite haben wir das Land NRW vertreten durch das MGEPA (Ministerium für Gesundheit, Emanzipation Pflege und Alter - wer hat sich diese Zusammenstellung ausgedacht!?), dass über den Aktionsplan die Vernetzung von Trans* (Selbsthilfe und politische Vertretung) fördern möchte, aber akut keinen Ansprechpartner dafür hat. Es ist wie es immer ist - eine kleine Gruppe von Unbeirrbaren Idealisten wird nun Fäden zu den anderen spannen und beginnen daran kontinuierlich zu ziehen, bis die ganze (träge) Masse beginnt Fahrt aufzunehmen.
Ob das gelingen wird? Wir werden es erleben. Ich würde es mir sehr wünschen, weshalb ich langsam versuche in diese Strukturen hinein zu wachsen. Es sind viele viele gute, liebe und aktive Menschen im Land, die schon seit vielen Jahren in diesen Bereichen tätig sind und viel viel Erfahrung damit haben. Dagegen bin ich mit meinen knapp zwei Lenzen Aktivismus eine völlige Novizin und halte mich daher mit Kritik an vielen Stellen sehr zurück. Blickt man dahinter, hat Vieles des Ist-Zustandes doch (leider) Gründe. Das heißt nicht, dass man es nicht besser machen könne! Doch diese Gründe sollte man zuerst in Erfahrung bringen, um sie dann in seine Ansichten und Pläne mit einzubeziehen. Man läuft sonst Gefahr, die gleichen Fehler wieder zu machen und/oder den langjährig Aktiven vor den Kopf zu stoßen.
Anke hat geschrieben:
Politik und Verwaltung mögen ja den roten Teppich ausrollen, bei uns scheinen die Türen verschlossen zu sein. Entweder erklärt mir jede wortreich, warum das alles nicht geht. Oder ich bekommen solche lauwarmen Hinhalteschreiben, wie von der Orga des Waldschlösschentreffs.
Es tut mir wirklich leid, wenn das Schreiben von Trans*Aktiv so bei Dir ankam und Dich frustrierte
Bitte lass es mich erklären. Wie in dem anderen Post beschrieben, kostet jeder Platz, also jede Person die kommt, richtig viel Geld. Alle sind bestrebt, so viele Plätze wie möglich bereit zu stellen, doch unendlich ist das Angebot leider nicht - zuguterletzt hat auch das Waldschlösschen nur begrenzt viele Betten, doch das Geld ist viel limitierender als das. Das Koordinationsteam musste sich also überlegen, wie mit den Anmeldungen umgegangen werden kann, vor allem, wenn mehr Anmeldungen als Plätze kommen würden.
Das Ziel ist ganz klar, es soll eine möglichst großflächige Interessenvertretung gegründet werden. Dazu ist es natürlich erstrebenswert, so viele Menschen wie möglich bei dieser Veranstaltung vertreten zu haben. Individuelle Teilnehmer_innen können nur sich selbst vertreten - auch toll, aber eben nur eine Person. Gruppenvertreter_innen vertreten aber eine ganze Gruppe. Daher wurde für Gruppenvertreter_innen der größte Teil der Plätze eingeplant. Als zweite Fokusgruppe sollten intersektional möglicherweise benachteiligte Personen besonders berücksichtigt werden, weil sie sonst meist hinten runter fallen - z.B. Trans* im Alter, mit Behinderungen etc. Für sie wurde auch ein Kontingent an Plätzen vorgesehen. Und dann zum Schluss kommen die Individualvertreter_innen. Das ganze steht aber auch in der Einladung [5] beschrieben.
Zur Zeit wird keine Anmeldung abgelehnt! Wir müssen erst sehen, wieviele sich wirklich anmelden. Wir werden *alle* Plätze vergeben, nach zuvor genannten Prioritäten. Zur Zeit sieht es so aus, dass auch alle Individualanmeldungen positiv berücksichtigt werden können - das kann ich noch nicht versprechen, aber es sieht gut aus. Also bitte hab(t) noch etwas Geduld bis zur endgültigen Zusage.
Anke hat geschrieben:
Vielleicht schaffen wir es mit der Initiative hier ein paar Türen zu öffnen und Bewegung in die Sache zu bekommen.
Liebe Grüße
Anke
Vielleicht wäre es ja schlicht möglich und sinnvoll, ein_e Vertreter_in des Forums zum Waldschlösschen zu entsenden? Das sehe ich als durchaus möglich. Auch wenn es bei den Forumsmitgliedern eine gewisse Überschneidung mit manchen Gruppen gibt, so sind doch auch viele hier im Forum, die nicht einer anderen Gruppe angehören? Auch diese sollten doch vertreten sein?
Liebe Grüße
nicole
[1] Wadlschlösschen-Erklärung
http://www.ws.trans-ident.com/download- ... erklaerung
[2]
http://www.netzwerk-lsbttiq.net/
[3]
http://www.netzwerk-lsbttiq.net/index.php/mitglieder
[4]
http://www.dgti.org/shgs.html
[5]
http://www.ws.trans-ident.com/aktuelles ... aktiv-2015