Interessenvertretung
Interessenvertretung - # 5

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nicole.f
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Re: Interessenvertretung

Post 61 im Thema

Beitrag von nicole.f »

Liebe Anni,
liebe Anke,

vielleicht ist es nicht so ganz klar geworden, was ich meinte. Gruppen haben wir wirklich genug und auch dieses Forum, so toll es auch ist, sollte nicht zu noch einer neuen Gruppe werden. Was wir aber hier leisten können und sollten ist, dazu aufzurufen, dass sich alle, die sich hier versammeln und alle Gruppen die hier über Ihre Arbeit und Aktionen schreiben, dass alle engagierten Aktivist_innen, sich unter größeren Dächern zusammenfinden!

Fragt bei Euren zuständigen Landesregierungen nach, ob es solche Dächer gibt, wenn Ihr es nicht bereits wisst. Schließt Euch dort an und sorgt mit dafür, dass diese sich wiederum unter einem Landes-Dach versammeln und das dieses sich dann dem Bundes-Dach anschließt - welches nach August hoffentlich existieren wird. Dies ist das Netzwerk, dass wir schaffen müssen. Es geht dabei nicht um Gleichschaltung oder Gleichmacherei. Es geht um ein großes umfassendes Netzwerk, ein Bündnis, mit Informationsfluss in alle Richtungen. Wir sind viel mehr, als die denken! Wir sind sogar viel mehr, als die meisten von uns denken. Uns kann nur niemand zählen, weil so viele unsichtbar sind...

Jedesmal wenn ich auf einer Veranstaltung war und erfahre, was wieder super cooles irgendwo gelaufen ist, dann freue ich mich, dass wieder etwas Tolles stattfand, ärgere mich aber gleichzeitig, dass ich es erst post-factum mitbekommen haben. Vieles hätte ich gerne unterstützt, doch ich wusste einfach nicht, dass etwas stattfand. Entsprechend ärmlich fallen manche Aktionen dann leider auch aus. Das ist kein Vorwurf an die Veranstalter_innen! Keineswegs. Es ist ein Vorwurf an unsere zersplitterte "Community", wenn man sie als solche überhaupt bezeichnen sollte, die es in fast 40 Jahren nicht geschafft hat, eine gemeinsame Identität zu entwickeln und gemeinsam für etwas einzutreten. Kein Wunder also, dass fast alle Veränderungen zu trans*-Gunsten durch Individualprozesse vor Gerichten von Einzelnen erstritten wurden und praktisch nichts durch Interessenvertretung über den politischen Prozess erreicht wurde. Ist das nicht unendlich blamabel? Genau das ist das Bild, dass von uns z.B. in der Politik vorherrscht - zersplittert, zerfasert, sich selbst zerstreitend und kaum zu erfassen. Mit Trans* zusammenzuarbeiten ist für Politiker (und andere CIS Gruppen) fast so angenehm, wie eine Wurzelbehandlung im Nebel. Man sieht nichts wirklich, wenn dann nur schemenhaft und aus allen Richtungen kommt ständig nur ein Aufschrei.

Geht hinaus in die Welt und motiviert die Gruppen in Eurer Region, einen Landesverband zu gründen oder sich einem bestehenden anzuschließen! Schreibt darüber, blogged darüber, teilt es den anderen Landesverbänden und Gruppen mit, tragt es in Foren (wie diesem), verbreitet es. Und tut es nachhaltig! Eines der ganz großen Probleme von trans* ist, dass zu viele Aktivist_innen während ihrer Transition aktiv werden - meist weil sie gegen Widerstände anlaufen müssen und diese mit Aktivismus versuchen niederzukämpfen. Das ist toll! Mutig! Doch es hat den Nachteil, dass wenn sie einmal ihr persönliches Problem gelöst haben, sie sich aus dem Aktivismus zurückziehen und eine große Lücke hinterlassen. Man kann das ganz gut an der Existenzdauer von Selbsthilfegruppen ablesen. Einige sterben bereits kurz nachdem die Gründer_innen ausscheiden und das kann nach zwei bis drei Jahren soweit sein, wenn sie ihre Transition abgeschlossen haben. Einige schaffen es noch eine zweite Generation von nocheinmal zwei bis drei Jahren zu halten. Die meisten verschwinden aber nach vier bis sechs Jahren wieder. Man sollte sich, denke ich, gut überlegen, warum man aktiv werden möchte. Ist es wirklich das große Ganze? Oder ist es doch das eigene Problem? Entsprechend sollte man auch handeln.

Und auch wenn Ihr nicht aktiv tätig werden wollt, schließt Euch zumindest mit Eurer Mitgliedschaft einer Gruppe an, damit wir auch mal Zahlen bekommen, Zahlen über die wirkliche Größe unserer Gemeinschaft. Es ist wichtig! Wir bekommen keine Landes- oder Bundesregierung dazu, Gesetze oder Verordnungen zu unserem Schutz oder zur Gewährung von Rechten zu erlassen oder zu verändern, wenn wir nicht einmal ansatzweise abschätzen können, wir groß unsere Gruppe überhaupt ist. Die, die auf halbwegs amtlichen Zahlen sitzen, rechnen uns gerne klein - da wird die Zahl der Anträge nach TSG oder durchgeführter angleichender Operationen als Maß genommen. Doch was ist mit all jenen, die keinen Antrag nach TSG gestellt haben? Oder keine genitalangleichende OP gemacht haben? Ich bin dann schonmal draußen und, wenn ich mich nicht irre, viele andere aus diesem Forum auch. Ist das dann eine gesunde Grundlage, um darauf basierend weitreichende Entscheidungen zu treffen? Damit wären wir dann wieder bei dem Thema Sichtbarkeit :) Doch das hatten wir ja schon...

In diesem Sinne: Der rote Teppich liegt bereits! Wenn wir nun gemeinsam ein Dach bauen, schenkt uns die Politik die Innenausstattung dazu :)

Liebe Grüße
nicole
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Anni
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Re: Interessenvertretung

Post 62 im Thema

Beitrag von Anni »

Hallo Nicole )))(:

... schön , wieder von Dir ( so viel :wink: ) zu hören (ki)

Ich denke , das Du Dich schon recht verständlich gemacht hast !

Was mir bei allen Initiativen und Diskussionen immer wieder fehlt , ist , was können wir Konkretes tun , damit sich die vielen Trans* , Inter* , Queer* , Teilzeit* , ... na eben alle von den " Bunten " , endlich zutrauen , sich zu bekennen und zu zeigen , und DAS nicht nur zum CSD :!:
Das " Wir " sehr Viele sind , steht außer Frage - aber eben wie Viele ??? --- DAS zu ermitteln und dann der Gesellschaft und Politik zu zeigen , ist für mich ein
Kernpunkt , um auch " ernst genommen " zu werden .

Unser diesjähriges Forum-Treffen hat es wieder einmal gezeigt - Absichtserklärungen , zu kommen , gab es zu Hauf - und wer ist letztendlich gekommen ???
Es waren wieder fast " nur " Die , die wie ich , sich genug Selbstvertrauen erarbeitet haben , sich in der Öffentlichkeit zu zeigen .

Organisierte Strukturen , Dachverbände ... ja , die sind wichtig und nötig , um dem Ganzen eine Linie zu geben - aber die Hilfe für die vielen " ich würde ja gern - aber ..... " ist für mich nicht so richtig erkennbar .

LG von frecher Anni
Der einzige Mensch, der sich vernünftig benimmt, ist mein Schneider. Er nimmt jedesmal neu Maß, wenn er mich trifft, während alle anderen immer die alten Maßstäbe anlegen in der Meinung, sie paßten auch heute noch. George Bernard Shaw
Anke
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Re: Interessenvertretung

Post 63 im Thema

Beitrag von Anke »

Hallo,

ich gebe Nicole insofern recht, als dass wir keine weiteren Splittergruppen brauchen. Das bringt uns sicher kaum weiter.

Aber bisher gibt es keine Koordination und Vernetzung und ob beim zweiten Waldschlösschentreff etwas zählbares herauskommt ist keineswegs sicher. Nach meinem Eindruck ist seit dem ersten Treffen kaum etwas passiert. Von daher kann eine Initiative hier aus dem Forum sicher nicht schaden, sondern gut tun. Außerdem ist das keineswegs als Konkurrenz dazu zu verstehen, sondern als Ergänzung und Unterstützung.

In NRW mag ja viel passieren, hier in BW fehlt mir im Augenblick der Anknüpfungspunkt. Ein Trans BW gibt es eben nicht. Und bisher fehlen mir hier die Mitstreiterinnen, die mit mir zusammen so etwas auf die Beine stellen.

Politik und Verwaltung mögen ja den roten Teppich ausrollen, bei uns scheinen die Türen verschlossen zu sein. Entweder erklärt mir jede wortreich, warum das alles nicht geht. Oder ich bekommen solche lauwarmen Hinhalteschreiben, wie von der Orga des Waldschlösschentreffs.

Vielleicht schaffen wir es mit der Initiative hier ein paar Türen zu öffnen und Bewegung in die Sache zu bekommen.

Liebe Grüße

Anke
Sentio ergo sum. - Ich fühle, also bin ich.

Les femmes sont fortes quand elles sont feminines. (Coco Chanel)

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ab08
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Re: Interessenvertretung

Post 64 im Thema

Beitrag von ab08 »

Anni hat geschrieben:die Quasi-Absage von ab08
Hallo Anni,

das finde ich nicht ganz fair, aber vielleicht hast Du es nur nicht verstanden.
Zunächst war es eine Zusage, aber mit dem Hinweis auf meine Arbeitsbelastung.

Natürlich bin ich eine transsexuelle Frau zu 100%! Zitat "dies stets und ständig zu leben und vor Allem und Allen zu zeigen ... dann bin ich DAS - und DAS rund um die Uhr ..." :lol: Bei mir natürlich der Fall! Ich fahre täglich oft mehrmals mit öffentlichen Verkehrsmitteln (Jahresabo), stehe vor Klassen, besuche Veranstaltungen, habe viele Bekannte, Freunde etc ...
( Anmerkung: Aus beruflichen Gründen war kein klassischer "Alltagstest" möglich - Ergo vor 15 Uhr am 16. Juni 2008 in männlicher Rolle, danach stets korrekt als Frau. --> Lehrerin, daher war der Erscheinungswechsel sehr öffentlich!
Einige Tage später war die Tatsache überall vor Ort weitgehend bekannt und traf auf erhebliches Interesse! - Nachfragen waren in der Zeit extrem häufig!! -> Als Lehrerin erkläre ich aber gern und freu mich über Fragen...
Nach zurückgenommener Zwangspensionierung mobile Reserve, folglich lernte ich nun andere Gymnasien und ihre Kollegien kennen. -> Ergo weitere Kontakte + Freundschaften...
)
Heute trete ich an verschiedenen Orten aktiv für Rechte ein (z.B. auf Fortbildungen mit Bezug zu unserer Thematik). Aber wenn ich Mathematik/Physik unterrichte, im Abitur beteiligt bin, Kollegen/Kolleginnen im Berufsverband vertrete, usw. dann macht das zwar eine offen transsexuelle Frau, aber es ist ein normaler Unterricht, eine normale Abiturprüfung und normale Verbandsarbeit.
Wenn das Thema TS/IS aufkommt, stehe ich zur Verfügung, werde ich gefragt. Aber die tägliche Arbeit muss weitergehen. Bei mir kommt eben dazu, dass ich Vollzeit arbeite, an zwei Dienststellen beschäftigt bin und diverse Zusatzaufgaben habe. Ergo habe ich bis zu meiner Pensionierungsgrenze (2016) viel zu tun und oft wenig Zeit!

Aus obigem solltest Du erkennen, dass ich öffentlich bin und es auch von Anfang an war. - Genau deshalb benützte ich bei der Anmeldung 2012 zunächst meine Initialen + mein CO Jahr...
Heute unterschreibe ich hier mit dem korrekten Vornamen. Leserbriefe und anderes unterschrieb z.B. bisher immer mit vollem Namen. Persönliche Schreiben (gerade im Zusammenhang mit TS/IS!!) unterschreibe ich, wenn sinnvoll und korrekt, mit Namen und Amtsbezeichnung. - Im offiziellen Bereich oft hilfreich, damit man sieht, mit wem man es zu tun hat...

Mehr Öffentlichkeit geht eigentlich kaum.
Liebe Grüße, nix für ungut
Andrea

@Anke --> Mit "Politik und Verwaltung" (Bayern) habe ich als Beamtin im höheren Dienst + Verbandsvertreterin oft zu tun. Natürlich werde ich gerade dort als transsexuelle Kollegin/Lehrerin wahrgenommen. - In den beiden Bereichen Schule und Transsexualität liegt auch meine Kompetenz, die ich gern auch hier einbringe. - So war mein ursprünglicher Beitrag gemeint.
FÜR: Respekt, Menschenrechte und eine gelebte, demokratische Zivilgesellschaft, die Minderheiten schützt
ERGO: Umfassende Bildung für alle, effektive Regeln in Alltag und Netz, eine gut ausgestattete Polizei/Justiz
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Re: Interessenvertretung

Post 65 im Thema

Beitrag von nicole.f »

Hallo Anke,

zuersteinmal möchte ich sagen, wie toll ich es finde, dass sich hier so viele Gedanken um die Situation von Trans* in unserer Gesellschaft machen! Das ist nicht selbstverständlich. Zudem sind es auch noch gute Gedanken, konstruktiv, respektvoll und wertschätzend - das schätze und mag ich sehr, vielen Dank!
Anke hat geschrieben: Aber bisher gibt es keine Koordination und Vernetzung und ob beim zweiten Waldschlösschentreff etwas zählbares herauskommt ist keineswegs sicher. Nach meinem Eindruck ist seit dem ersten Treffen kaum etwas passiert.
Kleine Korrektur, das Treffen 2014 war das zweite Treffen, das Treffen 2015 wird das Dritte sein.
Bei allem gebotenen Respekt, aber für jemand, die nicht dabei war, ist das nur eher schwer zu bewerten? Ein kaum hoch genug zu bewertendes Ergebnis des Treffens von 2014 ist die Waldschlösschen-Erklärung [1]. Warum ist sie so bedeutsam? Zum einen natürlich wegen ihres Inhalts. Aber vor allem, weil praktisch alle Anwesenden diese Erklärung gezeichnet haben! Das dokumentiert auf eine bisher einmalige Art und Weise die gemeinsame Basis und vor allem den gemeinsamen Willen, der zu diesem Treffen auch die ganze Zeit deutlich zu spüren war.

Hast Du mal versucht, mit mehreren Trans*-Gruppen *gemeinsam* etwas zu machen? Egal was, einfach nur etwas zusammen? Meine Erfahrungen damit sind auch nicht groß, doch fast alles was ich bis dato (mit-) angepackt habe, wurde zu einem Politikum und jedes Handeln zu einer Art Spießrutenlauf. Aus irgendeiner Ecke kommen immer Befindlichkeiten, Kritik und teils recht heftige Unterstellungen oder Anfeindungen. Ich möchte damit jetzt keinesfalls diejenigen kritisieren, die dies, in vielen Fällen berechtigt, äußern, sondern ich möchte versuchen zu vermitteln, dass die Entwicklungsprozesse teils gefühlte Ewigkeiten brauchen, bis ein sichtbares Ergebnis nach außen getragen werden kann. In der Zwischenzeit arbeiten viele Aktive eher im Verborgenen oder in zumindest geschützten Bereichen, um die Arbeit halbwegs bewältigen zu können.

Ich habe dies gerade auch wieder in der dgti mitbekommen. Dort haben wir auch ein Forum und das wurde im letzten Jahr von einige sehr streitbaren Menschen benutzt, um ihrem Frust Luft zu machen. Das ist auch alles in Ordnung, doch es hat unendlich viel Energie bei den dgti Mitgliedern gebunden, diese aufflammenden Diskussionen halbwegs im Zaum zu halten. Wirkliche inhaltliche Arbeit kam dann, bei der begrenzten Freizeit die wir alle für ehrenamtliche Arbeit haben, viel zu kurz.

Ich bin *sehr* für Partizipation! Und Konsens. Es darf nicht passieren, dass sich ein kleines Grüppchen nach außen als Vertreterin unserer großen Gruppe darzustellen versucht. Das ist auch nicht das Ziel, der noch etwas verhaltenen Außenwirkung. Das Ziel ist, gute Arbeit zu leisten, die dann, wenn man alles bedacht zu haben meint, breit nach außen getragen werden soll. Dieser Schritt wird das nächste Treffen im August sein, zu dem SO VIELE Gruppenvertreter_innen wie möglich kommen sollen!

Daher auch noch einmal die ganz ausdrückliche Aufforderung: Bitte tragt diese Information in Eure Gruppen! Und sorgt dafür, dass sie ein_e Vertreter_in für das Treffen im August anmeldet [5].
Es ist wirklich wichtig!

Bis dahin arbeiten fast 30 Personen aktiv daran und stecken Stunden über Stunden ihrer Freizeit dort hinein - und das bereits seit August 2014. Nach außen sieht man davon nicht viel, zugegeben, doch das wird sich, wenn wir zur Gründung im August kommen, dann ändern.
Anke hat geschrieben: Von daher kann eine Initiative hier aus dem Forum sicher nicht schaden, sondern gut tun. Außerdem ist das keineswegs als Konkurrenz dazu zu verstehen, sondern als Ergänzung und Unterstützung.

In NRW mag ja viel passieren, hier in BW fehlt mir im Augenblick der Anknüpfungspunkt. Ein Trans BW gibt es eben nicht. Und bisher fehlen mir hier die Mitstreiterinnen, die mit mir zusammen so etwas auf die Beine stellen.
Super, dass Du in BW etwas machen möchtest!

Ich würde dies in mehreren Schritten angehen. Zunächst einmal Recherche. Wer ist denn da? Das niemand da ist, kann ich kaum glauben. Da gibt es sicherlich Gruppen, Vereine und Strukturen, vermutlich im Kielwasser von LSB, die existieren. Ein erster Ansprechpartner hierfür ist vermutlich das "Netzwerk LSBTTIQ Baden-Württemberg" [2] und deren Mitglieder [3]. Auf der Webseite ist ein Sprechendenrat mit zwei Vertreter_innen gerade für den Bereich Trans* genannt, Isabelle Hlawatsch und Ines Ims, beide aus Ulm. Das wären doch ideale Ansprechpartner_innen? Für mich sieht dieses Netzwerk nach einem idealen Ansatz aus? Je nachdem wie Trans* in BW vertreten ist, könnte dies schon fast die Verbandsstruktur sein, mit der man arbeiten möchte? Vielleicht kann man daraus auch irgendwann die Trans* Arbeit emanzipieren...

Auf einigen Webseiten überregionaler Vereine, wie die der dgti, gibt es auch noch Listen von Selbsthilfegruppen [4], die man anschreiben könnte.

Als nächstes müsste man die Bedarfe ermitteln. Was wollen die alle eigentlich? Wo liegen die Schwächen? Und wie setzen sie vielleicht auch bereits die Ziele um, die Du ansprichst oder umsetzen möchtest?

Als Dritten Schritt kann man dann beginnen Pläne zu machen, wie man nicht gedeckte Bedarfe umsetzen könnte oder das Netzwerk verbessern könnte.

Um noch kurz auf NRW zurück zu kommen, hier passiert nicht viel, dann habe ich das falsch vermittelt, tut mir leid. Es gibt ein paar in ihrer Region sehr aktive Gruppen, die dort auch tolle Arbeit machen, doch leider wissen die meisten allenfalls vom Namen her etwas von den anderen. Es existiert also kein tragfähiges Netzwerk. Daran wollen jetzt ein paar Aktive arbeiten - und "ein paar" ist schon fast wörtlich zu nehmen, denn viele sind das nicht. Komischerweise sagen aber die Gruppenvertreter_innen, wenn man sich dann mal trifft, dass sie ein Netzwerk vermissen. Also der Bedarf ist da, doch es macht keiner. Auf der anderen Seite haben wir das Land NRW vertreten durch das MGEPA (Ministerium für Gesundheit, Emanzipation Pflege und Alter - wer hat sich diese Zusammenstellung ausgedacht!?), dass über den Aktionsplan die Vernetzung von Trans* (Selbsthilfe und politische Vertretung) fördern möchte, aber akut keinen Ansprechpartner dafür hat. Es ist wie es immer ist - eine kleine Gruppe von Unbeirrbaren Idealisten wird nun Fäden zu den anderen spannen und beginnen daran kontinuierlich zu ziehen, bis die ganze (träge) Masse beginnt Fahrt aufzunehmen.

Ob das gelingen wird? Wir werden es erleben. Ich würde es mir sehr wünschen, weshalb ich langsam versuche in diese Strukturen hinein zu wachsen. Es sind viele viele gute, liebe und aktive Menschen im Land, die schon seit vielen Jahren in diesen Bereichen tätig sind und viel viel Erfahrung damit haben. Dagegen bin ich mit meinen knapp zwei Lenzen Aktivismus eine völlige Novizin und halte mich daher mit Kritik an vielen Stellen sehr zurück. Blickt man dahinter, hat Vieles des Ist-Zustandes doch (leider) Gründe. Das heißt nicht, dass man es nicht besser machen könne! Doch diese Gründe sollte man zuerst in Erfahrung bringen, um sie dann in seine Ansichten und Pläne mit einzubeziehen. Man läuft sonst Gefahr, die gleichen Fehler wieder zu machen und/oder den langjährig Aktiven vor den Kopf zu stoßen.
Anke hat geschrieben: Politik und Verwaltung mögen ja den roten Teppich ausrollen, bei uns scheinen die Türen verschlossen zu sein. Entweder erklärt mir jede wortreich, warum das alles nicht geht. Oder ich bekommen solche lauwarmen Hinhalteschreiben, wie von der Orga des Waldschlösschentreffs.
Es tut mir wirklich leid, wenn das Schreiben von Trans*Aktiv so bei Dir ankam und Dich frustrierte :(

Bitte lass es mich erklären. Wie in dem anderen Post beschrieben, kostet jeder Platz, also jede Person die kommt, richtig viel Geld. Alle sind bestrebt, so viele Plätze wie möglich bereit zu stellen, doch unendlich ist das Angebot leider nicht - zuguterletzt hat auch das Waldschlösschen nur begrenzt viele Betten, doch das Geld ist viel limitierender als das. Das Koordinationsteam musste sich also überlegen, wie mit den Anmeldungen umgegangen werden kann, vor allem, wenn mehr Anmeldungen als Plätze kommen würden.

Das Ziel ist ganz klar, es soll eine möglichst großflächige Interessenvertretung gegründet werden. Dazu ist es natürlich erstrebenswert, so viele Menschen wie möglich bei dieser Veranstaltung vertreten zu haben. Individuelle Teilnehmer_innen können nur sich selbst vertreten - auch toll, aber eben nur eine Person. Gruppenvertreter_innen vertreten aber eine ganze Gruppe. Daher wurde für Gruppenvertreter_innen der größte Teil der Plätze eingeplant. Als zweite Fokusgruppe sollten intersektional möglicherweise benachteiligte Personen besonders berücksichtigt werden, weil sie sonst meist hinten runter fallen - z.B. Trans* im Alter, mit Behinderungen etc. Für sie wurde auch ein Kontingent an Plätzen vorgesehen. Und dann zum Schluss kommen die Individualvertreter_innen. Das ganze steht aber auch in der Einladung [5] beschrieben.

Zur Zeit wird keine Anmeldung abgelehnt! Wir müssen erst sehen, wieviele sich wirklich anmelden. Wir werden *alle* Plätze vergeben, nach zuvor genannten Prioritäten. Zur Zeit sieht es so aus, dass auch alle Individualanmeldungen positiv berücksichtigt werden können - das kann ich noch nicht versprechen, aber es sieht gut aus. Also bitte hab(t) noch etwas Geduld bis zur endgültigen Zusage.
Anke hat geschrieben: Vielleicht schaffen wir es mit der Initiative hier ein paar Türen zu öffnen und Bewegung in die Sache zu bekommen.

Liebe Grüße

Anke
Vielleicht wäre es ja schlicht möglich und sinnvoll, ein_e Vertreter_in des Forums zum Waldschlösschen zu entsenden? Das sehe ich als durchaus möglich. Auch wenn es bei den Forumsmitgliedern eine gewisse Überschneidung mit manchen Gruppen gibt, so sind doch auch viele hier im Forum, die nicht einer anderen Gruppe angehören? Auch diese sollten doch vertreten sein?

Liebe Grüße
nicole


[1] Wadlschlösschen-Erklärung
http://www.ws.trans-ident.com/download- ... erklaerung

[2]
http://www.netzwerk-lsbttiq.net/

[3]
http://www.netzwerk-lsbttiq.net/index.php/mitglieder

[4]
http://www.dgti.org/shgs.html

[5]
http://www.ws.trans-ident.com/aktuelles ... aktiv-2015
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Andrea aus Sachsen
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Re: Interessenvertretung

Post 66 im Thema

Beitrag von Andrea aus Sachsen »

.
Hallo alle zusammen,
ich schließe mich grundsätzlich der Meinung von Nicole an. Was wir vorrangig brauchen, ist eine übergeordnete Institution, welche die Interessen der vielen kleinen Trans*-Gruppen bündelt und nach außen vertritt. Bereits laufende oder künftige Bestrebungen, so einen Dachverband zu gründen (z.B. Trans*Aktiv), sollten wir deshalb nach Kräften unterstützen und die zahlreichen kleinen Gruppen ansprechen und zur Mitarbeit bewegen.
Hier im Forum eine weitere (kleine) Gruppe zu gründen macht unter diesem Gesichtspunkt wenig Sinn. Aber wir sollten weiter diskutieren, wie unsere Unterstützung zur Gründung einer gemeinsamen Interessenvertretung konkret aussehen kann.
Ich selbst würde mich in diesen Prozess, soweit es mir möglich ist, gern mit einbringen. Als erste Aktivität könnte ich mir vorstellen, die bestehenden Gruppen in Sachsen zu erfassen und mit denen Kontakt aufzunehmen.
Viele Grüße
Andrea aus Sachsen
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Re: Interessenvertretung

Post 67 im Thema

Beitrag von nicole.f »

Liebe Andrea,

großartig, dass Du Dich engagieren möchtest!
In / für den Bereich Sachsen gibt es ja den Verein "Trans Inter Aktiv Mitteldeutschland":

http://www.trans-inter-aktiv.de/

Das wäre dann vielleicht eine gute erste Kontaktadresse? Ich würde tippen, die freuen sich über jede Unterstützung. Auf ihrer Webseite haben sie auch bereits eine Liste von Gruppen aus den Bundesländern, in denen der Verein aktiv ist. Das wäre ja dann auch direkt ein guter erster Ansatz? Eine der Gründerinnen ist Silvia Rentzsch, die auch sehr aktiv bei Trans*Aktiv im Bund ist:
http://www.trans-inter-aktiv.de/product ... -rentzsch/
Wenn Du magst, stelle ich gerne einen Kontakt zwischen Euch her? Sie ist auch eine ausgesprochen angenehme Person, mit ihr kann man gut zusammenarbeiten.

Viel Erfolg - und lass uns wissen, was daraus wird.

Liebe Grüße
nicole
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Re: Interessenvertretung

Post 68 im Thema

Beitrag von Andrea aus Sachsen »

.
Danke Nicole für den Hinweis! Da gibt es in Sachsen ja bereits mehr Aktivitäten als ich dachte. Frau Rentsch kenne ich zwar (noch) nicht persönlich, aber der Name ist mir ganz geläufig. Eine Freundin hat sich schon mehrfach lobend über sie geäußert.
Na dann bin ich mal gespannt. Solche interessanten Leute kennenzulernen ist mir schon immer eine Freude.
Viele Grüße
Andrea aus Sachsen
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Re: Interessenvertretung

Post 69 im Thema

Beitrag von Magdalena »

Hallo alle Miteinander,

erstmal Danke Nicole für die Links. Ich habe mir die Weimarer Erlkärung durchgelesen. Hier fand ich viele Ziele aufgelistet, denen ich mich anschließe. Viele Ziele oder Interessen spiegeln die Probleme im Alltag wieder, mit denen wir uns tagtäglich auseinandersetzen. Wie
Chancengleichheit auf dem Arbeitsmarkt
Die Frage um den Personenstand, sich erklären müssen wenn Ausweis und die Person augenscheinlich nicht übereinstimmen.
Rechtliche und Gesundheitliche Fragen

Nun wie kann ich mich einbringen. Da ist zunächst der zeitliche Rahmen. Mir geht es zum Teil ähnlich wie Andrea (ab 08). Durch meine Arbeit bin ich stark gebunden. Ich bin als Dienstleister für eine Firma tätig, die über 360 Tage für ihre Kunden und Gäste da ist. Somit fallen auch verstärkt Wochenddienste und auch an Feiertagen Dienste an. Was die Teilnahme an Treffen und Veranstaltungen erschwert. Darum hatte ich mich auch noch nie zum Forentreffen angemeldet. Als Home-Office kann ich mir dagegen bei freier Zeiteinteilung durchaus eine Mitwirkung vorstellen.


Viele Grüße Magdalena
Lebe jeden Tag.
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Re: Interessenvertretung

Post 70 im Thema

Beitrag von Andrea-Yvette »

Liebe nicole.f,

vielen Dank für die vielen Links und Deine Beiträge.

Es ist wie Du schreibst wahrscheinlich das beste mich einer bestehenden Gruppe anzuschliessen, dort Mitglied zu werden und zu unterstützen um zu zeigen wie viele es von uns gibt.

Meinen Stealth-Bereich verlasse ich sowieso immer mehr und kämpfe meinen eigenen Kampf. Vielleicht kannst Du mir noch einen Tipp geben, was am besten zu meiner Situation passt.

Ich melde mich noch bei Dir per Mail.

LG Andrea-Yvette
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Re: Interessenvertretung

Post 71 im Thema

Beitrag von Franka »

Mir stellt sich die gleiche Frage, wie Magdalena,

wie kann ich mich einbringen? Bin nicht vernetzt, kenne sonst auch niemanden hier in der Umgebung. Zeit ist wohl bei mir nicht so das große Problem.
Gestern war ich allerdings auf dem ersten SHG Treffen von Gender-BS, also ein Anfang ist schon mal gemacht. Die Gruppe scheint sich aber eher als reine Selbsthilfegruppe zu verstehen und ist soweit ich das bisher mitbekommen habe auch nicht so aktiv nach außen. Gestern waren aber auch wenig Leute da und vielleicht tut sich da ja noch was.

LG Dahlia
Wir bekommen mit unserer Geburt das Leben geschenkt, doch viele von uns haben noch nicht einmal das Geschenkpapier abgemacht.
nicole.f
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Re: Interessenvertretung

Post 72 im Thema

Beitrag von nicole.f »

Einen wunderschönen Sonntag, Ihr Lieben,

ich bin ehrlich gerührt, wie viele gerne aktiv etwas beitragen möchten!

Wir alle haben unsere Kämpfe mit unserem Sein ausgetragen und kämpfen sie noch, mit uns selbst und mit anderen - ähnlich wie es MÃ¥ns Zelmerlöw in seinem ESC Siegertitel Heroes [1] beschreibt (was für eine geniale Hymne!) - "We are the heroes of our time! But we're dancing with the deamons in our minds...". Jede_r von uns ist ein_e Held_in! Jede_r auf seine ganz eigene persönliche Art und Weise. Niemand muss sich dafür entschuldigen, wenig Zeit zu haben oder nicht aktivistisch zu sein. Jede_r kämpft diesen Kampf so, wie sie/er es kann und muss.

Was mich so berührt ist, dass so viele das *wir* entdecken!
Nach vielen Jahren des Einzelkämpfertums finden immer mehr den nötigen Mut, für ein gemeinsames Ziel einzutreten. Für Offenheit und Akzeptanz, für ein leben und leben lassen, für die Wertschätzung und den Respekt gegenüber dem Anderen. Wir hier sind ganz besondere Helden. Wir kämpfen gegen Dämonen, die die allermeisten Menschen nie gesehen haben - und wir können sie ihnen nicht zeigen, wir können sie ihnen nur beschreiben, von uns erzählen, von unserem Problemen und unseren Kämpfen.

Das ist es, was es so wichtig und wertvoll macht, *irgendwie* sichtbar zu werden. Die Sichtbarkeit kann ganz unterschiedlich und dennoch so wichtig und hilfreich sein.

Ob man sich passiv einer Gruppe anschliesst oder persönlich in Erscheinung tritt, beides ist bereits ein großer Schritt in die richtige Richtung. Die, die die Gruppe nach außen persönlich vertreten, müssen sagen können, wie groß ihre Gruppe ist. Schon alleine deshalb sind auch passive Mitglieder wichtig.

Persönliche Sichtbarkeit ist das größte Geschenk, dass wir *uns* machen können. War nicht für die meisten von uns einer der größten Kämpfe, uns selbst zu erkennen und einen Umgang damit zu entwickeln? Für uns Trans*-Menschen ist dies so viel schwerer, weil wir kaum oder keine Role-Model haben, wir haben (fast) nichts, an dem wir uns orientieren können. Für CIS-Menschen ist dies ganz einfach! Nicht so für uns und das führt zu Konflikten, mit sich selbst und anderen. Es erwachen die Dämonen, mit denen wir dann lange zu kämpfen haben. Sichtbar zu werden bedeutet daher auch, für andere ein Role-Model zu sein. Mit unserer Sichtbarkeit machen wir es bereits anderen so viel leichter, ihren Platz zu finden. Ein ganz wichtiges Ergebnis, der sonst eher tragischen Ereignisse, der Stonewall Riots [2] war es, dass sich die Homosexuellen endlich aus ihrer bis dahin selbst verordneten Unsichtbarkeit hinaus trauten. Das Unrecht des Polizeieinsatzes wurde zum verbindenden Element und man begann gemeinsam sichtbar zu werden und für die eigenen Rechte einzustehen. Zuvor waren sie ähnlich zerstritten, wie unsere Trans* Community es hierzulande auch lange Zeit war.

Mein großer Wunsch ist es, dass wir es ohne ein tragisches Ereignis wie Stonewall schaffen, eine solche Gemeinschaft zu gründen. Ich sehe immer wieder, wie Trans*-Menschen darunter leiden, ihren Platz in der Gesellschaft, ja sogar ihre eigene Identität zu finden. Hin und her gerissen zwischen Selbstbild und Fremdbild, die einfach nicht zueinander finden wollen. Ja, ich glaube, dass ein sehr großer Teil der persönlichen Probleme von Trans*-Menschen indirekt durch die Gesellschaft verursacht werden. Nicht böswillig, es ist einfach so wie es ist. Transphobe Übergriffe sind in Deutschland glücklicherweise relativ selten. Doch die passive Diskriminierung ist nach wie vor ein großes Problem. Ich glaube, dass dies sogar nichteinmal ein Problem von Transphobie, sondern vielmehr von Xenophobie [3] ist, der Angst vor allem Fremden. Das wir dabei auch noch an einer Grundsäule der Gesellschaft, dem binären Geschlechtermodell, rütteln, macht es nur noch schwerer.

Wir können Veränderungen nicht erzwingen und sollten sie auch nicht als eine Art Dekret einfordern. Es wird Zeit brauchen, um schrittweise unseren Platz und unsere Gruppenidentität zu finden. Das wird nur nie passieren, weder in unseren Köpfen, noch in den Köpfen anderer, wenn wir nicht sichtbar sind und es kaum Wissen über die Größe unserer Gruppe gibt.

Sichtbar zu werden oder zu sein ist Kampf - mit den eigenen und den fremden Dämonen. Doch es lohnt sich!
Wir können damit dazu beitragen, dass es uns allen leichter fallen wird, offen zu uns zu stehen - damit die Dämonen ruhen. Endgültig besiegen werden wir sie nicht können, wie man leider in Russland sieht. Es wird eine lebenslange Aufgabe bleiben, weshalb die Strukturen, die wir aufbauen wollen, auch nachhaltig tragfähig sein müssen. Und es wird eine lebenslange Aufgabe bleiben, den Kampf um Sichtbarkeit weiter zu führen.

Seit Helden! Seit sichtbar!
So sichtbar, wie Ihr es für Euch vertreten könnt. Ihr könnt mit Eurem guten Beispiel so vielen Menschen eine unschätzbar große Hilfe sein - alleine damit, einfach sichtbar da zu sein.

Einen schönen und entspannten Sonntag und schöne Pfingsten Euch allen!

Liebe Grüße
nicole


[1] MÃ¥ns Zelmerlöw - Heroes
https://www.youtube.com/watch?v=5sGOwFVUU0I

[2] Stonewall Riots
http://de.wikipedia.org/wiki/Stonewall

[3] Xenophobie
http://de.wikipedia.org/w/index.php?tit ... edirect=no
Ich bin trans* - und das ist gut so!
Homepage: http://www.dpin.de/nf
Blog: http://www.dpin.de/nf/category/trans/
Lina
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Re: Interessenvertretung

Post 73 im Thema

Beitrag von Lina »

nicole.f hat geschrieben:Hallo Ihr Lieben,
.... Die EU Ratsresolution 2048 ist eines der deutlichsten Zeichen davon, hinzu kommen die Initiativen auf Malta, in Portugal und Dänemark. In fast keinem anderen Land gibt es solche kleinlichen Streitereien, wie sie leider in Deutschland immer wieder aufflammen. Das hat sicherlich geschichtliche Gründe, doch es sorgt leider auch dafür, dass die Trans* Lobby in Deutschland bestimmt eine der ...
Liebe Grüße
nicole


...

EU Ratsresolution 2048 - Die Bezeichnung ist wieder irreleitend, denke ich. Ich vermute, du meinst Resolution 2048 vom Europarat und nicht von einer der EU Institutionen. Ist zumindest die Einzige, die ich findenkann, die Themenmäßig passt. Die ist zwar auch wichtig aber lange nicht vergleichbar, weil es keine Garantie gibt, dass die Mitgliedsländer überhaupt diese in die Praxis umsetzt.

Oder erwartest du, dass Putin sie sofort in die Tat umsetzt, nur weil Die Russische Föderation auch Mitglied des Europarats ist?
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Re: Interessenvertretung

Post 74 im Thema

Beitrag von Lina »

Cybill hat geschrieben:
Lina hat geschrieben: ...
Ich wäre dabei. Jedoch würde ich gerne auch mit einer kleinen Gruppe auf analoger Ebene zusammenarbeiten. (Also wer in Hamburg ist interessiert ...) Ein wesentlicher Grund dazu ist, dass ich meine Stärken u.a. darin sehen Idéen - also auch die von Anderen - auf den Punkt zu bringen und in präsentationsfähige Form bringen als nur da zu stehen und tun als hätte ich selbt die ganzen Idéen, Meinungen etc.
Die Frau können wir hier gebrauchen! (siehe mein letzter Beitrag)
Danke Lina!

-Cy

Super, wollen wir über PN weiter darüber reden? - eine solche Arbeitsgruppe könnte zumindest auch teoretisch über Skype verhandeln. Ich werde mal checken ob es da nicht auch die Möglichkeit für Gruppenschaltungen gibt.

Es muss nicht alles auf irgendwelche Tagungen statt finden - natürlich ist es gut wenn eine bekannte Gruppierung hinter einer Aussage steht, die an eine bestimmte Adresse geht. Solche Organisationen können aus sehr nützlich sein, wenn es darum geht, größere Infokampagnen in Gang zu setzen - vor allem die, die Geld kosten. Trotzdem finde ich es erstaunlich, wieviele von diesen Verbände, Organisationen und Tagungen her erwähnt werden - manche kenn ich vom Namen, andere nicht - und ich muss trotzdem überlegen, was die jemals gemacht haben, wo man in der Mainstream-Öffentlichkeit von denen gehört hat etc.

Wenn es den Adressen, wie ich die nenne - z.B. Politiker, auch so geht, dann relativiert sich einiges. Auch wenn sie ihre Existenzberchtigung haben, sehe ich auch Möglichkeiten aus ganz anderen Ecken, wo auch schneller und ohne Mastodontenstrukturen Entscheidungsträger ins Gespräch zu bekommen.
Zuletzt geändert von Lina am So 24. Mai 2015, 20:38, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Interessenvertretung

Post 75 im Thema

Beitrag von nicole.f »

Liebe Tina,
ja, die meinte ich. Die Begrifflichkeit, ja, die ist etwas schwer und ja, EU-Rat ist irreführend, mea culpa, wenn man EU als Abkürzung für Europäische Union expandiert. Ich habe nicht zu Ende gedacht und es eher als Abkürzung für "Europa" gedacht, was natürlich nicht üblich und daher irreführend ist.

Ich weiß leider, dass der Europarat keine verbindlichen Beschlüsse fassen kann und das diese Resolution nicht einklagbar ist. Ich erwarte auch nicht, dass z.B. Russland sofort davor einknicken wird. Das wird Putin nicht sonderlich beeindrucken. Auch wird es keine direkte Auswirkung in Deutschland haben, das Gutachterverfahren nach TSG wird es weiterhin geben und der Zugang zu medizinischer Behandlung wird weiterhin von den veralteten Richtlinien aus 2009 bestimmt werden.

Doch diese Resolution ist ein enorm großer moralischer Zeigefinger. Alle Regierungen werden ihre Entscheidungen daran messen lassen müssen. Natürlich wird es diese Regierungen nicht davon abhalten, weiterhin Trans* negative Gesetze zu erlassen oder aufrecht zu erhalten. Leider nicht. Aber es ist ein großer moralischer Hebel, den Aktivist_innen bei ihrer Arbeit mit ansetzen können! Und dererlei Hebel werden immer mehr. Irgendwann kann sich diesen niemand mehr verschließen. Wir sind lange noch nicht am Ziel, das wollte ich damit nicht suggerieren. Aber es zeigt, dass an vielen Stellen, und auch an hohen staatlichen Stellen, darüber nachgedacht und der Handlungsbedarf gesehen wird. Da wird nicht mehr versucht, das Problem klein zu reden, sondern es werden sehr offensiv Forderungen gestellt. Das ist ein großer Schritt, finde ich.

In Deutschland beginnt bald die IMAG zu tagen. Rechtsgutachten werden demnächst in Auftrag gegeben und diese werden ganz sicher die Resolution 2048 berücksichtigen müssen. Die IMAG wird die Kommission sein, die unter anderem die längst überfällige Reform des TSG auf den Weg bringen könnte. Neben den Gutachten werden in der IMAG auch Interessengruppen vertreten sein - auch Trans* Gruppen! Damit schließt sich dann der Kreis zu dem eigentlichen Thema in diesem Thread, einer Interessenvertretung. Ja, wir brauchen so eine! Dringend! Denn diese Vertreter_innen müssten dort für uns am Tisch sitzen. Aktuell haben wir soetwas nicht und das Ministerium sucht, nach bestem Wissen und Gewissen, selbst welche aus. Das kann natürlich nicht sonderlich repräsentativ sein und ist daher, wie ich finde, kein sonderlich erstrebenswerter Zustand.

Liebe Grüße
nicole


PS: Du möchtest in Hamburg aktiv werden? In Hamburg findet bald wieder die HITT Tagung statt, 4.-6. September:
http://hitt-hamburg.de/
Perfekter Ort, um sich persönlich zu vernetzen! Auch wenn die Web-Seite nicht so dolle aussieht, da kommen eine Menge guter Leute.
Ich bin trans* - und das ist gut so!
Homepage: http://www.dpin.de/nf
Blog: http://www.dpin.de/nf/category/trans/
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