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Re: Kann sich die sexuelle Präferenz durch HRT verändern?

Verfasst: Fr 21. Feb 2020, 15:00
von Anja
Moinsen (moin)
Vicky_Rose hat geschrieben: Fr 21. Feb 2020, 14:55
Anja hat geschrieben: Fr 21. Feb 2020, 14:41 damit du sie dir nicht eingestehen musst?
So einfach ist das nicht. ich habe auch schon einmal Alkohol getrunken. Bin ich jetzt Alkoholiker ?
Uh! Das ist jetzt aber heftig weit hergeholt.
Nein aber du könntest ja zumindest sagen, das du Geschmack an Alkohol gefunden hast :wink:
Du bist ja auch nicht gleich homosexuell, nur weil du einmal Spaß dran hattest. Aber du hast vielleicht eben eine Bi-Neigung... :wink:

Grüße
die Anja

Re: Kann sich die sexuelle Präferenz durch HRT verändern?

Verfasst: Fr 21. Feb 2020, 17:12
von Marlene K.
Ich finde den ganzen Austausch und die Zuschreibungen von Außen sehr anstrengend. Ich bin überzeugt, dass wir alle uns auf verschiedenen Punkten zwischen zwei Polen was unser Begehren, unsere Körpermerkmale, unsere geschlechtliche Identität und vielen anderen Merkmalen angeht.

Das heißt für mich, dass es sowohl extrem eindeutige Ausformungen als auch sehr uneindeutige gibt sowohl beim Begehren als auch bei der Identität, aber auch bei den körperlichen Merkmalen, die ich ganz bewusst nicht auf die reinen Fortpflanzungsorgane beziehe.

Mir ist es dabei egal ob die Normabweichungen bei den einzelnen Merkmalen 0,2% oder 50% betragen. Es ändert nichts am Menschenrecht des Einzelnen.

Re: Kann sich die sexuelle Präferenz durch HRT verändern?

Verfasst: Fr 21. Feb 2020, 19:14
von Aria
LolAndrea hat geschrieben: Fr 21. Feb 2020, 03:52
Aria hat geschrieben: Do 20. Feb 2020, 19:29
Ziemlich bald nachdem ich erkannte, dass ich TS bin, merkte ich, wie ich mich plötzlich zu Männern hingezogen fühlte und Frauen mich nur noch auf freundschaftlicher Ebene interessierten.
hallo Aria, das ist ja mal spannend! Wie kann ich mir das vorstellen? Du wachst früh auf und hast die Orientierung gewechselt ohne eine BI Übergangsphase... echt? (mal flapsig formuliert) Besito Lola Andrea.
Nein, so war das ganz sicher nicht. Ich hatte eine Zeit lang überhaupt gar keine Ausrichtung. Mir war überhaupt nicht danach. In dieser Zeit hätte ich auch keinen Partner haben wollen. Weder, noch. Aber als ich von meiner Zeit der Selbstfindung wieder zurückkehrte, war klar, wohin die Orientierung gehen würde. Doch auch das, war nicht sofort 100% klar. Ich wusste nur, dass von nun an etwas anders ist. Ich meine, damit muss man ja erstmal klar kommen, dass es nun nicht mehr Frauen sind, die ich sexuell anziehend finde, sondern eben Männer.

P.S. Du kannst mir gerne weitere Fragen per PN stellen, sofern du möchtest. Ich möchte öffentlich nicht mehr so gerne über solche und ähnliche Themen sprechen.

Re: Kann sich die sexuelle Präferenz durch HRT verändern?

Verfasst: Sa 7. Mär 2020, 09:02
von ClaraCD
Habe gerade einmal gegoogelt, habe einen Artikel gefunden (https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4192544/), der sagt relativ schön, dass es in etwa einem Drittel der MTF-TS zu einer Veränderung kommt, aber nur in einem Viertel der FTM. Bei den MTF ist diese Veränderung in etwa 40 % der Fälle vor der geschlechtsangleichenden Operation, bei den FTM sogar zu 60 % - aber ich habe auf die Schnelle nicht gefunden, ob es vor oder nach der Hormontherapie geschah.

Im Ergebnis - ja, TS erleben recht häufig einen Wandel der sexuellen Orientierung.

Clara

Re: Kann sich die sexuelle Präferenz durch HRT verändern?

Verfasst: Sa 7. Mär 2020, 13:49
von LolAndrea
hallo Clara, interessant gracias! (smili) bei den Trans Frauen ist das demnach mit 40 % immer noch die Minderheit!
Im persönlichen live Kontakt mit den ftm TS erlebe ich das hier genau gegensätzlich, die klare Mehrheit ändert ihre sex. Präferenzen NICHT, sind also GAYS und entwickeln meist einen starken machismo bis zur Misogynie, die auch Trans Frauen betrifft! Aber vielleicht ist das hier wieder das Exempel für "Ein Planet zwei Welten"! :lol:

Liebe Gruesse abrazo y besito Lola Andrea (ki)

Re: Kann sich die sexuelle Präferenz durch HRT verändern?

Verfasst: Sa 7. Mär 2020, 15:37
von Jaddy
Da ich gerade die S3-Richtlinie durchgeackert habe, hier mal die Seiten (86-92) zum Thema Sexualität und Transition:
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(Quelle: (PDF) auf https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/138-001.html)

Re: Kann sich die sexuelle Präferenz durch HRT verändern?

Verfasst: Sa 7. Mär 2020, 20:57
von LolAndrea
Jaddy hat geschrieben: Sa 7. Mär 2020, 15:37 Da ich gerade die S3-Richtlinie durchgeackert habe, hier mal die Seiten (86-92) zum Thema Sexualität und Transition:
hallo liebe Jaddy, danke für die Texte .. wenn ich mal gross bin, lese ich die vielen Seiten! Kannst du das bitte kurz zusammenfassen, wäre ganz lieb von Dir? (he)

Liebe Gruesse abrazo y besito Lola Andrea

Re: Kann sich die sexuelle Präferenz durch HRT verändern?

Verfasst: Sa 7. Mär 2020, 21:07
von Jaddy
LolAndrea hat geschrieben: Sa 7. Mär 2020, 20:57Jaddy, danke für die Texte .. wenn ich mal gross bin, lese ich die vielen Seiten! Kannst du das bitte kurz zusammenfassen, wäre ganz lieb von Dir? (he)
Klar.
Bildschirmfoto 2020-03-07 um 21.06.01.png
Übersetzt ins Norddeutsche: "Jo".

Gern geschehen.

Re: Kann sich die sexuelle Präferenz durch HRT verändern?

Verfasst: Sa 7. Mär 2020, 21:42
von heike65
Für mich: Nö

Re: Kann sich die sexuelle Präferenz durch HRT verändern?

Verfasst: Sa 11. Apr 2020, 13:04
von Jaddy
Es gibt eine Langzeitstudie(1) über die Änderung beim sexuellen Verlangen mit Beginn der HET mit dem Titel "Sexual Desire Changes in Transgender Individuals Upon Initiation of Hormone Treatment: Results From the Longitudinal European Network for the Investigation of Gender Incongruence", die über 700 trans Personen 3 Jahre ab Beginn der HET mit standardisierten Befragungen begleitet haben. Die Fragenkataloge sind nach meinem Eindruck aus dem Text wohl recht aussagekräftig, aber da habe ich keine Expertise.

Die Resultate zeigen eine große Varianz, aber im Median einen Trend, der für trans Männer und trans Frauen unterschiedlich ist. Die Teilnehmenden wurde jeweils direkt vor und dann 3, 12 und 36 Monate nach Beginn der HET befragt.
Bildschirmfoto 2020-04-11 um 12.23.13.png
"Gesamt-Verlangen" ("total desire"). Oben trans Männer, unten trans Frauen, über 36 Monate. Der Median kommt nach 3 Jahren 25-40% höher raus als der Startwert.
Bildschirmfoto 2020-04-11 um 12.26.04.png
Prospective median total SDI scores over 36 months of follow-up in transgender men and transgender women, with 95% confidence intervals. * indicates a significant difference between 0 and 3 months. $ indicates a significant difference between 12 and 24 months. m indicates a significant difference between 0 and 36 months.

"Sexuelles Verlangen mit anderen" ("dyadic") sieht so ähnlich aus.
Bildschirmfoto 2020-04-11 um 12.31.37.png
Prospective median dyadic SDI scores over 36 months of follow-up in transgender men and transgender women, with 95% confidence intervals. * indicates a significant difference between 0 and 3 months. m indicates a significant difference between 0 and 36 months.

Interessant dazu das "sexuelle Verlangen mit sich allein" ("solitary"), mit ziemlichen Unterschieden für trasn Männer und Frauen vor HET und 36 Monate nach Beginn HET.
Bildschirmfoto 2020-04-11 um 12.36.27.png
Prospective median solitary SDI scores over 36 months of follow-up in transgender men and transgender women, with 95% confidence intervals. * indicates a significant difference between 0 and 3 months. $ indicates a significant difference between 12 and 24 months. % indicates a significant difference between 3 and 24 months.

Ein paar andere Erkenntnisse, die alle nicht so sehr überraschen, aber nun immerhin ein paar Zahlen als Grundlage haben :)
Partnership Status. People with a partner reported higher total and dyadic SDI scores at baseline and after 3 months of HT, higher total and dyadic SDI scores after 12 months of HT in TM only, higher dyadic SDI scores after 36 months of HT, and higher total SDI scores after 36 months of HT in TM only (Supplemental Table 2). Relationship status did not influence solitary SDI scores.
Trans Menschen in einer Partnerschaft haben ein höheres Verlangen nach Sex mit anderen. Das Solosex-Verlangen war bei ihnen nicht anders als bei trans Menschen ohne Partnerschaft.
Gender-Affirming Surgery. Gonadectomy resulted in higher total and dyadic SDI scores in TW after 24 months, but not in TM and/or at all other follow-up visits (Supplemental Table 2). Undergoing gonadectomy did not influence solitary SDI scores in TW or TM. In TW, undergoing breast augmentation and/or vaginoplasty did not influence total, dyadic, or solitary SDI scores. In TM, undergoing mastectomy and/or phalloplasty did not influence total, dyadic, or solitary SDI scores.
GaOP beinflusste Partnersex bei trans Frauen, aber nicht bei trans Männern. Solosexuelles Verlangen wurd enicht beeinflusst. Bei trans Frauen ändern andere OPs wohl nix, bei trans Männern ändern OPs wohl gar nix am Verlangen.
Desirable and Undesirable Effects of HT. Dyadic SDI scores were lower in those with persistent menstrual bleeding after 1 year of HT, compared to those who no longer experienced menstrual bleeding (Supplemental Table 2). However, the occurrence of spotting and/or menstruation did not influence total or dyadic SDI scores after 3 or total and solitary SDI scores after 12 months of HT. The degree of virilization as measured by the FG score did not influence total, dyadic, or solitary SDI scores.
ähh... hab ich nicht ganz verstanden. Trans Männer wohl ein sexuelles Stimmungstief, wenn sie nach 12 Monaten HET immer noch menstruieren. Die Dreimonatsbefragung und die Befragungen danach zeigen keine Unterschiede. Vielleicht eine Art "Jahresbilanz"?
Psychological and Mental Status. In TW, lower baseline gender dysphoria (higher UGDS scores) was associated with higher baseline total and dyadic SDI scores. In addition, solitary SDI scores were also positively correlated with UGDS scores after 1 year of HT in TW, indicating higher solitary SDI scores in people with less gender dysphoria at baseline. Lower body image scores (indicating less body dysphoria) at baseline were correlated to higher dyadic SDI scores after 12 months.
Trans Frauen mit weniger Dysphorie hatten ein höhreres Anfangs-Verlangen und mehr Solosex-Interesse während der HET, und weniger körperliche Dysphorie korreliert mit höherem Partnersex-Verlangen... <loriot>Ach!</ach> ;)
CONCLUSION
Gender-affirming HT induces short-term changes in sexual desire in transgender people, with increased sexual desire after initiation of testosterone therapy and decreased sexual desire after initiation of estrogens plus antiandrogens. However, over a longer period of time, other factors contribute to sexual desire, which results in a net increase in sexual desire in TW receiving feminizing HT and sexual desire scores comparable with baseline in TM receiving virilizing HT.
Also: Kurzfristig geht das Verlangen hoch mit Testo, sinkt ab mit Umstellung auf Östrogen, aber langfristig normalisiert sich alles, meist auf höherem Niveau als vor Beginn - ich spekuliere mal: Wegen höherer Zufriedenheit mit dem eigenen Körper.

Sie diskutieren auch, dass es viele weitere, vorwiegend psychische Einflüsse auf das sexuelle Verlangen gibt, die sich auch mit der HET und Transition generell ändern. Dazu gibt es aber keine Detailuntersuchungen. Ich persönlich würde also den Start einer HET nur als signifikanten Zeitpunkt einer Transition betrachten, nach dem Motto "jetzt ändert sich tatsächlich was", was bei vielen sicherlich einen starken Placebo-Effekt auslöst, der andere Dingenach sich zieht.

Ach so: Zur veränderten Präferenz sagen sie nix :)

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(1) https://www.sciencedirect.com/science/a ... 951931882X#!, referenziert in https://www.reddit.com/r/MtFHRT/comment ... ansgender/ dort auch Link zum Volltest via Sci-Hub.

Re: Kann sich die sexuelle Präferenz durch HRT verändern?

Verfasst: Mo 13. Apr 2020, 12:07
von LolAndrea
Sehr interessant Jaddy!