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Re: Der Frust danach

Verfasst: Mo 21. Jan 2019, 15:24
von Sophia69
Hallo Leila-Sarah,
Danke du sprichst mir aus der Seele!
Und ich möchte noch oben einen draufsetzen. Wenn ich mich nicht vor meiner Frau oute, also nicht alles von mir preis gebe, etwas, was ich als süßes Geheimnis für mich bezeichne, für mich behalte, bin ich dann schon eine Lügnerin und Betrügerin? Jede, die nicht jeder Zeit alles von sich verät, also Informationen zurück hält, betrügt schon?
Ich liebe meine Frau, kann mir überhaupt nicht vorstellen sie je mit jemanden anderen zu betrügen und hintergehe sie, weil sie nicht offensiv meine weibliche Seite miterleben darf?
Wer kann und darf denn mit Recht einfordern, dass wir immer unser Innerstes in eine Partnerschaft auch nach außen kehren müssen? Ich behaupte, weil ich meine Frau sehr gut kenne, liebe und weil ich weiß, dass sie mich als Kerl liebt werde ich auch immer für sie dieser bleiben. Deshalb ist es doch kein Verbrechen oder nur etwas Schlechtes, dass ich Liz nur für mich und Niemande andere bin!
Und nun noch ein aller letztes ( versprochen 8) ) zur Ehrlichkeit von mir. Sollte frau nicht auch immer den Nutzen des Aussprechens der Ehrlichkeit mit im Blickwinkel haben? Was bringt es, wenn eine Unfallärztin einem Verunglückten entgegentritt und nach dem Motto: Ehrlich währt am längsten oder ich sage immer die Wahrheit, zu diesem sagt:" Das sieht bei ihnen aber verdammt schlecht aus, wären sie ein Tier würde ich sie jetzt erschießen."

Nun genug der Provokation von mir, nur noch eine letzte sei mir an dieser Stelle gegönnt. Ab jetzt schweige ich zu diesem Thema für den Weltfrieden (hs) , aber besser noch ich trinke ein Glas Wein auf den Weltfrieden :)p

Liz

Re: Der Frust danach

Verfasst: Mo 21. Jan 2019, 15:52
von Laila-Sarah
Liz hat geschrieben: Mo 21. Jan 2019, 15:24 Wenn ich mich nicht vor meiner Frau oute, also nicht alles von mir preis gebe, etwas, was ich als süßes Geheimnis für mich bezeichne, für mich behalte, bin ich dann schon eine Lügnerin und Betrügerin?
Hallo Liz,

m.M.n technisch betrachtet. Lügnerin: Ja (weil du die Wahrheit verzerrst). Betrügerin: Nein (ich weiß viele hier sehen das anders)

Aber wenn du z.B. sehr sicher abschätzen kannst, dass du mit 85% Wahrscheinlichkeit ca. 6 Monate nach dem Outing single bist (und sowas soll in diesem Forum schon vorgekommen sein). Dann ist deine Strategie der Zurückhaltung für den Erhalt deiner Ehe und Kinder etc. nachvollziehbar. Wobei die Gefahr aufzufliegen und in einer schlimmeren Situation als in einem kontrollierten Outing zu stehen imminent wie ein Damoklesschwert über deinem Kopf schwebt. Du kannst dich ja sehr langsam und schrittweise öffnen und an deine Partnerin herantasten und bei jeder Reaktion das Risiko neu bewerten. Wenn du denkst es könnte gut gehen, dann zuschlagen. Das Problem ist eher, dass alles dynamisch ist. Incl. deiner Person. Vielleicht wird dir irgendwann, heimliches und gelegentliches CDen nicht genug sein: Was dann?

VlG

Re: Der Frust danach

Verfasst: Mo 21. Jan 2019, 16:13
von Sophia69
Danke Leila-Sarah,
für deine ehrliche und differenzierte Antwort.

(moin) VlG Liz

Re: Der Frust danach

Verfasst: Di 22. Jan 2019, 10:41
von Ulrike-Marisa
Moin,

...da gibt es einen alten Spruch: jede Ehe/Partnerschaft hat ihr Geheimnis. Das war schon früher so und ist heute nicht anders. Nicht alles müssen wir wissen und wollen wir auch wissen. Gerade so in Grenzbereichen wie trans* und CD denke ich, dass Zurückhaltung auch nach einem Outing in der Familie ein Weg sein kann, um das weitere gemeinsame Zusammenleben gedeihlich zu gestalten. Wir sind keine gläsernen Menschen und die Gedanken sind frei. Zuneigung,Liebe, Zärtlichkeit und Zuverlässigkeit sind die Grundlagen für eine Partnerschaft. Trans* und CD sind doch im allgemeinen erst einmal Störungen dieser Partnerschaft, die nur mit neuen Randbedingungen weiter geführt werden kann. Da müssen andere und neue Wege beschritten werden, Kompromisse gefunden werden und Freiräume genutzt werden und, ganz wichtig meine ich, auch mal ein Auge zugedrückt werden, wenn ich das mal so sagen darf. Wahrheit, Aufrichtigkeit, alles gut, aber die totale Wahrheit hilft manchmal auch nicht weiter, wohl aber ein dezentes Verschweigen der ganzen Wahrheit; zumindest kann das ein gangbarer Weg sein, ohne gleich als Lügner oder grober Betrüger dazustehen. Aber das ist sicher eine persönliche Ansichtssache, wie weit jeder da bereit ist zu gehen...

Grüße, Ulrike-Marisa

ps.
da gibt's noch nen Spruch: reden ist Silber, schweigen ist Gold. Der stammt auch aus der guten alten Zeit. Die Menschen waren früher auch schon praktisch veranlagt. :wink:

Re: Der Frust danach

Verfasst: Di 22. Jan 2019, 11:12
von Valerie Bellegarde
Ulrike-Marisa:
Du hast klar gesprochen, ich würde sofort jedes Wort unterschreiben von deinem Statement. Reden ist Silber, schweigen ist Gold.

L.G. Valerie

Re: Der Frust danach

Verfasst: Di 22. Jan 2019, 11:50
von Sophia69
Vielen lieben Dank Ulrike- Marisa,
deine Worte sind Balsam für meine rebellisch gewordene Seele, die die Verabsolutierung einer einseitigen Sichtweise m. E. nach klug, wenn nicht sogar schon weise entgegentritt (dr) .
Ich fühle mich nun bestärkt meinen Weg weiter zu gehen, auf dem ich mich ja auch wohl fühle und es einfach auskoste und genieße auch Frau sein zu können. Das Lesen deiner Worte hat mich sehr erfreut und einen zusätzlich schönen Start in den Tag beschert. Nochmals vielen Dank dafür (flo)

Liz

Re: Der Frust danach

Verfasst: Di 22. Jan 2019, 12:29
von evacampelli
Danke!
Mit der Diskussion sind wir nun da angekommen, wo ich das Gefühl habe wir reden wieder auf Augenhöhe, trotz unterschiedlicher Meinungen.

Ich habe großen Respekt vor den Mitgliedern die sich in der Partnerschaft offenbaren konnten. Keine Frage.
Ich habe genauso großen Respekt vor denen die einen anderen Weg suchen müssen, weil die spezifischen Lebenssituation so ist wie sie ist.

Das Outing als CD in der Partnerschaft ist, meiner Meinung nach, kein moralischer Imperativ!
Beiträge die das suggerieren, empfinde ich als übergriffig. :((a

Vielmehr ist es das Ergebnis einer (hoffentlich) gut durchdachten und emotional abgewogenen Entscheidung.
Die Konsequenzen dieser Entscheidung trägt ja jede/r selber und damit auch die persönliche Verantwortung dafür.

Wenn durch ein Nicht-Outing Probleme entstehen, sind die Konzequenzen zu tragen. Das ist dann so.

Liebe Grüße an alle die /nicht - teilweise - ganz/ offen sind :)p
Eva

Re: Der Frust danach

Verfasst: Di 22. Jan 2019, 15:54
von YaCD
Liebe Eva,

Du sprichst mir 100% aus der Seele!

Liebe Grüße
Michaela

Re: Der Frust danach

Verfasst: Mi 23. Jan 2019, 00:05
von Michi
Ulrike-Marisa hat geschrieben: Di 22. Jan 2019, 10:41 ...da gibt es einen alten Spruch: jede Ehe/Partnerschaft hat ihr Geheimnis. Das war schon früher so und ist heute nicht anders. Nicht alles müssen wir wissen und wollen wir auch wissen.
Hallo Ulrike-Marisa,

es stimmt wohl .. man wollte nicht immer alles so genau wissen. Das bewegte sich etwa auf dem Level, dass man beispielsweise zwar wusste, dass der/die PartnerIn fremdgeht, aber vielleicht nicht so genau mit wem.

Es lief also eher auf ein dezentes Verschweigen der ganzen Details hinaus, was mir in deinem Text etwas untergegangen ist.

Die Ehe war früher eine Zweckgemeinschaft, aus der man zudem bis vor wenigen Jahrzehnten nicht so ohne weiteres wieder aussteigen konnte.
Ulrike-Marisa hat geschrieben: Di 22. Jan 2019, 10:41 da gibt's noch nen Spruch: reden ist Silber, schweigen ist Gold. Der stammt auch aus der guten alten Zeit. Die Menschen waren früher auch schon praktisch veranlagt. :wink:
Die "gute alte Zeit"? Also die, wo Männer noch Männer und die Frauen für Küche und Kinder zuständig waren und vom Mann ganz praktisch eine Tracht Prügel bekamen, wenn sie nicht gespurt haben. Diese Zeit meinst du?!

Nee, nicht mit mir. Ich bevorzuge eine Partnerschaft.

Zur Bedeutung des Spruchs:
"Manchmal ist es besser, zu schweigen, statt Unpassendes oder Überflüssiges zu sagen."

Übersetzt auf "gut Deutsch": Man soll nicht unüberlegt drauf los schwätzen. - Aber von Verschweigen ist da nicht die Rede.

@all
Ich will niemandem etwas ausreden, wenn er/sie meint, das Verschweigen der bessere Weg sei. Nur sollte man bedenken, dass wenn man öffentlich um Rat fragt, man eben nicht nur die Antworten bekommt, die man gerne hören möchte.


Beste Grüße
Michi

Re: Der Frust danach

Verfasst: Mi 23. Jan 2019, 01:20
von Bea Magdalena
Liebe Michi,

nun bin ichs, die Dir 100% zustimmen will.
Kleine Ausnahme, wenn einer der Partner fremdgeht, so denke ich, ist's mit der Vertrauensbasis eh schon vorbei.
Meiner Meinung nach ist das Verschweigen bereits zweitrangig, egal ob Details oder als ganzes.

Greade bei der "guten alten Zeit" bin ich voll bei Dir, es geht überhaupt nicht, mit Gewalt oder sogar Schlägen irgendeine Vorherrschaft in einer Ehe durchzusetzen!!!
Wenn man nun die Ehe als kleinste Einheit der Gesellschaft oder des Staates betrachtet, so haben Gesellschaft und Politiker noch erheblichen Lernbedarf. Ehe ist natürlich hier auch mit Partnerschaft ersetzbar, hab ich wegen der guten alten Zeit so geschrieben.

Liebe Grüße
Bea

Re: Der Frust danach

Verfasst: Mi 23. Jan 2019, 03:03
von Simone 65
Michi und auch alle Anderen. Ich habe vor 30 Jahren meine ältere Schwester im Arm gehalten . Ihr Mann hat Sie mit der Nachbarin betrogen. Ich war bei Ihr und nebenan ?
Ich konnte Sie nur fest halten .
Die Beiden sind noch zusammen .
Aber heute? Meine Schwester hat den Kontakt zu mir abgebrochen.
Darf ich traurig sein ?
Ich habe ja noch zwei weitere Schwestern .
Liebe Grüße Simone.

Re: Der Frust danach

Verfasst: Mi 23. Jan 2019, 06:55
von Bea Magdalena
Hallo Simone,

ja, Du darfst traurig darüber sein, dass Deine älteste Schwester den Kontakt zu Dir abgebrochen hat. Das tut weh, gerade weil Du sie liebst. Ich fühle mit Dir!

Ich hoffe, mit den beiden anderen Schwestern hast Du noch guten Kontakt!

Lieben Gruß
Bea

Re: Der Frust danach

Verfasst: Mi 23. Jan 2019, 14:43
von Ulrike-Marisa
Hallo Michi,

es sei dir freigestellt, meinen Beitrag in dieser Weise lesen und interpretieren zu wollen. Wenn du meine bisherigen Beiträge im Forum anschaust, dann wirst du dir eigentlich denken können, dass ich nicht gemeint habe, dass wir Seitensprünge etc., die es in der guten alten Zeit ebenso gab wie es sie heute aktuell gibt und bestimmt auch nicht die Bevormundung der Frau durch den Mann. Vielmehr sollte der Rückhaltung und der Fähigkeit zum Kompromiss auch in schwierigen Lebenslagen das Wort geredet werden gerade auch was erfolgreiche Partnerschaft angeht. Gerade in Fällen, wo jemand sich einem/r Partner/in gegenüber outet kommt schnell das Wort vom Verschweigen und Betrug ins Spiel. Unser Leben ist nicht vollständig öffentlich einsehbar auch für Partner/innen nicht. Es gibt auch eine geistige Privatsphäre. Hier greift mein Text ein, in dem ich meine, dass eben nicht alles im Leben in voller Gänze und Breite ausgebreitet werden und mitgeteilt muss; hier greift eine gewisse Selbstschutzfunktion meiner Meinung nach. Meinungen können aber bisweilen auch sehr verschieden ausfallen, macht nichts; jede/r hier im Forum kann sich eine eigenen Meinung bilden.

Beste Grüße, Ulrike-Marisa

Re: Der Frust danach

Verfasst: Mi 23. Jan 2019, 16:41
von Laila-Sarah
Im Grunde ist das hier eine waschechte Grundsatzdiskussion.

Bekannterweise kommen bei Grundsatzdiskussionen nie Ergebnisse sondern Streitsituationen heraus.

A oder B? Grün oder blau?

Fakt ist: Menschen sind verschieden. Beziehungen sind verschieden. Wenn es bei mir funktioniert wird es automatisch nicht bei allen anderen funktionieren?

Also können wir es auch lassen uns gegenseitig zu verletzen und Sachen vorzuwerfen.

Mann kann sagen: Ich habe so etwas gemacht und habe diese Erfahrungen damit. Ich würde es wieder so machen. Mehr eigentlich nicht.

VlG

Re: Der Frust danach

Verfasst: Do 24. Jan 2019, 20:13
von Michi
Ulrike-Marisa hat geschrieben: Mi 23. Jan 2019, 14:43 Hallo Michi,

es sei dir freigestellt, meinen Beitrag in dieser Weise lesen und interpretieren zu wollen. Wenn du meine bisherigen Beiträge im Forum anschaust,
Hallo Ulrike-Marisa,

ich wollte dich keineswegs angreifen, und es tut mir leid, wenn das so herüber gekommen ist.

Es war weniger die Diskrepanz zu deinen sonstigen Beiträgen, sondern die erwartbar falschen Schlüsse, die von anderen aus deinen Worten gezogen wurden, Überlegungen die du auf diese Weise scheinbar bestätigt hast.

Natürlich habe ich in meiner Antwort etwas überzeichnet, um das Problem zu veranschaulichen. Das Fremdgehen war nur als anschauliches Beispiel gedacht, mit dem ich mir breiteres Verständnis erhofft hatte.

Aber nichts desto trotz war meine Aussage ganz genau so gemeint:

Verschweigen ist etwas grundsätzlich anderes, als der Partnerin nicht immer jedes Detail zu berichten.


Ich selbst habe auch erst 2010 begonnen, meinen potentiellen Partnerinnen von Michi zu erzählen. Und ja, ich würde es jeder Zeit wieder machen. Das Verschweigen in den Jahren davor hat meinen Partnerschaften geschadet, da bin ich mir ziemlich sicher. Denn die Heimlichkeiten haben mich sehr viel Kraft gekostet, die mir für meine Partnerschaft gefehlt haben.


Liebe Grüße
Michi