High Heels in Wien
High Heels in Wien - # 3

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Lana
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Re: High Heels in Wien

Post 31 im Thema

Beitrag von Lana »

Desiree Maxima hat geschrieben: Sa 9. Mai 2026, 11:43Alsbald stand der nächste Programmpunkt an. Lana hatte vorab recherchiert, daß ein großes Season Opening im "Vienna City Beach Club" am heutigen Tag mit viel Musik und DJs stattfinden würde. Als ich in der Ankündigung las, daß vor allem Techno gespielt werden soll, war ich Feuer und Flamme. Es ist zwar schon lange her, aber ich war in den späten 1980ern und frühen 1990ern auf den ersten Raves, die in Wien stattfanden, und habe seither mein Faible für diese Musik nicht mehr abgelegt.
Da hast du mir was voraus, liebe Desiree :wink:
Den ersten Kontakt zu elektronischer Musik hatte ich Ende der Neunziger, als ich in eine Frau verliebt war, die diese Musik sehr mochte. Leider wurde daraus nichts (weder aus der Beziehung zu der Frau, noch aus meiner Bekanntschaft mit dieser Musikrichtung). Etwas später war ich mit ein paar Arbeitskollegen in einschlägigen Clubs unterwegs, wo die Musik ganz ausgezeichnet war und mir viel besser gefiel als in den "normalen" Discos jener Zeit. Wieder war es Elektro, Trance, Techno, was weiß ich, hatte ja auch keine Ahnung damals. Aber auch das hatte ich schnell wieder aus den Augen verloren. Mein Leben entwickelte sich in eine andere Richtung.
Erst zwanzig Jahre später bin ich wieder darauf gestoßen. Inzwischen war es fast schon Mainstream geworden, aber das störte mich nicht. Im Gegenteil, wurde es so doch viel einfacher, entsprechende Veranstaltungen zu finden und zu besuchen.

Inzwischen gibt es das also am Freitag Nachmittag am Donaustrand, für die ganze Familie. Und zufällig auch noch gerade an dem Tag, an dem wir in Wien waren. Und noch zufälliger quasi vor Desirees Haustür.
Desiree Maxima hat geschrieben: Sa 9. Mai 2026, 11:43 Der VCBC ist in ca. 10-15 Gehminuten von meiner Wohnung aus zu erreichen.

Was lag also näher, als diese Veranstaltung zum ersten Programmpunkt nach unserem Ankunftstag zu machen? Für mich würde es eine Gelegenheit zum Tanzen sein, und wer das nicht mochte, konnte sich gemütlich unterhalten.
Was wir dann auch getan haben, ich ebenfalls. Nach Tanzen im weichen Sand war mir nicht zumute, und ein bisschen müde war ich noch von der Nacht davor.

Nach dem Italiener hatte ich nämlich noch einen kleinen Ausflug ins Wiener Nachtleben unternommen. Leider waren die anderen zu müde, aber die Veranstaltung begann auch erst um 23 Uhr, und der Hauptgast der Nacht legte erst ab 2 Uhr auf. Das war Jan Blomqvist, den ich unbedingt mal live erleben wollte.
Erst kürzlich hatte mich mein Neffe "wieder" auf ihn gebracht. Er schickte mir diesen Link:
https://m.youtube.com/watch?v=UvYaVWd1w9Q
Ich schaute mir das Video an und dachte die ganze Zeit: da möchte ich auch mal dabei sein. Diese Musik, die schönen Menschen, die ihre wundervollen Körper im Einklang mit der Musik bewegten, die abendliche Stimmung an diesem See, der entrückt in den Weiten der zentralasiatischen Steppe zu liegen schien...
Dabei war es der Wörthersee in Kärnten, wie ich (zufällig und völlig unabhängig davon) just an diesem Abend beim Italiener von Saskia erfuhr, die das Pink Lake Festival schon selbst besucht hatte. So schließt sich manchmal der Kreis.
Oder auch nicht. Denn dieses Video stammt nicht vom Pink Lake Festival am Wörthersee, sondern von einem See in der Ukraine, der so genannt wird, und wo das Wave White Festival 2021 stattfand.

So lief ich nach dem Abendessen die paar Meter von unserem Restaurant durch sehr belebte Gassen hinüber zum Opernhaus, in dessen unmittelbarer Nachbarschaft der Club liegt.

Es war wunderbar. Drei Floors mit ausreichend Platz zum Tanzen, tolle schöne Menschen, super DJs. Kurz nach vier bin ich mit der U-Bahn zu Desirees Wohnung zurück gefahren. Die ersten Bäcker bestückten gerade ihre Verkaufstheken, die Trafiken wurden mit neuen Zeitungen bestückt, der Fliesenboden in der Unterführung saubergemacht und vor dem Imbissstand war eine endlose Schlange von jungen hungrigen Menschen. Jemand wollte mir unbedingt eine Rose schenken. Es waren noch sehr viele Menschen unterwegs. Alles war hell erleuchtet, erstaunlich aufgeräumt und sauber für diese Tageszeit. Da könnten sich deutsche Großstädte ein Vorbild nehmen.

Die nächste U-Bahn verpasste ich um eine Minute, aber die Bahn fährt die ganze Nacht im Viertelstundentakt. Lange musste ich nicht warten, und es fühlte sich auch nicht unsicher an, um halb fünf in der früh voll geschminkt und im Club-Outfit in einer ziemlich leeren U-Bahn-Station zu stehen. Irgendwie gab es die Schmuddelecken mit den Grüppchen von betrunkenen Jungs dort nicht. Kein Müll, keine Bierpfützen und Glasscherben auf dem Bahnsteig. Auch im Zug selbst war das kein Problem. Frauen allein unterwegs, völlig entspannt. So kann das also auch gehen, dachte ich mir. Ohne Angst, ohne komisches Gefühl im Bauch.
Immerhin ist Wien die zweitgrößte Stadt im deutschsprachigen Raum, nach Berlin. Nur dass ich mich in männlicher Aufmachung schon vor Jahren tagsüber in der Berliner S-Bahn nicht wohlgefühlt habe...
Sicher gibt es in Wien auch Probleme, aber es fühlte sich für mich deutlich angenehmer an, dort nachts allein unterwegs zu sein als ich das üblicherweise gewohnt bin.

Der Weg von der U-Bahn zu Desirees Wohnung ist nicht weit und führt durch eine Art Parkanlage. Die Vögel zwitscherten, und zu meiner Überraschung wechselte der Horizont im Osten gerade von nachtschwarz zu den ersten Grautönen, die bald eine zauberhaft bläuliche Tönung annahmen. Das morgendliche Zwielicht entrückte die Welt. Es war wunderschön, und ich war wie in Trance.

Es würde ein guter Tag werden. Und ich würde ihn mit wunderbaren Menschen verbringen dürfen.

LGL
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Re: High Heels in Wien

Post 32 im Thema

Beitrag von Beatrixtg »

Lana hat geschrieben: Sa 16. Mai 2026, 23:06 Der Weg von der U-Bahn zu Desirees Wohnung ist nicht weit und führt durch eine Art Parkanlage. Die Vögel zwitscherten, und zu meiner Überraschung wechselte der Horizont im Osten gerade von nachtschwarz zu den ersten Grautönen, die bald eine zauberhaft bläuliche Tönung annahmen. Das morgendliche Zwielicht entrückte die Welt. Es war wunderschön, und ich war wie in Trance.

Es würde ein guter Tag werden. Und ich würde ihn mit wunderbaren Menschen verbringen dürfen.
Und ich nehme mal an, es ging nahtlos weiter? Nix Bett? Frühstück und das Leben geniessen. Schlafen kann man auch später wieder!

Liebe Grüsse Beatrix
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Re: High Heels in Wien

Post 33 im Thema

Beitrag von Lana »

Nein, ich habe mich brav hingelegt und "durfte" bis gegen 10 Uhr ausschlafen.
Wie Desiree schon geschrieben hatte, frühstückten wir eher spät. Eigentlich war es eher ein Brunch, zumindest der Uhrzeit nach. Das kam mir an diesem Morgen sehr gelegen
:D

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Re: High Heels in Wien

Post 34 im Thema

Beitrag von Maya »

Lana hat geschrieben: Sa 16. Mai 2026, 23:21 Wie Desiree schon geschrieben hatte, frühstückten wir eher spät.
Jaaaaa, das kam mir auch sehr entgegen, dass von uns niemand um 7 oder 8 Uhr unbedingt ein Frühstück brauchte.
Wieder ein Punkt, in dem wir 4 toll harmonieren.
Im Regelfall frühstücke ich zwischen 11 und 14 Uhr. 8) , wobei ich das aber ganz flexibel variieren kann.
Vor dem 2. Kaffee bin ich eher nicht ansprechbar und Entscheidungsfähig, womit ich wohl nicht so ganz alleine war. :D
Aber wenn ich dann morgens bei Desiree ankam, war ich eh komplett gestylt und hatte schon 2 Kaffee intus.
So wie ich das jetzt in Erinnerung habe, sind wir wohl alle 4 Kaffeetanten.
Also alles gut. :lol:

LG, Maya
Das Glück ist das einzige, das sich verdoppelt, wenn man es teilt.
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Re: High Heels in Wien

Post 35 im Thema

Beitrag von Desiree Maxima »

Hallo meine Lieben,

4.5. - Der Abschied

Nun war es also soweit - der Tag des Abschiednehmens war da.

Am Morgen herrschte mittlerweile "Business as usual" - in den Tagen seit der Ankunft hat sich eine gewisse Morgenroutine eingestellt. Alles lief in (nahezu) geregelten Bahnen. "Ach, hätte es nicht immer so weitergehen können?" fragte ich mich insgeheim. Da dieser Tag ein "stinknormaler" Arbeitstag war und Mayas Gastgeber zur Arbeit mussten, nahm sie diesmal ein Taxi, um zu mir zu kommen. Nach ihrer Ankunft gab es Frühstück, bei dem wir hauptsächlich die Reste von dem, was ich für das gesamte Wochenende eingekauft hatte, verputzen. Noch einmal ein wenig scherzen am Frühstücktisch, noch einmal Girlstalk am Morgen - und doch, ich spürte eine etwas leicht gedämpfte Stimmung.

Geplant war, daß ich Maya und Marcella zum Flughafen bringe und daß Lana, da ihr Zug in etwa zeitgleich wie der Flieger gehen würde, mit der U-Bahn zum Bahnhof fährt.

Schon am Vorabend begann ich hin- und her zu überlegen, ob ich die beiden aus Bequemlichkeit nicht lieber im MM zum Flughafen führen sollte. Doch dann fiel mir ein, daß der 4.5. der erste Montag im Monat war und an diesem immer das Regenbogencafe in einem Nachbarschaftszentrum (einer sozialen Einrichtung) in meiner Nähe stattfindet. Ich habe darüber schon berichtet und daß aufgrund von drastischen Budgetkürzungen der Stadt Wien im Raum stand, das Regenbogencafe ersatzlos zu streichen. Glücklicherweise kam es nicht so weit, auch wenn es nun etwas "reduziert" weitergeführt wird. Und schon hatte ich einen triftigen Grund, mich ebenfalls wieder in Desiree zu "verwandeln". Mittlerweile ging mir das Schminken schon sehr leicht von der Hand und es dauerte nur mehr maximal 30 Minuten bis das Makeup ausgehfertig saß. Dazu trug ich mein elegantestes Sommerkleid aus zartem Tüll mit leicht transparenten langen Ärmeln.

Nachdem die letzten Kleidungsstücke und Kosmetikartikel in Kartons und Koffern verstaut waren, wurden diese nun endgültig verschlossen, die Kartons versandfertig verklebt und mit einem entsprechenden Etikett versehen. Bis vor kurzem gab es bei mir um die Ecke einen Handyshop, der auch als Hermes Paketshop fungierte. Leider hat der Shopbetrieber den Vertrag mit Hermes aufgekündigt. Nach kurzer Suche im Web fanden wir einen Hermes Shop, der fast am Weg zum Flughafen lag und der mit dem Auto gut erreichbar war.

Und dann stand der erste Abschied an. Maya, Marcella und ich umarmten Lana ganz fest. Ich glaube am liebsten hätte keine von uns sie wieder loslassen wollen. Dann öffnete sie die Wohnungstür und machte sich auf den Weg zum Bahnhof. Danach verfiel ich in eine leichte "Abreisehektik", um nur ja nicht allzu lange den Abschiedsschmerz nachschwingen zu lassen. Sicherheitshalber machten wir uns ebenfalls recht bald auf den Weg - der Verkehr in Wien ist in den letzten Jahren sehr unberechenbar geworden und obendrein gab es eine große Baustelle auf der Autobahn zum Flughafen. Wenn es da einmal kracht, dann steht alles. Zuerst gaben Maya und Marcella Ihre Pakete auf und dann traten wir den Weg zum Flughafen an. Ich glaube, in dem einen oder anderen Moment hat es mir die Kehle zugeschnürt. Ich hab es mir allerdings nicht anmerken lassen.

Da der Verkehr mit uns gnädig war, waren wir recht früh am Flughafen. Deshalb stellte ich mein Auto nochmals auf einem der (sauteuren - was mir aber reichlich egal war) Kurzzeitparkplätze ab und ging mit den beiden noch in der Abflughalle in ein Cafe. Noch ein allerletzes Mal durfte ich die Gesellschaft von Marcella und Maya genießen. Nachdem wir ausgetrunken hatten, hieß es dann endgültig Abschied nehmen. Wir drückten uns noch einmal ganz fest und dann verschwanden die beiden im Getümmel der Abflughalle. Den Seufzer, den man wohl bis zum Rollfeld neben einem startenden Jumbojet gehört hätte, habe ich lieber unterdrückt.

Das war es dann - mit ein wenig Wehmut und mit viel mehr Freude und Glücksgefühlen im Herzen ging eines meiner schönsten Wochenenden der letzten Jahre zu Ende. Danke Lana, danke Marcella, danke Maya. Danke, daß ich Euch kennenlernen und eine wundervolle Zeit mit Euch verbringen durfte. Auf ein baldiges Wiedersehen!



Vielen Dank an alle hier im Forum, die geduldig bis zum Ende gelesen haben, ein Herzchen für die Beiträge verteilt und den einen oder anderen Kommentar da gelassen haben. Ich werde mich bemühen, in den kommenden Tagen darauf zu antworten. Vorerst mal galt meine Zeit und meine Konzentration der Schilderung dieses wunderschönen Wochenendes.

Vielleicht hänge ich noch eine kurze Schilderung des Abends im Regenbogencafe dran ;-) Zumindest für mich gehört dieser Abend ebenfalls noch zu diesem Wochenende.

Alles Liebe und noch eine gute Woche
Desiree
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Re: High Heels in Wien

Post 36 im Thema

Beitrag von Daniela04 »

Liebe Desiree

Velen vielen Dank für Deine so spannende und interessante Schilderung des Besuchs von Lana, Maya und Marcella bei Dir in Wien. Ich sehe es, wenn ich Schwestern treffe (und das passiert in nächster Zeit sehr oft), wie tiefgreifend die Gespräche sind, das kombiniert mit vielen prägenden neuen Erfahrungen (ich bin noch nie in einem öffentlichen Verkehrsmittel en Femme unterwegs gewesen).

Das ist auch der Grund, immer an meinen Grenzen zu gehen und aus Deinem Text entnehme ich wie es einerseits problemlos ist und andererseits den Horizont erweitert.
Du gibst mir den Mut, weiter zu gehen. Vielen Dank!

Herzlicher Gruss
Daniela
Ich will einfach der sein, der ich wirklich bin: ein Mann, der seine mittlerweile erkannte sehr bedeutende Weiblichkeit vertieft kennenlernen möchte.
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Re: High Heels in Wien

Post 37 im Thema

Beitrag von Beatrixtg »

Ich kann mich Daniela nur anschließen. Vielen Dank für Deine Zeit die Du für uns investiert hast, um uns an dem WE teil haben zu lassen
Danke, Danke

Liebe grüsse aus Basel, Beatrix
Ich bin nicht Mann, ich bin nicht Frau, ich bin einfach ich. Und das ist gut so.
Lana
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Re: High Heels in Wien

Post 38 im Thema

Beitrag von Lana »

Ich hatte es hier schon angekündigt, dass ich noch eine kleine Geschichte zu meiner Rückreise erzählen möchte.

Dabei spielt Hallwang-Elixhausen eine Rolle, denn genau dort hat mein Zug einen Zwischenhalt gemacht, der nicht im Fahrplan stand. Es war einer dieser lauen Sommerabende, an denen man froh ist, wenn die Sonne hinter dem Horizont verschwunden ist und man die Restwärme endlich unbeschwert genießen kann, wie aufgeheizte Bahnsteige sie abstrahlen. Wie zum Beispiel der Bahnsteig von Hallwang-Elixhausen, eine kleine langgezogene Betoninsel zwischen den Gleisbetten des Salzburger Lands.

Rauchpause! Das war es also!
Während in manchen muslimischen Ländern um die Zeit des Sonnenuntergangs angehalten wird, um das Abendgebet ordentlich zu verrichten, sollte hier wohl eine kleine Räucherzeremonie abgehalten werden.

Die Nichtraucher vertraten sich indes die Füße am windabgewandten Ende der der Betoninsel. Dort sammelte sich im Laufe der Zeit eine kleine Gruppe um eine junge Frau, welche anfing, eine Yogastunde anzuleiten.
Zur Entspannung.
Zur Entlastung der vom langen Sitzen geplagten Wirbelsäulen.
Zur Erinnerung, dass diese unfreiwillige Entschleunigung in Hallwang-Elixhausen auch positive Energie freisetzen konnte.
Zur Besinnung der zufällig hier Gestrandeten.
Zur Ausführung von Bewegungen, für die mein kurzes Kleid nicht vorgesehen war. Zum Glück konnte ich mich so aufstellen, dass hinter mir nur noch die Bahnsteigkante Platz hatte.

Nach eineinhalb Stunden ging es weiter, in die Nacht hinein. Die ausgelaufenen Chemikalien eines Güterzugs, die die Streckensperrung verursacht hatten, waren derweil fachgerecht entsorgt worden. So konnte mein Zug seine Fahrt nach Westen fortsetzen, während Desiree sich aufmachte, das Regenbogencafé zu besuchen, Maya gerade von ihrem Heimatbahnhof abgeholt wurde und Marcella tiefentspannt die Unwägbarkeiten der Deutschen Bahn ertrug, allerdings ohne Yoga.

Die Endstation meines Zuges hieß Bregenz, aber da war ich noch lange nicht zu Hause. Eigentlich hätte mich der Nahverkehr von dort weiter bringen sollen, aber der letzte Zug nach Deutschland war schon weg, als wir mit großer Verspätung in Bregenz ankamen. Busse fuhren auch keine mehr in meine Richtung. Eine freundliche Dame wurde von jemandem abgeholt und fragte, ob sie mich mitnehmen könnte. Leider nein, denn sie fuhren in die Schweiz. So suchte ich den Warteraum auf, der wohlig warm war, naja, eigentlich total überheizt, um mich ein wenig zu sammeln und zu überlegen, was ich nun machen sollte. Zum Glück musste ich am nächsten Tag erst nachmittags arbeiten, also herrschte kein Zeitdruck. Der nächste Zug fuhr um halb sechs in der Früh. Noch sechs Stunden. So lange wollte ich nicht hier drin schwitzen. Ein Hotelzimmer musste es auch nicht unbedingt sein wegen dieser halben Nacht. Und überhaupt hatte ich mich heute noch kaum bewegt, von dem Yoga in Hallwang-Elixhausen mal abgesehen. Ich beschloss, mich zu Fuß auf den Weg zu machen.

In Lindau fuhr der erste Zug schon um Vieruhrnochwas, das waren nur noch gute vier Stunden. Die zehn Kilometer Fußweg bis dorthin waren locker zu schaffen. Vielleicht gab es unterwegs sogar in gemütliches Plätzchen für ein Nickerchen. Und die Seepromenade sollte zumindest auf der österreichischen Seite sehr hübsch sein. So lief ich los, um den Hafen herum und dann immer am Ufer des Bodensees entlang Richtung Lindau. Die Temperatur war noch erstaunlich angenehm, so dass ich mir nach einer Stunde eine kleine Ruhepause auf einem verwaisten Liegestuhl vor einem Viersternehotel gönnte und die Sterne am Himmel beobachtete, während die Wellen sich leise im Kies des Seeufers ausplätscherten. Die Lichter von Bregenz spiegelten sich auf der anderen Seite der halbrunden Bucht, mit der der Bodensee hier an die Alpen stieß. Irgendwann fröstelte es mich doch ein wenig. Der kurze Vorsommer war wohl in Wien geblieben, hier wurde es kühl in der Nacht. Ich lief weiter, unmerklich überquerte ich auf dem nun unbeleuchteten Weg die Grenze. Der Mond stieg hinter den Bergen auf und beleuchtete den See mit seinem fahlen Licht. Durch Kleingärten ging es weiter, an der Therme vorbei und zuletzt über die Brücke auf die Lindauer Insel. Die Stadt schlief noch, alles war sehr friedlich, wie schon die ganze Zeit. Auf dem gesamten Weg waren mir gerade mal zwei Menschen begegnet.

Der Bahnhof war noch verschlossen, einen beheizten Warteraum gab es nirgends, obwohl es inzwischen ganz schön frisch geworden war. Noch eine knappe Stunde bis zur Abfahrt meines Zuges. Zum Glück hatte ich die ganze Zeit einen Koffer voller Klamotten hinter mir hergezogen. Die Rollen sind dadurch zwar ein bisschen abgefahren, aber ich hatte jetzt etwas zum überziehen parat :P

Der Zug fuhr dann mit zwei Minuten Verspätung ab. Muss man nicht verstehen, wenn es der erste Zug am Tag ist. Nach zweimal umsteigen kam ich kurz vor 6 Uhr endlich wieder daheim an und dachte noch, ja, das war jetzt ein besonderer Abschluss dieser Reise, etwas anders als erwartet zwar, und auf unspektakuläre Weise aufregend. Die schlichte Schönheit meines Nachtspaziergangs würde mir noch lange im Gedächtnis bleiben.

(rbw)

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Re: High Heels in Wien

Post 39 im Thema

Beitrag von ChristinaF »

Respekt. 10km mit Gepäck laufen. Dazu gehört schon ein starker Wille. (super)
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Re: High Heels in Wien

Post 40 im Thema

Beitrag von Joo »

Lana, du schreibst sehr schön. Ich habe deinen nächtlichen Spaziergang sehr genossen.

Liebe Grüße
Joo
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Re: High Heels in Wien

Post 41 im Thema

Beitrag von Lana »

ChristinaF hat geschrieben: Fr 22. Mai 2026, 10:47 10km mit Gepäck laufen. Dazu gehört schon ein starker Wille.
Ich musste mein Gepäck ja nicht tragen, sondern nur hinterher ziehen. Der Rollkoffer rollt auf flacher Strecke fast von alleine.
:P

Besonders anstrengend fand ich es nicht, ich musste mich nicht groß überwinden. Es war eher meditativ und sehr besinnlich, durch die Ruhe der Nacht zu laufen und die äußeren Eindrücke mit meinen Gedanken zu verbinden. Die Ohren sind bei Dunkelheit ja sehr aufmerksam, und auch die Augen sehen anders als am hellen Tag. Und es passieren wohl merkwürdige Dinge im Gehirn, wenn man übernächtigt ist. Vielleicht ist es ein bisschen wie ein leichter Rausch durch mir unbekannte Drogen?
Jedenfalls habe ich kaum bemerkt, wie lange ich schon gelaufen war.

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