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Re: Gericht misgendert trans Frau

Verfasst: Mi 26. Okt 2022, 09:17
von Aria
Andrea aus Sachsen hat geschrieben: Di 25. Okt 2022, 20:54
Aria hat geschrieben: So 23. Okt 2022, 18:19 Ich musste zB schon zigmal erklären warum ich den Brustaufbau bezahlt bekomme und Kolleginnen eben nicht.
Das passt nicht zum Thema dieses Threads.
Ich stoße dagegen oft auf Unverständnis, wenn ich Außenstehenden erkläre, welchen Aufwand unsereins für eine simple Namensänderung aufbringen muss.
Okay, wenn du Textstellen aus dem Kontext reißen möchtest, damit sie dir in den Kram passen, dann ist das so. Ich habe meinen Standpunkt und die Sachlage klar dargestellt. Du möchtest es einfach nicht verstehen - auch okay. Daher hat eine weitere Diskussion für mich keinen Sinn.

Re: Gericht misgendert trans Frau

Verfasst: Mi 26. Okt 2022, 13:21
von Lavendellöwin
Andrea aus Sachsen hat geschrieben: Di 25. Okt 2022, 20:54 Ich stoße dagegen oft auf Unverständnis, wenn ich Außenstehenden erkläre, welchen Aufwand unsereins für eine simple Namensänderung aufbringen muss.

Hmm..

wieviel Zeit verbringst du damit das Geld für eine unabhängige Lebensweise zu verdienen?

Und dann ist keine Zeit da für ein paar Gespräche, einen Antrag zu schreiben, einen Lebenslauf
und ein paar Unterlagen zusammen zu sammeln? Ja ich weiss die Kosten.

Trotzdem wenn ich mich selbst verwirklichen möchte gibt es keinen Grund den "furchtbar grossen
Aufwand" zu scheuen. Entweder ich will oder will nicht.

Ich war grad eben beim Friseur und hab nen Splissschnitt verpasst bekommen, denkst du da hatte
ich Lust drauf? Ne nicht wirklich. Aber noch viel weniger Lust hatte ich darauf das die Haare noch
schlechter werden.

Sorry Marie :(

Re: Gericht misgendert trans Frau

Verfasst: Mi 26. Okt 2022, 14:00
von Jaddy
EmmiMarie hat geschrieben: Mi 26. Okt 2022, 13:21 wieviel Zeit verbringst du damit das Geld für eine unabhängige Lebensweise zu verdienen?

Und dann ist keine Zeit da für ein paar Gespräche, einen Antrag zu schreiben, einen Lebenslauf
und ein paar Unterlagen zusammen zu sammeln? Ja ich weiss die Kosten.

Trotzdem wenn ich mich selbst verwirklichen möchte gibt es keinen Grund den "furchtbar grossen
Aufwand" zu scheuen. Entweder ich will oder will nicht.
Ich habe Andrea da anders gelesen.

Erstens dass es für die angesprochenen Aussenstehenden vorher unbekannt war, welcher Aufwand getrieben werden muss.
Zweitens, dass die Tatsache dieses Aufwands für diese Aussenstehenden auch nicht erklärlich ist.

Und das ist mE der wichtige Punkt: Auch wenn wir den Aufwand treiben, müssen wir ihn nicht kritiklos hinnehmen. Gerade weil die Namens- und Personenstandsänderung ja durch veränderte Gleichstellungsgesetze, etc. nur eine für den Staat eigentlich unnötige Registrierung betrifft (BVerfG 2017) und wir im Alltag den Anspruch auf selbstgewählten Anrede haben.

Heisst: Der Aufwand ist hoch, ist unverhältnismässig, könnte reduziert und abgeschafft werden und deshalb ist jede Kritik daran berechtigt.

Ich finde also Kommentare wie "stell dich nicht so an", "wenn's dir das nicht wert ist" und alles in die Richtung "is eben so" sehr abwertend, am Ziel vorbei und auch ausgrenzend gegenüber Menschen, die mit diesem Aufwand tatsächlich erhebliche Schwierigkeiten haben; psychische und materielle. Davon kenne ich einige.

Für unsinnigen Extra-Aufwand und willkürliche Hürden zu keinem wirklichen Zweck habe ich wirklich nur sehr begrenzt Verständnis. "Is eben so" ist kein valides Argument.

Re: Gericht misgendert trans Frau

Verfasst: Mi 26. Okt 2022, 16:10
von Michi
Jaddy hat geschrieben: Mi 26. Okt 2022, 14:00 Ich finde also Kommentare wie "stell dich nicht so an", "wenn's dir das nicht wert ist" und alles in die Richtung "is eben so" sehr abwertend, am Ziel vorbei und auch ausgrenzend gegenüber Menschen, die mit diesem Aufwand tatsächlich erhebliche Schwierigkeiten haben; psychische und materielle. Davon kenne ich einige.

Für unsinnigen Extra-Aufwand und willkürliche Hürden zu keinem wirklichen Zweck habe ich wirklich nur sehr begrenzt Verständnis. "Is eben so" ist kein valides Argument.
Danke Jaddy, für diese wahre Worte. (ap)

Ich empfinde schon länger eine völlig unnötige und am Ende für uns alle schädliche Polarisierung/Abgrenzung durch Personen, die sich selber als .. ich möchte mal so sagen .. die "echten/richtigen/wahren Transsexuellen" sehen, und dementsprechend auf diejenigen herab sehen, deren Äußerungen geringschätzen, die sich nicht kritiklos dem bestehenden System unterwerfen. Das hatte ich schon in einem anderen Forum erlebt, und ich empfand es als sehr positiv, dass es hier nicht so wahr, als ich 2016 hierher gewechselt bin.

Re: Gericht misgendert trans Frau

Verfasst: Mi 26. Okt 2022, 17:01
von Dara
Ich finde es seit einiger Zeit interessant zu beobachten, wie von immer den gleichen Personen in diesem Forum für Kleinigkeiten jedes Mal ein Riesen Faß aufgemacht wird und die sachlichen Kommentare anderer Mitglieder zerpflückt werden, um eine völlig unnötige Diskussion aufkommen zu lassen.
Diese Beiträge sind, da nicht im geschlossenen Bereich, für jeden Außenstehenden zugänglich.
Wir stellen eine Minderheit von vielleicht 1% der Bevölkerung und ich wage ernsthaft zu bezweifeln, daß diese Art von "Debattenkultur" dem Anliegen dienlich ist, die Akzeptanz von Menschen wie uns in der Mehrheitsgesellschaft zu fördern.
Aber das ist nur meine ganz persönliche Meinung.
Habt noch alle eine schöne und friedliche Woche!


Liebe Grüße Greta

Re: Gericht misgendert trans Frau

Verfasst: Mi 26. Okt 2022, 18:19
von Lavendellöwin
Jaddy hat geschrieben: Mi 26. Okt 2022, 14:00 Für unsinnigen Extra-Aufwand und willkürliche Hürden zu keinem wirklichen Zweck habe ich wirklich nur sehr begrenzt Verständnis. "Is eben so" ist kein valides Argument.
Hi Jaddy,

das weiss ich doch das du das so siehst, alles gut.

Ich habe aber einfach dabei keine schlechte Erfahrung gemacht und das sage ich auch.
Was ist daran bitte falsch?

Soll ich sagen für mich etwas böse und schlecht obwohl es eben nicht so war?
Sorry das kann ich nicht. Ich würde mich und andere anlügen.
MichiWell hat geschrieben: Mi 26. Okt 2022, 16:10 Ich empfinde schon länger eine völlig unnötige und am Ende für uns alle schädliche Polarisierung/Abgrenzung durch Personen, die sich selber als .. ich möchte mal so sagen .. die "echten/richtigen/wahren Transsexuellen" sehen, und dementsprechend auf diejenigen herab sehen, deren Äußerungen geringschätzen, die sich nicht kritiklos dem bestehenden System unterwerfen.
Super, das du die Schublade hier aufmachst Michi-Ich sage was ich denke, das darf ich und das mach ich.
Eine Schublade brauch ich aber dafür nicht auch noch.


Alles Liebe Marie (flo)

Re: Gericht misgendert trans Frau

Verfasst: Mi 26. Okt 2022, 19:05
von Jaddy
EmmiMarie hat geschrieben: Mi 26. Okt 2022, 18:19 Hi Jaddy,

das weiss ich doch das du das so siehst, alles gut.

Ich habe aber einfach dabei keine schlechte Erfahrung gemacht und das sage ich auch.
Was ist daran bitte falsch?

Soll ich sagen für mich etwas böse und schlecht obwohl es eben nicht so war?
Sorry das kann ich nicht. Ich würde mich und andere anlügen.
Solange Du das explizit nur für Dich sagst, hab ich damit keine Probleme. In [1] klingt es aber zumindest für mich nach einer generellen Aussage. Mindestens gegenüber Andrea, in der Art "Du wendest doch auch für andere Dinge Geld und Zeit auf, was regst du dich ausgerechnet hierüber auf".

Dem stelle ich eben gegenüber, dass erstens diese Mehraufwendungen für Transpersonen durch keinen sinnvollen Zweck gerechtfertigt sind und ich zweitens etliche trans Personen kenne, die diese, für Dich vielleicht geringen Aufwände in erhebliche Schwierigkeiten gebracht haben. Problematische Suche nach Gutachtenden, übergriffige Fragen und Praktiken dieser Gutachtenden, erheblicher bürokratischer Aufwand bei der Verfahrenskostenübernahme(1).




(1) Das ist z.B. einmal komplettes finanzielles Nackigmachen, vergleichbar ALG2. Plus Wiederholung, Nachforschung und ggf Rückforderungen in den Folgejahren. Eine Standardfrage von Jüngeren beim Trans*Cafe ist, wie sie das bewältigen sollen, wo sie doch schon im Clinch mit ihren transfeindlichen Eltern liegen, zuhause rausgeworfen wurden, Unterhalt, Schule/Ausbildung/Studium auf die Reihe kriegen, usw.

Re: Gericht misgendert trans Frau

Verfasst: Do 27. Okt 2022, 10:24
von Aria
Jaddy hat geschrieben: Mi 26. Okt 2022, 14:00 Heisst: Der Aufwand- ist- hoch,- ist- unverhältnismässig,- könnte- reduziert und abgeschafft werden und deshalb- ist- jede Kritik daran berechtigt.
Ich finde das Thema läuft schon wieder aus dem Ruder und endet in einer Grundsatzdiskussion, was verhältnismäßig ist und was nicht. Das empfindet aber jeder anders. Für mich und Marie war es nicht unverhältnismäßig für andere schon. Bitte, kann man nicht ändern. Manche sind eben bereit ein größeres Opfer für ihr persönliches Glück zu erbringen als andere und dazu gehört halt auch, sich mal nackig zu machen. Das muss man beim BAföG ja auch - so what.

Aber darum geht es mir hier nicht, wie gesagt, jeder setzt andere Prioritäten. Mir geht es nur um die Darstellung unsereins in der Gesellschaft und das die ein wenig in Verruf gerät je mehr auf die Tränendrüse gedrückt und probiert wird jede noch so kleine Leistung als persönliches Grundrecht herauszustellen. Dabei rückt allzu oft in Vergessenheit, dass sich andere auch durchs Leben schlagen, die mit mehr oder vergleichbaren Wehwehchen zu tun haben. Eine Bekannte musste sich zB mit der KK rumärgern, dass sie eine ordentliche Prothese bekam und einen Sonderparkausweis, weil ein Bein ja noch fit genug ist um auf normalen Parkplätzen zu parken.

Nicht falsch verstehen, ich will hier keine Vergleichsdiskussion lostreten, sondern nur bisschen sensibilisieren, dass wir uns nicht wie der Nabel der Welt aufführen. Denn sonst hat es sich schnell, mit der Sympathie der Allgemeinbevölkerung.

Re: Gericht misgendert trans Frau

Verfasst: Do 27. Okt 2022, 12:51
von Jaddy
Sorry, es geht nicht um Vergleiche. Es geht nicht um Bevorzugung, nicht um Sympathien, nicht um sinnvolle Benachteiligungsausgleiche wie beim Parkausweis und nicht um Unterstützungsleistungen des Staates wie beim Bafög. Mal abgesehen davon, dass bei vielen dieser Ausgleiche und Unterstützungen eine ziemlich fiese Mangelverwaltung am Werke ist, die gerade denjenigen am meisten abverlangt, die es am wenigsten leisten können. Siehe Minderheitenstress, Zusatzbelastung und tw gewollte Abschreckungspolitik (wie auch bei Wohngeld oder der Krankenkasse, die Du erwähnt hast).

Es geht nicht um begründbare staatliche Forderungen, wie z.B. den Erwerb einer Fahrerlaubnis und dazugehörige, kostenpflichtige Ausbildung, wenn eins Kraftfahrzeuge führen will. Da könnte höchstens im Detail diskutiert werden.

Es geht auch nicht darum, dass ihr das so nebenbei abgewickelt habt. Fein für euch.

Hier geht es um eine nach wissenschaftlichen und juristischen Maßstäben erwiesendermassen völlig unnötige Hürde und Erschwernis, deren Beseitigung nicht nur nichts kosten, sondern im Gegenteil Kosten sparen würde. Sowohl den Betroffenen, als auch "dem Staat". Es würde ausserdem Ressourcen für wirklich wichtige Dinge frei machen. Nicht viele - Gutachtenzeit, Gerichtskram - aber immerhin.

Dieses "wenn du es wirklich willst, dann tust du es auch" ist eigentlich ein "wer es nicht auf sich nimmt ist nicht echt" und unterstützt damit die ursprüngliche, und von Seehofer beim -§45b PStG noch mal explizit so angesetzte Strategie willkürlicher Hürden zwecks Eindämmung, im Sinne eines "Überdruckventils". Die zielt darauf ab, dass von den Betroffenen, also leidenden Menschen möglichst wenige den Weg tatsächlich gehen. Nämlich jene, die durch ihre persönliche Kombination von Leidensdruck, Ressourcen und Resilienz genügend Kraft, Zeit und Nerven von ihrem restlichen Leben abzweigen können, bzw zwangsweise müssen, weil alles andere noch schlimmer wäre.

Wenn du aber aufgrund deiner Biografie, deines Alters, deiner (fehlenden) Lebenserfahrung, deiner sonstigen mentalen Verfassung, deiner Fähigkeiten im Umgang mit Behörden etc., deines Einkommens, deiner familiären oder beruflichen Situation NICHT die nötigen Ressourcen und Standfestigkeit aufbringen kannst wie Du, Aria, oder Marie oder ich, dann wird dir der Sprung über diese Hürde nicht gelingen und du verbleibst in der belastenden Situation - mit den bekannt negativen Folgen für die psychische und körperliche Gesundheit.

Ich kritisiere zum einen, dass es diese vollkommen überflüssige Hürde namens TSG überhaupt gibt. Und da bin ich mit dem Konsens von Wissenschaft, Jura und Menschenrechtspolitik in bester Gesellschaft.

Zum anderen kritisiere ich die pauschale Aussage, dass es alle schaffen könnten, Untertitel: Wer das nicht tut, hat sich bloss nicht richtig angestrengt, will es ja gar nicht wirklich, ist halt nicht wirklich trans. Das ist einfach eine unerträglich arrogante Abwertung von Menschen, die ich kenne, die das nicht so nonchalant hinkriegen.

Und zum dritten bin ich immer wieder betroffen, irritiert, teils verärgert, dass diese überholte Gängelung ausgerechnet hier so abgetan wird. Dass Menschen, die an dieser Stelle keine Probleme hatten, von anderen, in weniger vorteilhafter Situation zusätzliches Leiden fordern.

Re: Gericht misgendert trans Frau

Verfasst: Do 27. Okt 2022, 14:12
von Tatjana_59
O Gott, es ufert aus :roll: