Hallo an Katja,
Michi und alle anderen
Also manchmal (immer?) ist es sinnvoll, vor der Bewertung einer Lage/Situation, erstmal eine
Nacht darüber zu schlafen "¦ sofern die Zeit dazu gegeben ist!
Da war dann meine Bewertung hier auf Michi "™s Beitrag wohl auch etwas überzogen, mag auch
der fortgeschrittenen Zeit und meiner Emotion geschuldet sein?!
Dies habe ich dann auch zum Anlass genommen, ein neues Thema zu eröffnen:
Gedanken zu Reaktionen auf / Einordnen von Forenbeiträgen ,
welches ich nun aber nicht explizit auf Katjas Thema bezogen, sondern eher generell auf
Reaktionen/Forenbeiträge zu den vielschichtigen Fragen und Themen im Forum verstanden
wissen möchte.
Also nun zurück zu Katja s Thema
Nur der Anfang??? und der Schilderung ihres Ausrastens
aufgrund des outings vom Vater gegenüber den Söhnen und der nachfolgenden Reaktion.
Also ich denke mal, es besteht weitgehender Konsens bei uns allen darüber, dass in einer
Familie das Wohl der Kinder oberste Priorität hat/haben sollte?!!
Diejenigen, die selbst Kinder erziehen und erzogen haben, werden mir zustimmen, dass die
Eltern in vielerlei Hinsicht da Herausforderungen zu bestehen haben, die selbst in — bitte
entschuldigt die Plattitüde — einem
wohlsituierten, geordneten Haushalt/Familienverbund
nicht immer problemlos über die Bühne laufen.
Und da ist die Zeit der Pubertät und dem anschließenden Entdecken des Erwachsenwerdens
mit all seinen Nebenwirkungen und auch Gefahren eine ganz besondere Prüfung, sowohl für
den Nachwuchs als auch für die noch Erziehungsberechtigten.
Ich werde nun nicht aus dem Nähkästchen plaudern, könnte aber hier Beispiele aus dem
unmittelbaren Umfeld anführen

"¦ na, da SCHWEIGE ich lieber!
Aus dem Austausch mit anderen in den vergangenen Jahrzehnten haben meine Frau und ich
auch die Erkenntnis gewonnen, dass es für Außenstehende / kinderlose Paare oftmals nicht
vermittelbar bzw. nachvollziehbar ist, was die Eltern für ihren Nachwuchs alles für Handstände
drücken, damit es diesen an nichts fehlt, oftmals zurückstecken, welche Nachgiebigkeit den kids
gegenüber dabei an den Tag gelegt wird und wie oft man den lieben Kleinen wie auch später
erwachsenen Kindern diesen die Hand unter selbigen hält?!!
Und die Verantwortung wie auch die Liebe und Zuneigung zum Nachwuchs endet nun mal nicht
mit deren Volljährigkeit!
Kommt es dann mal zu größeren / schwerwiegenden Problemen bei den kids, dann hinter-
fragt man sich meist erstmal selbst, wo man denn Fehler in der Vergangenheit gemacht haben
könnte, der/die nun ggfs. zu diesem Dilemma beigetragen haben (Schuldgefühle).
Es mag/wird durchaus auch Familien geben, die von solchen Geschehnissen gänzlich unbeleckt
geblieben sind und deren Kinder vorbildlich die unterschiedlichen Entwicklungsstufen durchlaufen
haben. Da sage ich nur Glückwunsch

, halte es persönlich aber eher für die Ausnahme!
Insofern kann ich Katjas emotionale Reaktion auf das einseitige outing des Vaters gegenüber
den Söhnen schon nachvollziehen! Details und Abläufe zu den jeweiligen Gesprächen sind uns
nicht bekannt und wir können uns da lediglich auf die gemachten Aussagen von Katja berufen,
wobei Wut und Rage da immer schlechte Begleiter sind.
In Anbetracht des Alters der Söhne (14 und 16) darf auch - gerade in der heutigen Zeit und der
Medienpräsenz — davon ausgegangen werden, dass das Thema Trans schon mal aufgefasst wurde,
vermutlich aber nur mit geringem Interesse, wenn überhaupt?! Aber da bewegt man sich schon
wieder auf gefährlichem Terrain, da lediglich eine Mutmaßung.
F
akt ist auch, dass es auch deutlich zwei Paar Schuhe sind, ob man allgemein von dieser Thematik
berührt oder aber, wie in diesem Fall, direkt davon betroffen ist!!
Der eigene Vater, ne Transe "¦ boah, ey!!
Was werden die Kumpels sagen "¦???
Usw.
Ich weiß auch nicht, was den Vater geritten hat, so spontan und entgegen der Absprache mit seiner
Frau die Kinder damit zu konfrontieren?! Wäre natürlich auch interessant, in welcher Art und Weise
das abgelaufen ist"¦! Erschwerend wirkt hier natürlich der Umstand, dass der Vater sich seiner
tatsächlichen Gefühle und Anteile am weiblichen Geschlechtsempfinden nicht im Klaren ist "¦.
Sofern er denn gegenüber seiner Frau Katja vor 14 Tagen offen und ehrlich war"¦??!
Wie geschrieben, wir können uns hier nur auf die Beiträge von Katja beziehen und daraus gewisse
Schlüsse ziehen.
Und bezüglich einer Bewertung und Einordnung der Situation liegen uns dazu nachfolgende
Sachverhalte vor, wobei ich auf das Zitieren entsprechender Passagen hier verzichtet habe
(da diese
im Einzelnen von Katja selbst in offener Form in ihren Beiträgen kundgetan wurden, habe ich ihr
Einverständnis vorausgesetzt!):
+ Katja hat sich am 09./10.Dez hier an- und erstmalig auch zu Wort gemeldet
+ Sie wurde ca. 14 Tage vorher (!) erstmalig von ihrem Mann über dessen deutlich weiblichen
Gefühlen in Kenntnis gesetzt nebst der Forderung, diese fortan auch ausleben zu wollen!
+ Die Beiden sind seit 17 Jahren ein Paar, haben ein Haus gebaut und 2 Söhne im Alter von
14 u. 16 Jahren
+ Beide haben die Vierzig erreicht bzw. ihr Mann die 42, sie befinden sich damit in der Blüte und
vollen Schaffenskraft ihres Lebens, können somit wohl auf mancherlei gemeinsam Erreichtes
nicht ohne Stolz zurück blicken "¦.?!
+ Beide führten — nach Katjas Empfinden — eine bisher sehr harmonische Ehe und verstehen sich
mehr oder weniger blind.
Soweit ein hier im Forum schon des Öfteren so oder ähnlich gelesener Sachverhalt! Was mich
Nachdenklich stimmt, sind die nachfolgenden Aussagen von Katja:
+ Katja hat schon immer "weibliche" Merkmale bei ihrem Mann wahrgenommen, teils unterbewusst,
teils falsch gedeutet (schwul ?!) Außerdem war er schon immer ein Softie "¦ (was auch immer das
nach Katjas Verständnis im Einzelnen bedeuten/beinhalten mag?)
+ Dem gegenüber verlangte Katja immer nach einem "ganzen Mann/Kerl", den ihr Partner für sie
zumindest nach Außen hin wohl auch immer verkörpern konnte. Welche Attribute (Schubladen)
sie damit verbindet, wird nicht so richtig deutlich.
+ Die Libido der beiden ist sehr unterschiedlich ausgeprägt und laut Aussage seit ca. 10 Jahren wohl
gänzlich zum Erliegen gekommen, was auf den nicht mehr erfüllten Strumpfhosenfetisch ihres
Partners beim Akt zurück zu führen ist?!
+ Warum es deshalb einmal im Jahr in der sonst sehr harmonischen (?) Beziehung eskaliert, lässt nur
Vermuten, dass da bestimmte eheliche Rechte und Pflichten eingefordert (Katja?), aber nicht zur
Zufriedenheit erfüllt werden (Partner)?!
+ Beide können nicht, oder nur mit deutlichem Zweifel versehen, zum anderen sagen: Ich liebe dich!
+ Zärtlichkeiten bleiben seit Jahren auf der Strecke, nicht mal solch grundlegende Dinge wie Küssen
kommen bei den Beiden in Betracht (Partner lehnt es ab und Katja möchte ihn zu nix zwingen!)
Und nun, Liebe Katja, entschuldige BITTE meine offenen Worte:
Lege ich das Ganze für mich übereinander, dann erscheint mir dies in Summe mehr wie eine
harmonische über die Jahre gewachsene Zweckgemeinschaft und nicht als eine von Liebe,
Zuneigung und Offenheit geprägte Partnerschaft?!
Auf der einen Seite bezeichnest du deinen Mann seit je her als einen Softie, stehst aber auf
einen richtigen Mann (nur Äußerlichkeiten, gutes Aussehen, Vorzeigekerl, stolze Beute, "¦?)?!
So gut ihr euch in vielen Dingen blind verstehen mögt, umso mehr hege ich den Verdacht,
dass vieles Unausgesprochene im Argen liegt und sich nach nunmehr 17 Jahren plötzlich
Bahn bricht. Vielleicht wurden in der Vergangenheit viele Anzeichen für die Befindlichkeiten
deines Mannes übersehen bzw. wenn wahrgenommen, dann missinterpretiert?
Und in eurem Alter keinerlei Austausch sexueller Zärtlichkeiten und das bereits seit über
10 Jahren "¦ ???
Gut, Sex und der reine Geschlechtsakt werden oftmals überbewertet und mit dem Alter
wird es dann auch häufig ruhiger (kann ich bestätigen), aber so rein gar nix"¦??
Und vom angesprochenen "outsourcen" halte ich persönlich nichts, ist aber eine Frage der
Lebenseinstellung und soll es ja auch bei ganz "normalen" Heterobeziehungen geben. Dies
müssen die Beteiligten für sich selbst entscheiden und dann sehen, ob es der Beziehung und
deren Fortbestand tatsächlich gut tut?! Für mich ist Sex auch grundsätzlich mit Gefühlen und
Liebe zur Partner-in verbunden.
Du, liebe Katja, scheinst in der Partnerschaft auch der/die Aktivere zu sein, die das Heft des
Handelns in die Hand nimmt und die Richtung / das Tempo vorgibt? So verstehe ich auch
deine Anmeldung im Forum und deine bisherigen Einlassungen.
Da fällt mir gerade spontan dazu ein: Tagsüber die Verantwortung als Vorstandsvorsitzende
tragen, das Zepter des Handelns schwingen und sich abends gerne in die starken Arme eines
dominierenden Kerls fallen lassen, "¦ so dies denn möglich wäre!
Dies ist wahrlich nicht despektierlich gemeint und ich freue mich, wenn die Partnerinnen so
zugewandt und aktiv mit der plötzlich bekannt gewordenen femininen Seite ihres Mannes
umgehen und sich dann auch hier im Forum aktiv einbringen.
Außerdem willst du deinen Partner unterstützen und ihn auf seinem Weg begleiten, sei es in
der jetzt noch bestehenden Form von Familie und Ehe, oder später auf freundschaftlicher Basis,
dies zumindest deine Aussage nach DEINER spontanen Analyse der für dich bekannten Fakten.
Da würde ich raten, erstmal abzuwarten, in welche Richtung und wie weit dein Partner gehen
möchte. Mit seiner Öffnung dir und nun auch den Kindern gegenüber hat er die vermeintliche
Büchse geöffnet, fühlt sich innerlich befreiter und schießt nun in vielerlei Hinsicht übers Ziel
hinaus, gleichzeitig herrscht da aber auch eine große Verunsicherung!
Da hilft in erster Linie reden, reden, reden und dies in aller Offenheit und ohne Visier,
dazu Informationen rund um 's Thema sammeln, Kontakte wie beispielsweise hier im Forum
knüpfen und den Austausch mit "Gleichgesinnten" (entschuldigt den Ausdruck) suchen.
Die Zeiten sind leider schwierig, was die Möglichkeit des Besuchs von SHG, Stammtischen oder
ähnlich gelagerten Treffen derzeit nicht erlaubt.
Wenn euch der Erhalt der Familie und Ehe ernsthaft am Herzen liegen, dann müsst ihr euch
Zeit füreinander nehmen und euch sukzessive mit dem Thema auseinandersetzen.
Eine heutige Freundin von uns, die sich vor 4 Jahren in teils ähnlicher Situation befand (hetero,
starker Partner an der Seite, Sex mit diesem ein ganz wesentlicher Aspekt einer erfüllten glücklichen
Beziehung, so ihre Sichtweise) und sich hilfesuchend ans Forum wandte, ist heute noch mit ihrem
Schatz zusammen!
Damals fragte sie ihren Partner kurz nach Kenntniserlangung seiner weiblichen Empfindungen mal
beim Kuscheln auf der Couch:
Wenn du eine Torte wärst, wie viele Stücke davon wären dann wohl weiblich?
Seine damalige Antwort war:
Also, wenn die Torte aus 12 Stücken besteht, dann wären davon mind. 9 weiblich!
Da wären wir also mal wieder beim Kuchen ...
Im kommenden Jahr steht bei ihrer nun Partnerin (Therapie, Hormone, PÄ/NÄ laufen bzw. sind erfolgt)
als letzter Schritt die GaOP an. Und wie es ausschaut, wird unsere Freundin auch danach weiter
an der Partnerschaft festhalten. Hätte man sie damals danach gefragt, so hätte sie diesem nun
gemeinsam gegangenen Weg bis hin zur GaOP heftig verneint und für ausgeschlossen erklärt.
Dies ein Beispiel dafür, wie der Mensch sich ändern, anpassen, Gefühle sich verlagern und Priori-
täten verschieben können. Alles kann, nicht muss und der Prozess einer Entwicklung und dessen
Ausgang als solches sind von den sie bestimmenden Individuen abhängig.
Ob nun Katjas Mann / Partner-in wirklich den kompletten Weg gehen will/wird, wer will dies
aus den hier vorliegenden Informationen schließen, das wäre unlauter und entbehrt m.E. den
erforderlichen Grundlagen. Unsere Welt ist doch nun mal so bunt und vielfältig.
Aber pauschal zu sagen, der Weg zur Transfrau ist vorgegeben, das sei nur eine Frage der Zeit
(die oft ins Spiel gebrachten 3-5 Jahre), das widerlegen viele andere Lebensmodelle, die auch hier
im Forum vertreten und nachzulesen sind.
Soweit meine Analyse, so sie denn eine ist "¦ basierend auf den mir vorliegenden Kenntnissen.
Manches kann stimmen/zutreffen, muss es aber nicht. Mögen andere hier oder auch du selbst,
liebe Katja, all dies ganz anders beurteilen und bewerten "¦
Hier nochmals mein Rat:
Versucht vor allen Dingen euch selbst immer wieder zu hinterfragen, das Erreichte zu reflektieren
und nächste Schritte gemeinsam zu erarbeiten, um sie dann Hand in Hand zu gehen.
Und nehmt euch Zeit dafür, damit niemand während der Reise ratlos auf der Strecke bleibt.
Sollte dann irgendwann ein einseitiger Ausstieg erforderlich werden, weil man mit der Situation
überfordert und sich selbst zu sehr verbiegen müsste, dann sollten 2 erwachsene Menschen
auch hier eine tragfähige Lösung finden, die das Wohl aller zum Ziel hat.
Ich persönlich sehe mich an meinem Weg des femininen Auslebens angekommen, bin glücklich
mit dem Status Quo und meine Frau und beste Freundin kommt damit bestens klar.
Corona ist leider ziemlich störend, da mir/uns die Treffen und der Austausch mit anderen aus der
Community schon sehr fehlen, gleiches gilt für gemeinsame Unternehmungen mit meiner Frau
und mir als Ü60 läuft auch allmählich die Zeit davon.
In diesem Sinne,
bleibt im Gespräch und vor allen Dingen gesund,
vorweihnachtliche Grüße
Mel