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Re: Unter Kuratel
Verfasst: Di 28. Apr 2020, 18:08
von Bibi Melina
hallo wally
super geschrieben wusa an manschen stellen brauchte ich selbst nan tatü so fühlt man da mit wusa sag ich da nur
bitte schreib weiter denn mich würde es brennend interessieren wie es da weiter geht
mit Hexischen gruss Die Hexemelina
Re: Unter Kuratel
Verfasst: Mi 29. Apr 2020, 17:54
von Wally
Yvette.85C hat geschrieben: Mi 29. Apr 2020, 14:41
Hallo Wally,
Eine schriftstellerische Frage hätte ich noch. Hast Du das kommende Ende schon von Anfang an im Kopf gehabt, oder hat sich das entwickelt? Wenn man einen Krimi schreiben würde, müsste man ja auch vom Ende her denken.
Den großen Handlungsbogen hatte ich von Anfang an im Kopf. Die meisten Details fielen mir dann erst so nach und nach beim Schreiben ein.
Herzliche Grüße
Wally
Re: Unter Kuratel
Verfasst: Mi 29. Apr 2020, 21:50
von Annabelle-R.
Hallo Wally,
Chapeau, da hast Du wirklich einen wunderbaren Text verfasst.
In dieser letzten Episode ist es Dir gelungen, dass ich die Schmetterlinge im Bauch miterlebt habe, die Karin bei Ihrem Outing vor der Klasse gefühlt hat.
Wenn das wirklich das Ende Deiner Geschichte ist, könnte sie auch mit den Worten "und sie lebte glücklich bis ans Ende ihrer Tage" schließen.
Ein Märchen eben. In der Wirklichkeit folgt auf einen Höhenflug leider meistens eine Ernüchterung.
Liebe Grüße
Annabell
Re: Unter Kuratel
Verfasst: Do 30. Apr 2020, 09:08
von Wally
Unter Kuratel
Teil 6
Der Abschied vollzog sich kurz. Meine Eltern klingelten und kamen mit großem Hallo herein. Mich musterten sie erst mal etwas irritiert. Ich hatte meine Jungenklamotten angezogen, obwohl das für mich mittlerweile nur noch eine Verkleidung war; aber ich wollte Susanne mit der nun anstehenden Auseinandersetzung mit meinen Eltern nicht belasten. Mein gepflegter Mädchen-Haarschnitt fiel natürlich trotzdem auf: mein Vater interpretierte das - in Anspielung auf meine vorher getragene, pubertäre Protestmähne - erst mal grinsend als "domestizierten Protest". Auch die beiden Ohrstecker, die ich aus den frisch geschossenen Ohrlöchern vier Wochen lang nicht herausnehmen durfte, blieben als vorerst unbeantwortete Fragezeichen an mir stehen.
Neben diversem Smalltalk über die Urlaubsreise und das Wetter wurde Susanne gefragt, ob "der Junge" denn auch brav gewesen sei. Mit ihrem schelmischen Lächeln und einem vielsagenden Seitenblick zu mir antwortete sie: "Der Junge? Ach - der war hier fast nicht zu bemerken." Ich mußte mich sehr beherrschen, um über den für meine Eltern unverständlichen Doppelsinn dieser Worte nicht laut loszulachen.
"Junge, Junge - was hast du denn hier alles zusammengesammelt? Der war doch nicht mal halb so schwer, als wir dich hierher gebracht haben!" beklagte sich mein Vater, als er meinen Koffer schon mal aus Marens Zimmer auf den Flur wuchtete. Kein Wunder: neben meiner Jungenkleidung für sechs Wochen steckten da jetzt meine drei liebsten, kompletten Garnituren Damenkleidung drin, dazu eine Menge weiblicher Wäsche und mehrere Paar Damenschuhe. Susanne hatte mir das alles großzügig als Abschiedsgeschenk übergeben: "Damit du wenigstens mal fürs erste versorgt bist - du brauchst doch eine Grundausstattung." Die Brustprothesen waren natürlich auch dabei.
Aber dann der Abschied selber: Susanne und ich umarmten uns, als wollten wir einander nie wieder loslassen. "Na, na..." brummte mein Vater nach einiger Zeit, "Jetzt macht mal zu, wir wollen los!" Neben der Ungeduld glaubte ich aus seiner Stimme auch ein klein wenig Neid herauszuhören. Anstatt eines Kusses flüsterte ich Susanne nochmal ein inniges "Danke!" ins Ohr, dann nahm ich meinen Koffer und die Schultasche und ging hinaus, ohne mich nochmal umzudrehen - froh, dass meine Eltern schon vorausgingen und nicht sahen, wie mir die Tränen übers Gesicht liefen.
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Die darauf folgenden Monate wurden sehr, sehr hart. Meine Eltern waren völlig geschockt, als ich am nächsten Morgen ohne irgendeine Vorwarnung in Rock, Bluse und Pumps zum Frühstück erschien und so zur Schule ging. Erst klammerten sie sich verzweifelt an die Vorstellung, das alles sei nur ein Scherz, eine Wette oder eine vorübergehende Marotte. Es war für sie schmerzhaft bis zur Unerträglichkeit, ein Umsturz ihres gesamten Weltbildes, dass dies nun der Normalzustand und ihr Sohn nun plötzlich eine Tochter sein sollte. Sie versuchten mich auf jede nur erdenkliche Art unter Druck zu setzen, schleppten mich zu Psychologen, stritten mit der Schulleitung und - für mich am schmerzhaftesten - sie machten Susanne für das alles verantwortlich. Sie glaubten allen Ernstes, Susanne hätte mich dazu "verführt" - als ob man einen Menschen, in dem das nicht sowieso schicksalhaft angelegt und vorgegeben ist, zu solchen Verhaltensweisen verführen könnte...
Aber Susanne war mir eine gute Lehrerin gewesen: in diesen kurzen sechs Wochen hatte sie mein von ihr einmal erkanntes, weibliches "Ich" so erfolgreich gefördert und zu so viel Kraft und Selbstbewußtsein geführt, dass ich den langwierigen, für alle Beteiligten schmerzhaften Kämpfen danach im unmittelbaren Wortsinn gewachsen war. Viel wichtige, moralische Unterstützung fand ich in dieser Zeit bei den Jungs in meiner Klasse - und letztlich dann auch bei der Schulleitung, was um so höher zu würdigen war, da ich unseren freundlichen, alten Herrn Direktor durch mein Vorgehen "hinter dem Rücken" meiner Eltern in eine denkbar schwierige Lage manövriert hatte.
Am meisten aber stärkte mir - nach wie vor und immer wieder von neuem - Susanne den Rücken: in vielen, langen Telefongesprächen, in denen sie mir Beichtvater, Mama, Geliebte, Lehrerin und beste Freundin in ein und derselben Person war. Ihr hatte ich es am allermeisten zu verdanken, dass ich so lange tapfer durchhalten konnte, bis schließlich - nach ein paar sehr turbulenten Monaten - auch meine Eltern sich endlich, schweren Herzens in die Lage fügten und mich nun auch in der neuen Rolle wieder nach Kräften unterstützten.
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Mein Aufenthalt bei Susanne lag ein halbes Jahr zurück, als ich meinen sechzehnten Geburtstag feierte. Natürlich hatte ich Susanne - und Maren, sie war ja schon lange wieder von ihrem Auslandsaufenthalt zurück - zu meiner Feier eingeladen. Es war das erste Mal seit jenen schicksalhaften sechs Wochen, dass ich Susanne wieder von Angesicht zu Angesicht sehen durfte. Unsere Umarmungen waren deutlich länger und intensiver, als es zwischen Cousinen eigentlich sein sollte... Ansonsten fügten wir uns aber brav in die Gegebenheiten. Der Groll meiner Eltern gegen sie hatte sich inzwischen gelegt, sie hatten ihren Irrtum eingesehen und wußten Susannes Verdienste um meine Persönlichkeitsentwicklung - zu einem Zeitpunkt, da sie selbst damit überfordert waren - nun nachträglich doch zu würdigen. So wurde das Treffen ein vergnügter, entspannter, harmonischer Nachmittag bei Kaffee und Kuchen und gegenseitigen Erzählungen.
Irgendwann im Verlauf unseres Zusammenseins kam Maren - ausgerechnet die "spröde" Maren - zu mir und schmiegte sich mit ihrer festen, kleinen Jungmädchenbrust zärtlich von hinten an meine Schulter. Ein mir sehr gut bekannter, unvergessener, feinherber Duft ging von ihrer unerwarteten Nähe aus. Sie steckte mir ein kleines Päckchen zu und flüsterte mir ins Ohr: "Unsere Geburtstagsgeschenke für dich. Aber nicht hier aufmachen - es ist was Intimes!"
Als ich wieder allein in meinem Zimmer war, fand ich in dem Päckchen zunächst einen kurzen, handschriftlichen Brief von Maren:
"Liebe Karin,
Susanne hat mir alles erzählt. Du wirst diesen BH zwar nicht mehr tragen können, da er für Dich ja damals eigentlich schon zu eng war und Du seitdem auch noch weiter gewachsen bist; aber vielleicht freust Du Dich trotzdem darüber - als Erinnerung daran, wie das alles angefangen hat.
Herzliche Grüße
Maren"
Es war Marens zarter, schwarzer Bügel-BH mit der winzigen, roten Stoffblüte zwischen den Körbchen, in dem Susanne mich gleich an jenem ersten Nachmittag in Marens Zimmer ertappt hatte. Ein wohlbekannter, unvergessener, feinherber Duft eines edlen Parfums ging von ihm aus.
Ein kleines Flakon des wohlbekannten, edlen, feinherben Parfums fand sich dann auch noch in dem Päckchen, eingewickelt in einen herzförmig ausgeschnittenen Papierbogen mit der Aufschrift:
"... und mein kleines Geschenk für Dich.
In nie endender Liebe,
Deine Susanne"
Meine Mutter konnte später ihre Neugier nicht bezähmen und wollte doch zu gerne wissen, was in dem Päckchen war, das Maren mir so geheimnisvoll zugesteckt hatte. "Mein erster BH" antwortete ich - und amüsierte mich köstlich darüber, wie sie über den Sinn dieser ebenso einfachen wie wahren Worte rätselte.
ENDE
Re: Unter Kuratel
Verfasst: Do 30. Apr 2020, 10:45
von Bibi Melina
Einfach nur schön geschrieben ganz dickes lob dafür
Mit lieben gruss die Hexemelina
Re: Unter Kuratel
Verfasst: Do 30. Apr 2020, 13:24
von Tatjana_59
Danke Wally für diese tolle Geschichte, sie hat mir sehr gefallen.
Ich hoffe ich durfte sie auch lesen da ich ja keine Crossdresserin bin sondern TS? (Nicht ernst gemeint)

Danke nochmal.
LG Tatjana