W O W ...
Ihr seid ja alle toll, vielen vielen Dank für all die Erfahrungen, Erlebnisse und Ansichten! Spannend und echt interessant, all die verschiedenen Sichtweisen und Empfindungen, dieses Thema betreffend, zu lesen!
Echt, finde ich mega toll, wie viele Antworten hier schon zusammengekommen sind.
Ich kann da gar nicht auf jede einzelne eingehen, und das würde der Komplexitität dieses Themas auch nicht gerecht werden.
Allgemein ein paar Gedanken meinerseits:
Klar ist, jeder Mensch verändert, entwickelt sich permanent und stetig - das wäre ja auch schlimm, wenn es anders wäre...
Gestern Abend zum Beispiel hatte ich mit meinem Schatzi noch sehr lange und intensive Gespräche, unter anderem auch über eben genau diese Frage.
Wie ja vielleicht einige mitbekommen haben, waren wir vor urlanger Zeit in der Jugend schon einmal zusammen und haben uns dann nach ca. 25 Jahren Funkstille wiedergefunden. Als wir uns wiedertrafen, waren wir - obwohl natürlich inzwischen erwachsen geworden, gereift, entwickelt und durch das Leben verändert - verblüfft, wie sehr wir beide das Gefühl hatten, dass da "der selbe Mensch" vor uns sitzt. Nach einer Weile reden fielen öfter so Bemerkungen, sowohl von ihm, als auch von mir, wie: "Mein Gott, Du hast Dich gar nicht verändert!" Gemeint war damit natürlich nicht, dass man sich tatsächlich nicht verändert hat, das haben wir natürlich beide in 25 Jahren, sondern dass man den Eindruck hatte, dass Gestik, Mimik, die Art zu reden, die kleinen Eigenheiten, wie bestimmte Gesichtsausdrücke bei bestimmten Tätigkeiten, eben die "Art", etc etc irgendwie noch genauso waren, wie vor 25 Jahren...
Dies hatte ja auch zur Folge, dass wir uns beide wieder Hals über Kopf ineinander verliebten.
Vor diesem Hintergrund wage ich mal die These, dass man sich natürlich immer verändert, entwickelt und reift usw, aber dass das grundsätzliche Wesen eines Menschen, also seine Seele, sein Herz und die grundsätzlichen Charakterzüge schon über die Jahre erhalten bleiben.
Natürlich war es in der ersten Zeit des neuen Zusammenseins auch mega spannend, festzustellen, wie sich der andere im Laufe der Jahre entwickelt hat, wieviel Neues und durchweg Schönes man am anderen entdeckte, aber ebenso schön war und ist es natürlich auch, wenn man so vertraute Dinge am anderen wiederentdeckt, Kleinigkeiten, wie z.B. die Angewohnheit, dass ich immer den Löffel in der Tasse stehen lasse, wenn ich einen Schluck nehme....eines morgens beobachtete er mich dabei, lächelte und sagte: "Süß, das machst Du immernoch!" und ich sagte "Ja, und bis heute habe ich mir immer noch kein Auge ausgestochen

!" ...das hatte er mir früher nämlich immer prophezeit

....solche Dinge eben, die den Menschen, den man liebt, eben genau zu diesem besonderen Menschen machen, eine Summe seiner ganz persönlichen Eigenarten.
Also schilderte ich ihm gestern die Gedanken, inwieweit ich wohl eine "Veränderung" seines Wesens zu erwarten hätte, wenn er sich mir "en femme" zeigt und er sagte mir: "Gar nicht, denke ich! Ich bin, wer ich bin, und der, der ich schon immer war - vielleicht bin ich in Frauenkleidern erstmal etwas schüchterner und unsicherer, weil wir ja noch nicht wissen, wie Du darauf reagieren wirst, wenn ich wirklich als Frau gekleidet vor Dir stehe, aber ansonsten denke ich nicht, dass mich das verändert!" Er hatte schon immer die Gabe, aufgewühlte Gedanken und wirre Gefühle in mir zu beruhigen, auf eine ihm absolut unnachahmliche Art - und daran, das glaube ich ganz fest - wird sich sicher nichts ändern, egal wohin der Weg uns führen wird...
...all eure tollen Beiträge und Antworten helfen mir total, vor Allem eines zu begreifen: Es gibt auch in der Trans*-Thematik absolut keinen allgemeingültigen, vorgezeichneten Weg, es gibt so viele Facetten, wie es unterschiedliche Menschen gibt, und ich werde von Tag zu Tag sicherer, dass mein Schatzi und ich den für uns bestmöglichen Weg finden!
Alles kann, nichts muss!
Danke Euch
Carry