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Re: Mein Sohn im Kleid

Verfasst: Mo 6. Jan 2020, 09:36
von Anja
Moinsen (moin)
Petra Sofie hat geschrieben: Mo 6. Jan 2020, 05:15 Ich denke, da solltet ihr Beide mit den Lehrern in aller Ruhe ein klärendes Gespräch führen. Damit dein Kind sich in Ruhe entwickeln kann.
Hä? Die Lehrer haben damit doch nichts zu tun. Er macht sich Sorgen wegen der anderen Kinder.... Das war übrigens auch schon in der Kita so. Momentan scheut er die Auseinandersetzung, was ich gut nachvollziehen kann.
In einigen Verhaltensweisen sind mir schon ziemliche Ähnlichkeiten zu mir aufgefallen. Anscheinend hat er etwas von meiner Hochsensiblität abbekommen. In welchem Ausmaß wird sich zeigen.
Er darf sein wie er sein möchte. Und wenn er die Zöpfe lieber nicht in der Schule tragen möchte, dann ist das seine Entscheidung.
Ich wollte ihn nur darüber aufklären, das ihn ein Zopf keinesfalls zum Mädchen macht.

Grüße
die Anja

Re: Mein Sohn im Kleid

Verfasst: Sa 2. Mai 2020, 11:10
von Vincent
Mittlerweile ist es ruhig geworden um das Thema (das für uns eigentlich nie eines war).
Wer meinen Sohn kennt sagt er, wer nicht sagt sie. Einfach aufgrund des Aussehens.
Für ihn ist das gleichbedeutend und sein Spitzname, mit dem er sich immer vorstellt ist schon immer genderneutral.

Gestern gab es aber eine Situation die mich beeindruckt hat:

Es war lange ruhig, verdächtig ruhig als meine Jungs in ihren Zimmern spielten, irgendwann hab ich nachgesehen:

Beide saßen zusammen mit in paar Blöcken in einem Haufen von Stoffen aus meinem Nähzimmer und waren wie wild am Zeichnen.
Auf meine Frage was das wird kam die Antwort:

"Wir entwerfen gerade ein tolles Kleid für 'Sohn2'. Du muss es dann zusammennähen, Papa!"
Ich bin gespannt, was dabei herauskommt, meine Unterstützung haben die beiden.
(he)
Und sie sind auch heute immer noch dran (ap)

Re: Mein Sohn im Kleid

Verfasst: Sa 20. Mär 2021, 16:10
von Vincent
Das Thema ist jetzt schon zwei Jahre alt, und mein Sohn entsprechen älter.
Geändert hat sich nicht viel, seine Haare sind nach wie vor lang und er wird immer noch für ein Mädchen gehalten.
Die Kleider in seinem Schrank zieht er nicht mehr an, weggeben dürfen wir sie aber keinesfalls.
Nach dem Grund habe ich ihn kürzlich gefragt und eine insgesamt sehr klare Antwort zu seiner Befindlichkeit erhalten, die so vor zwei Jahren aufgrund des Alters nicht möglich war und, die mich irgendwie betroffen gemacht hat.
Er sieht sich als Junge, will auch nichts anderes sein.
Die Kleider liebt er eigentlich aufgrund von Farben, Form und Bequemlichkeit, will sie aber nicht mehr tragen, weil die Leute oft so komisch nachfragen (offensichtlich in Richtung TS wenn ich das richtig interpretieren konnte).
Wirklich zu denken gab mir die Aussage, dass er es bevorzugt für ein Mädchen gehalten zu werden und auch teilweise von den Leuten die ihn kennen, eher wie ein Mädchen behandelt zu werden, weil die Leute netter, sanfter und fürsorglicher zu ihm wären, als wenn sie ihn für einen Jungen halten.

Selbst habe ich das einmal mitbekommen, als ich mit beiden Jungs beim Zahnarzt war: Selbe Ärztin, selbe Helferin, selber Tag, nur "sie" wurde merklich liebevoller behandelt, als der Bruder.
Dass einem 8 Jährigen sowas bewusst wird und daraus so tief durchdachte Konsequenzen zieht, finde ich beklemmend.

Re: Mein Sohn im Kleid

Verfasst: Sa 20. Mär 2021, 16:16
von Jaddy
Das ist wirklich sehr heftig, bestätigt meine Erfahrung, seit ich gelegentlich weiblich eingeschätzt werde. Ich hoffe, dass Dein Kind im Leben diese misshandelnde Härte gegen Jungs und Männer vermeiden kann.

Re: Mein Sohn im Kleid

Verfasst: Sa 20. Mär 2021, 17:25
von Momo58
Australische Wissenschaftler haben im Jahr 2010 herausgefunden, dass Transidentität nicht nur von sozialen Faktoren abhängig ist, sondern genetisch bedingt ist. In manchen Fällen ist das Geschlechtsgen länger als bei heterosexuellen Menschen. Deshalb kann es sein, dass Transidentität vererblich ist. Wenn dein Sohn lieber ein Mädchen ist und der Lehrerin ein typisch weibliches Verhalten aufgefallen ist, dann ist es deine Aufgabe, deinen Sohn entgegen aller gesellschaftlicher Konventionen zu unterstützen.
Einer echten Transidentität geht in vielen Fällen eine geschlechtliche oder sexuelle Vielfalt in der vorherigen Generation voraus.

Ein Problem wird in der Schule spätestens im pubertären Alter auftreten, wenn massives Mobbing dazu kommt. Auch bei der Berufswahl wird es schwieriger.

Das Verhalten deines Sohnes erinnert mich an meine eigene Kindheit. Ich habe verstanden, dass ich ein Mädchen bin, konnte es als Kind aber nicht so deutlich rüber bringen. Dein Sohn kann stolz auf dich sein. Ich hatte leider nicht so viel Glück mit meinem Vater.

Liebe Grüße
Manuela

Re: Mein Sohn im Kleid

Verfasst: Sa 20. Mär 2021, 17:31
von Anne-Mette
Vincebt hat allerdings geschrieben:
Vincent hat geschrieben: Sa 20. Mär 2021, 16:10 Er sieht sich als Junge, will auch nichts anderes sein.

Re: Mein Sohn im Kleid

Verfasst: Sa 20. Mär 2021, 17:53
von Ulrike-Marisa
Moin,

...bei mir gab es anno ca. 1963 noch mächtig Krach, als ich mit einer Freundin bei ihr zu Hause Kleidungstausch spielerisch gemacht habe, Ihre Mutter sah uns und sie erzählte es meiner Mutter mit der Folge, dass ich eine gesalzene Abreibung bekam von wegen, dass das nicht ginge und überhaupt. Dazu muss ich sagen, dass meine Mutter es eigentlich hätte besser wissen müssen als gelernte Kindergärtnerin und nach Berichten aus dem Kindergarten über mich. Aber so war es in der damaligen Zeit. Ich denke, wir hätten da heute möglicherweise etwas vorsichtiger reagiert, wenn unsere Kinder so etwas gemacht hätten. Nun es war so nicht, auch gut.

Grüße, Ulrike-Marisa :wink:

Re: Mein Sohn im Kleid

Verfasst: Sa 20. Mär 2021, 22:36
von Helga
Vincent hat geschrieben: Sa 20. Mär 2021, 16:10 Die Kleider liebt er eigentlich aufgrund von Farben, Form und Bequemlichkeit
klingt nach einem typischen Crossdresser...
Ein Riesenlob an dich und deine Frau. So sollte es eigentlich sein. Ein Kind kann sich allen Konventionen und Gerede zum Trotz einfach mal ausprobieren ohne dabei irgendwelche Sanktionen befürchten zu müssen, aber auch ohne dass jemand überreagiert und Pubertätsblocker ins Spiel bringt.
So kann eine Generation entstehen, die sehr viel unverkrampfter mit Geschlechterzugehörigkeit, Geschlechterrollen und Geschlechterklischees umgeht.
Liebe Grüße
Helga

Re: Mein Sohn im Kleid

Verfasst: Sa 20. Mär 2021, 23:11
von Jaddy
Helga hat geschrieben: Sa 20. Mär 2021, 22:36klingt nach einem typischen Crossdresser...
Ach, zusammen mit dem anders und besser behandelt werden könnte das auch femboy, demiboy, genderqueer, agender werden, oder welche tollen Label sich da noch finden werden in der Zukunft. Oder einfach eine Phase oder ein Aspekt im Leben.

Ich sehe bereits bei vielen jüngeren trans und_oder nicht-binären Menschen trotz der ganzen Labelvielfalt genau die Unverkrampftheit, die Du beschreibst. Ein deutlich flexibleres und stufenloseres Verhältnis zu den Geschlechtsdimensionen als "CD/TV/TS". Bei allen Problemen mit sich und den Erwartungen der Umgebung, die viele haben, ist diese gewisse Lockerheit inzwischen häufiger, sich nicht ein für alle Mal irgendwo festlegen zu müssen, geschweige denn in genau eine von zwei (oder drei) Kategorien.

Re: Mein Sohn im Kleid

Verfasst: So 21. Mär 2021, 01:55
von Karla
meine Mutter hat 1974 nen BH bei mir gefunden und entsorgt: hat auf lange Sicht nix gebracht!
01.01.1975 ist sie verstorben - Krebs. Ich hab es nicht vergessen, aber hab ihr verziehen.
LG Elly

Re: Mein Sohn im Kleid

Verfasst: So 21. Mär 2021, 21:51
von Inga
Hallo, miteinander,

ich finde, ein Kind mit acht Jahren sollte noch die Chance und Freiheit dürfen, sich individuell zu entwickeln und nicht gleich schubladengerecht in eine vorgefertigte Form anzupassen. Das mag auch mit Zickzackzügen verbunden sein und doch macht es spannend, dabei zu begleiten und im Suchen und Finden des eigenen Weges des Kindes zu unterstützen.

Ach, wenn ich an meine Kinder- und Jugendzeit zurück denke. ich hätte damals gerne die Mädchenkleider im Schrank gehabt, auch wenn ich sie nicht angezogen hätte. Ich hatte es immer humorvoll genossen, wenn ich mit meinen langen Haaren von hinten für ein Mädchen gehalten wurde. Doch damals war ich der festen Üerzeugung zu sein, ein Junge zu sein, vielleicht mit gelegentlichem Traum vom Cross-Dressing, aber vor allem ein Junge.

Das sehe ich heutzutage, Jahrzehnte später, allerdings anders.
Und schöne Kleider, die ich nicht so oft anziehe, weil ich es für unpassend halte, habe ich auch im Schrank. (smili)

Liebe Grüße
Inga

Re: Mein Sohn im Kleid

Verfasst: Mi 4. Mai 2022, 19:55
von Vincent
Eine längere Pause habe ich im Forum gemacht, obwohl und auch weil sich viel bei mir und meiner Familie getan hat.

Mein "Sohn im Kleid" lässt mich mal wieder (stärker als sonst) rätseln.
Ich habe gerade mal nachgedacht, wann und wie das mit Kleidern angefangen hat, erinnere mich aber tatsächlich nicht mehr daran. Sie sind mittlerweile so selbstverständlich als alternative zu einer Hose, dass sich keiner in seiner Umgebung darüber Gedanken macht.
Leute die ihn nicht kennen sowiso nicht, da er aufgrund seiner langen Haare und seiner Statur auch in den kernigsten Jungsklamotten für ein Mädchen gehalten wird.
Er stört sich daran nicht, sondern findet es manchmal praktisch, z.B. wenn die Damentoilette näher ist, und genießt es laut eigener Aussage auch, dass er netter behandelt wird, als Mädchen wahrgenommen, denn als Junge.
Aber ganz klar er sieht sich als Junge. Er hat kaum Freunde aber viele Freundinnen und ist voll in seine Mädels-Clique integriert. Alles nichts Neues.
Kürzlich bekam ich mit, dass unter seinen Freund:innen über ihn gesprochen wurde wobei jedoch nicht "er" sondern "sie" verwendet wurde, was mich irritiert hat.
Meine Frau sprach daraufhin die Klassenlehrerin darauf an, die das bestätigte. Er hat es scheinbar nie gefordert, er wirkt neutral zu seinem Pronomen und es scheint sich einfach so entwickelt zu haben.
Ich habe ihn dazu gefragt, wie er sich dabei fühlt, ob es ihn freut oder kränkt und er meinte in etwa "Mich halten doch eh alle für ein Mädchen, aber das ist ok für mich".

Was fange ich jetzt damit an? Es ist ja alles ok, aber ein bisschen ins Grübeln sind meine Frau und ich schon gekommen.

Re: Mein Sohn im Kleid

Verfasst: Mi 4. Mai 2022, 20:15
von Lorelai74
Hallo Vincent,

Ja das bringt einen als Eltern ins Nachdenken.
Ich denke Klarheit könnt ihr nur zusammen bekommen, im Austausch und Gespräch. Aber ich denke das ist gar nicht einfach mit einem 10jährigen zu reden und auch zuzuhören.

Jeder Mensch ist ein soziales Wesen. Es ist uns eine sehr starkes Bedürfnis dazuzugehören zu den Gruppen in den wir sind - zuerst die Familie, später dann den Gruppen und Cliquen, im Kindergarten, Schule, Verein usw.

Vielleicht akzeptiert er es, weil er so bei den Mädchen dazugehört. Ich weiß nicht wie es bei den Jungs ist, aber ich kann mir vorstellen dass er durchaus Ausgegrenzt wird von einigen oder sogar Mobbing Erfahrungen bereits gemacht hat.

Umso wichtiger ist dann die Zugehörigkeit zu einer Gruppe. Dafür nehmen wir viel in Kauf, passen uns an, verhalten und kleiden uns unter Umständen anders oder was es sonst braucht zur Gruppe dazugehören.

Kann es sein das da was mitschwingt? Das er vielleicht die Angst hat, das wenn er sein "er" einfordern würde, es passieren kann das er auch nicht mehr von den Mädchen als zu ihnen gehörend angesehen wird?

Vielleicht ist da eine Angst alleine zu sein , im dazwischen und - unterbewusst damit verbunden- verletzlich und unsicher zu sein wenn er auf sein "er" bestehen würde.

Vielleicht sind meine Gedanken aber auch ganz verkehrt. Das könnt nur ihr gemeinsam herausfinden.

Alles Gute euch dabei .

Viele Grüße
Lori

Re: Mein Sohn im Kleid

Verfasst: Mi 4. Mai 2022, 21:30
von Helga
Vincent hat geschrieben: Mi 4. Mai 2022, 19:55 Was fange ich jetzt damit an? Es ist ja alles ok, aber ein bisschen ins Grübeln sind meine Frau und ich schon gekommen.
Hallo Vincent,
schön mal wieder von dir zu lesen. Ich wage zu behaupten, dass dein Sohn sich genau so entwickelt, wie die meisten von uns sich entwickelt hätten, wenn sie nicht durch äußere Zwänge in eine bestimmte Richtung gedrängt worden wären.
Nicht ärgern, nur wundern, nicht grübeln nur freuen. Ich finde es nach wie vor großartig wie sich dein Sohn entwickelt.
Liebe Grüße
Helga

Re: Mein Sohn im Kleid

Verfasst: Mi 4. Mai 2022, 21:39
von Helga
Lorelai74 hat geschrieben: Mi 4. Mai 2022, 20:15 Ich denke Klarheit könnt ihr nur zusammen bekommen,
Liebe Lorelai,
irgendwann im Alter von 50+ bin ich zu der Einsicht gelangt, dass es soetwas wie "Klarheit" nicht gibt, und ich lernen muss, mit dieser unklaren, ambivalenten Gefühls- und Gedankenwelt zu leben, was eigentlich garnicht so schwierig ist.
Wenn wir im gesetzten Alter mit all unserem Wissen und all unserer Lebenserfahrung keine Klarheit erlangen können, wird ein zehnjähriges Kind dies noch weniger können. Dies sollte nicht eingefordert und erst recht nicht erzwungen werden.
Liebe Grüße
Helga