Letztens hab ich einen Artikel gelesen: Quintessenz des Ganzen war, dass in der öffentlichen Debatte, den AFD und ihrer Anhänger viel zu selten mit Argumenten entgegenstreten wird. Stattdessen werden sie mit Ignoranz gestraft, was natürlich die AFD wiederum in ihrem Opfermythos bestärkt. Daher unternehme ich hier den Versuch -und das ist mir persönlich wichtig- den hier verbreiteten rechtpopulistischen Unsinn mit Argumenten entgegenzutreten. Daher möge man es mir verzeihen, wenn ich den Thread jetzt damit vollschäme.
1. Der Mikrozensus von 2011 weißt laut statistischem Bundesamt einen muslimischen Bevölkerungsanteil von 1,9 % aus. Diese Zahl ist jedoch fragwürdig, da sie auf Selbstauskunft beruht. Tatsächlich liegt der Anteil wohl bei den genannten 5%. (Quelle Wiki:
https://de.wikipedia.org/wiki/Islam_in_Deutschland)
Aber was sagen uns diese Zahlen eigentlich?
a) 5-7% der deutschen Bevölkerung haben wohl islamische Wurzeln. b) Als "Gläubige Muslime", also jene die sich der Religion direkt zugehörig empfinden, beschreibt sich wohl nur ein kleiner Bruchteil jener Personen, die ursprünglich in irgendeiner Form dem nichtchristlichen Kulturkreis entspingen. Im Umkehrschluss heißt das, dass etwa 3-5% jener Personen, mit nichtchristlichen Wurzeln entweder sich nicht über das Attribut "Moslem/Islam" definieren oder atheistisch sind. Also die Mehrzahl hat mit Islam und schon gar nicht mit djihadistischen Variante etwas am Hut.
2. Richtig ist, dass die Babyboomer Generation in Rente geht und wegsterben wird. Falsch daran ist, dass sich die Bevölkerungspyramide derart verschiebt, wie dargestellt. Vielmehr bleibt nach wie vor eine deutsche Mehrheitsgesellschaft bestehen. Außerdem passt sich ein großer Anteil derjenigen, deren Eltern irgendwann mal aus einem anderen Land stammten, an.
Wie kaum eine andere Region in Deutschland wurde das Ruhrgebiet von polnischen Einwanderern geprägt. Die Klagen vor 150 Jahren darüber sind den heutigen Parolen gegenüber Muslimen ähnlich. Wenn man heute meine Nachbarn, die von polnischen Einwanderern abstammen fragen würde, wie deren nationale Zuschreibung wäre, dann würden sie sich als deutsch beschreiben. Zudem käme niemand auf die Idee meine Nachbar als Polaken und Nichtdeutsche zu schmähen. Das gleiche trifft auch für türkischstämmige Bekannte zu, die sich selbst als "deutsch" definieren, unabhängig von
ihrer Religion. Laut Wikipedia besitzen übrigens 1,8 Millionen Muslime die deutsche Staatsbürgerschaft und definieren sich damit also bewusst selbst als deutsch.
Auf was ich hinaus will, ist dass die Mehrzahl der Personen, die von einstmals Eingewanderten abstammen, sich selbst als Deutsch definieren. Daher ist eine solche Geburtenstatistik populistischer Unsinn, zumal die Zahlen dermaßen übertrieben dargestellt werden und hier mit Absicht der Eindruck erweckt wird, dass Muslime die Weltrevolution via nataler Überschwemmung der Aufnahmegesellschaften planen. Diese Argumentation ist nichts als eine Verschwörungstheorie.
"Was ist daran so schlimm? Eigentlich nichts - solange wir es schaffen, all diese Wirtschaftsmigranten (die wenigsten davon sind echte Flüchtlinge) zu integrieren. Aber das schaffen wir schon seit Jahrzehnten immer weniger, es bilden sich jetzt schon überall die wohlbekannten Parallelgesellschaften. Der Islam ist nicht nur eine Religion wie das Christentum, sondern gleichzeitig auch eine politische Ideologie; Muslime unterscheiden nicht zwischen Staat und Religion, für die ist das eins. Und in der Diaspora neigen Muslime wegen der identitätsstiftenden Funktion ihrer Religion eher noch dazu, sich politisch/religiös zu radikalisieren, als sich der Gastgesellschaft anzupassen. Aus ihrer Sicht verständlich - für unsere moderne, tolerante Gesellschaft aber eine Zeitbombe. Spätestens, wenn Muslime hierzulande die Mehrheit bilden (die Frage ist schon seit längerer Zeit nicht mehr "ob", sondern "wann"), ist es ratzeputz aus mit unserer ganzen, schönen, modernen Freiheit und Toleranz. Nennt mir, bitte, einen einzigen, mehrheitlich muslimischen Staat auf dieser Welt, der LSBTusw auch nur halb so viel Toleranz und Gleichberechtigung zugesteht wie Deutschland im Jahr 2019..."
"
1.
63% (also ca. 3,5 von ca. 5,5 Mio. Muslime) der Muslime in Deutschland sind türkischen Ursprungs. Türkische Migranten sind keine Wirtschaftsflüchtlinge, sondern sie wurden von der BRD als billige
Arbeitskräfte angeworben. Ein zweites großes Kontingent kam in den 90er Jahren aus dem ehemaligen Jugoslawien ins Land. Auch hier erinnern wir uns, dass es damals ein Bürgerkrieg gab. Damit kann auch hier nicht von "Wirtschaftsflüchtlingen" die Rede sein. Die dritte große Welle muslimischer Zuwanderung fand seit 2015 statt (ca. 1,2 Millionen). Diese kamen vorwiegend aus Syrien. Ein Blick in die Tageszeitung verrät, dass in diesem Land seit einigen Jahren ein Bürgerkrieg tobt. Wirtschaftsflüchtlinge sind das damit wohl kaum. Sicherlich gibt es auch ein paar Wirtschaftsflüchtlinge, aber sie sind erschreckend in der Minderzahl. Die Behauptung alle Muslime seien ausschließlich Wirtschaftsflüchtlinge ist damit grundlegend falsch.
2. Wer sagt, dass Muslime nicht zwischen Staat und Religion unterscheiden?
Vor Erdogan war die Türkei übrigens das Land, welches am schärfsten zwischen Religion und Staat getrennt hat. Im übrigen definieren sich wohl ein beachtlicher Teil der Bevölkerung in der Türkei selbst als Atheiisten (Quelle:
https://www.dw.com/de/zahl-der-atheiste ... a-46992921). Die Pauschalisierung, dass Muslime nicht zwischen Religion und Staat trennen können, ist schlicht haltlos.
3. Muslime sind keine eine Zeitbombe für unsere modernen Gesellschaften, sondern ein nürtzlicher Teil von ihr. Muslime führen heute in Deutschland Geschäfte, praktizieren als Ärzte und Anwälte. Sie zahlen Steuern und Sozialabgaben und sie tragen in hohem Maße zu unserer Gesellschaft bei, unabhängig von der Staatsbürgerschaft. Nun zu behaupten alle Muslime hätten das Ziel unsere moderne offene Gesellschaft zu beseitigen, halte ich für falsch. Viele von ihnen wissen ganz genau, dass es in Deutschland um einiges besser ist, als in ihren Ursprungsländern. Die "Bombe", die angeblich hochzugehen droht, existiert gar nicht, weil auch zahlreiche Muslime sich für unser Gesellschaftsmodell einsetzen, z. B. Cem Ötzdemir oder einige andere deutsche Politiker, die Migrantenfamilien entstammen.
"Mir altem Zausel kann es ja eigentlich egal sein, weil's so schnell nun auch wieder nicht geht. Bis die richtig brutalen Umwälzungen in so 20 bis 30 Jahren spürbar werden (dann aber auch schon längst nicht mehr abgewendet werden können), lebe ich nicht mehr. Ich verstehe aber nicht, dass die heute junge Generation in Deutschland, die diese Entwicklung bereits voll treffen wird, da nicht endlich mal aufwacht und sich dagegen stemmt. Wenn Ihr Jungen Euch um dieses Problem (und noch ein paar andere: Bildung, Sozialpolitik, demokratische Kultur, Rechtsstaat, innere Sicherheit...) nicht kümmert, dann seit Ihr schon selber schuld, wenn Ihr in der Mitte Eures Erwachsenenlebens Eure Heimat, Eueren Wohlstand, Eure Freiheit und überhaupt alles, was Euch lieb und teuer ist, an einen
modernisierungsresistenten Gottesstaat verlieren werdet.
1.Es wird keine brutalen Umwälzungen von muslimischer Seite in den nächsten 20-30 Jahren geben. Das entspringt nur der populistischen Fantasie von Leuten, die zu viel von der Idee des Untergangs des Abendlandes (Oswald Spengler) konsumiert haben. Untergangsfantasien sind natürlich reizvoll...die ganze europäische Kulturgeschichte ist davon voll. Angefangen bei der Apokalypse des Johannes in der Bibel, der Götterdämmerung in den römisch-griechischen sowie in den germanischen Sagen, dem Endzeitmythos des Mittelalters und der frühen Neuzeit bis hin zur Behauptung im Kaiserreich, dass Deutschland den Krieg suchen müsse, um nicht von den Ententemächten übertrumpft und zerschlagen zu werden.
Zum Glück ist die Zukunft offen und das Ende unserer modernen Gesellschaft keineswegs so eindeutig, wie hier behauptet. Vielmehr als von den Muslimen, wird sie von Populisten bedroht, die ihre kruden Theorien verbreiten.
2.
Wir Jungen haben kein Problem. Warum sollten die muslimischen Jungen und Mädchen, die wir aus dem Sandkasten kennen, mit denen wir zur Schule gegangen sind, nun noch mal genau gefährlich sein? Sie machen dasselbe durch wie wir. Sie sind wie wir...Vielmehr denke, dass diejenigen ein Problem mit Muslimen haben, die diese Erfahrung nicht gemacht haben...oder ist es vielleicht Zufall, dass die AFD gerade im Osten so stark ist.
Thema: Rechtsstaat... der funktioniert doch, Gott sei dank, super...Er ist zwar etwas langsam aber immerhin besser als in 97% aller anderen Länder auf dieser Welt.
Thema: Demokratische Kultur... Ist doch super, so lebendig wie jetzt, war sie noch nie in diesem Land. Jeder darf frei seine Meinung sagen, d.h. aber nicht, dass Politik und Gesellschaft sich nach dieser richten müssen. Stellt euch ansonsten folgende Situation vor: A schreit links, B schreit rechts, C schreit links, D schreit Mitte und E schreit Rückwärts...In irgendeine Richtung muss es ja gehen. Politik kann nicht alle Wünsche erfüllen. Jeder kann schreiben und veröffentlichen was er will, so lange er gegen keine anderen Gesetze verstößt. Redeverbote existieren, anders als die AFD behauptet nicht. Aber öffentlich geäußertem Blödsinn darf auch widersprochen werden. Das gehört zur demokratischen Kultur dazu. Nur die AFD versteht jede Form von Widerspruch und Kritik als angebliches Redeverbot und verkennt dabei, dass Meinungsfreiheit eben nicht bedeutet, dass nun jeder uneingeschränkt auf den Zug der geäußerten Meinung aufspringen und Beifall klatschen muss.
Thema: Innere Sicherheit...Die AFD betreibt die Spaltung der Gesellschaft und ist das größte Sicherheitsrisko!!!
Thema: Sozialpolitik...da hinterlassen uns die Alten einen schönen Scherbenhaufen. Bis in die 80er hinein hat sich diese Generation ein großen Schluck aus der Rentenpulle genehmigt. Für ausreichend Kinder, die das bezahlen, hat sie nicht gesorgt. Das Ergebnis sind für uns Minirenten...und das bei Minilöhnen, da die Betriebe, in denen Angehörige der Babyboomergeneration derzeit die Chefsessel inne haben, Millionengewinne einfahren. aber angeblich ihren Kindern nicht mehr zahlen können.
Die Generation der Babyboomer hat doch im Moment die wirtschaftliche und politische Macht inne und wäre in der Lage Dinge zu ändern. Sie tut aber nichts um den Wohlstand zusichern. Weder investiert diese Generation ausreichend in Bildung, noch in Umweltschutz, noch in Infrastruktur (Internet, Verkehrswege, Stromnetze). Begehrt die junge Generation, wie derzeit dagegen auf, wird uns mit "Konsequenzen" gedroht. Insofern ist es ein Frechheit zu behaupten, wir würden uns um nichts kümmern. Wir sind aktuell ja gar nicht in der gesellschaftlichen, d.h. machtpolitischen Position dies zu tun. Stattdessen ignorieren die Vertreter der Babyboomergeneration unsere Anliegen und sorgen nicht für die Zukunft vor.
====
@ Steffi: Lass dich von solchen Typen nicht unterkriegen. Manche müssen ihr geringes Selbstbild aufpolieren, indem sie andere herabwürdigen. Du kannst da drüber stehen. Ich bewundere dich, wie du deinen Weg gehst, auch wenn es nicht leicht ist. Mach weiter so!