"Mein letzter Tag"
"Mein letzter Tag" - # 3

Lebensplanung, Standorte
Christiane
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Re: "Mein letzter Tag"

Post 31 im Thema

Beitrag von Christiane »

lexes hat geschrieben: Fr 14. Sep 2018, 22:12 Verstehe wenn einen / Dich das misstrauisch macht, wie auch nicht... ich selber bin früher viel im Rettungsdienst gefahren und habe sehr viele solcher Dinge gesehen ... NRW kann ganz schön "Gangster" sein, leider. Als Ersthelfer ist man da immer schön drin ... aber irgendwann nutzt es sich ab und man kann seinen Beruf machen ohne das Ganze noch Wochen mit sich herumzutragen...

Als nicht-Med-Personal und ohne dauerhafte Unterstützung durch Kollegen ( erfahrene Notärzte etc. ) und Psychologen kann man das sicher nicht "mal eben wegstecken" ... du hast da sicher mit einem/einer Psychologen/gin drüber gesprochen , oder ?

Du müsstest einfach mal das voll-krass-gute-von-der-Masse-getragene Gegenerlebnis haben.. Einen Moment in dem Christiane ohne Alkohol ( und ich verurteile das nicht ) einfach sicher unter Freundinnen sie selber sein kann.

Als Frau draußen sein ist verunsichernd genug ( ich weiß das seeeeehr gut 😃 ) und da hilft es gar nicht sich noch extra-Sorgen zu machen.... pass bitte auf Dich auf => gönn"˜ Dir Christiane-in-sicherer-Umgebung-unter-Menschen-Zeit und ich WETTE das wird eine heilende Wirkung auf Deine ges. Weltanschauung haben.

Lexi
Hallo Lexi

Bitte mich nicht zu verwechseln. :wink:
Ich hab kein Problem mit Alkohol - auch nicht ohne.
Ich hab Gestern Abend dann, so wie Du es auch mal beschrieben hast, einen gepflegten Whiskey auf dem Balkon genossen. Die 60Den hat mich gut gewärmt, trotz des (meiner Frau nach) zu knappen Röckchens. :mrgreen:
Auf die 80er Havanna habe ich gerne verzichtet - das ist nun wirklich nicht mein Ding. :mrgreen:
Ein guter Freund von mir ist auch lange im Rettungsdienst gefahren - er hat das Gleiche wie Du geschildert.
Das ist reiner Selbstschutz, weil man den Job sonst nicht mehr machen kann.
Das Care-Team war damals zu klein und meiner Meinung nach, auch überfordert. Die hatten solche Szenarien wahrscheinlich auch bis zu dem Zeitpunkt nur im Planspiel erlebt.

Was ich für mich mitgenommen habe, ist einfach die Tatsache, daß es einen Jederzeit treffen kann.
Wir verschieben nichts mehr auf später - es sei denn, wir müssen erst mal die nötigen Zahlungseinheiten ansparen, um den Traum zu realisieren.
Aber - sowie dies erreicht ist, wird der Plan auch umgesetzt.

Und - mit den Flashs muß ich leben - sie treten zum Glück nur noch sehr selten auf. Als Ersthelfer bin ich allerdings momentan nicht zu gebrauchen (siehe Blut). :roll:
Ich arbeite aber stetig daran, mir diese plötzliche "Fallsucht" wieder abzugewöhnen. Mein Sicherheitsgefühl heilt auch langsam - aber das wird noch dauern.
Und meine Weltanschauung - hmm - ich bezeichne mich mal als Realistin - ich kann ja auch nix dafür wenn meist das Negative eintritt (Trump, Erdogan, usw.). :mrgreen:

Lieben Gruß
Christiane
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Céline
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Re: "Mein letzter Tag"

Post 32 im Thema

Beitrag von Céline »

Hallo Christiane,
Nachdem ich heute wieder mal eine schlaflose Nacht gehabt habe, verbrachte ich die Zeit damit hier zu lesen.Dein Bericht hat etwas in meine Erinnerung zurückgeholt an das ich ich schon länger nicht mehr denken musste.Es ist zwar absolut nicht mit Deinem schrecklichen Erlebnis zu vergleichen hatte aber damals ziemlich lang Ängste in mir erzeugt.
Als vor ein paar Jahren am 7.7.2005 die Bombenattentate in London waren hatte unser Flug 20 Minuten Verspätung,20 Minuten die uns unter Umständen das Leben gerettet hatt.In genau einer der U Bahn Linie in der wir unter Umständen zu unserem Hotel gefahren wären ist zu diesem Zeitpunkt eine der Bomben explodiert.Natürlich wusste zu dem Zeitpunkt Niemand was geschen ist ,alle U Bahnen waren gesperrt und suchten wir eine Buslinie die noch fuhr.Nach 5 Minuten Fahrt hielt der Bus und alle mussten aussteigen.Kurze Zeit später erfuhren wir das in einer Straße in der nähe eine weitere Bombe in einem Bus explodiert ist.Das faszinierende war wie ruhig und gesittet sich alle verhalten haben und keine Panik ausbrach.Aber die spürbare Stimmung war schrecklich ,überall Sirenen ,still umherlaufende Menschen.Ein Ereignis das ich hoffentlich nie wieder erleben muss.
Deshalb ist es vielleicht auch so wichtig im heute zu Leben und nach Möglichkeit jeden negativen Moment zu meiden.Unser Leben ist einfach zu kurz dafür
Liebe Grüße
Kelly
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Frieda
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Re: "Mein letzter Tag"

Post 33 im Thema

Beitrag von Frieda »

Guten Morgen Kelly und Christinae!

Die letzten Tage fand ich kaum Ruhe um hier in dieses Thema mal wieder rein zu schauen, vorallem bewegten, beschäftigten mich andere Gespräche hier sehr, die ich mit las.

Nun wieder hier, deines zu lesen Kelly erschreckte mich auch. Hab ichs denn richtig verstanden, hätte dich und andere denn 2x Schlimmeres treffen können an diesem Tag!?

Ich versuche mich da hinein zu versetzen, vorallem in die Tage die nach solchen Vorfällen kommen, wie du Kelly oder Christiane beschrieben haben. Mit Abstand dann wahrhaftig zu realisieren was passiert ist und was evtl noch hätte passieren können, kostet sicher Kraft und Selbstdisziplin sich da nicht selbst zu verlieren.

Ihr habt beide meine größte Achtung, dass ihr heute so gestärkt, uns über solche mächtigen Erfahrungen aus eurem Leben erzählen könnt.
Danke dafür und aller größten Respekt!!!!

Namaste🙏
•Liebe & Mitgefühl sind die höchsten Formen von Intelligenz.
•Du musst selbst zu der Veränderung werden, die du in der Welt sehen willst. Mahatma Gandhi
•Irgendwo ist Jemand glücklich mit weniger als du hast!

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Re: "Mein letzter Tag"

Post 34 im Thema

Beitrag von Céline »

Hallo Frieda,
Ich weis es nicht und möchte es ganz ehrlich auch gar nicht wissen was alles hätte passieren können,ich bin dankbar das meiner Frau und mir nichts geschehen ist.
Natürlich dauert es sehr lange mit solchen Erfahrungen fertig zu werden.Wir haben auch den damaligen Urlaub krankhaft auf jeden geachtet der irgendein Gepäckstück bei sich trug und gehofft das alles gut geht.Was wir aber auch getan haben und da waren meine Frau und ich mir einig, wir sind am selben Abend noch mit dem Bus gefahren da die U Bahnen ja noch gesperrt waren.Wir wollten uns einfach nicht den Urlaub verderben lassen.Das hat uns wahrscheinlich geholfen relativ schnell wieder in den Alltag zurückzufinden.Ich bin heute der Meinung das wenn mein letzter Tag kommt kann ich es nicht ändern darum lebe ich im Heute und jetzt.
Jeder glückliche Augenblick ist ein Geschenk und sollte geschätzt werden (smili)
Liebe Grüße
Kelly
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Re: "Mein letzter Tag"

Post 35 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Ich wollte mich eigentlich nicht mit Deinen Erfahrungen, Kelly, auseinander setzen. Es ist wirklich schlimm und ich merke, dass es etwas mit mir macht, was mir nicht gut tut. In den Medien liest man ja immer wieder von solchen Amokläufen und da ist immer (relativ) einfach, sich den Dingen zu entziehen. Aber der Bericht einer persönlich Betroffenen ist da doch eine andere Nummer.

Ich bin früher (vor 20 Jahren) sehr gerne geflogen, aber seit ein paar Jahren vermeide ich es, wann immer es geht. Der Gedanke, eingesperrt in dieser Dose zu sein, völlig unfähig, etwas im Fall eines Problems etwas zu tun, fühlt sich nicht gut an. Letztes Wochenende war ich auf einem Altstadtfest. An den Zugängen standen überall diese Betonklötze, damit niemand mit einem Auto hineinfahren konnte.

Ich finde das sehr beklemmend. Im Wald spazieren zu gehen und möglicherweise einer Wildschweinrotte oder einem Wolf (in der Region ist tatsächlich einer unterwegs) zu begegnen, macht mir keine Angst. Schlimm finde ich aber Ängste, die von Menschen ausgeht. Dein Bericht hat mir geholfen und bewusst gemacht, dass ich mich mit diesen Ängsten bewusst auseinander setzen muss, um nicht die Bodenhaftung zu verlieren.
Viele Grüße
Vicky

Respekt ist nicht teilbar.
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Re: "Mein letzter Tag"

Post 36 im Thema

Beitrag von Céline »

Hallo Vicky,
Das mit Deiner Flugangst kann ich sehr gut verstehen,ich hatte auch Jahrelang panische Flugangst mit Schweisausbrüchen und totaler Beklemmung.Ich hatte zwei für mich sehr schlimme Erlebnisse beim Fliegen.Einmal als wir als einziges Flugzeug bei einem Schneesturm starteten und stundenlang durch einen schlimmen Sturm geflogen sind.Seitdem nachdem ich beim Flug die Gepäckkästen beobachtete die sich auf Abenteuerliche Weise verzogen hab ich schon viel mehr Vertrauen in die Technik :wink: ,und einmal als wir in einem kleinen Flughafen in Schottland bei Sturm gelandet sind und der Landeanflug laut Stewardess fast schiefgegangen wäre.Ich habe noch nie erlebt das alle Menschen beim Landen so geschrien haben und.....ich in diesem Moment als ich aus dem Fenster sah eigentlich mit dem Leben schon abschloss.Aber trotzdem wird meine Flugangst immer geringer weil ich mich trotzdem in ein Flugzeug reinsetze.Warum sollte ich diese vielen Wunderschönen Stunden mit meiner Frau und in wunderschönen Urlauben mir durch Angst zerstören lassen.
Wenn meine Stunde einmal gekommen ist dann werde ich das so hinnehmen aber auf ein glückliches Leben zurückblicken (smili)
Liebe Grüße
Kelly
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Re: "Mein letzter Tag"

Post 37 im Thema

Beitrag von Inga »

Hallo, Frieda,

ich weiß nicht einmal, was ich morgen denke. Wie solte ich wissen, was ich an meinen "letzten Tagen" vor dem Tod denke? Es kommt, wie es kommt.

Für mich ist mein Leben mir ein Geschenk,das ich angenommen habe und geschehen lasse. So auch bis "zum letzten Tag" und danach. Es ist irgendwie genau das Geheimnis nicht zu wissen was da kommt, wenn der Körper aufhört zu leben. Ich stelle mir vor, meine Seele lebt weiter ohne den Körper, unsichtbar, unbegreifbar, unfassbar und jenseits der Dimensionen unserer jetzigen Welt. Es geschieht halt so. Doch was soll ich mehr davon wissen, wenn ich nicht einmal zu wissen vermg, was morgn sein wird und was ich morgen denken und wahrnehmen werde.

Liebe Grüße
Inga
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Re: "Mein letzter Tag"

Post 38 im Thema

Beitrag von Frieda »

Hallo Inga!
Du bist nicht einzige die mich (leider) ein bisschen missverstanden hat. Ich denke ich habe mich etwas schwerfällig ausgedrückt, was ja auch nicht wirklich schlimm ist!

Ich fragte nicht ursprünglich danach, was ihr an eurem letzten Tag wohl denken glaubt.
Sondern mir ging es darum, was macht der Gedanke an euren eigenen Tod, mit euch im Hier&Jetzt?
Deswegen erzählte ich davon, wie mich selbst, der Gedanke an meinen eigenen Tod (der mir egal ist, wie ich einmal mein Leben beende), wie mir dieser Gedanke regelrecht hilft achtsam und dankbar zu sein. Der Gedanke daran, dass ich eines Tages nicht mehr existiere, führt in der nächsten Sekunde dazu, dass mir der Kinderstreit meiner Raptoren zB vollkommen egal wird, weil ich ja bewusst weiß, dass die Zeit die ich mit ihnen habe, begrenzt ist. Also warum soll ich diese sooo kostbare Zeit Nichtigkeiten mehr Aufmerksamkeit oder Kraft schenken, wenn ich "heute" achtsam im Hier&Jetzt schon weiß, dass am Tag X diese beiden mit Tränen an meinem Grab stehen werden. Dann erinnere ich sie lieber "Jetzt" in ihrem Streit daran, was sich für sie ändern wird, an meinem Todestag!

Also, ich meinte ursprünglich, wenn ich mir immer wieder mal bewusst mache, dass ich irgendwann tot bin, hilft mir genau dieser Gedanke achtsamer im Hier&Jetzt zu sein, zufrieden und dankbar zu sein, welches Glück mich gerade Jetzt in diesem Moment umgibt. Der Gedanke an meinen Tod, ist mir die größte Hilfe, Jetzt glückelich sein zu können!!!!!!

Namaste🙏
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Re: "Mein letzter Tag"

Post 39 im Thema

Beitrag von Joe95 »

Irgendwann, an irgendeinem Tag sterben wir.
An allen anderen Tagen nicht.
Sei vorsichtig mit deinen Wünschen, sie könnten in Erfüllung gehen.
Natürlich ist das wahr, es steht doch im Internet!

Du hast ne Frage, brauchst Rat oder Hilfe?
Ohren verleih ich nicht, aber anschreiben darfst du mich jederzeit...
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Re: "Mein letzter Tag"

Post 40 im Thema

Beitrag von Laila-Sarah »

Drei Sachen über den Tod:

Es ist absolut unnötig (leider aus evolutionstechischer Sicht schon sehr nötig), äußerst lästig (ich glaube hier gibt es einigermaßen Konsens) aber leider auch unausweichlich (gilt als erwiesen) und wenn man mich nach meiner persönlicher Meinung fragt: Die blödeste Idee in diesem Spiralarm der Galaxis.

Daher versuche ich als großer Star Wars Fan es wie die Jedis zu machen und hier und jetzt in diesem Augenblick zu leben.

Wenn ich ständig über meinem Tod nachdenke, verschwende ich noch die kostbare und wenige Zeit die mir noch zur Verfügung steht und ändere rein gar nichts am Resultat. Und ich habe noch meine zweite Pubertät aufzuholen.

Also warum ? Wo ist der Sinn darin ?

VlG
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Re: "Mein letzter Tag"

Post 41 im Thema

Beitrag von Frieda »

Laila-Sarah hat geschrieben: Mo 24. Sep 2018, 13:10 Also warum ? Wo ist der Sinn darin ?
Keine Ahnung ob diese beiden Fragen an mich gerichtet sind!?
Da ich dieses Thema eröffnete, möchte ich mich allerdings schon in der Verantwortung sehen, etwas dazu zu sagen.

Meine Reaktion und Antwort auf diese beiden Fragen wird ein ehrlich gemeintes lächeln sein und bleiben😊, da du (auch) nach meinen 2. Post vom 23.9.18 nicht verstanden hast wovon ich rede, also würde eine 3. Umformulierung meinerseits auch nix bringen, da du in meiner Wahrnehmung zu stark in deiner Richtigkeit, deiner Wahrheit verankert bist!

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Re: "Mein letzter Tag"

Post 42 im Thema

Beitrag von Laila-Sarah »

Frieda hat geschrieben: Mo 24. Sep 2018, 14:13
Laila-Sarah hat geschrieben: Mo 24. Sep 2018, 13:10 Also warum ? Wo ist der Sinn darin ?
Keine Ahnung ob diese beiden Fragen an mich gerichtet sind!?
Da ich dieses Thema eröffnete, möchte ich mich allerdings schon in der Verantwortung sehen, etwas dazu zu sagen.

Meine Reaktion und Antwort auf diese beiden Fragen wird ein ehrlich gemeintes lächeln sein und bleiben😊, da du (auch) nach meinen 2. Post vom 23.9.18 nicht verstanden hast wovon ich rede, also würde eine 3. Umformulierung meinerseits auch nix bringen, da du in meiner Wahrnehmung zu stark in deiner Richtigkeit, deiner Wahrheit verankert bist!

Namaste🙏

Nein, liebe Frieda. Es war nicht speziell an dich gerichtet und ich muss zugeben, dass ich auch nicht alles sorgfältig gelesen habe. Es ist eher als meine Reaktion auf die generelle Frage zu verstehen. Ich habe ein wenig für Frau und Kinder vorgesorgt und irgendwann müssen wir alle mal sterben. Bis dahin gilt es am Leben festzuhalten und wenig an den Tod zu denken. Sogar wenn Ängste da sind, dass der Tod bald kommen könnte. Es ist doch ein wenig so wie mit dem Crossdressen. Du weißt, dass der nächste Mensch dem du begegnest dich beleidigen, körperlich oder selig verletzen oder auslachen könnte. Trotzdem versuchst du jeden moment zu genießen.

Namaste🙏
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Re: "Mein letzter Tag"

Post 43 im Thema

Beitrag von Frieda »

Laila-Sarah hat geschrieben: Mo 24. Sep 2018, 14:24 Nein, liebe Frieda. Es war nicht speziell an dich gerichtet und ich muss zugeben, dass ich auch nicht alles sorgfältig gelesen habe. Es ist eher als meine Reaktion auf die generelle Frage zu verstehen. Ich habe ein wenig für Frau und Kinder vorgesorgt und irgendwann müssen wir alle mal sterben. Bis dahin gilt es am Leben festzuhalten und wenig an den Tod zu denken. Sogar wenn Ängste da sind, dass der Tod bald kommen könnte. Es ist doch ein wenig so wie mit dem Crossdressen. Du weißt, dass der nächste Mensch dem du begegnest dich beleidigen, körperlich oder selig verletzen oder auslachen könnte. Trotzdem versuchst du jeden moment zu genießen.

Namaste🙏

Diese Worte nehme ich schon wohlwollender von dir auf liebe Laila-Sarah....danke dafür!🙏
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Re: "Mein letzter Tag"

Post 44 im Thema

Beitrag von Bea Magdalena »

Hallo Frieda,

bin beim Stöbern im Forum "über Deinen Thread gestolpert". Seither kreist es in meinem Kopf.

Angst vor meinem Tod hab ich nicht. Natürlich wünsche ich mir, dass dieser Tag in weiter Ferne liegt und dass meine Gesundheit bis dahin möglichst erhalten bleibt. Ich wünsche mir auch, dass mich meine Frau überleben wird.
An meinem letzten Tag werde ich wohl ähnlich denken und empfinden wie jetzt, dankbar sein. Für meine liebe Frau, meine Kinder und alles Schöne, das ich erleben durfte. Ich wünsche mir, dass ich in Frieden gehen kann, in der Gewissheit, meine Lieben, die mir am Herzen liegen, werden ihr Leben im Griff haben und ein gutes Leben führen.
Meinen letzten Tag würde ich gerne im Kreis meiner Liebsten erleben, aber ist das wohl eher unwahrscheinlich, da unsere Kinder beruflich bedingt doch etwas entfernt wohnen.
Vollmachten und Testament haben meine Frau und ich noch nicht geschrieben, aber wie dies grundsätzlich aussieht ist des öfteren besprochen worden, nur in die Tat umgesetzt haben wir das bisher noch nicht.

Liebe Grüße
Bea
ich bin keine Frau, leider
und werde bedauerlicherweise auch nie eine Frau (100%) werden können.
Aber: ich fühle mich als Simulation einer Frau und dabei bin ich mega glücklich!
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Re: "Mein letzter Tag"

Post 45 im Thema

Beitrag von Diva »

Herzlichen Dank für diesen Thread!
Es war wohl so gewollt, dass ich ihn erst jetzt entdecke. Vor vier Wochen hätte ich noch ganz anders geantwortet. Wobei - trotz Änderung der aktuellen Situation hat sich meine Einstellung zum Tod nicht geändert.

Mein letzter Tag:
Ich trage mein geliebtes Petticoat, die langen schwarzen Spitzenhandschuhe, bin geschminkt und gekleidet, als würde ich ausgehen. Dabei wird es meine letzte Reise sein. Ich wähle den Duft, mit dem alles begann und mit dem es enden wird. Ein letzter Blick in den Badspiegel. "T. M. - ich liebe dich, deshalb bringe ich es zuende." Es ist nur ein Hauch. Ich nehme Abschied von der Tänzerin, die niemals lächelte und zu einer Königin der Schmerzen wurde.
Ich stelle sorgfältig die Tanzschuhe vors Bett, die Hacken in meine Richtung. Nie mehr werden die Absätze aufs Parkett prallen, wenn ich mit stolz gerecktem Kinn die Röcke meines Petticoats fliegen ließ in endlosen Drehungen. Einige Stunden liege ich auf dem Rücken, den linken Arm von mir gestreckt. Ich spüre das Leben aus mir hinaus rinnen, bis ich einschlafe.
Das war alles schon mal da. Es ist kein Hirngespinst. Nur das Ende wollte nicht kommen. Jetzt denke ich jeden Tag daran. Meine Abschiedsworte auf dem Spiegel stehen noch immer auf dem Glas. Wozu sollte ich sie wegwischen? Es ist die Wahrheit, die sich bis heute nicht geändert hat.

Gedanken:
Falls mich also kein tödlicher Unfall oder ein gnädiger Mitbürger erlöst, wird es wohl - zum wiederholten Mal - auf das obige Szenario hinauslaufen. Wenn ich die vielen Kreuze an der Landstraße sehe, denke ich jedes Mal: Warum mussten diese Menschen sterben? Sie lächeln auf den Fotos, hatten Familien, ein lebenswertes Leben, das sie leben wollten. Und ich fahre bei Nacht und Nebel, Eis und Schnee, Finsternis und Platzregen durch diese Kurven und lebe noch immer. Das ist eine Schande - eine Ungerechtigkeit, die gen Himmel schreit. Spätestens hier thematisiert sich auch bei Ungläubigen das Theodizee. Gerechter Gott, nimm dir mein Leben und verschone dafür das nächste!
Ich muss unbedingt meinen Organ-Pass ausfüllen. Kann man sich auch bei einer Grippe ausnehmen lassen?
Oder befinde ich mich in einem mephistophelischem Spiel, dass 'Er' auf den Moment wartet, der 'verweilen soll'? Da kann 'Er' lange warten. Der wird niemals kommen.

Rückkehr ins Leben:
Wie ich an anderer Stelle schrieb, versuche ich mit allen Kräften, ein neues Leben aufzubauen. Doch wie soll ich in maximal 10 verbleibenden Jahren schaffen, was anderen in 50 Jahren nicht gelang? Der beste Vergleich ist stets die Aussage einer - freilich ehemaligen - Freundin, die meinte, sie habe in 30 Jahren lediglich 2 echte Freundinnen gewinnen können. Wie viele sind es also rein rechnerisch in 10 Jahren - 0,666?
Gleich am Anfang meines neuen Weges hatte ich alles hingeschmissen, weil etwas Schreckliches geschehen war, das ich mir nicht erklären konnte. Die kleine Pflanze war zertrampelt, kaum dass sie die Blätter durch die kalte Erde gereckt hatte. Es holte mich jemand zurück, der mich kaum kannte. Ich hatte ihm eine Art Abschiedsbrief geschrieben, ohne darin zu erwähnen, worum es wirklich ging.
Er hat es geschafft, mich zum Weitermachen zu bewegen. Witzigerweise verstand er meine abstrusen Probleme, sogar jenes, das hier in einem anderen Thread auf 200% Unverständnis stößt - lach. Aber er ist einer der glücklichen, "normalen" Menschen. Ich bin ein Fremdkörper in seiner heilen Welt. Nie werde ich begreifen, weshalb er meinetwegen Tränen vergoss und mich nicht einfach gehen lassen konnte. Wir gingen aus in seiner Welt, alle Blicke waren auf uns gerichtet und in den Gesichtern stand die Frage geschrieben: "Wer zur Hölle ist diese Frau?"
Ich spüre, dass ich ihn an seine Grenzen gebracht habe - einen charismatischen Zweimeter-Mann mit graublauen Augen, in den sich wohl jede Frau sofort verliebt. Ich gehe ihm aus dem Weg, will ihn nicht verunsichern, respektiere seinen offensichtlichen Willen, niemals mehr tiefer in seine schöne Welt vorzudringen, sondern nur an der Oberfläche zu kratzen, wenn wir uns ab und an in Gesellschaft sehen. Seine Telefonnummer hab ich gelöscht. Es genügt, wenn ich mir selbst Kälte und Zerstörung bringe, sofern es niemand aufhält.

Jetzt verbringe ich meine gesamte Freizeit in meiner neuen Umgebung, in die er mich zurückholte. Ich jage den kurzen Glücksmomenten hinterher, freue mich über jeden Abend, in dem ich vor dem Einschlafen nicht um den Tod bitte. Doch mein schlimmster Feind lauert schon, sendet selbst jetzt noch ungewöhnliche Kälte, damit ich ihn nicht vergesse: der Winter. Noch ehe ich die Chance bekomme, endlich aufzutauen, wird er zur Stelle sein und alles vernichten, was ich in naivem Optimismus glaubte, aufgebaut zu haben. Die Hoffnung wird erneut ersticken und alles reduziert sich auf den Weg der Schmerzen, vor dem ich wahnsinnige Angst habe.

Gedicht:
Die letzten Zeilen haben wirklich Kraft gekostet, sie nicht anders zu schreiben.
https://www.crossdresser-forum.de/phpBB ... 16&t=18150

Bitte:
Bevor jetzt die lebensweisen Ratschläge niederprasseln, stellt euch zuvor folgende Fragen:
  • Gibt es keinen einzigen Menschen, den euer Tod berühren würde?
  • Gibt es dagegen zahlreiche Menschen, denen euer Tod großen Nutzen, Erleichterung und Freude bescheren würde?
  • War euer glücklichster Moment im Leben der, in dem es dabei war zu verlöschen?
Nein? Dann sind die Ratschläge so viel wert wie der zuckersüße Tipp der reizenden Marie Antoinette auf die Bemerkung, dass das Volk kein Brot habe und hungere: "Warum essen sie denn keinen Kuchen?"

-Diva
Antworten

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