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Re: Outing
Verfasst: Sa 26. Mär 2016, 17:06
von exuserin-2017-01-16
Hallo Ihr Lieben, ich danke euch erst mal recht herzlich für eure Worte. Heute geht's erst mal zur SHG nach Dresden das hilft schon immer weiter durchzuhalten.
Gestern waren wir Abends mit Freunden im Dänischen Mädchen ,das hat mir dann noch den Rest gegeben. Danach bin ich nur noch ins Bett schlafen damit der Kopf ausschaltet und erst mal Ruhe ist. Der Film hat mich so betroffen gemacht das ich danach kaum fähig war zu sprechen oder etwas zu denken total krass so etwas ist mir noch nie passiert. Ich war wie gelähmt nach Lilis Tot irgendwie hatte ich das Gefühl das bin ich auf der Leinwand. In vielen Szenen sah ich mich stehen ...
Schöne Ostern euch allen LG Uta

Re: Outing
Verfasst: Sa 26. Mär 2016, 19:30
von Katarina
Liebe Uta
Es kann sicherlich hilfreich sein, wenn man seine Vergangenheit, wenn sie anders war, als wie man sie sich wünschte, bedauert. Ein Bedauern über vergangenes und vielleicht auch eine momentane Situation, kann helfen Dinge für einen selbst zu verarbeiten. Auch mir geht es so, ich bin manchmal traurig, dass meine Entwicklung erst jetzt eingesetzt hat. Wie viel einfacher wäre es vor zwanzig oder dreissig Jahren gewesen? Aber wäre es das wirklich? Was das Körperliche, das Äussere anbelangt, ganz bestimmt. Aber was den Rest anbelangt, wer weiss? Aber das ist nicht wichtig. Wichtig ist die Zukunft, die kann man gestalten, die Vergangenheit kann man nicht mehr ändern.
Der TGNS hatte bei der Transtagung im letzten Jahr das Motto: So Trans, so what? Das kann man frei übersetzten mit, ich bin Trans, na und? Ich bin anders als die andern, na und? Ich für mich habe entschieden, ich bin Transfrau und ich habe meinen Spass dabei. Leicht kann es geschehen, dass andere einen mit irgendwelchen Bemerkungen runter ziehen. Es ist so einfach Trübsal zu blasen, seinen Frust in Alkohol zu ersäufen. Aber macht das Spass? Nein, macht es nicht. Es ist kein schönes Leben und da es mein Leben ist und da es schön sein soll, lass ich die negative Energie von anderen gar nicht erst an mich heran. Ich bin ein Trans-Girl und ich habe Spass am Leben. Ob das anderen nun passt oder nicht, ist mir wurscht.
Ich hoffe du kannst auch einen ähnlichen Schalter finden und für dich das Beste aus der Situation machen. Las dich nicht von anderen runter kriegen. Es ist dein Leben und du hast es verdient so zu leben wie du es fühlst und möchtest.
LG und schöne Ostern
Katarina
Re: Outing
Verfasst: Sa 26. Mär 2016, 20:45
von JaquelineL
Liebe Uta,
ich möchte Dir mit einem amerikanischen Spruch antworten, der mich durch viele Jahre meines Lebens gebracht hat, während es "nicht so einfach" war: Today is the first day of the rest of your life.
Ich habe ihn verstanden als "der richtige Tag, um die Dinge in die Hand zu nehmen, ist heute". Meist waren es nur neue Blickwinkel, die ich mir erschloss, manchmal echte Fortschritte, manchmal einfach nur ein Schatten, über den ich sprang.
Es hat ca 30 Jahre gedauert, zwei Zusammenbrüche gekostet, von mir geliebten Menschen das Leben schwer gemacht (mich eingeschlossen) und doch ist jetzt ein Umbruch im Gange, der mich zu einem sehr glücklichen Menschen macht. Du hast Deinerseits Dein Leben bereits in die Hand genommen, bleibe dabei und bleibe stark! Im "gendermom"-blog lässt diese ihrer (jetzt) Tochter zu Wort kommen (es war hier kürzlich verlinkt). Unter anderem hat mich sehr bewegt aus dem Munde dieses noch sehr jungen Kindes zu hören: "being transgendered means to never give up"!
Gib nicht auf.
Liebe Grüße
Jackie
Re: Outing
Verfasst: Mo 28. Mär 2016, 16:37
von Franka
Hallo Uta,
kein einfaches Thema. Ich war jetzt selber 3 Tage auf einem großen Familientreffen (20 Personen). Ich glaube meiner Familie fällt es auch noch sehr schwer sich von meiner männlichen Person zu verabschieden und mich als Frau wahrzunehmen. Mein Vater sagte, wie immer, öfters mal "mein Sohn". Dabei spielte es keine Rolle, dass ich weibliche Kleidung trug, geschminkt war und in rosa Plüsch-Hausschuhen rumgelaufen bin.
Ich denke ich muss ihnen noch etwas Zeit geben, ich sehe ja selber auch noch den ollen Kerl morgens im Spiegel. Ich hoffe, dass die HRT einiges am äußeren Erscheinungsbild ändert und es so auch für andere leichter wird mich als Frau zu sehen. Dann werde ich den richtigen Zeitpunkt abwarten müssen und allen erklären, dass ich eben nicht mehr ihr Sohn oder ihr Bruder bin.
Das Verhältnis, muss ich aber zugeben, hat sich nicht geändert. Ich werde von allen nett wie immer behandelt und keiner hat ein Problem damit, mit mir als Frau unterwegs zu sein und gesehen zu werden.
Das ist mir schon wichtig und zur Zeit genug Zuspruch für meine Verwandlung, Die Anrede kann gerne noch etwas warten, ich habe mir ja noch nicht mal selbst einen weiblichen Namen für den Alltag überlegt.
Dahlia sollte nur als Forenname dienen und ich finde ihn für "draußen" nicht so geeignet.
Also gib deiner Familie auch noch etwas Zeit, sich an dich in der neuen Rolle zu gewöhnen. Wir sind ja beide nicht mehr die Jüngsten und unsere Väter haben uns 50 Jahre als Männer gesehen und geliebt.
LG Dahlia
Re: Outing
Verfasst: Mo 28. Mär 2016, 17:15
von exuserin-2017-01-16
Hallo ihr Lieben , danke wieder für eure Gedanken dazu

.Wenn man ab und zu jemanden hat der genauso denkt und ähnliche Probleme hat ist das ganz wohltuend.
@ dahlia bis zur 50 habe ich noch ne Weile Zeit Gott sei dank falls ich das schaffe
Es gibt ab und zu auch wieder mal gute Tage gestern und heute gehört dazu

.
meiner Frau Familie weiß von mir bereits nur persönlich neu kennengelernt haben wir uns noch nicht. Das konnte ich gestern nachholen und war von der positiven Reaktion meiner Schwägerin überrascht. Wir führten mehr als 2 Stunden ein offenes Gespräch über alles was sie so zur Thematik interessierte. Selbst die Kinder lernten mich neu kennen, als ich mich als "ich bin die Uta" vorstellte haben sie gegrinst fanden es aber nicht schlimm. Auf den Weg wurde mir mitgegeben das die Tür immer für mich aufsteht und wenn ich Probleme hab jederzeit kommen kann. Das tut gut!
Heute hab ich meinen Kleiderschrank angefangen auszumisten ,ein paar Tshirts und Arbeitssachen müssen noch ne Weile drin bleiben ansonsten ist der ganze langweilige Mist rausgeflogen. Das tut auch gut!
Wie schafft ihr es wenn die schwarzen Männel (Gedanken) kommen diese wegzuscheuchen ? Mich ziehen die Biester ganz schön runter ,ich kann dann keine klaren Gedanken mehr fassen. Alles ist dann so sinnlos.
LG Uta
Re: Outing
Verfasst: Mo 28. Mär 2016, 18:07
von Anke
Liebe Uta,
das liest sich doch gut. Auf jeden Fall freu ich mich für dich.
Die schwarzen schweren Gedanken kenne ich auch nur zu gut. Ich hätte dann immer das Gefühl, ich falle in ein tiefes schwarzes Loch, aus dem ich nicht mehr herauskomme.
Mir helfen dann zwei Dinge. Zum einen mit jemandem zu sprechen und alles los zu werden, was mich so herunter zieht. Zum anderen versuche ich mich an die positiven Erlebnisse zu erinnern und meine Gedanken darauf zu konzentrieren. Damit kann ich diese dunklen Gedanken überwinden. Und je weiter ich mit meiner Transition komme, desto besser klappt das.
Liebe Grüße
Anke
Re: Outing
Verfasst: Mo 28. Mär 2016, 18:19
von exuserin-2017-01-16
Liebe Anke, ja du hast Recht Gespräche helfen sehr, leider ist wenn man jemanden zum Reden braucht keiner da. Die eigene Frau reagiert nur mit Unverständnis.
Nochmal zurück zu deinem vorletzten Beitrag , meine Arbeit ist definitiv nix für eine Frau zu schwer zu dreckig zu gefährlich. Das Frauen auch ihren "Mann" stehen können weiß ich sehr gut, meine Mutter ist so ein Typ Frau die alles mitmacht. Vom Mörteleimer tragen auf der Baustelle zu Hause oder im Wald mit Holz holen obwohl sie klein und recht feminin ist.
LG Uta
Re: Outing
Verfasst: Mo 28. Mär 2016, 19:37
von Franka
Hallo Uta,
schön das deine Schwiegereltern dich so gut aufgenommen haben und dir Rückhalt geben.
Und sorry, ich wollte dich nicht älter machen, als du bist. Ich dachte ich irgendwo eine 50 gesehen zu haben, in einem deiner Beiträge, war wohl ein Trugschluss.
Und falls du mal jemanden zum reden brauchst, ich schicke dir meine Tel.-Nr. per PN.
LG Dahlia
Re: Outing
Verfasst: Mi 30. Mär 2016, 12:01
von exuserin-2017-01-16
Hi,
Heute ist was lustiges passiert.ich war im obi und fragte nach dem Toiletten schlüssel. Hier bitte und dann noch äh hier der andere sie konnte mich scheinbar nicht mehr so richtig zu ordnen
Mein Outfit alles Dame aber ungeschminkt.
Lg Uta
Re: Outing
Verfasst: Fr 13. Mai 2016, 12:43
von exuserin-2017-01-16
Hi ganz kurzer Bericht, eine Freundin mit der ich öfters unterwegs bin hat mir heute erzählt das meine Kollegen und teilweise Kumpels Bescheid wüssten.
Die Kuh ist damit wohl vom Eis

aber drauf ansprechen oder blöde Bemerkungen macht bisher niemand
Bin mal gespannt....was noch kommt...
Lg Uta
Re: Outing
Verfasst: Mo 23. Mai 2016, 09:55
von exuserin-2017-01-16
Hallo zusammen,
Was soll man da machen? Mein Vater zeichnet sich durch ignorieren aus. Am Wochenende sprach er mit einem Freund von mir der mich schon länger als Uta kennt. Ich hatte die Hoffnung das man mit ihm mal drüber reden könnte ! Auf meinen hinweis das Muttern ein Buch über das Problem hat und er da Antworten findet kam nur das will ich nicht wissen.
Gleich zeitig kam der Spruch du wirst die Mutter noch ins Grab bringen mit deinem Gemache.
Ich kann bald nicht mehr , mir geht das so an die Substanz . Es gibt nur 2 3 Leute die mich so nehmen und für mich da sind.beim Rest muss ich mich ständig verstecken oder rechtfertigen.
Ich lass mich jetzt erstmal krank schreiben um zur Ruhe zu kommen.
Lg Uta
Re: Outing
Verfasst: Mo 23. Mai 2016, 10:12
von Anne-Mette
Moin,
manchmal ist es durchaus angebracht, einige Menschen erst einmal "auszuklammern"; denn je verfahrener die Situation wird und je mehr eigene Wünsche auf Vorwürfe oder Ignoranz treffen, desto schwieriger wird es.
Ich lass mich jetzt erstmal krank schreiben um zur Ruhe zu kommen.
In Deinem Fall würde ich mal vermuten, dass "zur Ruhe kommen" nicht viel hilft; eher Ablenkung vom Gedankenkarrussell durch Aktivität und/oder Arbeit

Mach's besser
Herzliche Grüße
Anne-Mette
Re: Outing
Verfasst: Mo 23. Mai 2016, 10:34
von JaquelineL
Liebe Uta,
uta hat geschrieben:Hallo zusammen,
Was soll man da machen? Mein Vater zeichnet sich durch ignorieren aus. Am Wochenende sprach er mit einem Freund von mir der mich schon länger als Uta kennt. Ich hatte die Hoffnung das man mit ihm mal drüber reden könnte ! Auf meinen hinweis das Muttern ein Buch über das Problem hat und er da Antworten findet kam nur das will ich nicht wissen.
Gleich zeitig kam der Spruch du wirst die Mutter noch ins Grab bringen mit deinem Gemache.
Ich kann bald nicht mehr , mir geht das so an die Substanz . Es gibt nur 2 3 Leute die mich so nehmen und für mich da sind.beim Rest muss ich mich ständig verstecken oder rechtfertigen.
Ich lass mich jetzt erstmal krank schreiben um zur Ruhe zu kommen.
Lg Uta
auf eine gewisse Weise kann ich Dir das nachempfinden - bei meinen Eltern wirkt es noch viel stärker ignorierend, im Gegenzug dafür weniger heftige ablehnende Sprüche. Allerdings ist unser Verhältnis eh nicht besonders gut, es gab über die Jahrzehnte viele Probleme und Verletzungen. Das gipfelte in der Reaktion einer "neuen" (aus meiner Sicht) Bekannten meiner Eltern die überrascht war, dass die beiden einen Sohn haben. Und das war noch vor der TS-Erkenntnis.
Auch wenn es hart ist kann ein Weg darin liegen, Deinen Vater dahingehend auszublenden. Man sucht sich seine Eltern nicht aus (ebensowenig wie seine Kinder) und in manchen Fällen ist die einzige Möglichkeit zur Deeskalation eine besondere Distanz. Ich kenne Dein Verhältnis zu Deinen Eltern nicht näher, insofern kann jeder Rat genauso falsch wie richtig sein - aber mache Dich bitte nicht zu sehr von einzelnen Personen anhängig, selbst wenn es "biologisch" so nahestehende sind.
Was ein viel größeres Problem zu sein scheint, ist das sich ständig verstecken müssen. *Das* muss irgendwie weg, denn *das* macht Dich bestimmt (mindestens mittelfristig) ganz kaputt. Über das "wie" wäre natürlich zu reden, aber ich stimme Anne-Mette zu, dass "die Decke über den Kopf ziehen" zwar ein klitzekleinwenig Ruhe einkehren lässt, aber die Probleme draußen vor der Decke geduldig auf Dich warten
Ganz liebe Grüße
Jackie
Re: Outing
Verfasst: Mo 23. Mai 2016, 10:53
von exuserin-2017-01-16
Ja danke
@ Anne
Karussell trifft es ganz gut, Arbeit ist eher hinderlich da besonders männlich das macht mich auch verrückt.
@ Jackie Mein Vater ist sehr dominant, ich kenne nur "du musst" "du machst" ... wie geht es dir hab ich glaub mein Leben lang noch nie gehört. Ich sollte immer ein "Richtiger Mann " werden Jungs heulen nicht, hab dich nicht so usw. der ganze klassische Mist, den die meisten von uns kennen. Ich sollte Klimmzüge machen, Expander Training und solchen Kram , das habe ich gehasst und nicht gemacht.
Meine kleine Schwester meinte letztens nur, das wird nix mit dem Vater, der wird das nie akzeptieren! Ich befürchte das es dieses Jahr noch zum Bruch kommen wird,falls er nicht einlenkt und sich damit irgendwie arrangiert. Wir leben jede Familie ihr eigenes Leben helfen uns aber viel sind im ständigen Kontakt ,Kinder bei Oma usw.
Was das verstecken angeht , es nimmt erst mal Druck von mir, alles auf einmal schaffe ich nicht.
Lg Uta
Re: Outing
Verfasst: Mo 23. Mai 2016, 20:30
von Franka
Ach menno Uta,
ist schon blöd, dass dein Vater die Sache so schwer nimmt. Aber vielleicht machst du auch einfach zuviel Wind wegen deiner Transition. Lass das Thema doch einfach bei deinen Eltern mal ruhen und unterhaltet euch über ganz alltägliche Dinge. Ich habe meinen Eltern nur einmal erzählt was Sache ist und gut war. Ich wollte da gar kein großes Ding draus machen. Wenn sie Fragen haben bin ich natürlich gerne auskunftsbereit, aber ansonsten haben wir eben einfach die Themen, die wir sonst auch immer hatten. Was sie wirklich darüber denken und davon halten ist mir egal, solange sie mich, wie immer behandeln und ich von nichts ausgeschlossen werde.
Meine Therapeutin fragte mich mal, ob ich immer das tun würde was andere von mir verlangen oder erwarten. Ja das habe ich viel zu lange gemacht. Inzwischen habe ich mir aber einen gewissen Egoismus angeeignet.
Ich hoffe es gibt sich bei euch wieder und ihr könnt bald wieder ganz "normal" (aber was ist normal?) miteinander umgehen.
Ich wünsche dir jedenfalls viel Erfolg und Kraft für dein weiteren Weg.
LG Dahlia