Liebe Tanja,
Tanja Stöckel hat geschrieben: Di 27. Mai 2025, 14:32
Ich hoffe, dass ich das nichts falsches hineininterpretiert habe, wenn doch war es nicht böse gemeint.
Keine Sorge, das ist vollkommen in Ordnung so. Für mich ist interessant, wie das auf dich wirkt, was ich schreibe.
Tanja Stöckel hat geschrieben: Di 27. Mai 2025, 14:32
ich höre aus deiner Aussage heraus, dass du eine 24/7-Frau bist.
Hmm, vielleicht bin ich das, aber ich würde mich selbst nie so bezeichnen.
Für mich spielt diese Einteilung in Mann und Frau keine große Rolle, ich habe da keinen richtigen Bezug dazu. Das ganze Konzept erscheint mir irgendwie fremd. Es passt nicht zu mir. Ich möchte mich in diesem Rahmen nicht zuordnen, und ich würde mir wünschen, dass Andere dies auch nicht tun. Das ist jetzt absolut nicht gegen deine Aussage, es fällt mir nur deswegen auf, dass ich oft (fast immer) irgendwo zugeordnet werde, in der Regel eben M oder F.
Also, bitte nicht auf dich beziehen
Ich kann es schwer beschreiben, aber Ästhetik ist für mich sehr wichtig. Ich finde es sehr wichtig, dass es schöne Dinge gibt, die sonst keinen weiteren Zweck erfüllen, als einfach nur schön zu sein.
Was Kleidung betrifft, gibt es glaube ich keine Zweifel, dass weibliche Kleidung in diesem Punkt die männliche deutlich übertrifft. Ich würde diesen Aspekt noch auf die Körperform erweitern, wobei es da schon schwieriger wird. Das hängt wohl auch damit zusammen, dass weibliche Kleidungsstücke an modelmäßig geformten weiblichen Körpern am besten zur Geltung kommen.
An diesen besonderen Tagen, wo ich einen hohen ästhetischen Anspruch an mein Aussehen habe und auch umsetzen möchte, geht es mir wahrscheinlich ganz ähnlich wie Dir, wenn du dich als Frau zurechtmachst. Von außen betrachtet machen wir vielleicht in dem Moment beide das selbe, aber aus unterschiedliche Gründen und auch mit einem teilweise anderen Ziel. Klar, wohlfühlen wollen wir uns beide. Aber bei dir scheint der Wunsch nach weiblicher Erscheinung im Vordergrund zu stehen, bei mir ist es das Bestreben, möglichst nahe an meine ästhetischen Idealvorstellungen heran zu kommen. Dementsprechend hoch ist dann auch der Aufwand. Deshalb ist das nichts für den Alltag. Und ja, das Ergebnis kann dann schon nach Modepüppchen aussehen und ist auch so gewollt. Die Klischees zu bedienen kann richtig viel Spaß machen
Aber da ist auch das Problem:
Der ästhetische Ausdruck leidet, wenn ich es nicht mache, sondern einfach nur alltagspraktisch unterwegs bin.
Leidet dann auch das Wohlbefinden? Manchmal ja, manchmal ist es mir nicht so wichtig, dann spielt es keine Rolle. Und die Weiblichkeit? Keine Ahnung, ich weiß nicht recht, was das sein soll in Bezug auf mich. Wahrscheinlich scheint es so, weil meine Kleidung inzwischen komplett aus der Damenabteilung ist. Das hat aber rein ästhetische Gründe, oder, salopp gesagt, dort finde ich Sachen, die mir gefallen und die gut aussehen. In der Männerabteilung ist das fast nie der Fall.
Jedenfalls gibt es immer dann innere Konflikte, wenn sich etwas nicht stimmig anfühlt. Das kann eine unpassende Zusammenstellung sein, das kann ein Outfit sein, das nicht zur Umgebung passt, das kann ein Outfit sein, das nicht zu meiner Stimmung passt, und noch ganz viel mehr.
Wäre das einfacher, wenn ich Frau wäre, 24/7?
Ich glaube nicht, weil das nicht mein unmittelbares Problem ist, sondern der ästhetische Anspruch in diesem Moment nicht zur Wirklichkeit passt. Das hat aber nichts mit meinem Geschlecht zu tun. Viele Frauen haben das selbe Problem, ohne dass ihre Weiblichkeit ihnen dabei viel helfen würde.
Ein Problem bleibt aber:
Ich habe keine positive Definition von mir. Ich kann nur sagen:
Ich bin definitiv
kein Mann.
Ich bin aber auch keine Frau. Nur manchmal.
Die meiste Zeit habe ich keine Antwort auf die Frage nach meinem Gender, die in ein Wort passen würde.
Ich bin Mensch.
Genügt das nicht?
LGL