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Re: Der Stein rollt

Verfasst: Di 10. Mai 2016, 09:43
von Anke
Hallo,

@Saskia: die Frage ist völlig OK und wenn ich mal nicht antworten mag, dann sag ich das. (888)

Die Frage, wie sich das bei mir mit den Männern entwickelt hat, die wird natürlich öfter gestellt. Ich war meistens mit Frauen zusammen und mit zweien sogar verheiratet. Und nun bin ich sehr an Männern interessiert. Das wirft natürlich Fragen auf.

Meistens antworte ich, dass ich immer schon bi war. Das ist zwar richtig, aber eben nur ein Teil der Wahrheit. In den meisten Fällen möchte ich es dabei auch bewenden lassen, hier ist sicher der Platz um es ausführlich zu beantworten.

Das Interesse an Männern war schon früher da, allerdings habe ich mich mit ihnen immer schwer getan. Vor allem deshalb, weil ich ja angeblich Teil der Männercommunity sein sollte, mich da aber so gar nicht zu Hause gefühlt habe. Trotzdem habe ich mich hin und wieder in einen Mann verliebt. Da das meist heterosexuelle Männer waren, habe ich nichts unternommen.

Hin und wieder hatte ich Kontakt zu homosexuellen Männern und habe dabei auch sexuelle Erfahrungen gesammelt. Aber so richtig hat mich das nicht vom Hocker gerissen. Und mit den Frauen bin ich gut klar gekommen.

Mit Beginn der Transition hat sich das natürlich verändert. Wobei da am Anfang auch das Ausprobieren stand. Gar nicht so die körperliche Seite, sondern mehr, wie ich als Frau mit Männern umgehe. Dazu kam, dass sich mein Verhältnis zur Männerwelt auch deutlich entspannt hat. Ich stand nicht mehr unter dem Druck dazu gehören zu müssen und konnte das Ganze von außen betrachten.

Gerade letzteres hat in mir viel verändert. Und je mehr ich in der Frauencommunity angekommen bin und nicht mehr zu den Männern gehörte, desto mehr konnte ich mich auch darauf einlassen, mit Männern als Frau etwas anzufangen.

Im letzten Herbst hatte ich dann auch einen Freund. Leider ging das nicht lange, aber die Erfahrungen sind für mich sehr wichtig. Und damit meine ich weniger die sexuellen Erfahrungen. Es war ein tolles und intensives Gefühl von ihm begehrt zu werden oder an seinem Arm durch die Stadt zu gehen. So etwas hatte ich bis dahin noch nicht gefühlt. Plötzlich wurden da Bedürfnisse gestillt, von denen ich nichts ahnte, die aber tief in mir verwurzelt sind.

Das war für mich ein richtiger Augenöffner. Zunächst habe ich verstanden, warum das mit den homosexuellen Männern nicht so toll war. Da suchte die Frau in mir den heterosexuellen Mann und wollte auch als Frau behandelt werden. Und das ist natürlich etwas, was ein homosexueller Mann nicht zu bieten hat. Und auch deshalb bin ich bei den Frauen geblieben, denn das hat ja recht gut funktioniert.

Jetzt sieht die Welt ganz anders aus. Als Frau kann ich das Interesse von heterosexuellen Männern wecken, eine Möglichkeit, die ich vorher nicht hatte. Und da geht es bei mir nicht nur darum mal auszuprobieren, wie sich das beim Sex so anfühlt. Natürlich möchte ich das auch, aber ich möchte deutlich mehr und es auch nicht nur mal zum Ausprobieren.

Für mich heißt das in der Zusammenfassung, dass das Interesse an Männern immer schon da war, aber durch andere Faktoren einfach überlagert wurde und damit nicht so richtig zum Vorschein kam. Wäre das anders, dann würde ich das auch maximal einmal ausprobieren und mich dann weiter mit Frauen beschäftigen.

Liebe Grüße

Anke

Re: Der Stein rollt

Verfasst: Di 10. Mai 2016, 18:00
von Saskia.shewulf
vielen Dank Anke,

das verstehe ich nun,ich hatte in Köln das ein oder andere Mal den Fall das ein Mann Interesse gezeigt hat wenn er dann charmant war war das
schon toll ,allerdings war das ja eine Bestätigung das er mich als Frau wahrgenommen hat .

auf jeden Fall einen schönen Urlaub erhol dich gut
LG Saskia (flo)

Re: Der Stein rollt

Verfasst: Di 10. Mai 2016, 20:07
von Annabelle-R.
Anke hat geschrieben:
Ich habe mich jetzt entschieden es ab sofort als meine Yoni zu bezeichnen. Yoni ist ein Begriff aus dem Tantra, der die weiblichen Genitalien in ihrer Gesamtheit bezeichnet. Im Deutschen gibt es keinen vergleichbaren Begriff und mir gefällt auch der Klang des Wortes.
Anke
Den Begriff kannte ich auch noch nicht, gibt ja viele Begriffe, die auch mehr oder weniger geschmackvoll sind, der klingt jedenfalls schön.
Meine Freundin bezeichnet das Körperteil immer als "Pumpine", das find ich auch ganz süß, zugleich insistiert der den fleißigen Gebrauch desselben.

Re: Der Stein rollt

Verfasst: Di 10. Mai 2016, 20:35
von Nicola
Liebe Anke, ich bin eine stille Mitleserin deines Berichtes. Auch wenn ich keine GA-OP anstrebe möchte ich dir herzlich danken für deine Offenheit und Ehrlichkeit wie du berichtest. Dein letzter Beitrag, wieso du homosexuellen Männern nicht so toll gefunden hast, hat mich sehr an frühere sexuelle Erfahrungen von mir erinnert.
Nochmal vielen Dank und alles gut, Nicola

Re: Der Stein rollt

Verfasst: Sa 18. Jun 2016, 17:05
von Anke
Hallo,

mein Urlaub liegt jetzt schon ein paar Tage zurück und Teil 2 der GAOP rückt näher. Zeit, meinen Thread fortzusetzen.

Der Urlaub in Florida war wirklich sehr schön und interessant, die Everglades, die Florida Keys, das Art Deco Viertel in Miami Beach und natürlich Cape Caneveral.

Ein Höhepunkt in Cape Caneveral im Kennedy Air Space Center war für mich ein roter Metallsteg, über den die Astronauten der Apollo 11 Mission (das waren die, die als erste den Mond betreten haben) vom Turm in die Rakete einstiegen. Man konnte da drüber gehen und dann einen Blick in die Kapsel werfen. Ich erinnere mich noch gut, wie ich damals als kleines Kind vor dem Schwarz-Weiß-Fernseher saß, diese Szene sah und eigentlich nicht so recht verstand, was da passierte. Aber irgendwie war es damals schon etwas großartiges. Und beim darüber gehen habe ich mir versucht vorzustellen, was die Astronauten in diesem Moment gedacht und gefühlt haben.

Toll auch der Besuch in Key West. Der Ort ist die LGBT Hochburg in den USA, dort gibt es sogar Zebrastreifen in den Regenbogenfarben. Dazu kommt, dass es Ernest Hemmingway dort lange gelebt und gearbeitet hat und man sein Haus besichtigen kann. Ich hab fast alles von ihm gelesen und war von seinem Haus wie verzaubert. Der Abschluss an diesem Tag bildete die tägliche Sunset Celebration. Dort wird jeden Abend der Untergang de Sonne gefeiert. Das ist ein schönes buntes Happening mit entspannten gutgelaunten Leuten, leckeren Drinks, Gauklern und Artisten und einer wunderbaren Atmosphäre.

Ein persönlicher Höhepunkt war für mich auch das erste Mal am Strand im Bikini. Dafür habe ich mir vorher einen schönen korallfarbenen Bandeaubikini mit abnehmbaren Trägern ausgesucht. Wenn ich an meine ersten Versuche im Badeanzug denke, wo ich mich fast nicht getraut hätte, ging das dieses Mal viel besser. Im Grunde war es völlig normal und unspektakulär dort hinzugehen und sich im Bikini an den Strand zu packen. Und es hat sich auch wunderbar entspannt und normal angefühlt, so wie ich mir das auch wünsche.

Die Freude wurde jedoch ein wenig durch mein Blasenproblem und eine erneute Blasenentzündung getrübt, weswegen ich in Miami auch einen Arzt aufsuchen musste. Der hat mir dann für eine knappe halbe Stunde, einen Urintest und ein Beutelchen mit Antibiotika sagenhafte 1.050,- $ berechnet. Ich dachte erst, dass er Scherze macht, aber diesen Betrag habe ich wirklich bezahlt.

Die Entzündung ging dann auch weg, kam aber nach meiner Rückkehr nach Deutschland noch zweimal wieder. Zusammen mit einer Erkältung und meinem Blasengrundproblem hat mich das in den letzten Wochen ganz schön gebeutelt. Ich dachte oft, dass das überhaupt nicht mehr aufhört. Eigentlich hatte ich vor nach dem Urlaub wieder mit dem Laufen anzufangen, damit ich endlich wieder fit werde. Doch ständig musste ich das verschieben, weil ich mich wirklich schlecht gefühlt habe.

Jetzt bin ich seit etwas mehr als einer Woche entzündungfrei und hab auch die ersten kürzeren Läufe hinter mich gebracht.

In meiner Partnerschaft war und ist es teilweise noch etwas schwierig. In der Theorie hat sich unser Arrangement erst mal ganz gut angefühlt. In der Praxis ist das um einiges schwieriger. Da gibt es natürlich gegenseitige Verlustängste, Irritationen und die eine oder andere Auseinandersetzung. Dazu natürlich viele Gespräche, von denen einige auch recht tränenreich ausgefallen sind. Außerdem natürlich viele praktische Fragen, wann machen wir etwas gemeinsam und wann nicht, können wir jemanden mit ins Haus bringen und wenn ja unter welchen Bedingungen. Ganz schön kompliziert. Aber wir sind fest entschlossen, das zu schaffen, auch wenn es gerade nicht einfach ist.

Schwierig auch meine ersten Gehversuche auf dem "Männermarkt". Ich habe mich mal auf einer Partnerschaftsplattform angemeldet und mache da sehr interessante Erfahrungen. Die Spanne reicht von wortkargen Einzeilern bis zu halben Romanen, mit denen ich angeschrieben werde. Einige wollen mich treffen, um mich am besten sofort ins Bett zu bekommen, bei anderen wiederum steht der Heiratsantrag kurz bevor. So ein "Dazwischending" wie ich es suche, fällt in die Kategorie Rarität. Schwierig auch, weil mich die Blasenentzündung auch zeitweise lahmgelegt hat und ich auch mitten in der Nadelepilation im Gesicht stecke. An den Tagen vor der Epilation bleiben Barthaare stehen und nach der Epilation sehe ich im Gesicht wie massakriert aus. Da ist es gar nicht einfach ein Rendezvous zu vereinbaren.

Dazu natürlich die Frage, wie gehe ich mit meiner Transsexualität dabei um. Auf der einen Seite stehe ich dazu und verstecke das auch nicht. Auf der anderen Seite möchte ich nicht nur darauf reduziert werden und auch ständig nur darüber sprechen. Ich halte es jetzt so, dass ich es weder in meinem Profil, noch bei einem Treffen von mir aus thematisiere. Wenn ich darauf angesprochen werde, dann sage ich es und zeige mich auch für ein diesbezügliches Gespräch offen. Mal sehen, wie das funktioniert. Zwei Dates hatte ich schon und da war das überhaupt keine Thema.

Dazu kommt, dass ich merke, wie sehr mich meine Transition strapaziert hat. So froh ich bin, dass ich den Weg gegangen bin und so glücklich ich auch über die Ergebnisse bin, es hat ganz schön Kraft gekostet. Ich gebe mir deshalb sowohl privat als auch beruflich mehr Ruhepausen, als ich das sonst so mache.

Am 07.07. ist dann die zweite OP für meine Geschlechtsangleichung. Ich bin froh, dass ich das dann abschließen kann. So wie es aussieht, muss nicht viel gemacht werden. Auch meine Frauenärztin hat gemeint, dass es gut geworden wäre und die sollte sich ja auskennen.

Eine ganze Weile war ich mir etwas unsicher, was ich noch machen lassen wollte. Da hat mir die Physiotherapeutin, bei der ich wegen meiner Blase bin und mit der ich auch darüber gesprochen habe ein tolles Buch empfohlen: Das Tor ins Leben von Grit Scholz. Sie hat sehr viele Frauen dazu gebraucht, ihre Yoni fotografieren zu lassen und hat damit einen tollen Bildband gemacht. Der Band ist das Gegenteil von pornografisch, wer sich mit solchen Ideen das Buch anschaffen will, sollte sich die Mühe und das Geld sparen. Alle anderen können sich gerne ihre Webseite:

http://www.das-tor-ins-leben.de/

ansehen. Dort kann man sich auch einen Eindruck verschaffen, wie das Buch gemacht ist.

Mir hat es sehr gut getan zu sehen, wie groß die Unterschiede sind. Es gibt zwar ein paar wiederkehrende Merkmale, aber keine ist wie die andere. Sie hat auch eine transsexuelle Frau fotografiert, bisher ist es mir nicht gelungen, das entsprechende Bild zu identifizieren. Deshalb lebe ich mit dem Gedanken und dem Gefühl, dass meine Yoni eine von vielen wunderschönen Varianten ist.

Zur Vorbereitung der OP habe ich nochmal eine Woche vorher ein Gespräch mit dem Operateur. Derzeit gehe ich davon aus, dass ich ca. 4 bis 5 Tage im Krankenhaus bleiben muss und dann noch ein paar Tage krank geschrieben bin.

Ich hoffe mal, dass es gesundheitlich und auch ansonsten weiter bergauf geht. Wieder habe ich ein Tal durchschritten bzw. bin ich gerade an dessen Ausgang. Dieses Mal war es besonders tief, warum ich auch hier kaum aktiv war. Das sollte bald wieder anders werden.

Liebe Grüße

Anke

Re: Der Stein rollt

Verfasst: Sa 18. Jun 2016, 20:42
von conny
Hallo Anke,

schön, wieder von Dir zu hören und von den schönen und weniger schönen Erlebnissen zu erfahren.
Auf den Pfaden zwischen Key West und Cape Canaveral sind wir, wie ich Dir schon erzählte, auch schon mal gewandelt, Du hast uns ganz neidisch gemacht :wink: .

Zu allem anderen wünsche ich Dir viel Glück, Geduld und gutes Gelingen und ja, die "Männerwelt" ist - gerade in den Netzwerken - oft ziemlich einfach gestrickt. Aber vielleicht findest Du ja noch die Nadel im Heuhaufen (vielleicht gibt es in ihm ja nicht nur eine Nadel). (moin)

Liebe Grüße von
Conny

Re: Der Stein rollt

Verfasst: Sa 18. Jun 2016, 21:29
von Anne-Mette
Liebe Anke,

auch Dir wünsche ich "Rückenwind" )))(:
Herzlichen Dank für Deinen ausführlichen Bericht; der uns zeigt, "dass es kaum einen leichten Weg gibt, aber dass es sich lohnt, zu kämpfen (888)

Alles Liebe und Gute für die nächste Zeit ---)))

Herzliche Grüße
Anne-Mette

Re: Der Stein rollt

Verfasst: Sa 18. Jun 2016, 23:26
von Bianca D.
Anke hat geschrieben:Ich erinnere mich noch gut, wie ich damals als kleines Kind vor dem Schwarz-Weiß-Fernseher saß, diese Szene sah....
Moin Anke,

jupp,verdammt lang her,verdammt lang.... um es mal mit dem Refrain aus einem bekannten Lied der Kölner Mundartband BAP zu sagen. Einerseits,daß ich als neunjährige das im TV gesehen habe,andererseits aber auch,das du hier von deinen neuesten Erlebnissen berichtet hast. Von daher freue ich mich ganz besonders,daß du dich mal wieder zu Wort meldest und daß du trotz der Unpäßlichkeiten eine schöne Zeit in Florida hattest und du diese lästige Entzündung endlich überwunden hast.
Anke hat geschrieben: Der hat mir dann für eine knappe halbe Stunde, einen Urintest und ein Beutelchen mit Antibiotika sagenhafte 1.050,- $ berechnet.
Puh... eine stolze Summe! Kriegst du das erstattet?
Anke hat geschrieben:Die Entzündung ging dann auch weg, kam aber nach meiner Rückkehr nach Deutschland noch zweimal wieder.
Das hab ich nach der Zweit-OP auch durch gemacht.Die Erreger sind ganz schön hartnäckig. Mittlerweile hab ich seit fast einem Jahr Ruhe.
Anke hat geschrieben:Ich halte es jetzt so, dass ich es weder in meinem Profil, noch bei einem Treffen von mir aus thematisiere.
Guter Plan! Wenn sich aus dem Date was entwickelt,kann man das immer noch thematisieren. Viel Glück bei der Suche nach dem passenden Partner und auch für die Korrektur-Op alles Gute.

LG Bianca

Re: Der Stein rollt

Verfasst: So 19. Jun 2016, 11:11
von Bianca D.
Moin Anke,

danke übrigens für den Link zu dem Buch.Ist wirklich interessant. Schade nur,daß der weiterführende Link am Ende des Buches zu der TV-Reportage stumm bleibt.

LG Bianca

Re: Der Stein rollt

Verfasst: So 19. Jun 2016, 12:56
von Anke
Hallo,

dann antworte ich mal gleich auf eure schönen Posts.
Anne_Mette hat geschrieben:auch Dir wünsche ich "Rückenwind" )))(:
Herzlichen Dank für Deinen ausführlichen Bericht; der uns zeigt, "dass es kaum einen leichten Weg gibt, aber dass es sich lohnt, zu kämpfen (888)
Viele Dank dafür, den kann ich gut brauchen. Und Du hast es genau auf den Punkt gebracht. Egal wie schwer es ist, es lohnt sich auf jeden Fall!
Conny hat geschrieben:Auf den Pfaden zwischen Key West und Cape Canaveral sind wir, wie ich Dir schon erzählte, auch schon mal gewandelt, Du hast uns ganz neidisch gemacht :wink: )
ja, das hat was. Wir haben auch schon halb im Spaß, halb im Ernst diskutiert, ob wir unseren Lebensabend auf den Keys verbringen wollen. Vorstellen kann ich mir das.
Conny hat geschrieben:Aber vielleicht findest Du ja noch die Nadel im Heuhaufen
Oder anders ausgedrückt, ich muss schon den einen oder anderen Frosch küssen, bis ich einen Prinzen finde. (888)
Bianca D. hat geschrieben:Puh... eine stolze Summe! Kriegst du das erstattet?
Sieht so aus. Ein Teil übernimmt wohl meine Krankenkasse, den Rest hoffentlich die Auslandskrankenversicherung.
Bianca D. hat geschrieben:
Anke hat geschrieben: Ich halte es jetzt so, dass ich es weder in meinem Profil, noch bei einem Treffen von mir aus thematisiere.
Guter Plan! Wenn sich aus dem Date was entwickelt,kann man das immer noch thematisieren.
Ich hoffe mal, dass das ein guter Plan ist. Dabei geht es mir aber vor allem um etwas anderes. Mir geht es vor allem darum, dabei mit mir selbst im Reinen zu sein und mich nicht zu verbiegen. Ich habe mich lange mit der Frage beschäftigt, ob ich es nicht von vornherein schreiben oder sagen muss, um ehrlich zu sein. Diese Frage hat mir eine Weile sehr zu schaffen gemacht, weil ich davon überzeugt bin, dass Unehrlichkeit die eigene Seele vergiftet.

Dann habe ich mir aber klar gemacht, dass es so viele Dinge gibt, die mich ausmachen. Ich bin Mensch, Frau, Sängerin, Gitarristin, Elternteil, Volkswirtin, Projektmanagerin, Songschreiberin, Poetin, Heimwerkerin, und vieles andere und dazu gehört dann auch, dass ich trans bin. Wenn ich jemanden kennen lerne, dann konfrontiere ich ihn ja auch erst nach und nach mit allen Facetten meiner Persönlichkeit und meines Lebens. Und damit ist es für mich gut und richtig, es so zu tun, wie ich es beschrieben habe.

Es hat auch damit zu tun, dass mein Leben nicht ständig um meine Transsexualität kreisen soll. Während der Transition ist es das zentrale Thema und das ist auch so in Ordnung. Aber die neigt sich jetzt dem Ende zu, auch wenn mich die Epilation noch eine Weile beschäftigen wird. Und damit wird es Zeit, dass sie aus dem Mittelpunkt heraustritt und wieder Platz für die vielen anderen Dinge macht, die mir wichtig sind und mich ausmachen.

Und es hat damit zu tun, dass ich auch in meiner ganzen Vielfalt wahrgenommen werden möchte. Wenn ich aber ständig nur dieses eine Thema im Kopf habe, dann werde ich auch so gesehen und das Thema Transsexualität überlagert fast alles andere.

Deshalb ist das für mich nicht nur ein Plan, wenn ich mich mit Männern treffe, sondern viel mehr eine innere Einstellung, die ich dabei gefunden habe.

Liebe Grüße

Anke

Re: Der Stein rollt

Verfasst: So 19. Jun 2016, 12:59
von Anke
Bianca D. hat geschrieben:Moin Anke,

danke übrigens für den Link zu dem Buch.Ist wirklich interessant. Schade nur,daß der weiterführende Link am Ende des Buches zu der TV-Reportage stumm bleibt.

LG Bianca
Hallo Bianca,

gern geschehen.

Als ich mit einer Freundin darüber gesprochen habe, da hat sich mich auch noch auf folgendes Projekt aufmerksam gemacht:

http://www.greatwallofvagina.co.uk/home

Liebe Grüße

Anke

Re: Der Stein rollt

Verfasst: So 19. Jun 2016, 20:57
von Bianca D.
Anke hat geschrieben:Deshalb ist das für mich nicht nur ein Plan, wenn ich mich mit Männern treffe, sondern viel mehr eine innere Einstellung, die ich dabei gefunden habe.
Moin,

da bin ich ganz bei dir.
Anke hat geschrieben: Und damit wird es Zeit, dass sie aus dem Mittelpunkt heraustritt und wieder Platz für die vielen anderen Dinge macht, die mir wichtig sind und mich ausmachen.
Und das sind ja eine ganze Menge! Da wird es bestimmt nicht langweilig und eines Tages wird deine transidente Geschichte ganz weit weg sein.
Und danke auch für den zweiten Buchtip.

LG Bianca

Re: Der Stein rollt

Verfasst: So 19. Jun 2016, 21:46
von Saskia.shewulf
Hallo Anke,

Ich möchte mich bei Dir bedanken das Du so offen über all das schreibst und auch die Komplikationen nicht verschweigst. (hs)

Da ich mich auch darauf vorbereite und Das das Transthema in der Transition dauern sehr präsent ist, wie wahr!!! Ich kann mir fast nicht vorstellen
das es irgendwann anders ist,versuche es aber nicht dauernd zu thematisieren .

Trotz allem verlässt mich nicht der Mut und da habt Ihr (Du und Bianca) einen großen Anteil daran das der Mut mich nicht verlässt .

Ich wünsche Dir das die zweite Op gut verläuft und auch der anschließende Heilungsprozess!

LG Saskia (flo) (flo) (flo)

Re: Der Stein rollt

Verfasst: Mo 20. Jun 2016, 08:31
von Magdalena
Hallo Anke,

ich habe gerade erst Deine Berichte gelesen. Da hattest Du einiges erlebt in Deinem Urlaub, obwohl das mit der Blasenentzündung brauchte nicht sein. :((a

Jetzt hat Dich also der Alltag wieder. Und für die bevorstehende OP wünsch ich Dir, dass sie gut verläuft. Du endlich angekommen Dein Leben leben kannst. Ja das Leben hat so viel zu bieten. Und die Transsexualität ist nur ein kleiner aber wichtiger Teil Deines Lebens. Auf den sich aber nicht alles reduziert. Wie Du schon selber beschreibst, machst Du noch viel anderes wie Deine Musik (gitli) und auch Dein Beruf, der Dich fordert. Solltest Du eine neue Partnerschaft eingehen, wirst Du sicher nicht um Deine Transition herumkommen. Sicher aber nicht beim ersten Date. Es muss wachsen und gedeihen, damit es, wenn es Dir ernst ist, nicht bei dem einem ersten Date bleibt. Ja und Du nicht am Ende entäuscht bist. Doch ich möchte nicht schwarz malen und Dir viel Glück wünschen auf Deinem Weg.
(flo) (flo) (flo)


Viele Grüße Magdalena

Re: Der Stein rollt

Verfasst: Mo 20. Jun 2016, 09:40
von Anke
Hallo,
Magdalena hat geschrieben:Solltest Du eine neue Partnerschaft eingehen, wirst Du sicher nicht um Deine Transition herumkommen. Sicher aber nicht beim ersten Date. Es muss wachsen und gedeihen, damit es, wenn es Dir ernst ist, nicht bei dem einem ersten Date bleibt. Ja und Du nicht am Ende entäuscht bist. Doch ich möchte nicht schwarz malen und Dir viel Glück wünschen auf Deinem Weg.
genau so ist es. Jemand der mir nahe kommt, der darf und soll natürlich sehr viel über mich erfahren. Aber ein Schritt nach dem anderen.

Natürlich gibt es da auch die Angst vor Enttäuschung und Verletzung. Mit diesem Risiko muss ich leben, wenn ich mich auf dem "Beziehungsmarkt" tummele. Ein solches Erlebnis hatte ich schon. Den Mann fand ich richtig toll und ich war drauf und dran mein Herz zu verschenken. Dann hat er aber wegen meiner Transsexualität einen Rückzieher gemacht. Er hat sich völlig ordentlich und korrekt verhalten, da gab es nichts zu kritisieren. Er kam damit einfach nicht zurecht. Aber es hat sehr weh getan.

Das hat mir deutlich gezeigt, dass ich auf mich und mein Herz gut aufpassen muss. Ich habe dabei auch gelernt, dass ein Mann, wenn ich mich richtig auf ihn einlasse, auf eine mir unerklärliche Weise Macht über mich bekommt. So etwas habe ich zuvor noch nie erlebt und ich konnte mich dem auch nicht entziehen. Das war auf der einen Seite sehr schön, weil ich mich sehr aufgehoben und beschützt fühlte, auf der anderen Seite hat es mir ganz schön Angst eingejagt. Ein weiterer Grund vorsichtig zu sein. So etwas sollte nicht mit dem Falschen passieren.

Deshalb versuche ich erstmal meinen Verstand walten zu lassen, bevor meine Gefühle solche Sachen mit mir veranstalten.

Liebe Grüße

Anke