Hallo,
mein Urlaub liegt jetzt schon ein paar Tage zurück und Teil 2 der GAOP rückt näher. Zeit, meinen Thread fortzusetzen.
Der Urlaub in Florida war wirklich sehr schön und interessant, die Everglades, die Florida Keys, das Art Deco Viertel in Miami Beach und natürlich Cape Caneveral.
Ein Höhepunkt in Cape Caneveral im Kennedy Air Space Center war für mich ein roter Metallsteg, über den die Astronauten der Apollo 11 Mission (das waren die, die als erste den Mond betreten haben) vom Turm in die Rakete einstiegen. Man konnte da drüber gehen und dann einen Blick in die Kapsel werfen. Ich erinnere mich noch gut, wie ich damals als kleines Kind vor dem Schwarz-Weiß-Fernseher saß, diese Szene sah und eigentlich nicht so recht verstand, was da passierte. Aber irgendwie war es damals schon etwas großartiges. Und beim darüber gehen habe ich mir versucht vorzustellen, was die Astronauten in diesem Moment gedacht und gefühlt haben.
Toll auch der Besuch in Key West. Der Ort ist die LGBT Hochburg in den USA, dort gibt es sogar Zebrastreifen in den Regenbogenfarben. Dazu kommt, dass es Ernest Hemmingway dort lange gelebt und gearbeitet hat und man sein Haus besichtigen kann. Ich hab fast alles von ihm gelesen und war von seinem Haus wie verzaubert. Der Abschluss an diesem Tag bildete die tägliche Sunset Celebration. Dort wird jeden Abend der Untergang de Sonne gefeiert. Das ist ein schönes buntes Happening mit entspannten gutgelaunten Leuten, leckeren Drinks, Gauklern und Artisten und einer wunderbaren Atmosphäre.
Ein persönlicher Höhepunkt war für mich auch das erste Mal am Strand im Bikini. Dafür habe ich mir vorher einen schönen korallfarbenen Bandeaubikini mit abnehmbaren Trägern ausgesucht. Wenn ich an meine ersten Versuche im Badeanzug denke, wo ich mich fast nicht getraut hätte, ging das dieses Mal viel besser. Im Grunde war es völlig normal und unspektakulär dort hinzugehen und sich im Bikini an den Strand zu packen. Und es hat sich auch wunderbar entspannt und normal angefühlt, so wie ich mir das auch wünsche.
Die Freude wurde jedoch ein wenig durch mein Blasenproblem und eine erneute Blasenentzündung getrübt, weswegen ich in Miami auch einen Arzt aufsuchen musste. Der hat mir dann für eine knappe halbe Stunde, einen Urintest und ein Beutelchen mit Antibiotika sagenhafte 1.050,- $ berechnet. Ich dachte erst, dass er Scherze macht, aber diesen Betrag habe ich wirklich bezahlt.
Die Entzündung ging dann auch weg, kam aber nach meiner Rückkehr nach Deutschland noch zweimal wieder. Zusammen mit einer Erkältung und meinem Blasengrundproblem hat mich das in den letzten Wochen ganz schön gebeutelt. Ich dachte oft, dass das überhaupt nicht mehr aufhört. Eigentlich hatte ich vor nach dem Urlaub wieder mit dem Laufen anzufangen, damit ich endlich wieder fit werde. Doch ständig musste ich das verschieben, weil ich mich wirklich schlecht gefühlt habe.
Jetzt bin ich seit etwas mehr als einer Woche entzündungfrei und hab auch die ersten kürzeren Läufe hinter mich gebracht.
In meiner Partnerschaft war und ist es teilweise noch etwas schwierig. In der Theorie hat sich unser Arrangement erst mal ganz gut angefühlt. In der Praxis ist das um einiges schwieriger. Da gibt es natürlich gegenseitige Verlustängste, Irritationen und die eine oder andere Auseinandersetzung. Dazu natürlich viele Gespräche, von denen einige auch recht tränenreich ausgefallen sind. Außerdem natürlich viele praktische Fragen, wann machen wir etwas gemeinsam und wann nicht, können wir jemanden mit ins Haus bringen und wenn ja unter welchen Bedingungen. Ganz schön kompliziert. Aber wir sind fest entschlossen, das zu schaffen, auch wenn es gerade nicht einfach ist.
Schwierig auch meine ersten Gehversuche auf dem "Männermarkt". Ich habe mich mal auf einer Partnerschaftsplattform angemeldet und mache da sehr interessante Erfahrungen. Die Spanne reicht von wortkargen Einzeilern bis zu halben Romanen, mit denen ich angeschrieben werde. Einige wollen mich treffen, um mich am besten sofort ins Bett zu bekommen, bei anderen wiederum steht der Heiratsantrag kurz bevor. So ein "Dazwischending" wie ich es suche, fällt in die Kategorie Rarität. Schwierig auch, weil mich die Blasenentzündung auch zeitweise lahmgelegt hat und ich auch mitten in der Nadelepilation im Gesicht stecke. An den Tagen vor der Epilation bleiben Barthaare stehen und nach der Epilation sehe ich im Gesicht wie massakriert aus. Da ist es gar nicht einfach ein Rendezvous zu vereinbaren.
Dazu natürlich die Frage, wie gehe ich mit meiner Transsexualität dabei um. Auf der einen Seite stehe ich dazu und verstecke das auch nicht. Auf der anderen Seite möchte ich nicht nur darauf reduziert werden und auch ständig nur darüber sprechen. Ich halte es jetzt so, dass ich es weder in meinem Profil, noch bei einem Treffen von mir aus thematisiere. Wenn ich darauf angesprochen werde, dann sage ich es und zeige mich auch für ein diesbezügliches Gespräch offen. Mal sehen, wie das funktioniert. Zwei Dates hatte ich schon und da war das überhaupt keine Thema.
Dazu kommt, dass ich merke, wie sehr mich meine Transition strapaziert hat. So froh ich bin, dass ich den Weg gegangen bin und so glücklich ich auch über die Ergebnisse bin, es hat ganz schön Kraft gekostet. Ich gebe mir deshalb sowohl privat als auch beruflich mehr Ruhepausen, als ich das sonst so mache.
Am 07.07. ist dann die zweite OP für meine Geschlechtsangleichung. Ich bin froh, dass ich das dann abschließen kann. So wie es aussieht, muss nicht viel gemacht werden. Auch meine Frauenärztin hat gemeint, dass es gut geworden wäre und die sollte sich ja auskennen.
Eine ganze Weile war ich mir etwas unsicher, was ich noch machen lassen wollte. Da hat mir die Physiotherapeutin, bei der ich wegen meiner Blase bin und mit der ich auch darüber gesprochen habe ein tolles Buch empfohlen: Das Tor ins Leben von Grit Scholz. Sie hat sehr viele Frauen dazu gebraucht, ihre Yoni fotografieren zu lassen und hat damit einen tollen Bildband gemacht. Der Band ist das Gegenteil von pornografisch, wer sich mit solchen Ideen das Buch anschaffen will, sollte sich die Mühe und das Geld sparen. Alle anderen können sich gerne ihre Webseite:
http://www.das-tor-ins-leben.de/
ansehen. Dort kann man sich auch einen Eindruck verschaffen, wie das Buch gemacht ist.
Mir hat es sehr gut getan zu sehen, wie groß die Unterschiede sind. Es gibt zwar ein paar wiederkehrende Merkmale, aber keine ist wie die andere. Sie hat auch eine transsexuelle Frau fotografiert, bisher ist es mir nicht gelungen, das entsprechende Bild zu identifizieren. Deshalb lebe ich mit dem Gedanken und dem Gefühl, dass meine Yoni eine von vielen wunderschönen Varianten ist.
Zur Vorbereitung der OP habe ich nochmal eine Woche vorher ein Gespräch mit dem Operateur. Derzeit gehe ich davon aus, dass ich ca. 4 bis 5 Tage im Krankenhaus bleiben muss und dann noch ein paar Tage krank geschrieben bin.
Ich hoffe mal, dass es gesundheitlich und auch ansonsten weiter bergauf geht. Wieder habe ich ein Tal durchschritten bzw. bin ich gerade an dessen Ausgang. Dieses Mal war es besonders tief, warum ich auch hier kaum aktiv war. Das sollte bald wieder anders werden.
Liebe Grüße
Anke
Du hast keine ausreichende Berechtigung, um die Dateianhänge dieses Beitrags anzusehen.
Sentio ergo sum. - Ich fühle, also bin ich.
Les femmes sont fortes quand elles sont feminines. (Coco Chanel)
https://www.transcuisine.com
Youtube: https://www.youtube.com/channel/UCQc7XaiWBuzchBQTnGRv80g