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Re: pro und contra Outing

Verfasst: Mo 7. Jan 2013, 14:37
von gaby37
Hallo
Anja hat geschrieben:..
Obwohl, man weiß natürlich nicht, wie sie reagieren, wenn ein Familienmitglied "betroffen" ist. Vielleicht setzen sie sich dann anders mit dem Thema auseinander...
Die Hoffnung darauf solle man nie aufgeben, aber das funktioniert nur bei Personen deren "Weltbild" nicht festzementiert ist sondern noch beweglich.
Sonst landet man nähmlich trotz der Verwandschaft in der Schublade und "aus dem Dunstkreis"

Gruß Gaby

PS:
@michelle: Solche Kollegen habe ich auch, aber nur einige wenige, der große Rest ist "brauchbar"

Re: pro und contra Outing

Verfasst: Mo 7. Jan 2013, 15:53
von Ulrike-Marisa
Moin zusammen,

pro und contra Outing ist sicher immer eine ganz persönliche Angelegenheit. Was man tut oder nicht, ist sehr davon abhängig, was man bewirken will und was überhaupt möglich ist in Familie und Umfeld. Wenn man es tut, ist es wie schon mehrfach gesagt, nicht mehr zurückzunehmen. Dafür ist die Tragweite der Information einfach im einzelnen zu groß. Andererseits kann man unter Umständen auf Dauer nicht mehr in der CD/TS-Heimlichkeit leben und hat das Gefühl, es einfach rauslassen zu müssen. Bei mir war das vor einem Jahr soweit; ich habe es einfach nicht mehr aushalten können, war unzufrieden mit mir und habe dann den Schritt meiner Frau und meinen schon erwachsenen Kindern gegenüber gewagt. Das Echo war sehr ablehnend und von totalem Unverständnis meiner Gefühle gegenüber geprägt hin bis zu Betrugsvorwürfen, da ich doch so lange mich nicht zu erkennen gegeben habe. Ich habe Jahrzehnte wie andere auch versucht, ein ganz normales Leben in einer männlichen Rolle zu führen; es gab auch keine ernstzunehmende Alternative und kein vorhandenes Wissen den Dingen gegenüber. Das hat sich mit dem Auszug meiner Kinder geändert, da nun nach langer Zeit, es an der Reihe war, über eigene Gefühle wieder nachzudenken und den Kopf frei zu bekommen. Einige Arbeitskollegen wissen es mittlerweile auch. Sie haben es eher wohlwollend aufgenommen, eine Kollegin unterstützt und bestärkt mich sogar. Meine innere Familie ist auch nach einem Jahr kaum bereit mehr als die für sie unangenehme Tatsache hinzunehmen. Auch meine Frau, mit der ich mich sonst auch nach langen Jahren prima verstehe, droht mir doch immer wieder unverholen mit dem Bruch, wenn ich mich dem weiteren Lebensumfeld als Frau outen täte. Das sind so die zu berücksichtigenden Rahmenbedingungen, wo ich doch ganz klar berücksichtigen muss, wie weit ich gehen kann, ohne das Leben für alle Beteiligten unerträglich zu machen. Da kann man bekannterweise sehr viel kaputt machen und das ist es mir in meinem Fall nicht Wert, alles aufs Spiel zu setzen, was ich mit meiner Frau zusammen erreicht habe. Das grenzt natürlich meinen Spielraum ein; aber man kann nicht immer im Leben alles erreichen und muss sich arrangieren. Patentrezepte dafür gibt es nicht und es ist auch für mich immer wieder eine Gradwanderung, so viele weibliche Elemente, wie es geht, in mein Leben zu integrieren. Das ist ein anstrengender Prozess und wird sehr kritisch beäugt und bemeckert: Haarlänge, weibliche Kleidungsstücke, rasieren etc. Die weitere Zukunft kann es erst zeigen, ob sich mein Outing für mich gelohnt hat.

Liebe Grüße, Ulrike-Marisa (flo)

Re: pro und contra Outing

Verfasst: Mo 7. Jan 2013, 16:27
von Marielle
Hallo und Guten Tag zusammen,


"Patentrezepte dafür gibt es nicht"

Die gibt's sicherlich nicht.

Aber ich glaube, dass wir / ihr mit diesem Thread eine wirklich gute Info geschaffen habt; Für alle die irgendwann vor der Frage nach einem Outing stehen. Meine Meinung: Forum at its very best!

Bis hier her : Vielen Dank ..... schreibt ruhig weiter :wink:

Marielle

Re: pro und contra Outing

Verfasst: Mo 7. Jan 2013, 17:24
von rena
Hallo,

für pro spricht auch wenn man single ist und von wirklichen freunden oft besuch bekommt,denn diese nutzen ja auch mal das bad,und bei mir stehen die ganzen schmink/pflegeutensilien im bad,da ich sie ja nun nicht immer hin und herräumen möchte empfange ich zur zeit bei mir keine freunde,allerdings habe ich jetzt das problem dass einer meiner brüder zu besuch kommt,tja eigentlich wollte ich ja bei meiner mutter anfangen nun muss ich wohl ihn erstmal "schocken" hoffentlich fährt er nicht gleich wieder nach hause


liebe grüße
rena

Re: pro und contra Outing

Verfasst: Di 8. Jan 2013, 20:26
von Joe95
grundsätzlich bin ich der meinung das man nichts verheimlichen sollte weil es ja eh raus kommt, deswegen klar pro...
allerdings weiß ich auch das es bei vielen aufgrund des sozialen umfeldes einfach nicht möglich ist.

das ich trotzdem klar beim pro bleibe bedeutet jetzt nur das es für viele nicht ratsam ist sich meiner meinung anzuschliessen.

ausserdem scheint der begriff "outing" nicht immer gleich definiert...
ich verstehe den begriff etwa so dass ich mich oute indem ich das, was ich tue, eben öffentlich tue.
egal ob es sich um das tragen einer fsh, eines rockes o.ä. geht oder ob es um ein komplettes styling geht.
outing heißt für mich nur das ich nichts verheimliche und dazu stehe, das heißt noch lange nicht das ich irgendwem erklären muss was ich warum mache.
darialena hat geschrieben:...Allerdings fasse ich den Begriff des Outings auch nicht weiter, als nötig. Es gibt einfach Menschen, die darialena auf der Straße begegnen (und das ist mir schon öfter passiert) und denen gegenüber ich mich trotzdem nicht oute. Es gibt schlicht Menschen, die das so hinzunehmen haben, daß sie mich so "erwischen", und denen gegenüber ich trotzdem keinerlei Verpflichtung empfinde, mich zu erklären. Wenn ich jedem Kollegen, dem ich mal im Laden oder auf der Straße begegne, ein Outing aufzwingen müßte, hätte ich viel zu tun. Es geht die schlicht nichts an, was ich in meiner Freizeit mache und wenn sie sich darüber zu Hause die Mäuler zerreißen wollen: mir wurscht....
Chrissie hat geschrieben:...Aber nicht Outing bei allen nur um des Outings willen....

chris1960 hat geschrieben:...In meinem Umfeld haben das viele einfach so kennen gelernt, ich habe nie irgendwas dazu gesagt, mich nie gerechtfertigt oder erklärt, es ist halt einfach so. Okay, ich bin Mann und will Mann bleiben auch wenn es Zeiten gibt wo ich viel mehr als Frau fühle. Ich mag einfach die Klamotten, ich mag die Röcke ... was also erklären? Ich verkleide mich ja nicht ...
ähnlich wie in diesen drei beispielen sehe ich das auch.
wenn ich das bedürfnis habe mit jemandem darüber zu reden oder jemandem was zu erklären dann tue ich das schon.

ok, ich mag das thema und rede gerne drüber, aber ich muss nicht!