Re: Mein Weg zu mir selbst
Verfasst: Fr 26. Jun 2026, 18:20
Hei ihr Lieben
Dann will ich mal erzählen, wie es bei mir weiter ging. Viel Spaß beim Lesen (das wünsche ich diesmal wenigstens sinnvollerweise am Anfang und nicht am Ende
).
Ich beschloss, meiner Frau von Sabrina zu erzählen. Und ich musste an den Spruch meines Ausbilders beim Bund denken: Wenn schon Scheiße, dann Scheiße mit Schwung. Es war ein Sonntag Nachmittag. Es muss Anfang Dezember gewesen sein und wir kamen von einem Spaziergang zurück. Es gab heiße Schokolade und dann nahm ich all meinen Mut zusammen: "Schatz, ich muss mit dir reden und ich bitte dich, erst einfach nur zuzuhören." Mein Herz klopfte sicher so laut, dass die Nachbar sich gleich wegen Ruhestörung beschweren werden. Und dann nahm ich ihre Hand und begann zu erzählen. So in etwa, wie ich es hier auch aufgeschrieben hatte. Sie hörte mir geduldig zu, stellte keine Fragen und wartete, bis ich mit einer "Beichte" fertig war. Dann sah sie mich an und fragte: "Warum hast du mir das denn nicht eher erzählt?" In diesem Moment sind mir mehr Steine vom Herzen geplumst, als es im Jotunheimen gibt.
Wir haben dann sehr lange geredet, sie hat mir ganz viele Fragen gestellt und ich habe ihr dann noch die Broschüre des Projektes en femme gegeben, wo vieles richtig gut erklärt war. Sie fragte auch, ob ich nun immer als Frau leben wolle, aber das verneinte ich. Damals war das tatsächlich keine Option, aber da sieht man wieder, wie sich die Dinge entwickeln können. Dann zeigte ich ihr ein paar mit Selbstauslöser gemachte Fotos. Ohje, da schämte ich mir (mein Wischmopp). Und sie fragte mich nach meinem Namen. Zu der Zeit hatte ich Ann-Kathrin als Namen gewählt. Sie meinte sofort, dass der Name nicht zu mir passe und meinte, Sabrina wäre viel schöner. Und an meinem Aussehen müsse ich auch dringend arbeiten und sie möchte mir dabei helfen. Es war ein richtig toller Liebesbeweis für den ich ihr ewig dankbar bin.
Am nächsten Morgen musste ich dann auf eine Dienstreise, da ich ja Versicherungen verkaufen wollte. Ich war richtig beschwingt und habe im Auto viel darüber nachgedacht, was am Abend vorher passiert ist. Und ich fuhr bewusst von der Autobahn ab und gemütlich über Land, da da das Nachdenken einfacher war. Und ich konnte es kaum abwarten, am Donnerstag wieder nach Hause zu kommen. Und auch jede Dienstreise ist irgendwann einmal vorbei und am Abend war Sabrina dann nur kurz Thema und wir beschlossen, dass Sabrina am Samstag erstmals offen da sein darf. So ging der Freitag mit Bürokram rum und am Samstag Nachmittag war es dann soweit. Ich machte mich zurecht, was mit meinen damaligen Schminktechniken gar nicht so einfach war. Dann meinen Wischmopp aufgesetzt und ihn ein wenig in Form gebracht. Dann ging ich mit doch ziemlich Herzklopfen und etwas wacklig ins Wohnzimmer, darauf gefasst, dass meine Frau gleich loslachen würde. Damals hätte ich es mich gekränkt, heute würde ich selber laut lachen. Aber es kam kein Lachen, sondern ein Lob, dass ich schon ganz gut aussehen würde, aber da noch Potential sei. Und so suchten wir bei eBay nach einer passenden Perücke und nach Klamotten. Warum kann man das nicht einfach herzaubern, fragte ich mich. Aber so musste ich wieder Geduld haben. Aber es war eine richtige Befreiung, mich nicht mehr verstecken zu müssen, zumindest nicht mehr vor meiner Frau. In der kommenden Woche gingen wir dann noch zusammen in den DM und suchten passendes Make-Up aus. Und auch da dachte ich, die Kassiererin denkt sicher, das ist für mich. Welch blöde Gedanken.
So hatte ich dann auch unter der Woche immer wieder Gelegenheit, meine Schminkkenntnisse zu verbessern und meinen Styl zu entwickeln. Das tat mir gut und ich fühlte mich einfach wohl.
Im Frühling 2006 kam es in der Firma, über die meine Versicherungen und Finanzgeschäfte abgewickelt werden, zu Verwerfungen. Ich war nun schon nicht ein guter Verkäufer und nun wurde es noch einmal schwieriger. Das führte dazu, dass ich keine Zeit mehr für Sabrina hatte, da ich zwingend Geld verdienen muss. Eine Zeit, die mich immer depressiver machte. Dann bekam ich nach mehr als 2 Monaten eine Rückmeldung zu einer Bewerbung und eine Einladung zum Vorstellungsgespräch. Das fand an einem Freitag um 14 Uhr statt. Für eine Behörde eher ungewöhnlich. Ich machte wohl einen bleibenden Eindruck, denn dort arbeite ich heute (leider) immer noch, seit rund 20 Jahren. Aber das ist nur am Rande wichtig.
Nun hatte ich einen geregelten, wenn auch zunächst befristeten Job und ich wickelte meine Firma ab. Dann bleib endlich wieder mehr Zeit für Sabrina. Und es kam immer mehr der Wunsch, endlich auch mal vor die Tür zu gehen. Ich stand so oft an der Tür, aber jedes Mal machte ich einen Rückzug. Wir wohnten in einer kleinen Stadt und die Nachbar waren neugieriger als Bild und Express zusammen. Nein, da traute ich mich nicht. Auch meine Frau ermutigte mich, aber verstand auch meine Sorgen. Aber irgendwann muss ich mich mal trauen, dachte ich. Und so verging das Jahr 2006. Ich war mit meiner Situation soweit zufrieden, hatte keinen Wischmopp mehr auf dem Kopf und auch das Schminken war vorzeigbar. Ach ja, natürlich wuchs auch Bestand an Klamotten und Schuhen.
So starteten wir in das Jahr 2007, was für uns eine große Veränderung bringen sollte. Aber das ahnten wir zu der Zeit noch nicht.
Jetzt ist der Cliffhanger wieder da. Ich hoffe, ich langweile euch nicht. Lasst es euch nicht zu warm werden. Hier an der Küste geht es noch. Und schon einmal ein schönes Wochenende.
Dann will ich mal erzählen, wie es bei mir weiter ging. Viel Spaß beim Lesen (das wünsche ich diesmal wenigstens sinnvollerweise am Anfang und nicht am Ende
Ich beschloss, meiner Frau von Sabrina zu erzählen. Und ich musste an den Spruch meines Ausbilders beim Bund denken: Wenn schon Scheiße, dann Scheiße mit Schwung. Es war ein Sonntag Nachmittag. Es muss Anfang Dezember gewesen sein und wir kamen von einem Spaziergang zurück. Es gab heiße Schokolade und dann nahm ich all meinen Mut zusammen: "Schatz, ich muss mit dir reden und ich bitte dich, erst einfach nur zuzuhören." Mein Herz klopfte sicher so laut, dass die Nachbar sich gleich wegen Ruhestörung beschweren werden. Und dann nahm ich ihre Hand und begann zu erzählen. So in etwa, wie ich es hier auch aufgeschrieben hatte. Sie hörte mir geduldig zu, stellte keine Fragen und wartete, bis ich mit einer "Beichte" fertig war. Dann sah sie mich an und fragte: "Warum hast du mir das denn nicht eher erzählt?" In diesem Moment sind mir mehr Steine vom Herzen geplumst, als es im Jotunheimen gibt.
Am nächsten Morgen musste ich dann auf eine Dienstreise, da ich ja Versicherungen verkaufen wollte. Ich war richtig beschwingt und habe im Auto viel darüber nachgedacht, was am Abend vorher passiert ist. Und ich fuhr bewusst von der Autobahn ab und gemütlich über Land, da da das Nachdenken einfacher war. Und ich konnte es kaum abwarten, am Donnerstag wieder nach Hause zu kommen. Und auch jede Dienstreise ist irgendwann einmal vorbei und am Abend war Sabrina dann nur kurz Thema und wir beschlossen, dass Sabrina am Samstag erstmals offen da sein darf. So ging der Freitag mit Bürokram rum und am Samstag Nachmittag war es dann soweit. Ich machte mich zurecht, was mit meinen damaligen Schminktechniken gar nicht so einfach war. Dann meinen Wischmopp aufgesetzt und ihn ein wenig in Form gebracht. Dann ging ich mit doch ziemlich Herzklopfen und etwas wacklig ins Wohnzimmer, darauf gefasst, dass meine Frau gleich loslachen würde. Damals hätte ich es mich gekränkt, heute würde ich selber laut lachen. Aber es kam kein Lachen, sondern ein Lob, dass ich schon ganz gut aussehen würde, aber da noch Potential sei. Und so suchten wir bei eBay nach einer passenden Perücke und nach Klamotten. Warum kann man das nicht einfach herzaubern, fragte ich mich. Aber so musste ich wieder Geduld haben. Aber es war eine richtige Befreiung, mich nicht mehr verstecken zu müssen, zumindest nicht mehr vor meiner Frau. In der kommenden Woche gingen wir dann noch zusammen in den DM und suchten passendes Make-Up aus. Und auch da dachte ich, die Kassiererin denkt sicher, das ist für mich. Welch blöde Gedanken.
So hatte ich dann auch unter der Woche immer wieder Gelegenheit, meine Schminkkenntnisse zu verbessern und meinen Styl zu entwickeln. Das tat mir gut und ich fühlte mich einfach wohl.
Im Frühling 2006 kam es in der Firma, über die meine Versicherungen und Finanzgeschäfte abgewickelt werden, zu Verwerfungen. Ich war nun schon nicht ein guter Verkäufer und nun wurde es noch einmal schwieriger. Das führte dazu, dass ich keine Zeit mehr für Sabrina hatte, da ich zwingend Geld verdienen muss. Eine Zeit, die mich immer depressiver machte. Dann bekam ich nach mehr als 2 Monaten eine Rückmeldung zu einer Bewerbung und eine Einladung zum Vorstellungsgespräch. Das fand an einem Freitag um 14 Uhr statt. Für eine Behörde eher ungewöhnlich. Ich machte wohl einen bleibenden Eindruck, denn dort arbeite ich heute (leider) immer noch, seit rund 20 Jahren. Aber das ist nur am Rande wichtig.
Nun hatte ich einen geregelten, wenn auch zunächst befristeten Job und ich wickelte meine Firma ab. Dann bleib endlich wieder mehr Zeit für Sabrina. Und es kam immer mehr der Wunsch, endlich auch mal vor die Tür zu gehen. Ich stand so oft an der Tür, aber jedes Mal machte ich einen Rückzug. Wir wohnten in einer kleinen Stadt und die Nachbar waren neugieriger als Bild und Express zusammen. Nein, da traute ich mich nicht. Auch meine Frau ermutigte mich, aber verstand auch meine Sorgen. Aber irgendwann muss ich mich mal trauen, dachte ich. Und so verging das Jahr 2006. Ich war mit meiner Situation soweit zufrieden, hatte keinen Wischmopp mehr auf dem Kopf und auch das Schminken war vorzeigbar. Ach ja, natürlich wuchs auch Bestand an Klamotten und Schuhen.
So starteten wir in das Jahr 2007, was für uns eine große Veränderung bringen sollte. Aber das ahnten wir zu der Zeit noch nicht.
Jetzt ist der Cliffhanger wieder da. Ich hoffe, ich langweile euch nicht. Lasst es euch nicht zu warm werden. Hier an der Küste geht es noch. Und schon einmal ein schönes Wochenende.
Und ich klopfte mir auf die Schultern. Aber ohne meine Frau hätte ich mich wahrscheinlich wieder nicht getraut.