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Re: Geschlechtsangleichende Operationen für non„binäre Personen derzeit keine Kassenleistung | BSG Bund

Verfasst: Do 28. Aug 2025, 21:43
von Val44721
Nicole Fritz hat geschrieben: Do 28. Aug 2025, 20:53
girlnamedliz hat geschrieben: Do 28. Aug 2025, 20:15 Sorry, ist wohl meine Schuld.
Wirklich? Ich bin nicht binär und aus diesem Thema schon lange raus. Die Trans-Community will uns nicht, weil wir deren so genannte Erklärungen in Frage stellen. Also vertreten die uns nicht, und damit bekommen wir auch nicht irgendwie Recht. Wer die Grundsätze dieser so genannten Gesellschaft in Frage stellt, statt sich einfach nur körperlich an eine neue Rolle angleichen zu lassen, hat da nichts zu melden. Punkt.

LG Nicole
Das tut mir leid, dass du so schlechte Erfahrungen gemacht hast. Was du kennengelernt hast wird entweder Transmed oder auch Truscum genannt.Diese Menschen sind Idioten. Nicht-binäre trans Menschen sind genauso Teil der Community wie die binären.

In meiner Erfahrung haben ziemlich viele trans Spaces ziemlich stabil 1/3 nb Leutis. Auch wenn es eben leider diese ja schon bösartigen Gruppen gibt, welche anderen das antun, was ihnen angetan wurde. Trans zu sein ist keine Garantie dafür ein guter Mensch zu sein. Zum Glück werden es mit der Zeit weniger. Leider sind nb Menschen immer noch die unterdrückteste Gruppe aus dem Spektrum.

Es gibt aber definitiv auch, oder mittlerweile sogar großteilig, safe spaces wo sowas nicht akzeptiert wird und nb-feindliche Menschen rausgeworfen werden. Vielleicht magst du ja irgendwann einem Space nochmal eine Chance geben.

Re: Geschlechtsangleichende Operationen für non„binäre Personen derzeit keine Kassenleistung | BSG Bund

Verfasst: Do 28. Aug 2025, 22:34
von Vesta
Val44721 hat geschrieben: Do 28. Aug 2025, 12:41 Das wurde ja von manchen hier stark verteidigt, dass diese für bestimmte Zeit erzwungen werden sollte,
Jetzt mal ganz unabhängig vom genannten BSG-Urteil:

Frei gewählt werden kann nur das juristische Geschlecht. Das körperliche Geschlecht und medizinische Maßnahmen können nicht frei gewählt werden.
Die Krankenkassen zahlen nur für die Behandlung von Krankheiten. Transsexualität gilt nicht als Krankheit, aber über das Konstrukt des krankheitswerten Leidensdrucks wird dennoch gezahlt.
Vor der Behandlung steht immer eine Diagnose. Meistens aber nicht immer ist die schnell gemacht, aber bei Transsexualität bleibt nur die Ausschlussdiagnose.

Ich verstehe, dass bei denjenigen wie dir, die sich Ihrer Sache sicher sind und die auch wirklich transsexuell sind, die Therapiesitzungen zur Diagnose ein lästiges Ärgernis sein können.
Andererseits sind da auch diejenigen, die meinen, ihr Geschlecht wechseln zu wollen, die aber gar nicht transsexuell sind. (Ja, gibt es wirklich, wenn auch nicht hier im Forum!).

Ich lege sicher keinen Wert darauf, nach irgendeiner ICD-Nummer als psychisch gestört bezeichnet zu werden. Aber wenn es überhaupt keine Diagnose gibt, wenn Transsexualität aus komplett normal gesehen wird, dann fragen die Krankenkassen irgendwann, warum sollten sie bezahlen. Das BSG-Urteil geht in die Richtung.

Ernsthaft gefragt: Wie sollte deiner Meinung der Ablauf sein, so dass er für alle funktioniert?


Ansonsten:
Das Schreiben, was du zitiert hast, ist wirklich übel. Da will eine Krankenkasse alle Behandlungen ablehnen. Das Schreiben, das Marie zitiert hat, kommt vom Bundesverband und sollte Vorrang haben.

Ich habe meine OP erst nach dem Urteil beantragt. Das Urteil oder der Anfang der HRT waren dabei kein Thema.
Anne-Mette hat geschrieben: Do 28. Aug 2025, 11:21 Die Äußerung nagt auch am Forum als "gute Informationsquelle".
Keine Sorge, Anne-Mette, dein Forum ist besser. ---)))
(Reddit ist mir schon häufiger durch Beiträge niedriger Qualität aufgefallen, nicht nur bei trans, sondern auch bei anderen Themen.)

Re: Geschlechtsangleichende Operationen für non„binäre Personen derzeit keine Kassenleistung | BSG Bund

Verfasst: Fr 29. Aug 2025, 21:59
von Val44721
Vesta hat geschrieben: Do 28. Aug 2025, 22:34 Die Krankenkassen zahlen nur für die Behandlung von Krankheiten.
Aber wenn es überhaupt keine Diagnose gibt, wenn Transsexualität aus komplett normal gesehen wird, dann fragen die Krankenkassen irgendwann, warum sollten sie bezahlen
Tatsächlich nicht, da ist der Name etwas irreführend. Die Krankenkassen zahlen Leistungen im Zusammenhang mit der Gesundheit. Das muss keine Krankheit sein.

Beispiele für Sachen, die übernommen werden, währen z.b. alles um Schwangerschaft, Geburtsvorbereitung, Entbindung, Betreuung danach, Kurse, etc. Schwanger zu sein ist keine Krankheit.
Manche Verfahren zur künstlichen Befruchtung werden bezahlt. Nicht schwanger zu sein ist auch keine Krankheit.
Die Pille wird bezahlt (für manche Menschen). Nicht schwanger werden zu wollen ist auch keine Krankheit.
Impfungen werden gezahlt. Nicht geeimpft zu sein ist auch keine Krankheit. Zugegeben, es schützt vor zukünftigem Leid durch Krankheit. Aber das tun geschlechtsangleichende Schritte auch.

Aber das beste Beispiel: Menopause. Ist auch keine Krankheit. Trotzdem hat es eine Diagnose und kann mit exakt den Medis die ich auch nehme behandelt werden. Jede cis Frau geht da irgendwann durch, über 40 zu sein ist keine Krankheit. Und es gibt die exakt gleichen Rezepte mit denen man rausgeht.

Trans sein kann genauso eingeordnet werden. Oh, Maria kommt in die Menopause? Keine Krankheit, aber wenn du wünschst gibts Hilfe. Oh, Maie ist trans? Keine Krankheit, aber wenn dus wünschst gibt es Hilfe.

Und tatsächlich ist das das, was mit dem ICD-11 kommt.
Menopause ist gerade: „N95.1: Zustände im Zusammenhang mit der Menopause und dem Klimakterium“
Trans sein ist dann bald: „XXX.X: Zustände im Bereich der sexuellen Gesundheit“

Und werden damit genauso wie Schwangerschaft, Menopause, Verhütungsmittel, künstliche Befruchtung und Stillkurse nicht als Krankheit gewertet, aber trotzdem übernommen.
Vesta hat geschrieben: Do 28. Aug 2025, 22:34 Ernsthaft gefragt: Wie sollte deiner Meinung der Ablauf sein, so dass er für alle funktioniert?
Informed Consent. Man geht zum Arzt, wird dort über die Wirkung, Nebenwirkung und Risiken aufgeklärt, und trifft dann eine eigene, wohlinformierte Entscheidung. Es steht mir nicht zu, für andere Leute zu denken oder über ihr Leben zu bestimmen. Ich kann nicht sagen, als wer sie ihr Leben zu verbringen haben. Und genauso kann das auch kein Arzt.

Ein Arzt ist ein Dienstleister, kein Dirigent. Er dirigiert nicht, wer wie durchs Leben geht, sondern er stellt seine Dienste bereit, um sicherzustellen, dass die Patientys selbstbestimmt durchs Leben gehen können. Bei einem neuen Knie fragt ja auch keiner, wohin man denn laufen wolle, um zu gucken, ob der Ort denn so freigegeben wird.

Informed Consent ist übrigens eine höhere Barriere als es fürs Kinder kriegen momentan gibt. Ich hole bald mein viertes Indikationsschreiben ab. Wir stellen uns mal vor, dass man vorm Kinder kriegen die schriftliche Erlaubnis eines Arztes bräuchte, und mindestens 6 Monate „Entscheidungsfindungstherapie“. Und Kinder bereuen prozentual 10x so viele Menschen wie eine Hormontherapie.

Re: Geschlechtsangleichende Operationen für non„binäre Personen derzeit keine Kassenleistung | BSG Bund

Verfasst: Fr 29. Aug 2025, 22:56
von Vesta
Val44721 hat geschrieben: Fr 29. Aug 2025, 21:59 Tatsächlich nicht, da ist der Name etwas irreführend. Die Krankenkassen zahlen Leistungen im Zusammenhang mit der Gesundheit.
Da hast du recht.
Aber wenn man von dem Sonderfall Schwangerschaft und Geburt absieht, geht es immer um die Beseitigung eines Leidens oder um die Vorbeugung gegen ein Leiden. Und die Leistung muss dafür geeignet sein, d. h. das Leiden muss bestehen oder drohen, also muss es gegebenenfalls diagnostiziert werden.

Um dein Beispiel Menopause zu nehmen: Es wird nicht pauschal bei der Menopause behandelt und gezahlt, sondern es muss ein Leid vorliegen. Wenn eine Frau in der Menopause deswegen Kopfschmerzen hat, geht sie zum Arzt und der verschreibt ihr Hormone. Der Arzt akzeptiert ihre Aussage als Diagnose. Bei dir will der Psych mehrere Monate Therapie machen, für die Diagnose um dieselben Hormone zu verschreiben. Der Schaden einer Fehldiagnose ist aber auch ungleich größer. Bei der Frau in der Menopause sind die Hormone dann lediglich überflüssig, bei dir verursachen sie z. B. Unfruchtbarkeit.

Nicht zu vergessen ist, dass ein Arzt für fahrlässige Fehler haftbar gemacht werden kann (was eigentlich gut ist).
Impfungen werden gezahlt. [...] Zugegeben, es schützt vor zukünftigem Leid durch Krankheit. Aber das tun geschlechtsangleichende Schritte auch.
Aber nur dann, wenn die Geschlechtsangleichung genau die richtige Maßnahme ist. Ansonsten verursacht sie viel Leid.
Informed Consent. Man geht zum Arzt, wird dort über die Wirkung, Nebenwirkung und Risiken aufgeklärt, und trifft dann eine eigene, wohlinformierte Entscheidung.
Für dich wäre das vermutlich genau richtig gewesen.

Aber ich habe große Bauchschmerzen damit, weil dann auch einige Leute, die überhaupt nicht transsexuell sind, z. B. passagere Störungen bei Borderline, uneingestandene Homosexualität, Angststörungen und einiges Weiteres, eine Geschlechtsänderung (eine Angleichung wäre es dann nicht) machen würden. Die würden gut informiert den größten Fehler ihres Lebens machen. Diese Störungen können manchmal so hartnäckig sein, dass es ihnen selbst nicht klar wird, dass sie einen großen Fehler begehen. (Da ich mir selbst zu Anfang sehr unsicher war, habe ich mich viel mit diesen Fragestellungen beschäftigt.)

Zum Teil besteht die Diagnose darin, dass einem viele Hindernisse in den Weg gelegt werden. Diejenigen, die die Transition aus falschen Beweggründen angehen, scheitern oft daran. Insofern funktioniert das als Diagnose. Aber schön ist das nicht.

Nur gibt es keine schnelle Diagnose. Daher sehe ich keine echte Alternative dazu.

Re: Geschlechtsangleichende Operationen für non„binäre Personen derzeit keine Kassenleistung | BSG Bund

Verfasst: Sa 30. Aug 2025, 00:26
von Val44721
Vesta hat geschrieben: Fr 29. Aug 2025, 22:56 Die würden gut informiert den größten Fehler ihres Lebens machen
Du kannst keine Menschen davon abhalten Fehler zu machen. Menschen machen Fehler. Auch schwere. So ist das. Und es ist ihr gutes Recht, selbst ihre Fehler zu machen, anstatt von anderen ihr Leben kontrolliert zu bekommen, um zu verhindern, dass sie Fehler machen. Es gibt so viele Märchen über Menschen im (goldenen) Käfig, Prinzessinnen deren jeder Schritt von anderen geplant wird, und die zwar körperlich sicher sind, aber sich doch einfach nur wünschen selbst leben zu können. Fremdbestimmtes Leben in Märchen ist immer ein Horror- nie ein Traumszenaio.

20% der Menschen mit Kindern bereuen es Kinder gekriegt zu haben. Das war für sie ein Fehler. Und mit Kindern dazusitzen ohne sie zu wollen ist wohl auch ein ziemlich gravierender Fehler. 0,3% der trans Menschen bereuen die Transition. Und da müssen wir eingreifen, den Weg leidvoll machen, und so viele Ressourcen in die Filterung stecken, um Prozesse zu ziehen, anstrengender zu machen und schmerzhafter zu machen?

Die Polizei tritt trans Menschen die Hormone ohne Erlaubnis nehmen um 5 Uhr morgens die Tür ein. Manche werden wegen Dealen angeklagt weil sie mehr Hormone als für ein paar Tage da hatten. Eventuell landen sie im Gefängnis. Und das alles um die 0,3% zu schützen, die es eventuell bereuen? Was ist mit den 99,7% die es nicht bereuen? Es gibt praktisch keinen medizinischen Eingriff der so selten bereut wird wie trans Eingriffe.
Vesta hat geschrieben: Fr 29. Aug 2025, 22:56 Bei der Frau in der Menopause sind die Hormone dann lediglich überflüssig, bei dir verursachen sie z. B. Unfruchtbarkeit
Tatsächlich wird Zeugungsunfähigkeit sowohl von der extogenen Gabe von Östrogen, als auch Testosteron verursacht. Für Östrogen brauchte ich ein Indikationsschreiben. Für Testosteron hätt ich keins gebraucht. Auch heute nehmen unglaublich viele cis Männer Testosteron ein, die Verschreibungsraten sind sehr hoch. Das macht die auch alle Zeugungsunfähig, ihre Hoden stellen die Arbeit ein. Sie brauchen nur zu sagen, dass ihnen das bewusst ist, beim Arzt, und sind damit aufgeklärt.

Ob exogenes Östrogen bei cis Frauen was bei der Fruchtbarkeit beeinflusst weiß ich leider nicht.

Re: Geschlechtsangleichende Operationen für non„binäre Personen derzeit keine Kassenleistung | BSG Bund

Verfasst: Sa 30. Aug 2025, 00:48
von Jaddy
Zum Thema was Kassen zahlen müssen habe ich bisher gelernt, dass es mehrere Wege für Vorgaben gibt, aber alles am Sozialgesetzbuch 5 (SGB V) hängt.

Das regelt einerseits, dass und wie der Gemeinsame Bundesausschuss GBA zuständig ist, Therapien nach Stand der Wissenschaft auf Wirksamkeit und Wirtschaftlichkeit zu prüfen und dann freizugeben, was quasi einer Zahlungsverpflichtung für die Kassen entspricht. Der GBA ist eine - nunja- wenigstens theoretisch weitgehend politik- bzw regierungsunabhängige Selbstverwaltung.

Andererseits sind bestimmte gesetzliche Ansprüche direkt ins SGB V geschrieben worden. Das ist der Weg, über den schwangerschafts-bezogene Versorgung geregelt ist: https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__24c.html Im § davor ist geregelt, dass für Schwangerschaftsabbrüche zwar die äztliche Beratung bezahlt wird, die Versorgung wenn kein Abbruch passiert und die Nachsorge, aber alles, was zum Abbruch selbst gehört explizit ausgenommen ist, also letztlich den gesetzlichen Kassen zu zahlen verboten; https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__24c.html

Die Kostenübernahme für med. Transitionsmassnahmen wird auch aus SGB V abgeleitet. Allerdings steht das nicht einfach direkt drin. Die sehr strikte, enge Herleitung und vor allem die Begrenzung der Leistungen kann, wer möchte, ausgerechnet aus der Begutachtungsanleitung des MD von 2020 entnehmen; (PDF) S.8ff.

Ich gestehe, dass ich bisher nicht verstanden habe, wieso sich der bisherige Leistungsanspruch "vor S3-Leitlinie" vom "danach" unterscheidet (BSG-Urteil). Da brauche ich mal fachleutliche Nachhilfe.

Re: Geschlechtsangleichende Operationen für non„binäre Personen derzeit keine Kassenleistung | BSG Bund

Verfasst: Sa 30. Aug 2025, 04:00
von girlnamedliz
Val44721 hat geschrieben: Fr 29. Aug 2025, 21:59 Informed Consent. Man geht zum Arzt, wird dort über die Wirkung, Nebenwirkung und Risiken aufgeklärt, und trifft dann eine eigene, wohlinformierte Entscheidung.
Grob gesagt ist der Gedanke hinter Informed Consent eine Depathologisierung von Geschlechtsangleichenden Massnahmen, eben weil trans zu sein keine Krankheit ist, und niemand in Dich hineinsehen kann.

In den USA halten sich praktisch alle Aerzte und Krankenversicherer an den WPATH Standard, der prinzipiell auf der Idee von Informed Consent basiert. Sollte also alles ganz einfach sein. Trotzdem braucht es in der Realitaet den entsprechenden Letter of Support vom (a) Therapeuten, (b) Hausarzt, und (c) Chirurgen.

Aber diese Briefe sind dann doch weitaus komplexer, als nur zu klaeren, dass man ueber Risiken und Nebenwirkungen Bescheid weiss. Damit die Krankenversicherer das nachher auch akzeptieren (Stichwort Prior Authorization), steht dann da naemlich drin, dass
(1) eine Diagnose F64.0 vorliegt
(2) keine andere oder bessere Erklaerung fuer die Dysphorie zu erkennen ist
(3) mich niemand bedraengt, die Behandlung durchzufuehren
(4) ich die Auswirkungen und Risiken der Behandlung verstehe und mental in der Lage bin, diese Entscheidung zu treffen
(5) keine gesundheitlichen Gegenanzeichen vorliegen
(6) der Arzt die Behandlung als angemessen beurteilt
(7) ich in geordneten haeuslichen Verhaeltnissen lebe, und nach der OP jemand fuer mich sorgt

Und so kleckert die Zeit dahin, waehrend man diese Listen abarbeitet, und dabei sein innerstes nach aussen dreht. Und von der Grundidee der Depathologisierung ist dann auch nicht mehr viel zu erkennen. Aber wenn ich dann ueberall artig gewesen bin, mich zu den Terminen auch immer huebsch aufgebrezelt habe, meine Zeit abgewartet habe und im richtigen Bundesstaat lebe, bekomme ich es hinterher bezahlt. Und wenn ich das alles nicht will - bleiben Spanien oder Thailand gegen bares.
Val44721 hat geschrieben: Fr 29. Aug 2025, 21:59 Informed Consent ist übrigens eine höhere Barriere als es fürs Kinder kriegen momentan gibt.
Selbstredend. Kinder sind ja auch suess... Aber Spass beiseite, es ist gar nicht so schwer sich die obige Liste fuer zukuenftige Eltern vorzustellen. Hat was.


LG, Liz

Re: Geschlechtsangleichende Operationen für non„binäre Personen derzeit keine Kassenleistung | BSG Bund

Verfasst: Sa 30. Aug 2025, 22:48
von Vesta
Kinder kriegen oder zumindest das Zeugen geht ohne medizinische Hilfe. Das macht einen Unterschid.
Val44721 hat geschrieben: Sa 30. Aug 2025, 00:260,3% der trans Menschen bereuen die Transition
Ich meine nicht die 0,3% Transmenschen die bereuen, sondern diejenigen, die nicht trans sind und trotzdem die Transition angehen.
Momentan gibt es kaum welche, weil diese Leute vom derzeitigen Prozedere ausgefiltert werden, aber bei Informed Consent gäbe es einige.

Die Zahl der Transsexuellen, die die Transition bereuen, dürfte mittlerweile auch höher liegen als 0,3%, denn durch die höhere Präsenz in der Öffentlichkeit hat es in den letzten zehn Jahren einen gewissen Boom gegeben. Aber die sind für mich gar nicht der Grund, warum ich einer kompletten Freigabe so kritisch gegenüber stehe.

Re: Geschlechtsangleichende Operationen für non„binäre Personen derzeit keine Kassenleistung | BSG Bund

Verfasst: Sa 30. Aug 2025, 23:16
von Val44721
Es existiert kein Boom. Das sind Verschwörungstheorien rechter Netzwerke, für die diese viel Geld investieren um diesen Mythos zu bewahren. Haben sie davor übrigens schon exakt so mit Linkshändigkeit gemacht. Das wurde auch ein Trend genannt, zu den verwirrte Jugendliche gedrängt werden würden. Es gab schon immer den gleichen Prozentsatz Linkshänder, und genauso auch von trans Personen.

Die meisten Menschen, die ihre Transition bereuen, tun dies übrigens nicht weil sie sich dadurch nicht besser gefühlt hatten mit sich selbst, sondern aufgrund von Mobbing. Mobbing ist der Nummer 1 Grund fürs Bereuen einer Transition.

Das ganze mit dem Gatekeeping von Transition ergibt nur Sinn, wenn man das Leben von cis Personen als wertvoller als das von trans Personen betrachtet. Aus 1000 Personen sollen 997 trans Personen leiden, um die 3 cis Personen zu schützen.

Re: Geschlechtsangleichende Operationen für non„binäre Personen derzeit keine Kassenleistung | BSG Bund

Verfasst: So 31. Aug 2025, 00:13
von Jaddy
Vesta hat geschrieben: Sa 30. Aug 2025, 22:48 Ich meine nicht die 0,3% Transmenschen die bereuen, sondern diejenigen, die nicht trans sind und trotzdem die Transition angehen.
Momentan gibt es kaum welche, weil diese Leute vom derzeitigen Prozedere ausgefiltert werden, aber bei Informed Consent gäbe es einige.
Ja und? Es ist doch vollkommen egal, warum Menschen "gegengeschlechtliche" Hormone nehmen wollen, zeitweise oder dauerhaft, wenn sie a) über die Konsequenzen und Risiken kompetent aufgeklärt wurden und b) mutmasslich auch konsensfähig sind - also das genausogut einschätzen können, wie andere Menschen die Konsequenzen ihrer Hauskredite, ihrer Kinderwünsche oder ob sie ihren WIngsuit-Flug überleben.

Wieso sollte das nur "echten trans Personen" erlaubt sein und wer meint das entscheiden zu können? Wir wissen, dass Geschlechtsidentität nicht getestet oder bewiesen werden kann. Solche Dinge laufen letztlich immer auf "glaubhafte Stereotypen-Kompatibilität" hinaus, also ob das Gatekeepy dir deine Genderperformance abkauft. Wir können das Thema "Geschlecht" und "trans" einfach mal rückstandsfrei aus der Gleichung nehmen.

Menschen dürfen ohne Indikationsschreiben giftige, krebserregende Gase konsumieren oder beliebige Mengen eines starken Zellgifts. Beides frei verkäuflich ab 18. Wenn wir mal das Wort Geschlecht ausblenden und den Konsum von Hormonen unabhängig davon betrachten, rein als Mittel -> Wirkung, ist das bei weitem ungefährlicher als Tabak oder Alkohol. Nur das "TRANS!!!1elf!" macht es besonders.

Abgesehen davon bekommen zigtausende cis Menschen völlig problemlos die gleichen Medis, was letztlich auch "gender affirming" ist. Nur eben ihre cis Identität. Dem Körper ist das aber letztlich egal. In meinem Umfeld sind reichlich Frauen in und jenseits der Menopause, die sich über diverse Hormon-Strategien unterhalten genau wie trans Leute. Estradiol, Testosteron, DHEA, Progesteron. Inklusive "mein*e Gyn will mir das nicht verschreiben, weil <Unfug-Argument>", "Ich hab meine über dieses Portal bestellt" usw. Auf "es ist so schwierig, gute Endos zu finden" hab ich schon mehr als einmal mit "willkommen in unserer Welt" geantwortet.

Darüber hinaus machen nämlich unglaublich viele Menschen DIY, also selbstbestimmte, selbstbeschaffte Hormontherapie, cis und trans, weil sie aus unterschiedlichen Gründen nicht den "offiziellen" Weg nutzen können/wollen/dürfen.
Vesta hat geschrieben: Sa 30. Aug 2025, 22:48Die Zahl der Transsexuellen, die die Transition bereuen, dürfte mittlerweile auch höher liegen als 0,3%, denn durch die höhere Präsenz in der Öffentlichkeit hat es in den letzten zehn Jahren einen gewissen Boom gegeben. Aber die sind für mich gar nicht der Grund, warum ich einer kompletten Freigabe so kritisch gegenüber stehe.
Die Zahlen in D sind je nach Zählweise seit Jahren ziemlich konstant irgendwo zwischen 0,6 und 1%. Es ist leider nicht klar, ob und wie viele davon mit operativen Massnahmen unzufrieden ist. Dabei sind auch Menschen, die zB eine Hormontherapie nach Erreichen ihrer (körperlichen) Ziel beenden, die unterbrechen und später fortsetzen, usw. Die Hauptgründe für eine echte Detransition sind nach wie zu >80% vor Probleme mit der Umwelt, die die Transition nicht akzeptieren will.

Wie val schrieb: Wir haben von theoretischen 10000 Menschen ca. 10, die abbrechen, unterbrechen, "bereuen". Von diesen 10 machen das 8 ausschliesslich wegen Problemen mit ihren Mitmenschen. 2 von 10000 haben eine ungute Entscheidung getroffen. Wer soll da wie beschützt werden?

Wie sollten wir dann erst mit medizinschen Massnahmen umgehen, bei denen 14-20% der Betroffenen (nach einem Jahr) bereuen, sie gemacht zu haben? Ich spreche von Knie- und Rücken-OPs.
Und wie sollten wir mit dem "uninformed consent" umgehen, dass 20% aller Eltern ihre Entscheidung für ein Kind bereuen?

Ich sehe da einfach keinen Grund gegen informed consent - ausser eben, dass bei zu vielen Menchen bei Wörtern wie "Hormone!", "trans!" oder "Geschlecht!" irgendwie auf andere Massstäbe umgeschaltet wird.

Re: Geschlechtsangleichende Operationen für non„binäre Personen derzeit keine Kassenleistung | BSG Bund

Verfasst: So 31. Aug 2025, 04:06
von girlnamedliz
Jaddy hat geschrieben: So 31. Aug 2025, 00:13 Menschen dürfen ohne Indikationsschreiben giftige, krebserregende Gase konsumieren oder beliebige Mengen eines starken Zellgifts. Beides frei verkäuflich ab 18. Wenn wir mal das Wort Geschlecht ausblenden und den Konsum von Hormonen unabhängig davon betrachten, rein als Mittel -> Wirkung, ist das bei weitem ungefährlicher als Tabak oder Alkohol. Nur das "TRANS!!!1elf!" macht es besonders.
Ich glaube, am Ende muess die Erlaubnis zu einer Operation getrennt werden von der Frage, ob die Krankenkasse das bezahlt. Genau das scheint momentan aber nicht der Fall zu sein.

Da ich nicht in Deutschland lebe, habe ich natuerlich auch keinen Versicherungsschutz. Und so habe ich als Barzahler mal bei einem deutschen Chirurgen nachgefragt. Interessanterweise wollte der auch als erstes einen Brief von meinem Therapeuten sehen. Und dieser Teil ist mit Sicherheit ein Problem. Jeder Mensch hat das Recht sich selbst massiv zu verunstalten oder schaden - es sei denn er ist trans. Dann weigert sich der Chirurg, es sei denn es liegen entsprechende Papiere vor. Das ist in USA und Thailand uebrigens nicht anders. In Spanien dagegen gar kein Problem.

Die zweite Frage ist dann die nach der Bezahlung. Dass eine Krankenkasse sich da absichern will ist einigermassen verstaendlich - fuehrt dann aber unweigerlich wieder in eine Situation bei der eine Gruppe von (meistens) cis-Menschen als Gatekeeper fungiert. So ziemlich das Gegenteil von Informed Consent.

LG, Liz

Re: Geschlechtsangleichende Operationen für non„binäre Personen derzeit keine Kassenleistung | BSG Bund

Verfasst: So 31. Aug 2025, 11:48
von Susi T
Das es mit dem Selbstzahlen klappt, hatte ich letztens erst in der Klinik, bestimmt aber auch mit Indikationsschreiben. Dort haben wir auch einen Fall ohne Indikationsschreiben von einem Thera durchbekommen, es reichte ein Schreiben vom Hausarzt, aber...das war dann ein besonderer Fall aufgrund Inter* und vielen verpfuschten Operationen. Ja eigendlich bei Geburt weiblich, dann auf männlich zwangsoperiert und nun wieder zurück. Selbst dafür brauchte es viel Überzeugung um den mitentscheidenden Arzt dazu zu bringen. Die Angst vor Regress ist einfach reichlich groß.
Liebe Grüße, Tira (flo)

Interessanterweise hatte die KK in dem Fall schon längst eine Übernahme genehmigt, auch da ist vieles möglich. Ich dagegen musste gegen starke Wiederstände kämpfen, andere KK anderes Glück ^^

Re: Geschlechtsangleichende Operationen für non„binäre Personen derzeit keine Kassenleistung | BSG Bund

Verfasst: So 31. Aug 2025, 12:29
von Anne-Mette
Moin,

Tira hat geschrieben: So 31. Aug 2025, 11:48Selbstzahlen
die Möglichkeiten haben natürlich nicht alle; denn zur Selbstzahlung fehlen oft die Mittel.

Gruß
Anne-Mette

Re: Geschlechtsangleichende Operationen für non„binäre Personen derzeit keine Kassenleistung | BSG Bund

Verfasst: So 31. Aug 2025, 18:06
von Susi T
Ja natürlich und dabei darf auch nicht vergessen werden, das die KK sich die Möglichkeit einräumen für Folgekosten ebenfalls keine Rechnung zu übernehmen. Gilt für inländische genau so wie Ausländische Ops ohne Kostenzusage.
Stand bei meiner Ablehnung fett dabei.

Re: Geschlechtsangleichende Operationen für non„binäre Personen derzeit keine Kassenleistung | BSG Bund

Verfasst: Mo 1. Sep 2025, 00:03
von girlnamedliz
Anne-Mette hat geschrieben: So 31. Aug 2025, 12:29
Tira hat geschrieben: So 31. Aug 2025, 11:48Selbstzahlen
die Möglichkeiten haben natürlich nicht alle; denn zur Selbstzahlung fehlen oft die Mittel.
Ich schlage Selbstzahlen hier definitiv auch nicht als Loesung vor. Mir geht es vielmehr darum, dass es an der notwendigen Selbstbestimmung mangelt, und zwar selbst dann, wenn man den finanziellen/ versicherungstechnischen Aspekt abkoppelt. Und zur Vermeidung von Missverstaendnissen, liegt das Geld fuer eine OP bei mir auch nicht einfach so rum...

LG, Liz