Queer in der Freikirche - «Sie haben mich so lange gemobbt, bis ich gegangen bin» | SRF
Queer in der Freikirche - «Sie haben mich so lange gemobbt, bis ich gegangen bin» | SRF - # 2

Inga
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Re: Queer in der Freikirche „ «Sie haben mich so lange gemobbt, bis ich gegangen bin» | SRF

Post 16 im Thema

Beitrag von Inga »

Hallo,

Es lohnt sich, den im Ausgangsbreitrag verlinkten Artikel zu lesen.

Da zeigt sich: Es geht in dem Artikel um die Haltung der Freikirchen in der Schweiz, nicht um Landeskirchen in Norddeutschland. Es geht um Erfahrungen, Lebenswege und Alternativen, Akzeptanz und kirchliche Heimat zu finden.

Ja, es geht auch um sogenannte Bibeltreue Haltungen in den scherizer Freikirchen, aber es gibt auch andere wie die
Evangelisch-methodistische Regenbogenkirche und den Umgang einiger lgbti*-freundlicher Menschen in der Schweiz.

Nunja, wieder einmal zeigt sich auch hier "Scandaling in Headlines sells" und die eigentliche Story voll von Information, Respekt und Abwägung tritt in den Hintergrund.

Für manche ist allein die Schlagzeile hier im Forum gleich wieder die Gelegenheit, für ihre persönliche Kirchen- bzw. Religionsphobie zu streiten.

Liebe Grüße
Inga
Lana
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Re: Queer in der Freikirche „ «Sie haben mich so lange gemobbt, bis ich gegangen bin» | SRF

Post 17 im Thema

Beitrag von Lana »

Inga hat geschrieben: So 16. Mär 2025, 09:43 Es lohnt sich, den im Ausgangsbreitrag verlinkten Artikel zu lesen.
Auch dort wird das Grundproblem aller Kirchen und religiösen Vereinigungen thematisiert:
Der Streit um die "richtige" Auslegung des Glaubens mit der Folge, Anderen vorschreiben zu wollen, wie sie zu leben haben.

Jede Organisation (egal, ob Kirche, Partei, Verein, Regierung...), die sich derartige Einmischung in das Privatleben von Dritten herausnimmt, ist mit einer freiheitlichen Gesellschaft unvereinbar. Hier liegt die Ursache der Misere, und die sollte unabhängig von der Einstellung zur Religion auch benannt werden dürfen.

LGL
Das Herz hat seine Gründe, die der Verstand nicht kennt.
Blaise Pascal
conny
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Re: Queer in der Freikirche „ «Sie haben mich so lange gemobbt, bis ich gegangen bin» | SRF

Post 18 im Thema

Beitrag von conny »

Lana hat geschrieben: So 16. Mär 2025, 11:26 Der Streit um die "richtige" Auslegung des Glaubens mit der Folge, Anderen vorschreiben zu wollen, wie sie zu leben haben.
Hier stellt sich lediglich die Frage, inwieweit ein gläubiger Mensch in seiner Kirche ein zu Hause finden kann oder nicht und welche Schlussfolgerungen er evtl. daraus zieht, wie in dem Artikel beschrieben.
Jaddy
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Re: Queer in der Freikirche „ «Sie haben mich so lange gemobbt, bis ich gegangen bin» | SRF

Post 19 im Thema

Beitrag von Jaddy »

conny hat geschrieben: So 16. Mär 2025, 11:47 Hier stellt sich lediglich die Frage, inwieweit ein gläubiger Mensch in seiner Kirche ein zu Hause finden kann oder nicht und welche Schlussfolgerungen er evtl. daraus zieht, wie in dem Artikel beschrieben.
Vordergründig ja. Auf den zweiten Blick geht es schon darum, in wieweit derartige Intoleranz von, ich nenne es mal "meinungs- und weltbildbestimmenden" Institutionen und Gemeinschaften geduldet werden kann. Wie vor zwei Beiträgen geschrieben, ist das nicht die alltägliche, häufig unsubstanziierte Queerfeindlichkeit, sondern eine grundsätzlliche, durch das System der Gruppe verstärkte und mit sehr spezieller Auslegung antiker Texte pseudo-begründet.

Das wirkt zum einen auf Menschen, die dort vorher eine Heimat gefunden haben und dadurch in eine tiefe Krise gestürzt werden, wie ja im Artikel berichtet. Das ist vergleichbar mit dem Liebesentzug in Familien und kann dramatische Folgen für die psychische Gesundheit haben: "Sie meinten, sie könnten mich umpolen. Das stürzte mich in eine grosse Depression. Ich sah keinen Sinn mehr in meinem Leben, weil ich einen Teil meiner Identität unterdrücken musste."

Zum anderen bestärkt sich die Gruppe ständig selbst in dieser Haltung. Das kann durchaus in Radikalisierung ausarten. Diese Einstellung wird natürlich auch in den Alltag mitgenommen und da wird es besonders problematisch, wenn sie sich gegen Dritte wendet, als gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit. Vergleichbar mit Rassismus, Antisemitismus usw. Alles der gleiche, undemokratische, intolerante Mist. Als Folge werden queeen Menschen von diesen Gläubigen Wohnungen verweigert, sie werden im Job gemobbt oder übergangen, in der Öffentlichkeit angepöbelt, in Vereinen o.ä. ausgegrenzt oder diskriminiert, usw., während sich die Täter*innen quasi in "göttlichem Recht und Auftrag" wähnen. So wie es ihnen ihre geistlichen Führer*innen erzählen.

Es gibt zurecht massive Kritik an mulimischen Hasspredigern, die gegen westliche Freiheiten, "Ungläubige" usw hetzen. Wir sollten auch bei anderen Religionen genau hinsehen und intervenieren, wenn Menschenfeindlichkeit als "Meinungs-" oder "Glaubensfreiheit" entschuldigt wird.
Inga
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Re: Queer in der Freikirche „ «Sie haben mich so lange gemobbt, bis ich gegangen bin» | SRF

Post 20 im Thema

Beitrag von Inga »

Hallo, Jaddy,

Wir sollten nicht immer nur an Verbieten und Bekämpfen denken, sondern auch an Gelegenheiten, andere Seiten und Möglichkeiten des religiös gesinnten Lebens kennen zu lernen.

Hierzu zählt für mich, nicht gebersmühlenartig in herabwürdigender Fundamentalkritik zu verharren gegenüber denen, die in ihrer Konfession Orte, Organisationen und Formen finden, ohne Repressionen ihren Glauben
zu suchen, zu finden und leben zu können.

Für mich gehört auch dazu, nach 40 Jahren Modellprojekte neben christlich basierten Religionsunterricht und atheistischer Ezhik bzw. Philosophie endlich auch muslimischen Religionsunterricht an den Schulen zum normalen Schulfach zu machen, damit die an unseren Universitäten ausgebildeten Lehrenden endlich den Islam jenseits der extremistischen Bauerfängerei in all seiner Vielfalt und Verantwortungsbewusstsein den hier aufwachsenden Muslime lehren können.
Die Nachfrage unter den Beschulten ist ja da.

Liebe Grüße
Inga
Jaddy
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Re: Queer in der Freikirche „ «Sie haben mich so lange gemobbt, bis ich gegangen bin» | SRF

Post 21 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Inga hat geschrieben: So 16. Mär 2025, 14:01 Hallo, Jaddy,
Wir sollten nicht immer nur an Verbieten und Bekämpfen denken, sondern auch an Gelegenheiten, andere Seiten und Möglichkeiten des religiös gesinnten Lebens kennen zu lernen.

Hierzu zählt für mich, nicht gebersmühlenartig in herabwürdigender Fundamentalkritik zu verharren gegenüber denen, die in ihrer Konfession Orte, Organisationen und Formen finden, ohne Repressionen ihren Glauben
zu suchen, zu finden und leben zu können.

Für mich gehört auch dazu, nach 40 Jahren Modellprojekte neben christlich basierten Religionsunterricht und atheistischer Ezhik bzw. Philosophie endlich auch muslimischen Religionsunterricht an den Schulen zum normalen Schulfach zu machen, damit die an unseren Universitäten ausgebildeten Lehrenden endlich den Islam jenseits der extremistischen Bauerfängerei in all seiner Vielfalt und Verantwortungsbewusstsein den hier aufwachsenden Muslime lehren können.
Die Nachfrage unter den Beschulten ist ja da.
Sorry, nein, größtenteils nein von meiner Seite. Ich denke, dass inzwischen deutlich geworden ist, dass ich keineswegs Fundamentalkritik äussere. Die Leute sollen ihre Freude an der Religion haben, so viel sie wollen.

Ich sag's mal so: religiös gesinntes Leben ist mir persönlich so lange egal, wie es sich nicht in die Leben anderer einmischt. Das betrachte ich genauso gelassen und unbeteiligt, wie ich Paintball-Fans und Modelleisenbahn-Leuten ihre Hobbies lasse, die ich ebensowenig teile. Ich kann mich gerne mit allen mal drüber unterhalten, was sie sich da abholen. Finde ich super und durchaus spannend. Ich kann auch mit ihnen über Interpretationen diskutieren und ihre Hobbies mit anderen in Beziehung setzen, wenn sie das mögen.

Aber wenn die Paintball-Leute in meiner Umgebung im öffentlichen Raum rumballern oder ihre Farbe mich oder meine Sachen trifft, dann ist da eine Grenze. Genauso bei Modellbahnen und genauso bei religiös motiviertem Handeln, dass die Rechte anders- oder nichtgläubiger Menschen beeinträchtigt. Mir geht es in dieser Diskussion um diese Grenzen. Insbesondere eben um den Anspruch, aufgrund des eigenen Glaubens andere Menschen zu diskriminieren oder gar allgemeine Regeln oder Gesetze gemäss ihrer Glaubenssätze erstellen oder ignorieren zu wollen.

Dabei ist es ein Unterschied, ob, wie ein Artikel in einem anderen Thread angeregt, Nicht- und Andersgläubige gebeten werden, ein bisschen Rücksicht zu nehmen, oder ob eine Gruppe sich intern so radikalisiert, dass sie Menschen bedrängen, verdammen und ausgrenzen. Beziehungsweise ob sich Leute dazu versteigen, mit der Begründung "mein Religionsführer hat gesagt, ..." zum Beispiel Schwangerschaftsabbrüche zu verweigern, gesetzlich zu verbieten und so weiter.

Die Grenze ist da, wo "weil mein Glaube sagt" als Argument oder Begründung sich Rechte gegenüber anderen herausnehmen will.

Zum Schulunterricht: Nein. Kein Konfessionsunterricht in der Schule. Erstens ist es nicht vertretbar, dass gerade Kinder im Setting Schule Glaubenssysteme gelehrt bekommen. Alle anderen Fächer unterrichten belegbare Fakten und und an der Realität ausgerichtete Inhalten. Aber hier werden - sorry - völlig aus der Luft gegriffene Konstrukte wie Wahrheiten präsentiert. Zweitens wäre eine weitere Teilung der Klassen nach Konfessionen nicht dienlich, weil spaltend und gruppenbildend. Konfessionen würden umso deutlicher markiert. Das ist das Gegenteil von Integration. Drittens wäre es unfair gegenüber kleineren Religionen.

Ginge übrigens schon bei den christlichen los: Katholischer und evangelischer Unterricht? Orthodoxe - griechisch, russich, ukrainisch? Was ist mit den Freikirchen? Mormon*innen? Zeug*innen Jehovas?
Weiter im Islam: Sunnitisch? Schiitisch? Alavitisch?
Jüdische Kinder hier? Hindu? Buddhistische?

Nein. Schule sollte zum einen weltanschaulich so neutral wie möglich bleiben, zweitens so integrativ wie möglich. D.h. ein gegenseitiges Verständnis ermöglichen, weil wir nun einmal alle zusammen hier irgendwie klarkommen müssen und die ständigen Missverständnisse und gegenseitigen Feindschaften, die zum größeren Teil von einigen extremistischen Gemeinden aller Glaubensrichtungen geschürt werden, uns umso weiter voneinander entfernen.

Das heisst, wie neulich schon mal formuliert, dass ein Unterrichtsfach Religionen alle wesentlichen Glaubenssysteme mit einem gewissen Abstand darstellen und in Beziehung setzen sollte, so dass nachher alle Schülys verstehen, dass keines prinzipiell besser oder schlechter, wahrer oder falscher ist, sondern eine - sorry - sinngebende persönliche Fantasie, die sich nicht über Mitgefühl, Gleichstellung und Toleranz gestelltstellen darf. Näheres dann in den Unterrichsteinheiten zu Ethik, freiheitlich demokratischer Grundordnung, Offener Gesellschaft und so weiter.

Zu den einzelnen Religions-UE können gerne gute Vertreter*innen geholt werden, die Fragen klären und Missverständnisse aufdröseln. Gerne auch zB eine jüdische und eine muslimische Fachperson parallel. Es gibt solche Modellprojekte.

Aber auf keinen Fall diese Märchenstunden mit konfessionsgebundenen Lehrkräften, wie ich sie noch erlebt habe.

Nulltes Gebot: Behalte deine Religion bei dir.
Inga
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Queer in einer Freikirche „ gibt es auch

Post 22 im Thema

Beitrag von Inga »

Hallo, Jaddy,

Ich gönne dir die Freiheit, bezüglich der Vielfalt des religiösen Lebens in Kirchen und Schulunterricht die Einseitigkeit von vorgestern zu verkünden. Aber ein realistisches Bild der Heut-Zeit ist es deswegen doch nicht.

In der Tat, ich ziehe es vor , lieber dorthin zu gehen, wo ich mich "von guten Mächten wunderbar" umgeben fühle und erwarte von dort "getrost, was kommen mag".

Anbei. Sprechen wir es hier doch aus. Wer sucht, findet. Bezüglich Freikirchen gibt es unter anderm die eigenständige unabhängige freie MCC (Metrololitan Church of Christ) in der viele LSGBTI* ihre religiöse Heimat gefunden haben.
Auch CDs sind dort willkommen.

Liebe Grüße
Inga
Jaddy
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Re: Queer in einer Freikirche „ gibt es auch

Post 23 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Inga hat geschrieben: Mi 19. Mär 2025, 01:11 Hallo, Jaddy,

Ich gönne dir die Freiheit, bezüglich der Vielfalt des religiösen Lebens in Kirchen und Schulunterricht die Einseitigkeit von vorgestern zu verkünden. Aber ein realistisches Bild der Heut-Zeit ist es deswegen doch nicht.
Vielen Dank für diesen, mit meinen Argumenten oder Sichtweisen völlig unzusammenhängenden Beitrag. Ich empfinde ihn als absolute Frechheit, weil inhaltlich leer, in der Sache unsinnig und an dem einzigen Punkt auch falsch, und mir völlig falsche Dinge unterstellend.

Ich habe nirgendwo verbieten wollen, dass Menschen sich Gemeinschaften bauen, in denen sie sich wohlfühlen. Nach welchen Glaubenssätzen auch immer - aber generell eingebettet in unsere freiheitliche, plurale und Offene Gesellschaft (- so wie sie zumindest gedacht ist). Nulltes Gebot: Du sollte deine Mitmenschen als gleichwertig und gleichgestellt behandeln.

Der Knackpunkt kommt dort, wo die jeweiligen Glaubenssätze Andersgläubige und Anderslebende diffamieren, zu Diskriminierung oder gar Vernichtung aufrufen. Da wirken solche Gemeinschaften dann radikalisierend und menschenfeindlich. Solche Gruppen gibt es bei fast jeder Konfession und bei auch bei säkularen Glaubensgemeinschaften aka politisch-ideologischen, deshalb sind die auch völlig unabhängig von ihrer Ideologie zu beobachten und ggf aufzulösen.

Alle anderen können machen, glauben, predigen was sie wollen. Find ich gut und toll und unterstütze ich; I.D.I.C.

Ein nicht geringes Problem ist jedoch gegenseitiges Unverständnis aufgrund von Unkenntnis. Als Folge dann Missverständnisse, unsinnige Abneigungen, Sprachlosigkeit und gegenseitige Verletzungen. Was wissen die Menschen hier mehrheitlich über den Islam oder die jüdische Religion und Tradition? Oder über die diversen christlichen Strömungen? Oder andersrum über die viel(fältig)en sexuellen Orientierungen oder geschlechtlichen Identitäten? Kaum etwas ausserhalb ihrer eigenen Blase.

Deshalb kommen dann Bemerkungen, Vorurteile usw. Es sollte deshalb von vornherein Vielfalt aller Art gelehrt und gezeigt werden, um Verständnis und Akzeptanz zu fördern. Die spezifischen Lehren der Religionen oder die Details und subkulturellen Gepflogenheiten kriegen die Leute schon intern vermittelt. Da braucht sich Schule nicht drum zu kümmern. Aber dass wir alle das Recht haben, auf ganz persönliche Weise unsere empowernde Gemeinschaft zu finden und auf unsere Weise zu leben, dass keine Religion oder Anschauung irgendwie besser oder wahrer ist, sondern alle auf ihre Art wertzuschätzen sind, das ist ein Thema für Schule. Deshalb ist eine Trennung der Klassen nach Konfessionen meines Erachtens nicht sinnvoll, weil spaltend.

Die Schulrealität heute ist (mal abgesehen von Bremen), dass konfessionsgebunden unterrichtet wird. Entweder in der eigenen Konfession oder in Ethik. Nachzulesen in den Landesschulordnungen. Heisst: Sie machen aus meiner Sicht genau das falsche. Sie teilen die Klassen, verstärken die in-group Denke und fördern kein übergreifendes Verständnis.

Vielleicht ist es dir ja möglich, inhaltlich auf meine Argumente einzugehen.
Inga
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Re: Queer in der Freikirche „ «Sie haben mich so lange gemobbt, bis ich gegangen bin» | SRF

Post 24 im Thema

Beitrag von Inga »

Lieber Jaddy,

Pech für dein wortreuches Drängen.

Ich habe mich entschieden, dies Jahr mir die Freiheit zu nehmen zu fasten und habe mich entschieden bis Ostern hier im Forum kürzer zu treten.

Deswegen nehme ich mir diexFreigeit, auf deine überlanfen Beiträge nicht weiter zu reagieren.

Ich danke dir für deine respektvolle Toleranz.

Liebe Grüße
Inga
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Re: Queer in der Freikirche „ «Sie haben mich so lange gemobbt, bis ich gegangen bin» | SRF

Post 25 im Thema

Beitrag von Claudia »

Moin Jaddy,
wieso nur kommt mir diese Art der Diskussion so bekannt vor? Ach ja, ich war ja schon mal hier.
Jaddy hat geschrieben: So 16. Mär 2025, 12:25 Wir sollten auch bei anderen Religionen genau hinsehen und intervenieren, wenn Menschenfeindlichkeit als "Meinungs-" oder "Glaubensfreiheit" entschuldigt wird.
Diese Freiheit nimmst Du ja hier als nichtgläubiger Mensch für Dich in Anspruch, indem Du pauschal alle Glaubensrichtungen als
Jaddy hat geschrieben: So 16. Mär 2025, 15:30eine - sorry - sinngebende persönliche Fantasie
diskreditierst.
Jaddy hat geschrieben: So 16. Mär 2025, 15:30 Ich sag's mal so: religiös gesinntes Leben ist mir persönlich so lange egal, wie es sich nicht in die Leben anderer einmischt.
Genau das sollte es aber und zwar in das Leben der Menschen, die sich einer Gruppierung zugehörig fühlen. Denn zur Religion gehört auch - von einzelnen Ausnahmen mal abgesehen - die Bildung einer Gemeinschaft, ein gemeinschaftliches Leben. Dazu gehört dann auch der Austausch von Sichtweisen und Meinungen, der nicht unbedingt auf Gemeinsamkeit in allen Details hinauslaufen muss, aber doch ein Dach bildet.

Insgesamt erlebe ich leider in allen Deinen Beiträgen in diesem thread eine überschäumende Verunglimpfung aller religiösen Bestrebungen. Schade eigentlich.

In einem kann ich Dir ja durchaus Recht geben.
Jaddy hat geschrieben: So 16. Mär 2025, 15:30 Das heisst, wie neulich schon mal formuliert, dass ein Unterrichtsfach Religionen alle wesentlichen Glaubenssysteme mit einem gewissen Abstand darstellen und in Beziehung setzen sollte, so dass nachher alle Schülys verstehen, dass keines prinzipiell besser oder schlechter, wahrer oder falscher ist.
Das wäre umso wichtiger, damit sie nicht alle in ihrer eigen Blase steckenbleiben, sondern miteinander ins Gespräch kommen.

LG Claudia
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Re: Queer in der Freikirche „ «Sie haben mich so lange gemobbt, bis ich gegangen bin» | SRF

Post 26 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Claudia hat geschrieben: Do 20. Mär 2025, 21:44
Jaddy hat geschrieben: So 16. Mär 2025, 12:25 Wir sollten auch bei anderen Religionen genau hinsehen und intervenieren, wenn Menschenfeindlichkeit als "Meinungs-" oder "Glaubensfreiheit" entschuldigt wird.
Diese Freiheit nimmst Du ja hier als nichtgläubiger Mensch für Dich in Anspruch, indem Du pauschal alle Glaubensrichtungen als
Jaddy hat geschrieben: So 16. Mär 2025, 15:30eine - sorry - sinngebende persönliche Fantasie
diskreditierst.
Falls du das am Wort Fantasie festmachen willst, sollten wir vielleicht erstmal klarstellen, was "Glaube" bedeutet. Insbesondere religiöser Glaube zeichnet sich doch dadurch aus, dass die Basis seiner Glaubenssätze ausserhalb objektiv beweisbarer Fakten liegt. Allen voran in der Regel Annahmen über übernatürliche Wesen und Kräfte, die naturwissenschaftlicher Nachprüfbarkeit entzogen sind. Das ist sozusagen der Markenkern jeder Religion.

Es gibt keinen einzigen über jeden Zweifel erhabenen Fall, indem die bekannten und berechenbaren Naturgesetze durch eine übernatürliche[sic!] Kraft mal ausser Funktion gesetzt wurden. Auch die Berichte über göttlich beschriebene Steintafeln oder multiplizierte Fische (bis hin zur historischen Existenz des Multiplizierers selbst) sind ebenso unbewiesen, wie fliegende Pferde, von Himmelsboten diktierte Bücher oder der Zorn des Meeresgottes auf einen ungläubigen König von Ithaka. Alles Sagen und Legenden. Oder mit anderen Worten: Fantasie.

Ich muss also im wörtlich lateinischen Sinne nichts dis-kreditieren, unglaubwürdig machen, weil die religiösen Kerne selbst eine Sache allein von glauben oder nicht glauben sind. Was ohne Evidenz behauptet wird, kann auch ohne Begründung verworfen werden, und aussergewöhnliche Behauptungen erfordern auch aussergewöhnlich starke Belege - oder überhaupt welche.

Wenn wir alle Religonen und Glaubenssätze auf den Tisch legen, kommen wir notwendigerweise zu dem Schluss, dass keine davon einen legitimen Anspruch auf objektive Wahrheit anmelden kann, weil ihre Grundannahmen weder nachprüfbar, noch unmittelbar einsichtig sind. So ehrlich sollten wir schon miteinander sein.

Das finde ich aber überhaupt nicht schlimm, sondern sogar notwendig. Dass sich verschiedene Religionen gegenseitig an die Gurgel gehen - oder auch aus Machtinteressen von anderen manipuliert und gegeneinander aufgestachelt werden -, ist ja genau darauf zurückzuführen, dass die Gläubigen sich im göttlichen Recht zu sein wähnen, also ihr Glaube der einzig wahre sei. Deus lo vult und so.

Wir werden meiner Ansicht nur dann friedlich und respektvoll miteinander klar kommen, wenn wir allesamt akzeptieren, dass kein Glaube wahrer als irgendein anderer ist und möglicherweise alle zusammen reine Fantasie. Und dass deshalb kein Glaube irgendwem irgendein Recht über andere gibt. Weder über Leute in der eigenen Gemeinde, wenn die nicht wollen und ausserhalb schon mal gar nicht.

Anzuerkennen, dass der eigene Glaube objektiv realistisch betrachtet auch ein reines Fantasiegebilde sein könnte, ist dafür meines Erachtens eine notwendige Basisfähigkeit.
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Re: Queer in der Freikirche „ «Sie haben mich so lange gemobbt, bis ich gegangen bin» | SRF

Post 27 im Thema

Beitrag von Claudia »

Moin Jaddy,

da Du Dich so sehr auf naturwissenschaftliche Nachprüfbarkeit berufst, möchte die in meiner Antwort mal in den Vordergrund stellen. Was ist denn wirklich nachprüfbar? Was ist für wen nachprüfbar.

Seit vielen Jahren beschäftige ich mich ausführlich mit der Astronomie und Kosmologie. Und lese in der letzten Zeit immer wieder, dass die Kosmologie in einer tiefen Krise steckt. Es gab über Jahrzehnte die sichere Annahme, dass unsere Welt, unser Kosmos durch einen Urknall entstanden sei und sich seitdem immer weiter ausdehne. Da wurde von denanerkanntesten Wissenschaftlern geforscht und berechnet - also nachgewiesen - was da alles passiert sein muss. Und diesen Wissenschaftlern kann oder besser darf man nicht unterstellen, dass sie hier einen neuen Glauben initiieren wollten. Es schien sich auch alles durch Formeln (Relativitätstheorie) oder Bilder von großen Instrumenten wie dem Hubble-Teleskop beweisen zu lassen.

Es wurde wie Naturwissenschaftler nunmal sind immer weiter und aufwendiger geforscht und das hat die Kosmologie in eine Krise gestürzt. Denn die Bilder des neuen James-Webb-Teleskop zeigen Dinge, die alle bisherigen und gesicherten Annahmen in Zweifel ziehen. Da gibt es Objekte, die es garnicht geben dürfte (zu der Zeit), das Universum dehnt sich scheinbar schneller aus als berechnet. So wird aus bisher scheinbar bewiesenem Wissen nur noch eine Annahme oder um ehrlich zu sein mehrere Annahmen. Wenn Du jetzt einen Kosmologen fragst wie das Universum entstanden ist, dann wird er Dir sagen: Ich weiß es nicht. Es gibt da die oder die Annahme. Ebenso wie sich das Universum weiter entwickelt.

Da sind wirklich sehr fähige Wissenschaftler am Werk, die sich mit allen Untersuchungen sehr genau mit den Naturgesetzen auskennen, es ist alles wie Du es nennst naturwissenschaftlich, nur lässt es sich leider nicht überprüfen. Es bleibt bei Vermutungen und Annahmen, nicht überprüfbar durch die Wissenschaftler und durch uns schon garnicht. Ist die Kosmologie jetzt in Deinen Augen eine Religion?
Jaddy hat geschrieben: Fr 21. Mär 2025, 00:02 Auch die Berichte über göttlich beschriebene Steintafeln oder multiplizierte Fische (bis hin zur historischen Existenz des Multiplizierers selbst) sind ebenso unbewiesen
Bei den Steintafeln und den Fischen muss ich Dir Recht geben. Allerdings gibt es schon gesicherte Annahmen (keine Beweise) von Historikern, die die griechischen und hebräischen Originaltexte untersucht haben, dass es diesen Jesus als Wanderprediger gegeben hat. Ebenso lässt sich aus dem Studium alter Quellen auch die Kreuzigung belegen. Die Auferstehung selbst bleibt eine - aus meiner Sicht beruhigende - Annahme der Gläubigen. Obwohl aus dem, was sich aus den Worten Jesu enststanden ist, zumindest für Gläubige wie mich schon ableiten lässt, dass es mehr war als nur Worte. Aber das ist dann eben eine Glaubensfrage.

Dazu möchte ich Dir nur diese Texte ans Herz legen:
https://www.spiegel.de/spiegelgeschicht ... 63388.html
https://www.nationalgeographic.de/gesch ... r-wirklich

Soweit meine letzten Worte zu diesem Thema, da halte ich es jetzt wie Inga mit dem Fasten.

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Re: Queer in der Freikirche „ «Sie haben mich so lange gemobbt, bis ich gegangen bin» | SRF

Post 28 im Thema

Beitrag von conny »

Claudia hat geschrieben: Fr 21. Mär 2025, 11:15 ... das Universum dehnt sich scheinbar schneller aus als berechnet....
...in welchem Raum dehnt es sich eigentlich aus? Wieweit reicht dazu die menschliche Vorstellungskraft?
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Re: Queer in der Freikirche „ «Sie haben mich so lange gemobbt, bis ich gegangen bin» | SRF

Post 29 im Thema

Beitrag von Shoshana »

Claudia hat geschrieben: Fr 21. Mär 2025, 11:15 Wenn Du jetzt einen Kosmologen fragst wie das Universum entstanden ist, dann wird er Dir sagen: Ich weiß es nicht. Es gibt da die oder die Annahme.
Genau das ist der Kern der naturwissenschaftlichen Arbeitsweise. Man stellte eine Theorie (Annahme) auf die die bekannten Beobachtungen erklären kann und forscht weiter um diese zu widerlegen. Gelingt dies nicht, gilt die Theorie erstmal als korrekt - bis zum Beweis des Gegenteils.
Nur so können neue Beobachtungen, Meßmöglichkeiten, … zur Weiterentwicklung führen. Das ist zwar manchmal unbequem aber ganz sicher keine Krise.

Allerdings stellt diese Arbeitsweise die Antithese zur Vorgehensweise der Religionsgelehrten dar. Diese suchen nach Bestätigung der bestehenden Annahmen und Widersprüche werden ignoriert.
Care about what other people think and you will always be their prisoner. - Lao Tzu
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Re: Queer in der Freikirche „ «Sie haben mich so lange gemobbt, bis ich gegangen bin» | SRF

Post 30 im Thema

Beitrag von Claudia »

Moin Conny,
conny hat geschrieben: Fr 21. Mär 2025, 11:38
Claudia hat geschrieben: Fr 21. Mär 2025, 11:15 ... das Universum dehnt sich scheinbar schneller aus als berechnet....
...in welchem Raum dehnt es sich eigentlich aus? Wieweit reicht dazu die menschliche Vorstellungskraft?
Da ist unsere Vorstellungskraft schon ziemlich überfordert. Das Universum dehnt sich aus in einen Raum, den es sich selbst schafft, den es vorher eben nicht gab. Und das auch noch schneller als mit Lichtgeschwindigkeit, was eigentlich nicht sein kann.

Es gibt da so eine Methode, das halbwegs anschaulich zu machen. Nimm einen Luftballon (der Raum) und klebe außen kleine Marker drauf (die Galaxien). Wenn Du jetzt den Luftballon aufbäst, entfernen sich ja alle Marker voneinander. Und da wird auch etwas anderes deutlich. Je weiter sie voneinander entfernt sind, desto schneller entfernen sie sich voneinander. Und das passiert auch mit unserem Universum. Soweit die Interpretation durch die Kosmologen.

LG Claudia
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