Maya hat geschrieben: Fr 20. Sep 2024, 10:03
Jaddy hat geschrieben: Fr 20. Sep 2024, 01:32
Das mit dem erklären finde ich tatsächlich eine sehr gute Idee.
Ja wirklich.
Ich fände es toll, wenn all jene, die pauschal auf "die da oben" schimpfen und dies und jenes, was nicht in ihrem Sinne läuft, sich mal ein konkretes kleines bis mittleres Thema greifen und dann erst mal lernen und zuhören, wie die Zusammenhänge sind. [...]
Ah, ok, ich verstehe dich so, dass also alles in Ordnung ist, in diesem Land.
Wir sind also nur zu dämlich es zu begreifen.
Von Missfallen keine Spur in deinem Beitrag.
Mit unserer Wirtschaft auch alles Bestens.
Es kann also weiterhin der dumme Bundesbürger ignoriert werden.
Ich finde es erstaunlich, wie du zu dieser Lesart kommst. Möglicherweise hast du etliche meiner früheren Beiträge verpasst und auch diesen sehr anders gelesen. Ich probiere mal, zu erläutern:
Zu Satz eins: Nein, es ist vieles nicht in Ordnung in diesem Land und das schon seit vielen Jahren. Wichtige Dinge wurden seit 40 Jahren liegen gelassen, andere bewusst abgebaut, Prioritäten falsch gesetzt, Menschen sich selbst überlassen, usw. Statt der Frage "was macht das mit den Menschen" wurde "was macht das mit dem DAX" in den Vordergrund gestellt.
Zu Satz zwei: Nein, "wir", wer immer das ist, ist sicherlich nicht zu dämlich, aber nach meinen Beobachtungen zu häufig nicht willens, dickere Bretter zu bohren, sich Zusammenhänge zu erarbeiten, einfache "Wahrheiten" und Pauschalisierungen zu hinterfragen, usw. Ich kann absolut nachvollziehen, wenn sich Menschen dafür die Zeit nicht nehmen wollen oder können, weil das Leben schon genug davon beansprucht. Dann sollte eins aber auch mit der eigenen Meinung umso vorsichtiger umgehen. Starke Meinung ohne Ahnung ist eine gefährliche Sache. Vor allem wenn sie Leuten folgt, die ganz klar weder konstruktives noch gutes im Schilde führen, sondern zuerst Ablenkungsprobleme hochjazzen und dafür dann Scheinlösungen propagieren.
Zu Satz drei: Falls du Missfallen zu politischen Themen meinst, das habe ich häufiger schon geäusserst. Mir ging es hier um mein Missfallen bezüglich unkonkreten und unkonstruktiven Äusserungen, die alle mit "die ..." anfangen und offensichtlich weder von realen Zahlen noch sachlich reflektierten Überlegungen gestützt werden. Ich bin ja auch ab und zu mal wütend, aber das allein kann's doch nicht sein. Ein bisschen Rationalität und Affektkontrolle darf von erwachsenen Menschen schon erwartet werden.
Zu Satz vier: Nein, da ist vieles nicht gut. Allerdings auch nicht so schwarz, wie das "interessierte Kreise" herbeifantasieren. "Die Wirtschaft" ist nicht am zusammenbrechen, die Arbeitslosigkeit ist niedrig, die Gewinne stabil, Fachkräfte werden verzweifelt gesucht, usw. Gleichzeitig addieren sich neue Probleme - Pandemienachwirkungen, Putins Krieg - zu Versäumnissen der Vergangenheit: Verschlafene Modernisierungen, fehlgegangenes Vertrauen auf fossile Quellen, usw. Meiner Ansicht nach, und das können wir gerne mal von Angesicht zu Angesicht im Detail statt pauschal diskutieren, kann a) nichts davon der aktuellen Regierung oder gar den Grünen angelastet werden, b) haben gerade die Konservativen nichts ausser "weiter so wie bei Kohl" anzubieten, und die Rechtsextremen wollen einfach einen kompletten Sozialabbau.
Zu Satz fünf: Wie gesagt hatte mein Beitrag überhaupt nichts mit Dummheit zu tun. Im Gegenteil. Ich beklage, dass Menschen ihre Intelligenz nicht angemessen nutzen, sondern Bauchgefühl, Halbwahrheiten, Empöritis und nur scheinbar plausiblen "Patentlösungen" folgen und das für eine valide Meinung halten. Und das bezieht sich nicht nur auf einige sehr pöbelige Poster*innen hier, sondern auch auf Politikys, die selbst völlig unterkomplex und planlos sind, und als
last refuge of the incompetent einfach auf gerade jene eindreschen, die tatsächlich nicht die Ursache der Misstände sind.
Dinge sind heutzutage leider kompliziert. Globale Zusammenhänge reichen bis in die Dörfer. Krisen auch. Die Komplexität zu ignorieren führt aber fast sicher dazu, dass die Nebenwirkungen die Gesamtsituation verschlimmern. Wir Menschen sind leider nicht gut in vernetztem Denken, grösseren Dimensionen und längeren Zeiträumen. Genau das müssen wir aber leisten. Jede*r einzelne privat und auch alle Entscheidungstragenden.
Um es mit zwei Philosophen zu sagen: "Dumm ist, wer dummes tut" und "Wir haben wenig Zeit, deshalb lasst uns langsam vorgehen".
Es wäre also toll, wenn viel mehr Menschen etwas tiefer eintauchen und die Ablenkungsthemen aktiv verweigern würden, die wochenlang die öffentlichen Kanäle verstopfen und von "interessierter Seite" nur für Spaltung und Hass genutzt werden. Stattdessen lieber aktiv thematisieren, was wirklich Probleme macht. Warum verrotten die Schulen seit Jahrzehnten? Warum werden die nicht alle so integriert und mit gutem Personal ausgestattet wie die Rütli-Schule nach 2006? Woher sollen die Fachkräfte kommen, wenn massgebliche Anteile der Bevölkerung keine Chancen bekommen, welche zu werden? Warum werden keine bezahlbaren Wohnungen mehr nachgebaut? Was ist mit der Sozialbindung passiert? Wieso
muss ich mir ein Auto kaufen, weil ich sonst nicht zu Job, Einkauf etc komme? Warum gibt es keine Alternativen, so dass ich wählen kann? Warum muss das Auto immer größer und teurer werden, um den Zustand der Strassen auszugleichen? Warum wurde die Bahn seit 40 Jahren kaputt gespart und fährt heute mit "geschätztem" Fahrplan wie weiland 1982 die Busse in Rom? Warum werden die Energiekonzerne nicht verpflichtet, das Netz zu modernisieren statt Gewinne an Shareholder zu zahlen? Wieso wird die Verwaltung nicht wirklich modernisiert und digitalisiert, wo auch massiver Personalmangel herrscht und in Zukunft auch die Boomer in Pension gehen? Warum werden Vorsorgemassnahmen gegen die Klimaveränderung hinausgeschoben und abgesagt und die Leute dann mit dem Schaden allein gelassen? Warum muss ich seit 40 Jahren immer mehr privat zahlen, was eigentlich staatliche Grundversorgung ist, solidarisch getragen von allen, je nach ihren Möglichkeiten? Was ist mit jenen, die sich das alles nicht mehr leisten können, während eine sehr kleine Gruppe quasi alles abschöpft?
Also: Es gibt viele Themen, viele Aufgaben. Aber keine davon hat mit "Migration!!!11!!" oder "die Grünen sind schuld!!elf!" zu tun und für keines davon haben die Rechtsextremen eine sinnvolle oder gar funktionierende Lösung. Die CxU und FDP leider auch nicht. Und die SPD... keine Ahnung. Von der hör ich nix -¯\_(ツ)_/-¯
Es wäre wunderbar, wenn sich Menschen in den tatsächlichen Fragen engagieren würden. Ob lokal oder landes- oder bundesweit vernetzt. Aber bitte konkret und konstruktiv. Nicht gegen "die da", sondern für die Sache. Mit einer informierten und fundierten Meinung (und nicht nur diese unsinnigen "festen Überzeugungen", die ich immer wieder in Interviews höre), die einer Sachsdiskussion auch stand hält und sich nicht zu schade ist, durch andere Perspektiven angepasst und konsensfähiger gemacht zu werden.
Das ist das genaue Gegenteil von dumm.