Anja hat geschrieben: Do 9. Jan 2020, 14:57
Moinsen
MJPCologne hat geschrieben: Mi 8. Jan 2020, 23:23
Ich wollte schon so lange eine Frau sein. Und bevor jetzt jemand sagt, man ist entweder eine Frau oder nicht, ich sehe die Sache ein wenig anders. [...] Ich habe eine gewisse Vorstellung was es bedeutet eine Frau zu sein, aber ich lerne es erst jetzt langsam. Und ja, bisher deutet vieles darauf, dass ich eine Frau bin. Also gehe ich diesen Weg und bin bisher mit allen Fortschritten zufrieden.
Klingt in meinen Ohren ziemlich durcheinander und nicht wirklich eindeutig, eher merkwürdig. Aber ok.
Es ist ja dein Weg und ich hoffe du hast dabei Begleitung...
Grüße
die Anja
Ich habe mein Leben lang versucht die Männliche Rolle zu erfüllen. So wie meine Vorstellung von einem Mann ist.
Und immer wieder habe ich festgestellt, dass es nicht das Leben ist welches ich wünsche. Die Vorstellung mein Leben so weiter führen zu müssen erfüllt mich mit Angst. Ich will so nicht mehr leben. Ich hasse das männliche Gesicht welches ich morgens im Spiegel sehe. Wenn ich mich geschminkt habe und die männlichen Merkmale weniger werden, geht es mir besser.
Ja, es ist verwirrend, auch für mich und das obwohl mir meine Transidentität schon seit meiner Kindheit bewusst ist. Ich habe in meinem Leben viel durchgemacht und gelernt immer das Beste daraus zu machen. Ich denke gerade deswegen akzeptiere ich zum Teil meine männliche Seite und deswegen habe ich es überhaupt so lange in der Rolle ausgehalten.
Warum ich nicht direkt sagen kann dass ich eine Frau bin? Weil ich es unter anderem anmaßend finde, denn ich habe bisher das privilegierte Leben eines Mannes gelebt.
Ich habe es schon immer gehasst wie Männer Frauen nicht ernst nehmen, sie für blöd erklären, nur weil es Frauen sind. Deswegen sage ich, dass ich es erst lerne was es wirklich bedeutet eine Frau zu sein.
Ebenso lerne ich erst langsam ich zu sein. 44 Jahre selbstauferlegter Konditionierung, wie ein Mann zu handeln hat, können nicht von jetzt auf gleich abgelegt werden. Ich lerne langsam wie ich wirklich bin.
Es kann sein, dass ich durchaus nicht-binär bin, allerdings glaube ich, dass es kein Leben ist welches ich leben könnte.
Wenn ich aber meine Augen schließe und meinen Gedanken freien Lauf lasse, weiss ich ich will das Leben einer Frau führen.
Ich bin ehrlich, ich habe Probleme mit manchen transidenten Menschen und ich habe Schwierigkeiten manche Transfrauen als Frauen zu sehen. Den selben Maßstab setze ich bei mir an. Auch aus diesem Grund bin ich noch nicht in der Lage zu behaupten dass ich eine Frau bin. Es geht nicht darum, wie jemand aussieht, oder welche Interessen die Person hat. Es ist das Gesamtbild. Wenn ich jemanden als Mann oder Frau lese, dann kannst du behaupten was du willst, mein Gefühl ändert das nicht.
Und wenn ich mich im Spiegel sehe oder an mir runterschaue, dann ist da eindeutig ein Mann.
Und nein ich bin nicht im falschen Körper denn es ist mein Körper, aber er ist nicht so wie er sein sollte.
Was meine Gefühle und Gedanken angeht, so beobachte ich Änderungen welche stattfinden seit ich nicht mehr den Mann spiele, der ich nie gewesen bin. Meine Psyche ändert sich.
Und das nur weil ich die Ketten abgelegt habe, welche ich mir selbst in der Rolle als Mann auferlegt habe. Angefangen bei Interessen welche ich als Mann verweigert habe, bis hin zu meiner Sexualität. Als Mann war ich hetero mit einem Touch bi, aber eine Beziehung zu einem Mann käme nie in Frage. Im Laufe der Jahre verlor ich das Interesse an Sex, denn der Sex als Mann war immer weniger erfüllend für mich. Meine Expartnerin wusste von meiner Transidentität und das war ok für Sie, aber im Bett musste ich immer der Mann sein. Auch außerhalb vom Bett möchte ich als Frau behandelt werden. Daran zerbrach die Beziehung letztendlich. Mittlerweile erkenne ich, dass ich sehr wohl in der Lage wäre mit einem Mann eine Beziehung zu führen, aber ich sehe mich dann eindeutig in der Frauenrolle. Und es hat nicht unbedingt was mit dem Sex zu tun. Ich brauche kein Sex um glücklich zu sein.
Seit mehr als zwei Monaten lebe ich 24/7 als Frau und mir geht es gut. So gut gibt g es mir lange nicht mehr. Ich will mehr. Ich will dass das Teil zwischen meinen Beinen endlich aufhört ein Eigenleben zu führen. Ich will weiblich sein. Ich will endlich die Frau sein, welche ich schon immer sein wollte.