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Re: Helft der kleinen Sarah die Welt zu verstehen

Verfasst: Do 21. Nov 2019, 22:03
von Laila-Sarah
NanaVistor hat geschrieben: Mi 20. Nov 2019, 20:51 "wir sind alle verschieden"
"ich nicht"
....
Yo, danke dafür. Monty Python ist immer etwas, was den Tag rettet.
AnnaJo hat geschrieben: Mi 20. Nov 2019, 21:17 Hoffe ich hab dich richtig verstanden, aber sei dir gewiss. Ekelig seid ihr in keinster Weise.
Danke Anna, aber dieser Ekel was zu Ohnmacht grenzt, nicht sehen können kam doch sehr oft von anderen Damen. Immerhin, geht es 80% mit Happy End aus und alles wird gut. Doch warum ich diesen Text geschrieben habe. Ich wollte unsere lieben Partnerinnen ein wenig sensibilisieren. Auflösung kommt ganz im letzten Post.
Jaddy hat geschrieben: Mi 20. Nov 2019, 22:15 Hier werden logischerweise vor allem die Probleme diskutiert, also wenn Partner"¢in nicht damit klar kommt. In vielen anderen Vorstellungsposts steht beiläufig "und ich bin glücklich mit meiner Partner"¢in, die mich unterstützt", was in der Regel kurz überlesen wird :)

Edit: Hier zum Beispiel viewtopic.php?p=259788#p259788 (yes)
So ist es, du hast natürlich wieder direkt ins Bullauge geschossen. Warum ich trotzdem diesen Post verfasst habe: Auflösung kommt ganz im letzten Post.

VlG

Re: Helft der kleinen Sarah die Welt zu verstehen

Verfasst: Do 21. Nov 2019, 22:12
von Laila-Sarah
Aria hat geschrieben: Mi 20. Nov 2019, 20:34 Du willst also wissen, warum uns aussenstehende Leute als etwas Sonderbares, Merkwürdiges, Undeffinierbares, Ekliges oder Schockierendes erleben?
Habe ich den Kern deiner Frage richtig gedeutet? So ganz hat sich das beim Lesen deines Eingangsposts für mich nämlich nicht herausgestellt.
Ja du bist absolut richtig aber da ist noch etwas. Auflösung kommt ganz im letzten Post.

Vicky_Rose hat geschrieben: Do 21. Nov 2019, 08:35 Wo genau liegt das Verständnisproblem ?
Irgendwie bei dir. Aber lies einfach was ich später schreiben werde. Vielleicht wird es dann ein wenig klarer.

Anja hat geschrieben: Do 21. Nov 2019, 10:24 Hier wird so einiges durcheinander gewürfelt, so dass es mir schwer fällt, die eigentliche Frage zu verstehen.
Ich muss zugeben der Faden hat viele interessante Beiträge aber ist etwas durcheinander. Vielleicht schaffe ich im weiter unten etwas besser zu erörtern.

VlG

Re: Helft der kleinen Sarah die Welt zu verstehen

Verfasst: Do 21. Nov 2019, 22:14
von Laila-Sarah
Frieda hat geschrieben: Do 21. Nov 2019, 10:15 - Möchte ich selbst, wegen meiner selbst, als eklig und abstoßend wahrgenommen werden?
- Möchte ich mich selbst dauerhaft verleugnen müssen um meinem Partner nur dann gefallen zu können?
Ah wäre die Welt nur voller Friedas, dann wäre sie nicht nur generell ein sehr seliger Ort sondern kein Mann hätte je Probleme was CD und Partnerin betrift (flo)

VLG

p.s.: Lass uns dich Klonen, ja?

Re: Helft der kleinen Sarah die Welt zu verstehen

Verfasst: Do 21. Nov 2019, 22:30
von Michi
Laila-Sarah hat geschrieben: Do 21. Nov 2019, 22:14 p.s.: Lass uns dich Klonen, ja?
Hallo Laila,

darüber könnte ich unter Umständen .. vielleicht .. eventuell mal .. also so ganz theoretisch .. nachdenken. :wink:

Aber das Original bleibt definitiv bei mir. Ich hab's angeleckt. Also isses meins. :mrgreen:

Liebe Grüße
Michi

Re: Helft der kleinen Sarah die Welt zu verstehen

Verfasst: Do 21. Nov 2019, 22:36
von Frieda
Laila-Sarah hat geschrieben: Do 21. Nov 2019, 22:14
Frieda hat geschrieben: Do 21. Nov 2019, 10:15 - Möchte ich selbst, wegen meiner selbst, als eklig und abstoßend wahrgenommen werden?
- Möchte ich mich selbst dauerhaft verleugnen müssen um meinem Partner nur dann gefallen zu können?
Ah wäre die Welt nur voller Friedas, dann wäre sie nicht nur generell ein sehr seliger Ort sondern kein Mann hätte je Probleme was CD und Partnerin betrift (flo)

VLG

p.s.: Lass uns dich Klonen, ja?
Du bist wieder sooo dolle lieb zu mir, liebe Laila ❣️❣️❣️
Ich danke dir herzlichst dafür. 🙏🙏🙏😘💖

Re: Helft der kleinen Sarah die Welt zu verstehen

Verfasst: Do 21. Nov 2019, 22:43
von Laila-Sarah
Hallo nochmal,

also es gab so viele Fragen nach dem Sinn und Zweck meines Beitrages und ich wollte es nur einmal für/an alle schreiben. Deshalb hier:

Es ging mir ein wenig darum unsere Partnerinnen zu sensibilisieren.

Klar machen sie so einiges durch und fühlen sich betrogen, belogen usw. Und wenn sie all dies schreiben dann fließen mit dem Wut die Emotionen und Dämme brechen. Wenn man das alles dann aber als ein betroffener CD/TS/Enbi liest, dann kommen natürlich diese ungefilterten Aussagen auf einen zu und bestätigen damit das hetero-normative Weltbild, was uns seit Kindesalter eingetrichtert wird. In diesem Weltbild sind wir nun mal die schlechten, abartigen, ekligen, unerwünschten etc.

Und wenn solche Aussagen und Emotionen von der eigenen Partnerin, Eltern oder lieb gewonnen Menschen kommt, entsteht eine Art Tiefenschaden was zu so einem Denken führt wie: Wir sagen wir sind nicht so schlimm, wir sagen die Leute irren sich aber schau wenn meine Partnerin tagelang weint und Eckel empfindet, dann werden die Leute doch das Recht haben so zu denken. Immerhin habe ich mit dieser Frau fast die hälfte meines Lebens verbracht, wie kann ich ich da mehr Toleranz und Wertschätzung von den Menschen erwarten, der mir flüchtig begegnen?

Also denkt auch bitte ab und zu daran, wer am anderen Ende sitzt und was diese Worte dort anrichten.

Ich z.B. muss noch ein Outing vollbringen. Es gibt medizinische Gründe es nicht jetzt zu tun aber mich juckt es auch in den Händen. Wenn ich solche Beiträge von Partnerinnen lese, dann verlässt mich jeglicher Mut und ich bin wieder am Start und kann von vorne beginnen. Und das obwohl ich selber eigentlich im reinen mit mir bin und mich nicht als schlecht, abartig, eklig, unerwünscht bezeichne sonder mich sogar liebenswert finde. Und die Leute da draußen mir gegenüber auch sehr positiv reagieren etc. Trotzdem verursachen solche Worte so viel negatives.

Jetzt stellt euch vor es wäre nicht so rosig. Die Leute würden mich hänseln, belächeln, beschimpfen etc. Dann kommen vom Lebensgefährtin auch noch solche Worte. Wie würde meine Welt dann ausschauen?

Ich hoffe jetzt kann man es besser verstehen. Kann man?

VlG

p.s.: Dies geht nicht gezielt an bestimmte Personen, wie z.B. Carry oder Anna. Es ist eine allgemeine Sache, was ich mir aus der Seele schreiben wollte.

Danke fürs zuhören, jetzt kommt 20 min Testbild und dann eine Dauerwerbesendung

Re: Helft der kleinen Sarah die Welt zu verstehen

Verfasst: Do 21. Nov 2019, 23:01
von Laila-Sarah
MichiWell hat geschrieben: Do 21. Nov 2019, 22:30 Aber das Original bleibt definitiv bei mir. Ich hab's angeleckt. Also isses meins. :mrgreen:
Clever ... wer die "anlecken" Taktik so virtuos beherrscht, ist durch die Hölle eines "Mehr Geschwister als Ressourcen" Szenarios gegangen. Ich könnte jetzt fragen wo genau ... nein, vergiss es ... ich will's gar nicht wissen (poli)

VLG

Re: Helft der kleinen Sarah die Welt zu verstehen

Verfasst: Do 21. Nov 2019, 23:26
von Nicole Fritz
... wieso steht mein verworfener Entwurf jetzt hier, und warum kann ich ihn nicht mehr löschen? ...

Re: Helft der kleinen Sarah die Welt zu verstehen

Verfasst: Do 21. Nov 2019, 23:34
von Nicole Fritz
Laila-Sarah hat geschrieben: Do 21. Nov 2019, 21:57
Nicole Doll hat geschrieben: Mi 20. Nov 2019, 18:02 Und überhaupt: Es baut mich gerade richtig auf hier endlich einen ehrlichen Hilferuf und keinen Abschied für immer zu lesen. Danke dafür!
PS: Und dann habe ich auch wieder so ein total ekliges Foto bei unserem Lieblings-Thread rein gestellt. (moin)
Nicole liebe Nicole. Warum soll ich gehen? Wohin soll ich gehen? Davon ist doch gar nicht die Rede. Alles is gut und dein Foto ist nicht ecklig.
Es geht um die Winter-Depression und dass uns einige endgültig für immer verlassen wollen. Zum Beispiel hier:
viewtopic.php?f=23&t=19168

Das zieht mich runter und macht mich schrecklich traurig. Darum geht es.

LG Nicole

Re: Helft der kleinen Sarah die Welt zu verstehen

Verfasst: Fr 22. Nov 2019, 07:19
von ExUserIn-2026-04-08
Laila-Sarah hat geschrieben: Do 21. Nov 2019, 22:12 Vicky_Rose hat geschrieben: ↑
Do 21. Nov 2019, 08:35
Wo genau liegt das Verständnisproblem ?

Irgendwie bei dir. Aber lies einfach was ich später schreiben werde. Vielleicht wird es dann ein wenig klarer.
Hi Laila-Sarah,

Kommunikation hat immer zwei Seiten und wenn man sich nur auf eine konzentriert, ist die Differrenz vorprogrammiert. Da noch mehr Verständnisprobleme hatten, könnte es, natürlich nur rein theoretisch, das Verständigungsproblem auch an anderer Stelle liegen. ;-)

Ich habe jetzt verstanden, worauf Du hinaus willst. "Es ging mir ein wenig darum unsere Partnerinnen zu sensibilisieren. " Der Titel ist verwirrend für mich.

Mein Post passt trotzdem.
Frieda hat geschrieben: Do 21. Nov 2019, 10:15 Die einzige Lösung die es für mich gab/gibt ist Mitgefühl. Ich brauche mich doch nur zu fragen:
- Möchte ich selbst, wegen meiner selbst, als eklig und abstoßend wahrgenommen werden?
- Möchte ich mich selbst dauerhaft verleugnen müssen um meinem Partner nur dann gefallen zu können?
Über kurz oder lang macht Egoismus Alles und Jeden kaputt. Egoismus hat so viele Visagen, wir haben uns nur daran gewöhnt und deswegen sind sie selbstverständlich geworden...leider.😟
Weißt du liebe Laila, es wird in vielen Partnerinnen-Thread's von der großen Liebe gesprochen. Ich für mich fühle sie dann aber manchmal nicht. Oft genug hören wir Aufzählungen, an was der andere alles denken MUSS, an was er sich alles halten MUSS, damit man ja selbst wieder zufriedener werden kann🤮. In meiner kleinen Welt funktioniert Liebe so nicht. Ich möchte freiwillig tun für meine Liebsten❣️

Ganz ganz ehrlich!!! Mir tut es manches mal echt weh, wenn ich hier miterlebe wie so manche Partnerin über die Facetten des Trans-seins respektlos und egoistisch hinwegtrampelt. Und ihr gebt euch trotzdem sehr sehr oft so viel Mühe, versteht sie und zeigt Geduld, trotz das ihr auch manchmal angegriffen werdet, wofür ich euch echt bewundere.
Liebe Frieda,

so ganz teile ich Deine Meinung nicht, was den letzten Absatz betrifft. Transmenschen sind keine Engel und mir fehlt an vielen Posts von Transmenschen genau das Mitgefühl. Es werden massive und z.T. verletzende Urteile aus der eigenen Position über Partnerinnen heraus gefällt, die aber nur aus der eigenen Position stammen. Wie sollen denn da Partnerinnen mitfühlend reagieren ? Wenn Partnerinnen sich hier in ihrer Seelenqual äußern, ist eine solche Reaktion aus meiner Sicht ziemlich egozentrisch. Sich und sein Denken in den Mittelpunkt zu stellen, muss eben nicht zu allen anderen Menschen passen.

Klar sind wir in unserer Situation manchmal sehr dünnhäutig. Aber die Dünnhäutigkeit ist uns eben nicht nur von außen aufgedrängt, sondern sie wird von uns auch selber gepflegt. Wir sehen uns häufig als Opfer, aber wenn ich viele Berichte lese, passt das in vielen Fällen gar nicht. In Beziehungen von Anfang an mit offenen Karten spielen, zu sich selber stehen können ohne den Anderen anzugreifen sind für mich Schlüssel, dass der/die Andere damit umgehen kann. Es ist auch keine Schande, der Partnerin zu sagen, dass man sich durch Bemerkungen verletzt fühlt. Aber der pauschale Gegenangriff ist in meinen Augen extrem kontraproduktiv. Vor allem, wenn sie von Menschen kommen, die mit der persönlichen Situation nichts zu tun haben, aber sich trotzdem wertend eingreifen. Die Schuld oder Verantwortung bei Anderen zu suchen ist mMn sehr egoistisch, egal welches Thema.

Betrachten wir einmal die Situation von der anderen Seite. Da lebt eine Partnerin, die nie etwas mit Transthemen zu tun hatte, seit Jahren, teilweise Jahrzehnten neben einem Partner, der sich vor ihr in wesentlichen Punkten vor ihr versteckt. Ich habe hier auch schon den Fall gelesen, in dem sich jemand auf der Arbeit geoutet und im Frauenmodus gezeigt hat, während die Ehefrau keine Ahnung hatte. Wie soll denn die Frau reagieren ? Verständnisvoll ? Woher soll das Verständnis kommen ? Wieso wird von der Annahme ausgegangen, dass diese Frau sich emotional ruhig verhalten soll ? Ich halte diese Annahmen schlichtweg für
arrogant.

Wir sind hier ein Forum für "Crossdresser und Partner_innen". Unsere Aufgabe sehe ich eher darin, Menschen in solchen emotionalen Situationen aufzufangen, statt die Situation weiter zu verschärfen. Empathie bedeutet für mich an dieser Stelle, Verständnis zu zeigen für die Situation, aber auch deutlich machen, wo wir uns verletzt fühlen. Wir können auch die Sensibilität für die Verletztheit des Transmenschen wecken. Aber dazu gehört eben auch, die emotionale Situation der Frau anzuerkennen und keine Forderungen zu stellen, wie sie sich zu verhalten hat. Konflikte löst man nicht mit Vorwürfen, sondern mit Geduld und Verständnis. Als Außenstehende haben wir eine Riesenchance, genau da zu wirken. Wir können aber auch die Ressentiments gegen uns weiter schüren und verschärfen.

Ja, viele von uns leben versteckt seit Jahren und Jahrzehnten, auch in der Partnerschaft. Das ist eine qualvolle Situation, wie die ich auch gut kenne. Darüber zu reden ist extrem schwer und wenn die Partnerin ausflippt, wird es noch schwerer. Aber wie soll sie auch reagieren. Es geht nicht nur um Vorurteile. Wir wecken auch massive Ängste und Unsicherheit mit unserem Outing. Da bricht eine Weltsicht zusammen.

Es kann doch nicht darum gehen, "unwillige" Partnerinnen vor den Kopf zu stoßen. Und ich bin überzeugt, dass es den Partnerinnen i.d.R. nicht darum geht, den Transmensch in seiner Situation zu verletzen. Die tiefe Krise ist eine Chance, aus seinem/ihren eigenen Emotionen zu lernen, warum man so reagiert. Es geht darum, aus sich selber heraus sich zu entwickeln. Der Andere ist doch nur der Anstoß, über sich selber nachzudenken. Das bedeutet, der Spiegel für jemand zu sein bzw. der Andere ist der Spiegel für mich. Ich erkenne mich in den eigenen Reaktionen. Das gilt immer für beide Seiten. Wenn also eine Partnerin ausflippt, ist es an ihr, Einsichten zu gewinnen. Welche das sind, kann sie nur selber wissen. Und umgekehrt ist das beim Transmensch genau so. Wenn er sich klein fühlt und sich schämt, sagt das einem selber auch sehr viel.

Den Weg zu sich selber zu finden ist ein Prozess. Er kann Jahre dauern. Aber man findet ihn nicht, in dem man Schuld bei jemand anderem oder in anderen Umständen sucht. Die Welt ist nicht gerecht und Transmenschen sind in der Gesellschaft definitiv nicht privilegiert. Aber sich deswegen als Opfer zu fühlen ist nicht hilfreich. Und wenig hilfreich ist es, Partnerinnen zu diffamieren, z.B. in dem man postuliert, was man aus seiner eigenen Situation über sie denkt. Niemand von uns kann sich in ihre Situation hinein versetzen, auch andere Partnerinnen nicht. Wenn ich an die Diskussionen mit und, noch schlimmer, über Betty denke, kommt mir manchmal das kalte Grausen. Wenn man nichts Konstruktives oder Wertschätzendes sagen kann, hält man lieber den Mund. Es ist völlig in Ordnung zu sagen, dass man eine Haltung nicht versteht und nichts mehr beitragen möchte oder eine andere Meinung hat.

Aber wenn einem etwas nicht passt, muss man nicht auf Jemanden einprügeln. Das ist gewaltbehaftete Kommunikation. Sie schaffen Gräben. Es gibt einige Beiträge in dieser Richtung. Und jetzt denke ich darüber nach, warum mich solche Diskussionen so wütend machen ...

Re: Helft der kleinen Sarah die Welt zu verstehen

Verfasst: Fr 22. Nov 2019, 10:02
von Anja
Moinsen (moin)
Aria hat geschrieben: Do 21. Nov 2019, 19:45 Ich umgebe mich garantiert nicht mit den falschen Leuten und ich ich würde es mir auch nicht anmassen, jemanden das zu unterstellen. Du bist in der komfortablen Lage, eine Partnerschaft vor, während und nach der Transition zu haben und kannst dir evt. deswegen auch erlauben, solche Aussagen zu tätigen.
Ich habe dir das nicht unterstellt, ich habe lediglich eine Frage in den Raum geworfen, da ich deine Aussage, für den Teil der Gesellschaft, der mir täglich über den Weg läuft, nicht gelten lassen kann.
Und zu meiner Partnerschaft, die hab ich nicht geschenkt bekommen. Ich habe mich meiner Partnerin gleich zu Anfang der Beziehung avertraut. Sie konnte entscheiden, ob sie "so" einen Partner möchte.
Es war und ist eine Menge Beziehungsarbeit, im Besonderen in der Zeit des Übergangs. Ich habe jedes Outing im Vorfeld geplant und mir überlegt, wie ich mich genau demjenigen am Besten öffnen kann. So bin ich da mit minimalem Kollateralschaden durchgekommen.
Das ich jetzt in dieser "komfortablen" Lage bin, war harte Arbeit.
Und was hat meine Partnerin damit zu tun, das mich "die Gesellschaft" so akzeptiert, der ich täglich begegne?
Mal abgesehen, gibt es ja diverse (unterschieldliche) Kreise, in denen ich mich bewege, z.B. die Mit-Pendler, die Kita-Eltern, die Kollegen, die Schwimmbad-Muddies, Fremde...
Und überall bin ich ohne Partnerin unterwegs..?

Und zu dem "hinter dem Rücken reden":

"Wer schlecht über andere redet, hat nichts Gutes über sich selbst zu erzählen"

Grüße
die Anja

Re: Helft der kleinen Sarah die Welt zu verstehen

Verfasst: So 24. Nov 2019, 07:50
von Frieda
Entschuldige bitte liebe Vicky, weil ich jetzt erst reagiere, aber der Geburtstag meiner "Großen" bremste mich hier etwas aus❣️
Nun möchte ich mir die Zeit nehmen und dir respektvoll und auch sehr freundlich, auf dieses heikle Thema reagieren.
______________________________________________________
Vicky_Rose hat geschrieben: Fr 22. Nov 2019, 07:19 ...
Liebe liebe Vicky, ich kann es nicht versprechen ob meine folgenden Worte verständlich genug sein werden, ich weiß auch nicht ob sie dir bzw deinen Gedanken gerecht werden. Ich meine damit, ich weiß nicht ob ich dich richtig verstanden habe... Sry.
Ich fange einfach mal an.
Vorab, mich kostet dieses Thema "Partnerinnen von Trans" aktuell ziemlich Kraft und ich denke, dass ist für mich etwas Gutes, da ich selbst es als eine Weiterentwicklung für mich empfinde. Die Emotionen die in den letzten Tagen hier im Forum bewegt wurden, sind für mich so massiv, dass ich mich im RL eigentlich in ein Kämmerlein zurück ziehen müsste, um mich gedanklich dem 100pro widmen zu können. Leider ist dies nicht möglich, auch wenn ichs liebendgern will.
Noch bis vor kurzem sah es in mir so aus, dass ich mich liebendgern in solchen Ratsuchenden Thread's geäußert habe, weil ich echt der Meinung war, der Menschheit fehlt meine Wahrnehmung noch. 🤦"â™€ï¸
Aktuell habe ich mich soweit entwickelt, dass ich es mittlerweile etwas früher checke, wann ich besser meinen Mund halte. Warum? Weil ich mittlerweile verstanden habe, dass mein Denken und meine Worte nicht jedes Wesen erreichen können, ganz egal wie ich sie formuliere. Ich habe niemals die Macht jemanden umzustimmen.
Ich weiß es, bzw ich fühle es, wo meine Worte auf fruchtlosen Boden fallen werden. Wozu soll ich dann noch meine kostbare Kraft investieren, wenn meine Worte nur ein weiterer Antrieb wären, wo mein Gegenüber seine verletzenden Gedanken noch mehr versprühen würde. Es bringt nix, nichts dem Wesen dem ich so gern helfen möchte und auch mir nix.
Ich habe mich Jaaahrelang mit der Frage beschäftigt, wo hört Eigenverantwortung auf und wo fängt der Egoismus an. Ich habe meine(!) Antwort darauf hier auch schon mal geäußert. Der Egoismus fängt für mich ganz klar da an, wo meine Worte, mein Tun ein anderes Wesen verletzen.

Es tut mir ehrlich leid liebe Vicky (und ich benutze diese Formulierung so echt kaum), aber meine HSP hat die letzten Tage so massiv zugeschlagen, ich fühle es einfach, wenn ich die Worte der Post's hier lese, ob für mich Hopfen und Malz verloren ist, oder ob meine Worte nicht bekämpft werden wollen.
Ich nehme mir jetzt echt die Arroganz heraus zu sagen, dass all diejenigen (mich eingeschlossen) die ehrlichen Herzens in den letzten Tagen helfen wollten, nicht auf Konfrontation aus waren. Sondern, daß unsere Worte so interpretiert werden, weil das Denken und fühlen "der anderen Seite" noch viel zu Ich-bezogen ist.
Egal ob ich verstanden werde, oder ob ich nicht verstanden werde, es ist eine Tatsache, solange sich die eigenen Gedanken vorwiegend um das eigene Ich sich drehen, erzeugt dies Leid auf allen Seiten. Punkt! Ob man es glauben will oder nicht!


Vicky, ich habe schon einmal den Versuch hier im Forum gestartet meinen Unterschied zwischen Akzeptanz und Zustimmung zu erklären. Ich bin mir sicher, dass auch jetzt meine Worte wieder nicht verstanden werden.
Du sprichst über das Leid der Partnerinnen, wenn sie von der "versteckten" Facette ihres Mannes plötzlich erfahren. In meiner Wahrnehmung, sorgen diese verletzen Partnerinnen einzig und allein für ihr Leid. Wahre Akzeptanz (was nicht Zustimmung bedeutet!), schenkt allen Beteiligten Frieden und Ruhe. Das einzige Problem besteht darin, dass sry die Meisten, Akzeptanz nicht wirklich verstehen, bzw erst recht nicht praktizieren können.
Was sollen denn bitte all diese verbissenen Gespräche über Prestige, Träume und Enttäuschungen? Für mich ist das Egoismus, und ich denke es sollte denen hier klar sein die mich hin und wieder lesen, was ich für eine Einstellung zum Egoismus habe!?
Vicky... ES BRINGT NICHTS ÜBER DIESE DINGE NACHZUDENKEN, ES SIND UND BLEIBEN OBERFLÄCHLICHKEITEN"¼ï¸ Und nur weil jemand vehement daran anhaftet und diese Dinge immer und immer wieder auf den Tisch packt, bedeutet es nicht, dass es dadurch besser oder gar richtig wird. Es geht hier nicht um die Wohlfühlzone der Oberflächlichkeiten von Partnerinnen, sondern um schmerzliche Verletzungen tausender Menschen, weil sich die menschliche Spezies selbst überschätzend einbildet, wie ein menschliches Wesen zu sein hat, und das ab dem Moment seiner Geburt.
Ich fasse mich echt an den Kopf, dass es Menschen gibt die es eher akzeptieren können das ein Leuchtmittel leuchtet, wenn wir einen Schalter betätigen, obwohl es nicht sichtbar ist, wie der elektrische Strom fließt. Und dieselben Menschen aber nicht bereit sind zu akzeptieren, dass es auf Mutter Erde mehr als zwei Geschlechter gibt. Ich unterstelle sie ahnen nicht mal im Ansatz, wie groß die Welt der Hormone und Gene ist. Ich unterstelle dass diesen Wesen es niemals einleuchten wird, dass alles im Mutterleib beginnt. Kein Wesen kann beeinflussen was es wird. Es entscheidet allein die "Hormonsuppe" (so nannte es liebevoll Vera F. Birkenbihl) in der wir als Embryo schwimmen.
Es ist und bleibt für mich furchtbar, dass es so vielen Partnerinnen wichtiger ist über ihre Träume/Schäume nachzudenken, anstatt fasziniert zu ihrem Partner zu schauen, und dabei spürend das Seelengift des Stolzes in sich aufkommen zu lassen, welch seltenes Glück man doch gerade, just in diesem Moment hat, die wunderbare Vielfalt auf unserem Planeten mit eigenen Augen anblicken zu können.

Entschuldige bitte meine verurteilenden Worte.... Aber Partnerinnen die ihr Denken an Oberflächlichkeiten zum Mittelpunkt machen, werden sich niemals weiterentwickeln.

Namaste🙏

Re: Helft der kleinen Sarah die Welt zu verstehen

Verfasst: So 24. Nov 2019, 08:15
von ExUserIn-2026-04-08
Frieda hat geschrieben: So 24. Nov 2019, 07:50 Aber Partnerinnen die ihr Denken an Oberflächlichkeiten zum Mittelpunkt machen, werden sich niemals weiterentwickeln.
Liebe Frieda,

ich habe nicht viel Zeit. Aber einen Satz möchte ich an dieser Stelle loswerden.

Was gibt uns das Recht, so zu urteilen und Menschen Chancen abzusprechen ? Es ist aus meiner Sicht völlig in Ordnung, wenn man spürt, dass es einem zu viel ist oder man meint, dass es umsonst ist. Aber diese Worte ausgesprochen, können erheblich verletzen und nützen niemanden. Für mich ist das keine gewaltfreie Kommunikation. Das und nur das ist der Hintergrund meiner kritischen Bemerkungen. Man muss den Menschen auch die Zeit und die Gelegenheit geben, ihr Tun und Denken selber zu hinterfragen. Wir können dabei mit unseren Perspektiven und Erfahrungen beitragen.

Re: Helft der kleinen Sarah die Welt zu verstehen

Verfasst: So 24. Nov 2019, 09:26
von ExuserIn-2019-12-18
Frieda hat geschrieben: So 24. Nov 2019, 07:50 ...
Liebe Frieda,

ich bedanke mich recht herzlich für diese Worte, denn sie entsprechen tatsächlich auch meiner aktuellen Sichtweise.

und Liebe Vicky,

auch dir danke ich für die zeitliche Perspektive, die wir alle für Entwicklungen brauchen und die Du zu Recht anführst.
Vicky_Rose hat geschrieben: So 24. Nov 2019, 08:15 Man muss den Menschen auch die Zeit und die Gelegenheit geben, ihr Tun und Denken selber zu hinterfragen. Wir können dabei mit unseren Perspektiven und Erfahrungen beitragen.
Ich persönlich ecke in der letzten Zeit immer wieder an. Vielleicht ist dies ein Hinweis darauf, dass ich unachtsam, unaufmerksam werden. Aber vielleicht ist's auch nur ein Signal, dass sich meine Fundament einfach wieder gefestigt hat und ich nun auch meine Meinung aus einer stärkeren Position heraus vertreten kann. Ich bin "kleinkariert" geworden. Nicht, dass ich Erbsen zählen würde, aber geschriebene Wort haben es mir angetan. Sie stechen mir immer wieder ins Auge, wenn sie einfach nicht passen wollen und meiner Meinung nach etwas ausdrücken, dass so offensichtlich "falsch" ist. Und wenn ich falsch schreibe, meine ich natürlich meine Sichtweise auf die Dinge. Ich bin schon lange nicht mehr so flexibel, wie letztes Jahr. Mein Rückgrat hat sich gefestigt und so bin ich wohl auch deutlich konfliktbereiter und kann manchmal wenig Verständnis für Dinge zeigen, die mir einfach nicht logisch erscheinen. Und tatsächlich tue ich mich schwer, solche Dinge im Raum stehen zu lassen. Doch immer öfter schreibe ich Beitrage und lösche sie wieder, versuche Abstand von dem Forum zu nehmen oder hadere Tage lang mit "zerbissener Lippe", ob ich etwas dazu schreiben soll, muss. Vielleicht ist es aber auch Ungeduld. Ich bin durch meine Transition und durch dieses Forum Meilen weit entfernt von der Person, die ich vor meinem Outing war. Da fällt es mir manchmal schwer mich zu erinnern, wie es vor dieser Zeit in mir ausgesehen hatte. Damals war ich noch auf der Suche nach Gleichgesinnten, Schminktipps und Ausgehmöglichkeiten ... suchte Hilfe für meine Outing.
Heute tue ich mich schwer (aus völlig anderer Perspektive als damals), mich "neutral" einzubringen und Verständnis zu zeigen für etwas, das für mich persönlich so offensichtlich falsch ist. Mir schwillt dann wohl zu schnell der Kamm, wenn Partnerinnen (und es ist schön, dass es viele in der letzten Zeit sind) sich im Forum melden und nach Hilfe suchen, diese aber nicht annehmen wollen oder (noch nicht) können.
Mir persönlich zeigt eigene Verletztheit meist, dass der Stachel wohl zumindest in der Nähe des "Schwarzen" stecken muss. Das sehen wohl viele ganz anders und fühlen sich einfach nur angegriffen, wenn man Ihnen einen Spiegel vorhält. Ich denke, wir haben einfach unterschiedliche Ansätze zu helfen, helfen zu wollen.
Ich persönlich werde mich weiter zurückziehen, bzw. versuchen meine Beiträge zu zügeln, da meine Form der Offenheit nicht zum Ziel führt, wenn jemand "frisch" Hilfe sucht. Darüber hinaus empfinde ich das Schreiben im Forum mit seiner Anonymität mittlerweile öfter als "Blase" und ich merke, dass ich immer mehr den "direkten" Kontakt mit Menschen vorziehe. Es gibt dann einfach ganz andere Möglichkeiten der Kommunikation, des Austausches und der gegenseitigen Wahrnehmung. Natürlich geht dann auch etwas "Vielfalt" verloren und die ist sicher am Anfang besonders wichtig, wenn man Orientierung sucht.

Vielleicht doch noch etwas bissiges am Ende ... quasi zum Abschied:
Ich bekomme immer wieder den Eindruck, dass sich Partnerinnen, die sich hier melden, in einer "Opferrolle" befinden. Immer wieder lese ich auch Beiträge, die sie darin bestätigen oder zumindest Verständnis für diese Situation aufbringen.
Ich empfinde das mittlerweile als zweischneidiges Schwert. Denn es gibt ja auch noch die Seite der TransPerson, des Mannes der sich geoutet hat. Wenn ich der einen Seite eine Opferrolle zugestehe, schiebe ich die andere Seite automatisch in die Täterrolle. Diese Formulierungen empfinde ich oft als grenzwertig. Dazu kommt, dass vielen, die sich auf der Such nach Liebe und Anerkennung geoutet haben, anschließend dieser Raum wieder sehr stark eingeengt wird. Es sind nicht die Partnerinnen, die es tolerieren und annehmen müssen, aber es sind die TransPersonen, von den immer wieder unterschwellig oder ganz offen verlangt wird, Grenzen einzuhalten und zu respektieren, damit die Beziehung aufrecht gehalten werden kann. Da passt meiner Meinung nach etwas gewaltig nicht. Gerade, wenn wir an anderer Stelle intensiv über psychische Belastung und Suizide sprechen, ergeben sich für mich große Fragezeichen. Glücklicherweise gibt es genügend Männer, die nur zeitweise Frau sein wollen und sich daher arrangieren können. Aber für alle anderen .... ? Diese Perspektive vermisse ich oft in den Diskussionen. Aber vielleicht ist es unsere christliche Erziehung und unser westliches Weltbild, dass uns glauben macht, dass Liebe aus Selbstgeißelung besteht (damit meine ich beide Seiten der Partnerschaft). Eine andere Form der Liebe kennen wohl viel nicht .... scheint es mir manchmal.

Alles Liebe
Vanessa

Re: Helft der kleinen Sarah die Welt zu verstehen

Verfasst: So 24. Nov 2019, 10:05
von Carry
Liebe Sarah,

vorab ganz kurz zu meiner Person, damit Du auch weißt, wer/was hier schreibt: ich bin eine hetero-bio-Frau, Partnerin eines Crossdressers und befinde mich momentan in der "Beschwichtigungs-/Gewöhnungsphase" nach dem anfänglichen Schock des Outings meines Liebsten.

Nun zu Deinen Gedanken ....und alles, was ich hier schreibe, sind meine persönlichen Gedanken dazu und haben in keiner Weise allgemeine Gültigkeit, oder möchten jemanden ausgrenzen oder verletzten! Das ist mir sehr wichtig, dass das völlig klar ist!
Wenn Du ein, wie Du sagst, wissenschaftlich erzogener Mensch bist, dann müsstest Du meine folgenden Gedanken eigentlich ganz gut nachvollziehen können.
Die Natur / die Evolution hat sich, nachdem aus den Einzellern und Mikroben langsam vielschichtigere Lebewesen geworden sind, gedacht, dass es wohl aus evolutionsbiologischer Sicht Sinn macht, überhaupt erstmal verschiedene Geschlechter zu entwickeln. Es stellte sich heraus, dass dies für die Entwicklung der meisten Spezies von Vorteil war. Der Mensch ist noch nicht alt, in der Erdgeschichte nicht mehr als ein Wimpernschlag und steht mit seiner Entwicklungsgeschichte wahrscheinlich noch ziemlich am Anfang. Die Unterscheidung zwischen Mann und Frau war in der Steinzeit immens wichtig, für das Überleben der Spezies. Mann = stark und körperlich gänzlich anders Konstituiert, der Mammut-Jäger, der das Überleben der Sippe durch die Jagd sicherte, die Säbelzahntiger abwehrte etc (das brauche ich ja nicht ausführen...), Frau = die Bewahrerein und Lebensschöpferin, die das Feuer am Brennen hielt und sich um den Nachwuchs der Sippe kümmerte. Eine Gruppe alleine, also nur Männer oder nur Frauen wären nicht überlebensfähig gewesen. Kleidung war damals sicher noch kein Thema, denn sowas wie Selbstausdruck durch Kleidung hat sich ja erst viel später entwickelt.
So, nun haben wir 2019 - heutzutage benötigen wir zum Überleben der eigenen Spezies keine zwei Geschlechter mehr, selbst die Fortpflanzung kann die klassische Geschlechterrolle umgehen, Frauen benötigen keinen Beschützer mehr, sie können ihr Mammut heute selbst verdienen, Männer brauchen keine Frau am Feuer mehr, sie können Nachwuch selbst groß ziehen, weil sie das Mammut und den Muttermilchersatz im Supermarkt kaufen können. Zwei verschiedene Geschlechter werden also schlicht und ergreifend nicht mehr zwingend gebraucht.
Nun hat der Mensch das "Pech", dass er außer urgenetischen Trieben auch ein (Selbst-)-Bewußtsein hat, was die ganze Sache verkompliziert.
Jahrtausende hat das Modell der zwei Geschlechter, die sich ergänzten, prima funktioniert. Die Evolution ist immer sehr langsam, und auch die innere Entwicklung eines Menschen geht i.d.R. sehr langsam von Statten.
Hinzu kommt, dass der moderne Mensch durch mannigfaltige Instanzen auf die unterschiedlichen Geschlechter geprägt ist - ob nun Kirche, oder auch Staat, gesellschaftliche Paradigmen galten seit Jahrhunderten und lassen sich nicht innerhalb weniger Jahre "mal eben" beiseite wischen. Paradigmen-Wechsel haben in der Menschheitsgeschichte immer extrem lange Zeit gebraucht und meistens viel Leid mit sich gebracht. Denn der Mensch - so ist er nunmal - ist ein Gewohnheitstier. Was einmal als "sicheres Modell" im Gehirn abgespeichert wurde, kann nur schwer geändert werden.
Tief in uns ist also das Bild der zwei Geschlechter und ihrer unterschiedlichen Rollen gespeichert. So einfach kommen wir da nicht raus. Dass nun Kleidung auch noch so eingefahren dem einen oder dem anderen Geschlecht zugeordnet wird, bedarf auch einfach einer Entwicklung - wobei es hier ja kulturell auch große Unterschiede gibt - nimmt man die indigenen Völker, so ist das Tragen von geschlechterspezifischer Kleidung nicht oder nur wenig von Nöten, da jeder anhand der sonstigen primären Geschlechtsmerkmale sehen und erkennen kann, worum es sich handelt. Männer und Frauen haben aber bei den indigenen Völkern noch sehr, ihrer körperlichen Konstitution entsprechende, unterschiedliche Aufgaben in der Gemeinschaft.
Das alles sollte nur der Erklärung dienen, wie sehr die Menschen an ihren Prägungen hängen.

Alles, was fremd ist, macht dem Menschen erstmal von Haus aus Angst. Angst ist eine wichtige Funktion zum Überleben - wir sind noch lange nicht so weit, diese urmenschlichen Mechanismen ablegen zu können - siehe Stress z.B....
Der Mensch ist einfach so getrickt, dass er dem, was ihm "fremdartig" erscheint, erstmal mit Angst, mit Ablehnung etc. begegnet - das ist vollkommen normal.
Manche sind da offener, manche sind da eingefahrener in ihren Weltsichten - wie gesagt, Menschen entwicklen sich eben sehr langsam.

Nun komme ich - sorry, dass ich so abgedriftet bin - zum eigentlichen Thema:
Als westlich-modern geprägte Hetero-Frau, die in ihrem Leben noch nie etwas mit der Gesamt-Thematik des Trans*-Sein zu tun hatte, wird mit dem Outing ihres Partners im ersten Moment erstmal das komplette Welt - und Selbstbild, so wie das Bild ihres Partners zerstört. Als "ekelig", also mit einer inneren Ablehnung wird von einem Menschen immer das betrachtet, welches der gesunden Fortpflanzung entgegensteht. Und auch, wenn wir heute längst nicht mehr nur so Ur-Trieb-gesteuert sind, es steckt nunmal in unseren Genen. Nicht mehr bei allen, aber eben noch bei den meisten.
Vielleicht will das Bewußtsein diese Ablehnung gar nicht, aber sie wird gespürt. Das kann man nicht wegdiskutieren.
Das passiert vollkommen Wertfrei, also Frau ist sich schon bewußt, dass sie immer noch den gleichen MENSCHEN vor sich hat und stellt ihre Empfindungen und Emotionen auch gar nicht unbedingt in Frage - aber da ist plötzlich etwas gänzlich Fremdes an ihrem Partner, und entgegen aller Prägungen und Vorlieben (wenn sie hetero ist), ist sie damit konfrontiert, dass ihr Partner sich nun kleidet, verhält und aussehen will, wie ihr eigenes Geschlecht. In ihrem Inneren beginnt nun ein Kampf zu toben - einerseits dieses ur-evolutionäre Gefühl, dass das nun der Fortpflanzung und damit der Erhaltung der eigenen Spezies entgegen steht - und so aufgeklärt wir auch sind - unbewusst suchen die Hetero-Menschen immer einen Partner, der genetisch passend für die Fortpflanzung ist - und andererseits der aufgeklärte, moderne Mensch, der sich emotional natürlich noch genauso zu dem anderen Menschen hingezogen fühlt.
Das übereinander zu bekommen, ist eine Sache, die tatsächlich Zeit und Gewöhnung braucht - wenn es überhaupt gelingt. Das hängt wahrscheinlich noch mal von vielen anderen Faktoren ab.

So, das ganze Bedeutet nicht, dass Trans*-Menschen in irgendeiner Weise "ekelig" sind, oder falsch - aber als "nicht normal" wird nunmal alles bezeichnet, was von der gängigen Norm abweicht - und auch wenn das viele hier nicht hören wollen, so IST es aber einfach so, dass die Abweichung von der Norm für die meisten Menschen heutzutage eben NOCH ein Problem darstellt. Die Entwicklung ist leider langsam und ich bin mir sicher, dass das in ein paar Generationen ganz anders aussehen wird - aber wir gehören nunmal evolutionär zu genau der Generation Mensch, die sich am Anfang dieser Entwicklung befindet.
Die wenigsten Partnerinnen haben, soweit ich das aus Gesprächen mit anderen Partnerinnen entnommen habe, ein Problem damit, dass ihr "Mann" sich andere Kleidung wünscht - das ist etwas, woran man sich schnell und relatib problemlos gewöhnen kann, problematisch wird es dann, wenn es um Geschlechtsmerkmale, wie Brüste z.B. geht - denn für einen Hetero-Menschen mit entprechender Prägung stellt das eine Situation dar, die mit seinem Selbst, mit seinen Vorlieben und Prägungen kollidiert und erstmal als "nicht passend" eingestuft wird.
Das ist komplett frei von Wertung, das heißt nicht, dass man sein Gegenüber plötzlich weniger liebt, oder denkt, er sei "nicht normal" oder "falsch" oder oder oder ....aber das aufgeklärte Bewußtsein und die urtrieblichen Unterbewußten Vorgänge müssen von dem Hetero-Menschen, der sich i.d.R, bislang mit dieser Thematik noch nie auseinandergesetzt hat, erstmal übereinander gebracht werden.
Es ist für den Hetero-Partner immer erstmal ein Verlust, der Verlust des Welt -und Beziehungsbildes, des Bildes vom Partner, der oftmals über Jahre seine Neigung versteckt hat, der Verlust eines sicher geglaubten Beziehungskontruktes, welches komplett neu überdacht werden muss usw. ....das heißt, der Hetero-Partner durchläuft wahrscheinlich klassisch erstmal alle Phasen der Trauer, eine emotionalen und psychischen Ausnahmezustand, und das ist auch weitgehend normal so.

Es gibt ganz sicher schon ganz viele Menschen, denen das Geschlecht egal ist, die evolutionär schon so weit sind, dass sie nur den Menschen an sich betrachten können, aber das sind die allerwenigsten - die meisten sind einfach noch nicht soweit.
Das mag für die meisten Trans*-Menschen, die sich i.d.R. schon ihr ganzes Leben mit der Thematik auseinandersetzen, zwar nur schwer nachvollziehbar und auch sicher frustrierend sein, aber so tickt nunmal der Mensch - in seiner ganzen Unvollkommenheit und er braucht Zeit, sich an geänderte Gegebenheiten anzupassen.

Vielleicht konnte ich mit meinen Ausführungen über meine Sicht der Dinge den ein-oder anderen Denkanstoss geben....denn Perspektivwechsel - das wurde mir hier schon sehr oft angeraten - eröffnet immer neue Möglichkeiten - und das gilt, ebenso wie Akzeptanz und Toleranz ja immer in beide Richtungen!

In diesem Sinne einen schönen Sonntag noch und alles Liebe
Carry