Moinsen
während meiner Findungsphase (damals Schublade Crossdresser) waren für mich die Silis und die Perücke sehr wichtig. Ich
brauchte ein möglichst weibliches Spiegelbild. Mir war es wichtig, möglichst weiblich auszusehen. Da ich nun mal keine geborene Frau bin, erlag auch ich der Versuchung, das Geburtsgeschlecht mit möglichst weiblicher Kleidung (kurze Röcke, hohe Schuhe) zu kompensieren.
Das Spiegelbild und das Bild wie andere mich sehen, hatte Priorität.
Ich brauchte Jahre, um zu bemerken - zu verstehen, das die Frau ja bereits in mir drin steckt. Mein "Bild" wandelte sich langsam aber stetig. Ich brauchte dann z.B. nicht mehr unbedingt einen Rock um die innere Zufriedenheit zu erreichen, ich hab mich dann auch in Hosen wohl gefühlt. Und so ging es in kleinen Schritten immer weiter.
Die Silis empfand ich optisch sehr schön, allerdings empfand ich sie nie als echt. Spätestens wenn ich damit irgendwo gegengerempelt bin... Da ich mit Übergewicht kämpfe habe ich damals dann irgendwann die Silis (dauerhaft) abgelegt und lieber das vorhandene "Material" verwendet. Durch das Übergewicht hatte ich einen guten Ansatz und fand auch BH's die daraus eine kleine aber feine weibliche Silhouette formen konnten. Das fühlte sich für mich einfach viel besser an, als die Sillis. Obwohl das schon ziemlich gute waren (Amolux).
Wer mit beidem Erfahrung hat, wird mir sicher zustimmen, das die echten in jeder Hinsicht schöner sind

Wieder einige Zeit später war ich dann an einem Punkt, wo ich auch die Perücke nicht mehr brauchte. Ich fühlte mich auch ohne weiblich (genug).
Manchmal verwirrte mich dann zwar mein Spiegelbild, weil es nicht mehr meinem Gefühl entsprach.
So bemerkte ich dann auch, das das Gefühl auch da war, wenn ich (als Mann) am Schreibtisch saß. Es war eigentlich egal, was ich trug und wie ich im Spiegel ausschaute. Das Gefühl eine Frau zu sein, ging nicht mehr weg... Das war der Aha-Effekt. Ich kapierte endlich, ich bin eine Frau. Und das ist vollkommen unabhängig von dem Bild im Spiegel. Das schwierigste Outing ist immer vor einem selbst...
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2013
Noch komplett mit Silis und Perücke, Minirock... Also quasi das volle Programm. Das Foto ist aus einem Dänemark-Urlaub, den ich komplett als Frau verbracht hatte. Der ein oder andere erinnert sich bestimmt noch an meine Berichte damals... So wollte ich herausfinden, ob ich irgendwann genug vom Frausein hatte bzw. es anfängt mir auf den Keks zu gehen.
Aber selbst nach 2 Wochen war ich traurig, das ich mich wieder zurückverwandeln musste. Aber 2 Wochen am Stück als Frau verbringen zu können- das war eine unglaubliche Erfahrung.
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2014
Hier sind die Silis schon ausrangiert, aber die Perücke immer noch Pflicht. Aber mit dem, was der BH so zaubert (übrigens kein Push-up), fühle ich mich wohl. Und es fühlt sich nicht nur natürlich(er) an, sie sind ja auch natürlich

bzw. echt. Ich muss aber auch zugeben, das die Suche nach nem passenden BH nicht so ganz einfach war...
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2015
Mein letzter Friseurbesuch liegt ein paar Monate zurück und so lege ich auch nicht mehr so großen Wert auf die Perücke. Wie man sieht, muss ich den Bartschatten immer noch kräftig abdecken. Die Brille war übrigens immer eine Modebrille. Eigentlich brauche ich keine Brille. Kurze Zeit später habe ich die dann auch abgelegt.
Von dem Foto an war es kein halbes Jahr mehr, bis ich dann auch als Frau zur Arbeit gegangen bin und eine Hormontherapie angefangen habe...
Heute brauche ich weder Silis noch eine Perücke, aber für meine Selbstfindung hätte ich sie nicht missen wollen. Ohne diese (Anbauteile) hätte ich für mich damals kein stimmiges Bild hinbekommen. Und dann hätte ich auch sicher nie den Schritt nach draußen gewagt. Den Mut hat mir ein weibliches Spiegelbild damals ja erst ermöglicht. Naja und eine Flasche Rotwein...
Grüße
die Anja