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Re: HRT über lange Zeit

Verfasst: Fr 5. Apr 2019, 06:39
von ExUserIn-2026-04-08
Toni Smith hat geschrieben: Do 4. Apr 2019, 20:42 Ich habs halt so aufgenommen.
Und was passiert mit Dir, wenn Du Dich bewusst von diesen Mustern frei machst ?

Ich vermute: Dir steht dann die ganze Welt offen ...

Re: HRT über lange Zeit

Verfasst: Fr 5. Apr 2019, 08:04
von Anke
Hallo,

so lange wie Daniela bin ich noch nicht in der HRT, aber 4 Jahre sollten auch als längere Zeit gelten.

Ich habe es schon öfter geschrieben, für mich ist die HRT ein großer Erfolg. Daran ändert auch der Umstand nichts, dass ich mir die eine oder andere körperliche Veränderung deutlicher gewünwcht hätte. Früher hatte ich oft das Gefühl, dass das Testosteron etwas fremdes ist, was überhaupt nicht zu mir gehört. Jetzt habe ich das gegenteilige Gefühl, mit dem Östrogen fühle ich mich richtig und vollständig. Es ist so, als ob ein lange fehlendes Teil endlich zu mir gekommen ist.

Zur sexuellen Orienterung kann ich sagen, dass die sich nicht verändert hat. Ich konnte mich immer schon in Männer und Frauen verlieben.

Verändert hat sich dagegen, wie ich damit umgehe bzw. die dazugehörigen Möglichkeiten. Früher habe ich mich mit Männern schwer getan. Die heterosexuellen Männer, in die ich mich verliebt habe, die waren nicht an mir interessiert. Meine Versuche mit homosexuellen Männern verliefen nur wenig befriedigend. Deshalb war ich praktisch immer mit Frauen zusammen.

Mittlerweile ist es für mich nicht mehr wichtig, ob ich mit einem Mann oder einer Frau flirte. Entscheidend ist für mich die Persönlichkeit.

Liebe Grüße

Anke

Re: HRT über lange Zeit

Verfasst: Fr 5. Apr 2019, 08:47
von ExuserIn-2020-07-10
Vicky_Rose hat geschrieben: Fr 5. Apr 2019, 06:39
Toni Smith hat geschrieben: Do 4. Apr 2019, 20:42 Ich habs halt so aufgenommen.
Und was passiert mit Dir, wenn Du Dich bewusst von diesen Mustern frei machst ?

Ich vermute: Dir steht dann die ganze Welt offen ...

Das ist nicht so einfach. Ich hab mich mit Feminismus und Gendertheorien befasst, um mich von diesen Denkmustern zu befreien. Aber fakt ist mit einem weiblichen Körper und als Frau gelesen kann ich freier Leben. Kann ich shoppen wo ich will ohne blöde Blicke auf mich zuziehen und ich kann mich anders Verhalten. Als Mann ist das alles irgendwie schwieriger oder ich stelle mir das nur schwieriger vor?

Ein Beispiel aus meinem Elternhaus.
Ich oute mich als Frau und meine Mutter läd mich ein das ich mit ihr zusammen in der Küche das Essen zubereite. Das gab es vorher nicht. Auch wenn ich meine Eltern als sehr Liberal einstufe, Rollenbilder sind da klar verteilt und ich kam mir halt immer schon als Kind zwischen den Stühlen vor. Da ich handwerklich nicht geschickt war aber meine Schwester schon wurde sie von meinen Vater mehr eingebunden. Weil ich ein Junge war und meine Schwester ein Mädchen musste sie in der Küche helfen.

So habe ich gelernt Junge zu sein ist doof. Später verstärkte sich der Eindruck durch den frühen Gendermainstreaming. Mädchen waren also laut statistik schlauer und bekamen einen extra Girlsday (Neben Altweiberfastnacht) und die Jungs gingen leer aus. Es war scheiße ein Junge zu sein auch in der Schule.

Später wurde ich zunehmend eifersüchtig auf das Aussehen von Frauen zwischen 20 und 40 ist da die beste Zeit wohl.

Daher kommt auch meine sozial Dysphorie und der zunehmende Feminisierungsdruck.
Erst als ich Frausein durfte änderte sich langsam meine Wahrnehmung. Männer hatten es in manchen Dingen auch leichter. Und als Transfrau war ich in manchen Augen nie wirklich zu Frauen dazugehörend aber zu den Männern gehörte ich auch micht mehr. Ich sahs also wieder zwischen den Stühlen.

Dafür war der Neid weg. Denn worauf sollte ich neidisch sein? Den Körper hatte ich ja nun und die Freiheit auch.

Erst mit dem Abbruch der HRT kam der Neid wieder.

Re: HRT über lange Zeit

Verfasst: Fr 5. Apr 2019, 10:28
von ExUserIn-2026-04-08
Hi Toni,

kann ich gut nachvollziehen.
Toni Smith hat geschrieben: Fr 5. Apr 2019, 08:47 Als Mann ist das alles irgendwie schwieriger oder ich stelle mir das nur schwieriger vor?
Warum sollte es das sein ? Schwieriger ist es, wenn es im Kopf schwieriger ist. Da stecken doch die Muster drin. Wenn ich es richtig sehe, orientierst Du Dich in vielen Fällen an Deiner Umwelt. So bist Du sozialisiert. Was ich meine ist folgendes, wenn Du Dich an deinen Bedürfnissen orientierst, kannst Du völlig frei wählen, wie Du leben willst. dann wird sich zum einen Dein Blick auf die Umwelt verändern (das hast Du ja auch beschrieben), aber auch Deine Umwelt wird sich insofern verändern, dass die Menschen, die Dich steuern wollen weniger werden und die Menschen, die Dich akzeptieren werden mehr.

Das ist natürlich jetzt eine radikale Sicht. Aber es geht zunächst darum, im eigenen Kopf etwas zu verändern. Ich bin auch nicht so konsequent, wie ich das eben beschrieben habe. Aber in vielen Fällen hilft eine extreme Position, die eigene Sicht und das Selbstverständnis zu verändern. Davor schrecken viele zurück, weil Veränderungen Ängste wecken. Lieber im Leid suhlen als auf "gefährlichen" Pfaden das Glück und die Zufriedenheit.

Es gibt keine Garantien, aber wer versucht mit den Mitteln ein Problem zu lösen, mit dem sie erzeugt wurden, ist auf einem Holzweg. Ich glaube Einstein sagte das einmal. Das ist sehr treffend. Man muss neue Wege suchen.

Re: HRT über lange Zeit

Verfasst: Fr 5. Apr 2019, 10:56
von Jaddy
Vicky_Rose hat geschrieben: Fr 5. Apr 2019, 10:28
Toni Smith hat geschrieben: Fr 5. Apr 2019, 08:47Als Mann ist das alles irgendwie schwieriger oder ich stelle mir das nur schwieriger vor?
Warum sollte es das sein ? Schwieriger ist es, wenn es im Kopf schwieriger ist. Da stecken doch die Muster drin.
Ich kenne Tonis Kopf nicht von innen, aber bei mir war das Problem immer, dass ich zum Beispiel keine für mich passenden männlichen Vorbilder gefunden habe. Okay, weibliche auch nicht, aber mit einem XY-Körper sucht eins wohl sozialisationsbedingt zuerst nach ähnlichen Menschen zu Orientierung. Auf der "eigenen" Seite nichts adäquates zu finden kann durchaus als schwieriger empfunden werden.

Ich kann nachempfinden, dass eine stärker binär sozialisierte Person dann komplett auf die andere Seite wechselt, weil im antrainierten Weltbild nur A oder B vorkommen. Ich habe für mich eine Transition lange ausgeschlossen, weil B zwar eine "weniger schlechte" Variante war, gleichzeitig aber mit zu hohen -hm- sozialen und körperlichen Kosten verbunden. Ich war dort aber nicht "zuhause". Das hat sich jetzt, mit Variante E deutlich geändert.

Re: HRT über lange Zeit

Verfasst: Fr 5. Apr 2019, 12:16
von ExUserIn-2026-04-08
Hallo Jaddy,

klingt nach heinz Erhardt:

"Herr Afeu frug Herrn Befeu
Wo bleibt denn bloß Herr Cefeu
Da sprach Herr Befeu: Cefeu?
Der sitzt mit Fräulein Defeu
dort unten hinterm Efeu!" ...

Du beschreibst genau das, was Menschen i.d.R. so machen. Sie suchen Vorbilder, Richtlinien, Regeln etc. Aber genau die prägen die Muster im eigenen Kopf. Solange Regeln das menschliche Miteinander möglich machen, ist es ja auch i.O. Aber wenn sie darüber hinaus das Denken und Handeln prägen, wird es schwierig, ein eigenes Leben zu leben. Dazu muss man ausgetretene Pfade verlassen, sonst trifft man nur Menschen, die auf diesen Wegen wandeln. Wenn ich also als Cis-Mann meine, ich müsse mich verhalten wie andere Männer, werde ich nie den Raum finden, den ich für mein weiblich empfindenden Teil brauche. Ich bliebe ein halber Mensch und der wäre auch noch ferngesteuert. das meine ich mit "Muster verlassen" und das fängt im eigenen Kopf an.

Die Kernfrage lautet für mich, was tut mir gut und wann fühle ich mich schlecht. Wenn ich es mit dieser Achtsamkeit ernst meine, umgebe ich mich auch nicht mit Menschen, die mir nicht gut tun und meide die, bei denen ich mich nicht (mehr) wohl fühle. Frei nach Eva und Wolfram Zurhorst: "Liebe Dich selbst und es ist egal, wie Du lebst".

Re: HRT über lange Zeit

Verfasst: Fr 5. Apr 2019, 12:38
von Jaddy
Da antworte ich doch auf gleichem Level mit WIttgenstein: "Die Grenzen meiner Sprache sind die Grenzen meiner Welt" ;)

Dass ich weder/noch bin, war mir klar. Deshalb habe ich mich ja nie der einen oder anderen Seite verbunden gefühlt. Von der romantischen und sexuellen Attraktion kam ich auch am besten mit Menschen "wie mir" klar, also nicht so eindeutig binären Menschen.

Das war und ist alles logisch, stimmig und hat mir auch keine Probleme bereitet. Trotzdem war da ein Unbehagen, das ich nicht konkret benennen konnte.

Neu war dann irgendwann die Erkenntnis, aus dem weder/noch eine eigene, stabile Position - mein Anwesen auf der Insel Enby - zu machen. Das kam mit dem Auftauchen anderer, die vorher schon auf die Idee gekommen waren. Ich denke, das war bei mir ein Problem Wald/Bäume.

Jetzt habe ich die Sprache :)

Re: HRT über lange Zeit

Verfasst: Fr 5. Apr 2019, 13:33
von ExuserIn-2020-07-10
Also ich finde männliche Vorbilder gibt es viele. Ich erinnere mich das ich mich früher sehr mit den männlichen Charakteren identifiziert habe die nicht so in Vordergrund standen. Wie Donatello, Simon oder Brooklyn.

Ich habe zuletzt mal versucht weibliche Seriencharaktere zu finden die irgendwie an meine alten Vorbilder ran kommen.
Ergebnis ist recht mau.
Weibliche Charaktere haben meist nicht die Tiefe und die Schwächen die ein männlicher Charakter hat.

Charaktere mit denen ich mich gerne identifiziere sind Dr. House und Sherlock Holmes. Also die die ihre Probleme durch Denken lösen und nicht durch Aktion. Exzentriker wie Salvadore Dali. Indianer Jones war nie wirklich interessant für mich. Oder Weiberhelden alla James Bond fand ich auch immer langweilig. Ich mochte die fast schon asexuellen, eigenbröddler.

Bei Frauen sehe ich da häufig nur Serien wo sie sich als Opfer darstellen oder Superkräfte haben oder zaubern können und wenn sie mal die taffe Heldin raushängen lassen, dann sind sie gleich in allem super siehe Rey, Miss Fisher oder Tomb Raider (also die alte). Die einzige Schwäche die häufiger vorkommt ist die Beziehung zur Schwester oder die Liebe.

Jessica Jones die ein Alkoholproblem hat find ich da schon wesentlich symphatischer. Oder eine Cercei Lannister die ihre Kämpfe durch Intrigen ausfechtet.

Es fehlt meist aber an überzogenen Charakteren. Die vielleicht einseitig wirken aber tief sind und das finde ich besser als flache Alleskönner die immer super geschminkt auftreten.

Re: HRT über lange Zeit

Verfasst: Fr 5. Apr 2019, 15:10
von ExUserIn-2026-04-08
Jaddy hat geschrieben: Fr 5. Apr 2019, 12:38 Trotzdem war da ein Unbehagen, das ich nicht konkret benennen konnte.
Ja, das kenne ich auch und so ganz gelöst hat es sich für mich noch nicht, obwohl vieles einfacher geworden ist.
Jaddy hat geschrieben: Fr 5. Apr 2019, 12:38 - mein Anwesen auf der Insel Enby -
Ich denke, dann sind wir Nachbarn ...

Re: HRT über lange Zeit

Verfasst: Fr 5. Apr 2019, 17:49
von Anke
Hallo Toni,

der Thread hat eine interessante Wendung genommen. Die Überschrift lautet:

HRT über lange Zeit

Den Impuls zu diesem Thread hast Du in einem anderen Thread gegeben. Doch jetzt schreibst Du hier über ganz andere Themen wie Vorbilder oder Erfahrungen aus deiner Kindheit.

Zum Teil hatte ich den Eindruck, dass Du das Forum mit den Themen (gescheiterte) HRT und Detransition fluten möchtest. Egal ob es gerade gepasst hat oder nicht, Du hast einen entsprechenden Beitrag gepostet. Doch jetzt, wo es hier explizit um das Thema HRT geht, da schreibst Du über ganz andere Dinge.

Bist Du dir sicher, dass das deine Themen sind? Oder geht es vielleicht darum erst einmal herauszufinden, wer Du bist und wo Du hin willst. Je mehr ich von dir lese, desto mehr drängt sich bei mir der Eindruck auf, dass Du dir darüber nicht einmal ansatzweise im klaren bist. Sollte dem so sein (ich kann mich ja auch täuschen), dann hilft dir keine HRT, kein Beenden der HRT, keine Transition und auch keine Detransition. Das sind alles Maßnahmen, die dich und dein Leben gewaltig auf den Kopf stellen. Und ich halte es für gefährlich so etwas anzugehen, ohne über die notwendige Klarheit über sich selbst zu verfügen.

Bei einigen Beiträgen von dir habe ich mich geradezu erschrocken. Im Kontext Vorbilder schreibst Du über Alkoholiker, die angeblich mehr Tiefe haben, als andere Charaktere. Ich weiß nicht, ob Du schon mal mit richtigen Alkoholikern zu tun hattest. Die einzige Tiefe für die die sich normalerweise interessieren, ist die in ihren Gläsern und Flaschen. Alkoholismus ist eine ziemlich ernsthafte Erkrankung und keine interessante Charaktereigenschaft. Wer Alkoholiker mal richtig erlebt hat, der weiß, dass sie oft ausfällig und gewalttätig werden.

Überhaupt scheinst Du dir deine Orientierung und Vorbilder in der Scheinwelt der Filme und Serien zu suchen. Die haben nur nichts mit der Realität zu tun, das sind erfundene Charaktere die nur zur Unterhaltung dienen. Die wirklich interessanten Charaktere gibt es im realen Leben.

Ich hoffe, dass ich dir damit ein paar Impulse gegeben habe.

Liebe Grüße

Anke

Re: HRT über lange Zeit

Verfasst: Fr 5. Apr 2019, 21:05
von Tatjana_59
Vielen Dank für dein Posting über mir Anke, sehr gut,!
Denselben Eindruck habe ich immer mehr.
Schon lang kann ich nicht sagen, da Toni ja noch nicht solang hier ist.

LG Tatjana