Re: Toleranz, Schwäche oder Stärke?
Verfasst: Mi 19. Jul 2017, 14:12
Hallo Vicky.
Ich versuche nicht zu verstehen was gemeint sein könnte (denn das ist eine Interpretation), sondern nehme denjenigen beim Wort.
Wenn er(sie/es) etwas anderes meint soll er dieses andere sagen.
Liebe Vicky, du überträgst diese Sprüche gerne auf T* -dasein, also will ich das zur Erklärung dessen, was ich meine auch versuchen.
Da ich mich selbst betroffen fühle akzeptiere und respektiere ich natürlich das T*-dasein.
Es gibt aber andere, die sagen "ich respektiere andere Daseinsformen, ich akzeptiere das es T*-dasein gibt, ich toleriere das T*-Menschen vorhanden sind, aber ich will nichts mit ihnen zu tun haben".
Das widerum ist eine Ansicht, die ich als T*-Mensch tolerieren kann - oder auch nicht.
Ich wäre nur nie auf die Idee gekommen beleidigt zu sein weil sie sich in ihrer Welt über mich stellen.
Das würde ja bedeuten das ich deren Weltanschauung als höherwertiger ansehe als meine eigene.
Dieser Gedanke zuende gedacht bedeutet das du selbst dein Dasein als Minderwertig gegenüber dem anderen ansiehst.
Im übrigen steht in dem Zitat von Goethe nichts von "Trans", "en femme" oder einer "Ebene". Das ist deine Interpretation seiner Worte, die dir auch gegönnt sei. Hier geht es jedoch nicht um eine bestimmte Interpretation, sondern um das Zitat an sich.
Um die Worte, die da stehen, nicht darum wie sie gemeint sein könnten.
Wobei ich ausdrücklich betonen möchte das ich diese - deine! - Ansicht nicht nur teile sondern auch sehr treffend finde.
Woher weißt du was er meint wenn er es doch garnicht schreibt?
Da du auch das hier wieder auf das T*-dasein überträgst möchte ich erwähnen das ich mir zwar zutraue den Unterschied zwischen ignorieren und tolerieren (meistens) zu erkennen, es mir jedoch egal ist.
Hier sind wir schon wieder bei der Wertigkeit einer Lebenseinstellung.
Wenn mich jemand ignorieren muss hat seine Lebenseinstellung für mich keine hohe Wertigkeit, mit anderen Worten werde ich ihn wohl genau so ignorieren.
Puh, tut mir leid das es so viel Text ist, aber kürzer krieg ich das nicht hin.
Das wird wohl zumindest ein großer Unterschied zu unseren Herangehensweisen sein.Vicky_Rose hat geschrieben: Mi 19. Jul 2017, 07:33... Ich versuche zunächst zu verstehen, was andere meinen, wenn sie etwas sagen. Ich ziehe immer in Betracht, dass ich mich irren könnte, bevor ich etwas ablehne.
Ich versuche nicht zu verstehen was gemeint sein könnte (denn das ist eine Interpretation), sondern nehme denjenigen beim Wort.
Wenn er(sie/es) etwas anderes meint soll er dieses andere sagen.
Da hast du recht. Aber um etwas zu tolerieren muß ich erst mal akzeptieren das es existiert. Um etwas zu akzeptieren muss ich dem (was auch immer es ist) so viel Respekt entgegen bringen, dass ich sage diese Existens is berechtigt.Toleranz, Akzeptanz und Respekt sind doch völlig unterschiedliche Dinge.
Liebe Vicky, du überträgst diese Sprüche gerne auf T* -dasein, also will ich das zur Erklärung dessen, was ich meine auch versuchen.
Da ich mich selbst betroffen fühle akzeptiere und respektiere ich natürlich das T*-dasein.
Es gibt aber andere, die sagen "ich respektiere andere Daseinsformen, ich akzeptiere das es T*-dasein gibt, ich toleriere das T*-Menschen vorhanden sind, aber ich will nichts mit ihnen zu tun haben".
Das widerum ist eine Ansicht, die ich als T*-Mensch tolerieren kann - oder auch nicht.
Wenn ich nicht akzeptiere das etwas überhaupt vorhanden ist kann ich es nicht tolerieren.Akzeptanz ist quasi eine Steigerung von Toleranz und keine Grundvoraussetzung.
Es passiert mir fast täglich, das ich Menschen begegne, die mich bestenfalls tolerieren, aber sicher nicht akzeptieren.Wenn ich als Trans toleriert werde, bedeutet das, dass ich nach Ansicht des Tolerierenden en femme herumlaufen darf. Diese Duldung ist insofern eine Beleidigung, da er sich über mich stellt. Er erlaubt es mir. Erst wenn wir uns auf gleicher Ebene befinden, werde ich akzeptiert oder anerkannt, wie Goethe es ausdrückt.
Ich wäre nur nie auf die Idee gekommen beleidigt zu sein weil sie sich in ihrer Welt über mich stellen.
Das würde ja bedeuten das ich deren Weltanschauung als höherwertiger ansehe als meine eigene.
Dieser Gedanke zuende gedacht bedeutet das du selbst dein Dasein als Minderwertig gegenüber dem anderen ansiehst.
Im übrigen steht in dem Zitat von Goethe nichts von "Trans", "en femme" oder einer "Ebene". Das ist deine Interpretation seiner Worte, die dir auch gegönnt sei. Hier geht es jedoch nicht um eine bestimmte Interpretation, sondern um das Zitat an sich.
Um die Worte, die da stehen, nicht darum wie sie gemeint sein könnten.
Das ist nicht Goethes Aussage, sonder deine Interpretation.Goethes Aussage ist für mich ein zentraler Satz. Toleranz in unserer Gesellschaft gegenüber Trans ist eine wichtige Position, die aber nicht ausreicht, um voll akzeptiert zu werden. Viele ignorieren uns aber, weil sie mit uns nichts zu tun haben wollen. Aus das ist ein wichtiger Unterschied zu tolerieren. Für mich gibt es eine Reihung, wie wir wahr genommen werden können:
- Verfolgung
- Ablehnung
- Ignoranz
- Toleranz
- Akzeptanz
- Integration
- Bewunderung
- Verehrung
Die für mich beste Situation ist die Akzeptanz und die Integration. Ignoranz und und Toleranz sind "Durchgangsstationen" und der Rest ist für mich negativ besetzt.
Wobei ich ausdrücklich betonen möchte das ich diese - deine! - Ansicht nicht nur teile sondern auch sehr treffend finde.
In dem Punkt stimme ich Dir zu, aber das ist hier gar nicht gemeint. Fontane meint, wenn man es auf die heutige Situation von Trans überträgt, man kann eine Transe in der Stadt geflissentlich übersehen, weil man mit ihr nichts zu tun haben will. Das ist Ignoranz. Etwas nicht sehen wollen. Es wahrnehmen und der Person das Recht zugestehen, dass diese so leben kann, wie sie mag, ist Toleranz. Anders gesagt, wenn man etwas nicht verfolgt oder offen ablehnt, bedeutet das noch lange nicht, dass es toleriert wird. Wir neigen dazu, das zu verwechseln. Wenn wir en femme unterwegs sind und keine negativen Erfahrungen machen, bedeutet das eben noch lange keine Toleranz.Glaub ich nicht."Bloßes Ignorieren ist noch keine Toleranz." - Theodor Fontane
Wird leider viel zu häufig verwechselt ...
Wenn ich über etwas so weit nachdenke, das ich zu dem Schluss komme dass ich es toleriere ignoriere ich es doch schon nicht mehr.
Warum schreibt er denn nicht was er meint?...Fontane meint...
Woher weißt du was er meint wenn er es doch garnicht schreibt?
Da du auch das hier wieder auf das T*-dasein überträgst möchte ich erwähnen das ich mir zwar zutraue den Unterschied zwischen ignorieren und tolerieren (meistens) zu erkennen, es mir jedoch egal ist.
Hier sind wir schon wieder bei der Wertigkeit einer Lebenseinstellung.
Wenn mich jemand ignorieren muss hat seine Lebenseinstellung für mich keine hohe Wertigkeit, mit anderen Worten werde ich ihn wohl genau so ignorieren.
Puh, tut mir leid das es so viel Text ist, aber kürzer krieg ich das nicht hin.