Studie, die sich mit der Identität von Transmenschen auseinandergesetzt.
Studie, die sich mit der Identität von Transmenschen auseinandergesetzt. - # 2

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Frida
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Re: Studie, die sich mit der Identität von Transmenschen auseinandergesetzt.

Post 16 im Thema

Beitrag von Frida »

Hallo,

eigentlich sollte das eigentlich allen klar sein, dass Transsexualität keine Krankheit ist. Mir würde meine Therapeutin sofort bestätigen, dass ich psychisch vollkommen gesund bin und die kennt sich wirklich aus, beschäftigt sie sich doch schon lange Zeit mit transsexuellen Menschen. Sie wollte mich von Anfang an auch nicht therapieren, sondern allenfalls unterstützend beratend, begleiten, wenn nötig. Das macht sie auch prima.
Die Therapeuten, die ich kennenlernte, halten von dem jetzigen Procedere meist auch nicht viel und wünschen sich eine baldige Änderung.

Liebe Grüße, Frida
und ein schönes Wochenende allen (flo) ))):s
JaquelineL
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Re: Studie, die sich mit der Identität von Transmenschen auseinandergesetzt.

Post 17 im Thema

Beitrag von JaquelineL »

Hallo ihr Lieben,

auch wenn es hier zu einer Metadiskussion über Begriffe wird: Bei einer Abweichung sehr weniger Menschen und Erklärungsversuchen, die von einer Abweichung der "Geschlechtsidentität im Gehirn" von den körperlichen Gegebenheiten ausgeht, verursacht durch eine pränatale Störung der Entwicklung, kann man umgangssprachlich durchaus den Begriff "Erkrankung" heranziehen. Zumal es ja auch von den meisten Betroffenen als etwas bewertet wird, das "korrigiert" werden sollte.

Laut Duden ist "eine Krankheit" eine "körperliche [...] Störung, die an bestimmten Symptomen erkennbar ist". Ich finde, dass es das ganz gut trifft. Egal, ob man jetzt die geschlechtliche Ausprägung des Körpers meint (was das Einzige ist, das man heutzutage postnatal ansatzweise ändern zu können meint) oder bspw. die von einigen vermutete (körperliche) Andersentwicklung des Gehirns (nämlich eines Geschlechtsidentität-bestimmenden Teils)(was, unabhängig der tatsächlichen Ursache, bislang postnatal nicht anpassbar ist).

Nach all der Historie der Psychiatrie und Psychologie beim Umgang mit TS kann ich verstehen, dass wir uns nicht in die Ecke "geisteskrank" zurückdrängen lassen wollen - dennoch ist meiner Meinung nach der Begriff (körperliche) "Störung" nicht unangemessen und "Krankeit" im engsten Wortsinn in all jenen Fällen gerechtfertigt, in denen die Betroffenen auf eine medizinische Änderung der Situation hinwirken.

Liebe Grüße
Jackie
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Marielle
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Re: Studie, die sich mit der Identität von Transmenschen auseinandergesetzt.

Post 18 im Thema

Beitrag von Marielle »

Guten Abend zusammen, Jaqueline,
Bei einer Abweichung sehr weniger Menschen und Erklärungsversuchen, die von einer Abweichung der "Geschlechtsidentität im Gehirn" von den körperlichen Gegebenheiten ausgeht, verursacht durch eine pränatale Störung der Entwicklung, kann man umgangssprachlich durchaus den Begriff "Erkrankung" heranziehen.


Das sind ja gleich drei Annahmen auf einmal....... :wink:

"sehr wenige" sind wieviele? Und wer hat sie, nach welchen Kriterien, gezählt? "Geschlechtsidentität im Gehirn" werde ich nicht grundsätzlich in Frage stellen. Nur: Ob das so stimmt, weiss auch keiner so recht. "pränatale Störung" kann sein, kann auch nicht sein; wer weiss.

Ich glaube nicht, dass es gut ist (alle) Haltungen und Meinungen auf Annahmen und Thesen (mehr gibt es doch nicht, wenn wir ehrlich sind) zum 'Warum?' zu gründen. Es muss m.E. vielmehr darum gehen, einen verträglichen gesellschaftlichen Umgang damit zu fördern und auch zu fordern. Und dazu ist ein Krankheitsbegriff nicht so sonderlich gut geeignet (meine Annahme :wink:)

Habt es gut

Marielle
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ab08
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Re: Studie, die sich mit der Identität von Transmenschen auseinandergesetzt.

Post 19 im Thema

Beitrag von ab08 »

Marielle hat geschrieben: Es muss m.E. vielmehr darum gehen, einen verträglichen gesellschaftlichen Umgang damit zu fördern und auch zu fordern. Und dazu ist ein Krankheitsbegriff nicht so sonderlich gut geeignet (meine Annahme :wink:)
Danke, bin hier genau Deiner Meinung!

Liebe Grüße
Andrea
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Marielle
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Re: Studie, die sich mit der Identität von Transmenschen auseinandergesetzt.

Post 20 im Thema

Beitrag von Marielle »

Guten Tag zusammen, Hallo Claudia,
Mit dem Begriff "Krankheit" verbinden auch sehr viele die Begriffe "Hilfe" und "Unterstützung".
Das ist unstrittig. Man kann grade daran aber deutlich machen, warum es sinnvoll ist, 'tätige Hilfe' der Gesellschaft (sprich Kostenübernahme) vom sonstigen gesellschaftlichen Umgang mit Menschen mit trans*-Phänomenen zu trennen.

Der alltägliche Umgang der Mitbürger_innen mit uns ist nicht mehr durchgängig schlecht, ganz im Gegenteil, trotzdem gibt es noch zu viele Stellen, an denen weitere Verbesserungen wünschenswert wären. Es gibt leider Arbeitgeber, die erhebliche Leistungsausfälle befürchten, manche (noch zu viele) Menschen, die annehmen, dass wir eventuell etwas 'gaga' und schwierig in der sozialen Handhabung sind und auch Eltern, die sich Sorgen machen, dass ihr Kind wegen seines trans*-Seins Nachteile hat. Bei all diesen Aspekten ist der Krankheitsbegriff doch nicht hilfreich, sondern ein wesentlicher Teil des Problems.

Wenn Menschen über Schwierigkeiten am Arbeitsplatz, im Elternhaus oder im Freundeskreis berichten (es gibt hier genug Threads dazu), dann hat das objektiv nichts mit Fragen der Kostenübernahme zu tun. Es hat vielmehr mit Vorbehalten, Vorurteilen oder auch mit Sorgen zu tun, die die soziale und wirtschaftliche Leistungs- und Integrationsfähigkeit von trans*-Menschen betreffen. Im Hinblick darauf halte ich ein allgemeines Verständnis von trans* als Krankheit sogar für absolut kontraproduktiv, wenn man einen verträglichen gesellschaftlichen Umgang damit fördern will.

Das bedeutet aber wirklich nicht, dass ich dafür wäre, alle Klassifizierungen aus den einschlägigen Verzeichnissen mal eben so zu streichen, ohne sich Gedanken über einen adäquaten Ersatz zu machen. Ich sehe natürlich, dass sie im Hinblick auf medizinische Massnahmen eine wichtige Funktion haben. Ich finde es nur ganz klar suboptimal, die oben genannten Folgen im Interesse einer Teilgruppe der Community billigend in Kauf zu nehmen (zumal auch diese Teilgruppe oft genug über Schwierigkeiten im alltäglichen Umgang berichtet), um Teile der eigenen Interessen zu wahren. Man muss im bestehenden System leider fordern bzw. Forderungen formulieren, um ein Stück des Kuchens abzukriegen, diese Forderungen müssen aber nicht unbedingt einseitig und zu kurz gedacht sein.


Letztlich ist es wohl wieder der Punkt, über den ich mich seit Jahren aufrege. Es werden immer wieder Forderungen postuliert, die sich ausschliesslich um Teilgruppen-Interessen drehen, ohne auch nur den Versuch zu unternehmen, eine vernünftige und durchdachte Position zu erarbeiten, die allen (sic!) möglichst gut gerecht wird und sich möglichst gut in die Gesellschaft einpassen lässt. Übersehen wird dabei leider, um wieviel besser und auch schlagkräftiger es wäre, wenn eine breite Koalition von Gruppen / Menschen eine gemeinsame und laut hörbare Stimme zustande bringen würde.


Habt es gut

Marielle
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Anne-Mette
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Re: Studie, die sich mit der Identität von Transmenschen auseinandergesetzt.

Post 21 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Moin,

mir geht es um die Optimierung einer Begleitung und Betreuung von trans- und intersexuellen Menschen.

Mag sein, dass es berechtigte Personen gibt, die Discounter-Gutachten schreiben und die aufgewendete Arbeitszeit einem relativ geringen Entgelt entspricht.
Ich habe allerdings auch von anderen Fällen gehört: "30 Seiten" nannte mir jemand wörtlich.
Wie auch immer: mit Vorbereitungszeiten beträgt sicherlich auch für ein "Gefälligkeitsgutachten" der Zeitaufwand so viel, dass durch eine andere Regelung etwas einzusparen wäre.
Denn:
wir brauchen jede (Psychologen)Hand für andere und wichtige Aufgaben!

Die Situation in Schleswig-Holstein sieht im Moment so aus, dass Monate auf ein Erstgespräch bei einer Psychologing/einem Psychologen gewartet werden muss, wenn es um Transsexualität geht.
Von Folgeterminen will ich gar nicht sprechen.

Insofern halte ich es für sehr wichtig, als ersten Schritt die "rechtlichen Handlungen" von den übrigen zu trennen und zu vereinfachen (einfacher Antragsweg).

Die Aufrecherhaltung eines Krankheitsbildes gewährt uns keine Vorteile.

Gruß
Anne-Mette
ab08
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Re: Studie, die sich mit der Identität von Transmenschen auseinandergesetzt.

Post 22 im Thema

Beitrag von ab08 »

Danke, liebe Anne-Mette,

das Gutachten meines Erstgutachters ist gründlich, hat 10 Kapitel und umfasst im Kern 24 Textseiten, dazu kommen Literaturverzeichnis, Anlagen usw.
Es war kostspielig. Gut, bin Privatpatientin und es störte mich nicht, obwohl ich es voll selber zahlen musste, in psychischer Hinsicht mal gründlich untersucht zu werden.
So wußte ich wenigstens, dass ich völlig gesund bin. Dies bestätigte auch die Amtsärztin (Ebenfalls FA für Psychiatrie), die mich später, nach erfolgter Zwangspensionierung, gründlich untersuchte.
Diese Untersuchungen dauerten auch mehrere Stunden.

Das Gutachten der Amtsärztin (übrigens in leitender Stellung tätig) war hinterher kurz (nur wenig mehr als eine Seite) und zum Glück sehr deutlich:
Da mir auch körperlich nix fehlte --> Voll dienstfähig - Überdies betonte sie ausdrücklich "Transsexualität ist keine Krankheit!" :wink:
Daher wurde die vorzeitige Versetzung in den Ruhestand rückgängig gemacht. (sic!)

Wenn allgemein bekannt wäre, dass Transsexualität ist eben keine Krankheit ist, hätte ich wahrscheinlich keinerlei Probleme gehabt...

Liebe Grüße
Andrea

Klartext: Für mich ist die Sache also alles andere als eine rein 'akademische' Diskussion!! - Es war mit erheblichem Zeitaufwand (bei mir über ein Jahr) und Kosten verbunden.
Und das alles nur, weil Formulierungen unpräzise und Vorschriften reparaturbedürftig sind.
Ich ging trotzdem über diese baufällige Brücke, weil ich unbedingt hinüber musste, denn ich bin eben "transsexuell"!
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Re: Studie, die sich mit der Identität von Transmenschen auseinandergesetzt.

Post 23 im Thema

Beitrag von Katarina »

Hallo

Was ich als Transmensch belastend finde ist, dass ich nicht selbstbestimmt leben und selbstbestimmt meine Veränderung gestalten kann. Ich werde gezwungen Ärzte und Therapeuten aufzusuchen und brauche zwei Gutachten um meinen Vornamen zu ändern. Mir ist das alles viel zu viel Bevormundung. Ich bin erwachsen, stehe mit beiden Beinen im Leben, tragen Verantwortung im Job, aber bei Transthemen habe ich zuwenig Selbstbestimmung. Das finde ich schade.

LG
Katarina
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Re: Studie, die sich mit der Identität von Transmenschen auseinandergesetzt.

Post 24 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Moin,

das stimmt; es wird ja schließlich von der "Macht der BehandlerInnen" gesprochen.

Kompetenz ist gut; aber diese Macht geht in vielen Fällen zu weit und schränkt die persönlichen Rechte von vielen Menschen ein.

Gruß
Anne-Mette
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Re: Studie, die sich mit der Identität von Transmenschen auseinandergesetzt.

Post 25 im Thema

Beitrag von JaquelineL »

Hallo ihr Lieben,

erst mal vorweg: ich selbst sehe mich/TS nicht als "krank" im Sinne von "müssen vor sich selbst geschützt werden" an. Außerdem sehe ich die Gutachterei zu einer (aus meiner Sicht) Verwaltungslapalie mit dem Akronym VÄPÄ als völlig überzogen und unangemessen an. Schon der Begriff "Krankheit" ist derart ko-notiert, dass ich kritische Stimmen hierzu mehr als verstehen kann. Mein obiger Beitrag sollte eher Verständnis für die entsprechende Bezeichnung durch Dritte ausdrücken. Mit dem Begriff "Störung" hätte ich übrigens überhaupt keine Probleme. Schlussendlich ist das aber eher ein Begriffsthema, bei dem lediglich das "allgemeine Verständnis des jeweiligen Wortes" ausschlaggebend ist.

Hinsichtlich der medizinischen, unumkehrbaren Maßnahmen bin ich jedoch durchaus für eine Pflicht zu qualifizierten Beratung. Selbst hier im Forum gibt es so viele Betroffene, die sich ihrer Position unsicher sind und deren Selbstverständnis sich im Laufe der Zeit signifikant geändert hat. Da befürworte ich durchaus, das nicht "auf Zuruf" und nur oberflächlich begleitet Hormontherapie durchgezogen werden und die von Anne-Mette angesprochenen Gefälligkeitsgutachten zur Basis eines chirurgischen Eingriffs werden. Gut fände ich, wenn jede(r) die Möglichkeit einer fachlich und menschlich kompetenten Begleitung bekommt, einer Fachkraft, die hilft das persönliche Optimum zu finden, es gegen das mögliche Minimum abzugleichen unterstützt und dann an der Definition des schlussendliche Weges mitarbeitet.

Wohlgemerkt, selbst wenn es juristisch auf so etwas wie ein "Gutachten" vor Maßnahmen hinausläuft, sehe ich da durchaus einen Unterschied. Eher so wie die "Verschreibung" bei einem herkömmlichen Facharzt, der ja auch z. B. chirurgische Maßnahmen freigibt - in der Regel offensichtlich korrigierend, manchmal dann aber auch sehr, sehr teuer.

Hinsichtlich der VÄPÄ frage ich mich ernsthaft, warum man hierfür zwei Gutachten benötigt, während für eine Abtreibung, von diversen Menschen ja sogar als Tötung betrachtet, ein Beratungsgespräch juristisch ausreichend ist. Wäre es nicht schön, wenn z. B. Pro Familia auch für unsereins einen Beratungschein ausstellen dürfte und der für den Antrag ausreicht? Und es vielleicht dann nur noch ein Verwaltungsakt ist, statt Gerichte zu beschäftigen? Die haben doch schon genug mit H4-Widersprüchen zu tun ;)

Meines Erachtens ist hier tatsächlich noch viel Spielraum für eine signifikante Verbesserung unserer Verwaltungsabläufe. Aber zugegeben, da gibt es auch bei viel mehr Mitbürger betreffenden Vorgängen das gleiche Potential. Trotzdem kein Grund, dass wir uns hinten anstellen müssen :mrgreen:

Liebe Grüße
Jackie
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Anne-Mette
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Re: Studie, die sich mit der Identität von Transmenschen auseinandergesetzt.

Post 26 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Moin,

den Artikel von heise.de haben wir vor längerer Zeit schon einmal genannt/verlinkt. Es schadet bestimmt nicht, ihn nochmals zu nennen:

"Das Schweigen der Transsexuellen"

Das Europäische Parlament hat die andauernde Pathologisierung transsexueller Menschen auch in der EU scharf verurteilt, aber darüber spricht man nicht

http://m.heise.de/tp/artikel/35/35641/1.html

Gruß
Anne-Mette
Antworten

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