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Re: Wie sollen/wollen wir angesprochen werden?
Verfasst: Di 14. Jun 2016, 08:28
von ExUserIn-2026-04-08
Wie wäre es mit:
Liebe Menschen ...

Re: Wie sollen/wollen wir angesprochen werden?
Verfasst: Di 14. Jun 2016, 08:34
von Ulrike-Marisa
Moin,
...ohne Haarspalterei betreiben zu wollen, mir reicht en femme ein einfaches guten Tag Frau Vxxxx; Da ich namensrechtlich nicht umgeschrieben bin, habe ich keinen rechtlichen Anspruch auf irgend eine spezielle Anrede außer das, was im Ausweis steht. Das habe ich jetzt mehrfach auf Dienstreisen erlebt, wo die Hotels (meist internationaler Ketten) über ein Dienstleistungszentrum gebucht werden, dass ich trotz kleidungsmäßig en femme an der Rezeption mit guten Tag Herr Vxxx angesprochen wurde, obwohl ich vorher darauf hingewiesen habe, dass ich mit meinem gewählten Namen bitte zu benennen wäre. Dem wird nicht Folge geleistet, da es in der Anmeldung und und auf der Kreditkarte eben anders steht - meine Erfahrung dazu; ist nicht immer witzig, aber es gibt keinen Anspruch und die Hotelreptionsmitarbeiter_innen haben wohl klare Anweisungen zu so einem Fall. Die fallen auch nicht um, wenn ich ihnen in die Augen schaue. Ganz anders die Reaktion von Polizisten-innen, wie ich mittlerweile bei Straßenkontrollen feststellen konnte. Die waren da irgendwie weiter und haben mir als Frau Vxxx gute Fahrt gewünscht trotz meines guten alten grauen Lappens mit meinem wohl früheren Namen, wie sie vermuteten...
Gruß, Ulrike-Marisa

Re: Wie sollen/wollen wir angesprochen werden?
Verfasst: Di 14. Jun 2016, 08:59
von ExUserIn-2026-04-08
Die Polizei hat klare Anweisungen, wie sie sich in einem solchen Fall zu verhalten hat. Insofern ist es ihnen ja auch egal, wie Du Dich ihnen präsentierst. Die Reaktion in Hotels finde ich interessant. Das die sich so hartnäckig verhalten, ist interessant. Vielleicht probiere ich das einmal aus ...
Übrigens, in Yachthäfen habe ich bisher, außer kurzzeitigem Innehalten, noch keine Befremdung festgestellt. Dort wurde niemals die männliche Form benutzt, sondern ich wurde so akzeptiert, wie ich mich präsentiert habe. Ich verstehe nicht, warum das in Hotels anders ist. Vielleicht fragst Du sie einfach ?
Viele Grüße
Vicky
Re: Wie sollen/wollen wir angesprochen werden?
Verfasst: Di 14. Jun 2016, 09:54
von NanaVistor
Ich kann dieses "wir angesprochen werden" nur auf mich beziehen. Bin ich als Nana unterwegs, bin ich eine Dame und möchte auch so angesprochen werden, in allen anderen Fällen bin ich "Herr".
Bei Massenansprachen ist das vollkommen uninteressant, da nur Floskeln. Und selbst da, bin ich das eine oder das andere.
Politisch korrekt wäre vermutlich, jede Person einzeln herauszugreifen und anzusprechen, je nach Seelenlage, Status, Herkunft, Ziel, Wunsch, usw....
oder alles einfach zu versachlichen und Neutrums zu schaffen...
lg
Nana
Re: Wie sollen/wollen wir angesprochen werden?
Verfasst: Di 14. Jun 2016, 10:19
von Marielle
Guten Morgen zusammen, Hallo Vicky,
Ich werde eben nicht mehr als geschlechtsbehaftetes Wesen gesehen, sondern werde als Neutrum behandelt. Ist das besser ?
Ich (meine Meinung) fände es besser, wenn Geschlecht keine Kategorie wäre, die im allgemeinen! menschlichen Miteinander eine Rolle spielt. Warum sollte das Geschlecht als Eigenschaft angesehen werden, die berücksichtigt oder gar hervorgehoben werden muss? Hautfarbe und Nationalität werden i.d.R. aus gutem Grund nicht kategorisierend verwendet. Warum dann aber das Geschlecht eines Menschen, von dem man obendrein zumindest annehmen muss, dass es weder binär noch eindeutig ist, wenn man sich nicht auf Zuweisungen anhand von Stereotypen beziehen will? Andersherum betrachtet könnte man auch fragen, ob es einen Anspruch auf die Betrachtung als geschlechtsbehaftetes Wesen gibt und wie dieser Anspruch begründet wird, wenn man weiss, dass die dazu verwendeten sprachlichen Formen auf manche Menschen nicht zutreffen.
Den Hinweis auf "die sprachliche Vergewaltigung" durch Versuche an der Sprache und ihrer Wirkung etwas zu verbessern, finde ich nicht richtig. Aus meiner Sicht hat Sprache, im Gegensatz zu Menschen, keinen Anspruch auf Unversehrtheit. Ich glaube auch nicht, dass man Sprache überhaupt vergewaltigen kann; es geht wohl vielmehr um das Sprachempfinden mancher Sprachnutzer_innen.
Daraus folgt für mich die Notwendigkeit einer Abwägung zwischen dem Sprachempfinden und dem Persönlichkeitsempfinden von Menschen, bei der ich eindeutig zu dem Schluss komme, dass das Persönlichkeitsempfinden (das hinsichtlich des Geschlechts in einer üblichen Anrede zugewiesen und benannt wird) weit! vor dem Sprachempfinden zu stehen hat.
Es mag sein, dass der Unterstrich nicht die beste Lösung ist. Man kann damit aber ausdrücken, dass man die Problematik erkannt und verstanden hat, die Existenz von Nichtbinären anerkennt und Geschlecht nicht zuweisen will, wobei die männliche und weibliche Anrede immer noch den größeren Raum einnehmen. Der Unterstrich ist quasi der Vorschlag einer statistisch angemessenen Kompromis-Form, die die Sprachempfindler, aus meiner Sicht, viel zu einfach abtun. Das von dort keinerlei Vorschläge für Verbesserungen kommen, kann für mich nur heissen, dass man nicht gewillt ist, das Problem zu sehen.
Habt e_s gut
Marielle
Re: Wie sollen/wollen wir angesprochen werden?
Verfasst: Di 14. Jun 2016, 10:28
von Salmacis
wir machen doch erst einen Hype drum. wir geben doch erst Schubladen Kraft indem wir sagen "aber ich will noch eine eigene Schublade".
Mann, Frau, Intersex, meine Fresse wenn wir alles berücksichtigen haben 30 Minuten Begrüßung mit anschließendem Disclaimer vor uns warum Menschen, die sich als Hybride ansehen nicht mit eingeschlossen sind und bla bla bla.
Ganz ehrlich, dann lassen wir das eben ganz weg. Wir sagen einfach nur noch "Tag", aber auch nur so lange die Sonne scheint. Danach ist es eben Abend, oder Morgen, oder Nacht.
Weil "guten Tag" würde ja wieder implizieren, dass wir alle einen solchen haben, wie verletzend.... wäh wäh...
Solche Themen, so wichtig sie auch für euch sein mögen, sind die Themen, die uns vor den "normalos" lächerlich machen, bei denen die völlig den Anschluss und jegliche Empathie verlieren, weil es einfach nicht wichtig ist.
Solange es Menschen gibt, die wirklich unter ihrer Sexualität und/oder ihrer Identität leiden, sind solche "political ubercorrectnes" Diskussion völlig sinnlos.
Ich rede hier nicht davon das generische Maskulin oder das generische Feminin zu propagandieren, aber begnügen wir uns damit, dass es erstmal so läuft.
Wer von euch Kontakt zu Unis hat und da mal Arbeiten und Vorträge schreibt, der weiß wie schwierig es ist diesen zu "gendern" um so Mann und Frau gleichermaßen anzusprechen. Und jetzt noch Intersexuelle?
Die Diskussion wird schon in anderen Foren und Protal ad absurdum geführt:
https://apps.carleton.edu/student/orgs/saga/pronouns/
"He, She, They, Ze" ... da fuck?!
Re: Wie sollen/wollen wir angesprochen werden?
Verfasst: Di 14. Jun 2016, 10:44
von Anne-Mette
Moin,
für mich kommt es darauf an, in welchem Rahmen die Ansprachen stattfinden.
Gerade auf einer "Regenbogenveranstaltung" erwarte ich mehr als "Sehr geehrte Damen und Herren!"
Wenn ich zu einer Versammlung der Kreishandwerkerschaft gehe, wäre das nicht der Fall.
Im persönlichen Umgang sage ich den Leuten, wie ich "es" gerne hätte.
Es wird sich mit der Zeit sicherlich ein Sprachgebrauch etwickeln, der praktikabel ist. Dazu brauchen wir auch AktivistInnen, die "nerven"

- sonst wird sich nichts bewegen.
Mitten in Texten ärgern mich die Unterstriche und Sternchen, die das Lesen von Fachtexten noch anstrengender machen.
Ich würde mich sehr stark dafür machen, "vorhandenes Kulturgut" bestehen zu lassen und nicht daran rumzubasteln.
In Dänemark wird in vielen Werken das Wort "Neger" durch "Afrikaner" ersetzt; z.B. darf es bei Pipi Langstrumpf nicht mehr "Negerkönig"heißen.
Gruß
Anne-Mette
Re: Wie sollen/wollen wir angesprochen werden?
Verfasst: Di 14. Jun 2016, 12:20
von ExUserIn-2026-04-08
Hi Marielle,
Ich (meine Meinung) fände es besser, wenn Geschlecht keine Kategorie wäre, die im allgemeinen! menschlichen Miteinander eine Rolle spielt.
Dem kann ich gut folgen. Jedoch steht es im gewissen Widerspruch, wenn man sich selber durch den eigenen Auftritt in Kleidung und Gestik einem Geschlecht zuweist. Dort legt man i.A. Wert auf eine geschlechtliche Zuweisung. Insofern spielt es auch im allgemeinen, menschlichen Miteinander eine Rolle. Wenn man das Geschlecht im Gespräch vermeidet, kann es als Ausdruck der Ignoranz gedeutet werden. Es kommt immer darauf an, wie man als Angesprochene die Situation bewertet und so ist der Hinweis, dass es Deine Meinung ist, sinnvoll.
Mir persönlich ist es auch egal, aber en femme als "Herr" angesprochen zu werden, geht gar nicht. Ein simples "Hallo" reicht mir aus. Ich habe da auch Verständnis für die Verwirrung meines Gegenüber...
Re: Wie sollen/wollen wir angesprochen werden?
Verfasst: Di 14. Jun 2016, 13:11
von Exuserin-2016-074-06
Dolores59 hat geschrieben:.
- schwierige Fragen: "Krankenschwester bis Krankenbruder"? Zu Hebamme fällt mir echt nichts ein ("Hebammer bis Hebammerin?")
Dolores
Das ist eine der einfachsten Fragen. Es heißt Krankenpfleger/in. Für Hebamme ist die männliche Bezeichnung Geburtshelfer. Demnach lautet der neutrale Begriff Geburtshelfer/in
Re: Wie sollen/wollen wir angesprochen werden?
Verfasst: Di 14. Jun 2016, 14:16
von Lieschen
Hallo,
ich frage zwischendurch mal ganz gezielt: am nächsten Samstag ist in Oldenburg CSD. Bisher wurden, wenn ich mich richtig erinnere, vom Bürgermeister immer nur die "lieben Schwulen und Lesben" angesprochen. Ich werde ihm über die Frau Jungkunz schreiben und am Samstag bei seiner Rede gaaaanz genau hinhören. Wie soll er die Anwesenden ansprechen? Vielleicht: "Liebe Gäste des diesjährigen CSD Oldenburg! Ich freue mich ganz besonders ...."
Es ist unsere Chance, etwas zu verändern.
Tschüs,
Lieschen
Re: Wie sollen/wollen wir angesprochen werden?
Verfasst: Di 14. Jun 2016, 15:35
von Nicoletta
Myriam hat geschrieben:Naja, ich persönlich rege mich auch nicht darüber auf, weil mich noch entweder die eine oder die andere 'binäre' Anrede trifft. Davon abgesehen, bin ich der Meinung, dass in Deutschland ein übertriebener Eifer existiert, alles zu genderisieren.
Ich warte noch auf den Pfarrer, der seine Predigt mit "Liebe Gläubige und Gläubiginnen..." beginnt.
Vielleicht gibt es das schon. Schon vor einigen Jahren gab es in Bonn an der Uni regelmäßige Einladungen an Erstsemester_innen. Ich mache diese Verhunzung der Sprache nicht mit. Zu "Studierenden" (obwohl nicht alle Studenten und Studentinnen wirklich studierende sind) habe ich mich durchgerungen, obwohl das generische Maskulinum Studenten eigentlich reichen sollte, und wenn ich E-Mails an alle meine "Studierenden" schreibe, dann lautet die Anrede "Liebe Teilnehmer des Arbeitskreises", obwohl mit einer Ausnahme alle Teilnehmer weiblichen Geschlechts sind. Beschwert hat sich noch keine.
LG Nicoletta
Re: Wie sollen/wollen wir angesprochen werden?
Verfasst: Di 14. Jun 2016, 15:59
von Joanna
Wie hier auch schon gesagt, es kommt einfach auch auf die Situation an.
Mir ist es aber noch nie passiert, dass wenn ich en femme unterwegs bin, als Herr angesprochen werde. Egal wo, ich werde als Dame angesprochen und genieße das auch jedes mal Ja, das tut mir gut.
Und offiziell? Ich bin weder schwul noch lesbisch. Ich bin transident/transsexuell. Und ich möchte, dass diese "Normvariante" nicht nur anerkannt wird, sondern auch Eingang in unseren offiziellen Sprachgebrauch findet.
Joanna
Re: Wie sollen/wollen wir angesprochen werden?
Verfasst: Di 14. Jun 2016, 16:15
von Anne-Mette
Moin,
nur mal eine Frage zum besseren Verständnis.
Ich bin transident/transsexuell. Und ich möchte, dass diese "Normvariante" nicht nur anerkannt wird, sondern auch Eingang in unseren offiziellen Sprachgebrauch findet.
Ist es für Dich so, dass Du transsexuell
bleibst und auch weiterhin so angesprochen werden möchtest?
Ich frage, weil mir viele Menschen gesagt haben: "...dann bin ich Frau/Mann - in meinem "Zielgeschlecht angekommen, ganz Frau/Mann".
Wie sollten Deiner Meinung nach transsexuelle Menschen in einer Gruppe / als Gruppe angesprochen werden?
Gruß
Anne-Mette
Re: Wie sollen/wollen wir angesprochen werden?
Verfasst: Di 14. Jun 2016, 16:29
von Joanna
Ad 1
Nun ja, ich werde nie in meinem "Zielgeschlecht" ankommen. Schon aus Altersgründen! Was soll das?
Ad 2
So, wie es ist. Wir sind, was wir sind. Transsexuelle.
Re: Wie sollen/wollen wir angesprochen werden?
Verfasst: Di 14. Jun 2016, 16:35
von Anne-Mette
Moin,
Was soll das?
Etliche Menschen, die ich getroffen habe, erzählten mir, dass sie vom "zugewiesenen Geburtsgeschlecht"
eine Transition ins "Gegengeschlecht" erleben/erlebt haben.
Nun sind sie dort "angekommen". Sie sind ganz Frau/Mann...
... und nicht mehr transsexuell. Sie möchten auch nicht mehr als transsexueller Mensch wahrgenommen werden.
Gruß
Anne-Mette