Einen hab' ich noch

Allerdings, dies vorweg geschickt, empfand ich nachfolgendes Ereignis als nicht sehr negativ, es fiel mir nur schlicht auf.
Mit einigen männlichen Kollegen waren wir zum Mittagessen in einem Lokal. Auf dem Rückweg lag ein Elektro(nik) Großmarkt, der gerade ein paar Sonderangebote haben sollte. Also gingen wir, weil es auf dem Weg lag und wir noch etwas Zerstreuung suchten, einfach mal wieder hinein. Wir alle, also auch ich, kennen diesen Markt recht gut, die Preise sind ganz OK, meist findet man aber nichts Besonderes.
Wir verteilten uns auf die Abteilungen, ich ging zunächst mit Zweien in Richtung der neuesten Flachbildfernseher, wo ich dann zum ersten mal sehr freundlich angesprochen wurde, ob denn alles OK sei, ich Fragen hätte, ob ich etwas bestimmtes suchte etc. Nein danke, ich komme zurecht. Ich wollte eher in Richtung Computer / Notebooks, da ich noch immer ein möglichst kleines Gerät suchte. Dazu musste ich durch die Handy- und MP3-Player-Abteilung und wurde auch dort wieder sehr freundlich angesprochen, ob denn alles in Ordnung sei, ich etwas bestimmtes suchte etc. Langsam kam mir das etwas seltsam vor, was ist denn hier los? So kannte ich den Laden gar nicht? Weder dieses aktive auf Kunden Zugehen und schon gar nicht diese ausdrückliche Freundlichkeit. Neue große Charme-Offensive? Bei den Notebooks wieder das gleiche, freundliche Fragen - nein Danke, ich komme zurecht.
Doch dann dämmerte es mir langsam. Meine männlichen Kollegen wurden nicht in dieser Form angesprochen, sondern eigentlich nur ich. Ich, eine Frau im Hi-Tech Geschäft.
Ja, dies ist auch eine Form von Sexismus. In dieser Form als solcher nicht schlimm, aber es offenbart klar eine Ungleichheit im Ansehen an einer Stelle bzw. in einem Bereich, wo das Geschlecht nun wirklich gar keine Rolle spielt, oder spielen sollte. Das etwas belustigende bei der Sache ist, dass dies natürlich uns trans* Menschen nun besonders auffällt, denn wir kennen es in der Regel noch, wie es vorher war und wie es jetzt ist. Was für cis Menschen vielleicht irgendwann zu einer Vermutung oder These wird, wir erleben es hautnah. Schon spannend
Vor ein paar Wochen hatte ich die Gelegenheit einen Vortrag im Rahmen einer Ringvorlesung in Hamburg zu halten. Dort erwähnte ich auch mein Erlebnis vom Anfang dieses Strangs, von der Ungleichbehandlung auch im professionell beruflichen Umfeld und das wir Frauen uns meist beweisen müssen, wo es bei Männern zunächst vorausgesetzt wird. Das Lustige war, dass als ich dies erzählte, alle Frauen im Publikum sehr verständnisvoll und schon fast mitleidig nickten.
Jetzt muss ich aber auch sagen, das ist Jammern auf recht hohem Niveau. Sicherlich ist es wünschenswert, dass auch dies irgendwann einmal aufhört, doch damit kann man zurecht kommen. Frauen haben fast völlige Chancengleichkeit, wenngleich sie nach wie vor hier und dort ein wenig mehr Gas geben müssen. Aber es gibt keine Regeln, Normen oder gar Gesetze mehr, die Frauen von Bildung oder bestimmten Arbeitsplätzen völlig abschneinden würden, ganz im Gegensatz zu vielen anderen Ländern. Gleiches gilt natürlich dann auch entsprechend für trans* Frauen, völlig ohne Frage.
Liebe Grüße
nicole
[1] Sexismus
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Sexismus