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Re: Nur ein Weg beim Therapeuten? Oder: "wie hört man damit auf"?

Verfasst: Mo 9. Nov 2015, 21:15
von Johanna Dornal
Hallo Nicki,
Du bist in etwa dem gleichen Gemütszustand, den ich seit einiger Zeit genauso erlebe. Hat die Frau da in mir so langsam den Mann in den Griff gekriegt oder gar niedergekämpft? All meine männlichen Eigenschaften scheinen abgelöst worden zu sein von ihren weiblichen. Wenn ich mir anschaue, wie mehr und mehr meiner männlichen
Hobbies kaum noch eine Rolle für mich spielen, stattdessen sich auf einmal fast alles nur noch um weibliche Dinge dreht, verwirrt mich das doch sehr. Es ist anstrengend und es zieht mir die ganze Energie aus meinem Körper. Zudem macht es mich depressiv. ich verliere immer mehr an Lebensfreude, weil Johanna mich dominiert. Aber lassen kann ich nicht von ihr, weil ich sie auch einfach gern habe. Es macht mich fertig, denn außer mit meiner Frau kann ich mit niemandem darüber sprechen, sieht man von diesem und anderen, ähnlichen Foren ab. Ohne die, würde ich gar kein Bein mehr auf den Boden bringen.
Ich habe gesehen, daß Du aus Mainz kommst. Bin gespannt, wie es Dir mit Deinem Therapeuten ergangen ist. Ich gucke mich auch um, in und um MZ. Habe auch eine inteerssante Psychologin eruiert hier in meiner unmittelbaren Nähe, die selbst TS war, und sich somit mit der Materie gut auskennen sollte.
Liebe Grüße
Johanna (888)

Re: Nur ein Weg beim Therapeuten? Oder: "wie hört man damit auf"?

Verfasst: Di 10. Nov 2015, 01:19
von nicole.f
Für Mainzer_innen könnte ich auch noch die Bar Jeder Sicht empfehlen:
http://www.sichtbar-mainz.de/
Nach Vereinbarung gibt es dort auch ein Trans*-Beratungsteam.

Liebe Grüße
nicole

Re: Nur ein Weg beim Therapeuten? Oder: "wie hört man damit auf"?

Verfasst: Di 10. Nov 2015, 11:18
von Andrea-Yvette
Hallo Nicki,

vielleicht wird Dein Termin besser als Du denkst.

Da ich lieber heraus finden will, was ich wirklich möchte, statt mir über die Krankenkasse und evtl. zugeteiltem Psychiater "einfach" nur die Zustimmung zu Hormonen etc. zu holen, habe ich mich für einen privaten Termin, frei und mit "offenem" Ergebnis entschieden. Am meisten musste ich mir dazu erst mal vornehmen, wirklich frei für alles zu sein, was da kommt.

Heraus gekommen ist für mich dabei, zunächst einmal beide Seiten zu akzeptieren. Meine männlichen und weiblichen Anteile im hier und jetzt zu 100% zu leben. Das klappt soweit ganz gut, dass ich es leichter akzeptieren kann, wenn ich männlich sein "muss". Und ich geniesse es total, wenn ich so weiblich - passend/akzeptabel wie möglich auftrete. Ich fühle mich dabei absolut sicher und gut. Auch wenn ich als Mann erkannt werde.

Den einzigen Zwiespalt gibt es für mich derzeit im Vergleich mit anderen. Um eindeutig männlich angesehen zu werden, habe ich mich bereits zu sehr von der männlichen Seite entfernt. Dann vergleiche ich mich mit den anwesenden Damen. Zu diesen fehlt mir logischerweise ebenfalls noch einiges bzw. das eine oder andere. Irgendwie idiotisch, dass sich diese strikte Trennung auch in meinem Denken findet. Aktuell brauche ich wohl wieder einen Termin, der mir da weiter hilft.

Es ist denke ich grundsätzlich schon mal ganz gut, wenn Du einen Termin machst. Letztendlich entscheidest Du dann wie, in welcher Form und welche Aspekte Deiner Persönlichkeit Du leben willst.
Aufhören halte ich definitiv für unmöglich. Dafür macht zumindest mich meine weibliche Seite viel zu glücklich und ich bin auch viel zu dankbar für alle Erfahrungen, welche mir diese bereits gebracht hat.

Viele liebe Grüsse

Andrea-Yvette

Re: Nur ein Weg beim Therapeuten? Oder: "wie hört man damit auf"?

Verfasst: Di 10. Nov 2015, 12:59
von Nicki
nicole.f hat geschrieben:Für Mainzer_innen könnte ich auch noch die Bar Jeder Sicht empfehlen:
http://www.sichtbar-mainz.de/
Nach Vereinbarung gibt es dort auch ein Trans*-Beratungsteam.

Liebe Grüße
nicole
Auf der Seite war ich schon öfter. Ich hatte auch überlegt, dort mal nach Beratung zu fragen. Aber was sagt man da? Wobei beraten die mich? Ich werd aus deren Seite nicht schlau. :roll:

Re: Nur ein Weg beim Therapeuten? Oder: "wie hört man damit auf"?

Verfasst: Mi 11. Nov 2015, 10:43
von nicole.f
Liebe Nicki,
ja, Webseiten :) Immer so ein Problem. Melde Dich einfach bei denen mal, und sage Du suchst eine Trans* Beratung. Die leiten das dann an das Trans* Beratungsteam weiter.

Die Beratung selbst ist ergebnisoffen, so wie es auch Andrea-Yvette beshrieb. Eine gute Beratung, so sehe ich das zumindest, hilft Dir *Deinen* Weg zu finden und zu gehen, wie auch immer der dann aussehen mag. Gute Beratung ist also eher ein gutes und offenes Gespräch. Das geht so ein wenig in die Richtung der Klienten zentrierten Gesprächsführung nach Carl Rogers. Nicht der_die Berater_in sagt Dir, was gut oder richtig ist oder wäre, sondern gemeinsam wird versucht, dass Du selbst aus Dir heraus erkennst, was das Richtige für Dich ist.

Liebe Grüße
nicole

Re: Nur ein Weg beim Therapeuten? Oder: "wie hört man damit auf"?

Verfasst: Mi 11. Nov 2015, 12:11
von Lina
Nicki hat geschrieben:
Lina hat geschrieben:Und ich sehe mich als Coach...
Wie darf man das verstehen? Begleitest du beruflich TG/TS auf ihrem Weg?
T-Personen sind nicht spezifisch meine Zielgruppe. Meistens geht es ja bei Psychologen auch eher darum, ein med. Gutachten gestellt zu bekommen. Dafür sind andere Zuständig.
Ich kann aber helfen in vielen anderen Zusammenhängen, wenn es darum geht, Dinge im Leben - sei es konkrete Projekte - oder auch ganz persönliche Sachen im Leben zu ändern.
Das hier ist ein gutes Beispiel. Jemand will mit dem XX aufhören. Völlig OK - vielleicht will er das wirklich und ich kann ihm helfen seine Psyche in eine Richtung zu lenken, dass er es auch tut. Vielleicht stellt es sich aber heraus, dass er in Wirklichkeit was ganz Anderes will. Dann kann ihm vielleich helfen Wege zu entdecken genau das in sein Leben sinnvoll zu integrieren. Entdecken ist das richtige Wort. Der Klient muss. Deshalb ist man Coach und nicht Behandler.

Wir hatten schon eine erster "Mini-Schritt" in dem Thread. Mir war es wichtig ihm zu zeigen (und euch anderen), dass man immer noch selber entscheidet.
Es heißt so oft "ich kann nicht en femme rauxgehen": Das stimmt in der Regel nicht. Die Frage ist, was sind die Konsequenzen?. Wird er hingerichtet. Oder ist die schlimmste Konsequenz, dass die Kids an der Ecke evtl. dumme Sprüche machen? Da geht es schon los mit dem "was wäre wenn Gedankenexperiment", das durch das "ich kann nicht", blockiert wurde.

Was ich übrigens auch mache sind Einzelcoachings und Workshops zum Thema Körpersprache. Das kann jeder gebrauchen

Re: Nur ein Weg beim Therapeuten? Oder: "wie hört man damit auf"?

Verfasst: Mi 11. Nov 2015, 12:48
von ExUserIn-2026-04-08
Hallo Nicki,

es ist schon viel sinnvolles gesagt worden. Ich möchte das nicht wiederholen, aber vielleicht hilft es Dir, wenn Du siehst, wie ich damit umgehe.

"Das Doppelleben besteht nur darin, dass es als Doppelleben betrachtet wird."

Das trifft den Kern sehr gut, wie ich finde. Ich bin wie ich bin und dazu gehören längere Phasen des "Nicht-Transen-Müssens". Dann frage ich mich, warum das überhaupt wichtig für mich ist. Dann gibt es auch Phasen, in denen mir das Transen ganz viel gibt. Es sind zwei Seiten einer Medaille. Ich habe gelernt, dass beide Phasen zu mir gehören. Genau wie es Phasen gibt, in denen ich meinem Hobby nachgehe und manchmal auch völlig desinteressiert daran bin. Nun ist Transen kein Hobby, aber es zeigt sich, dass es manchmal notwendig ist und manchmal nicht. Worin liegt das Problem ?

Ich habe mich auch für diese Eigenschaft verflucht und war verzweifelt. Aber die Verzweiflung ist mein Problem und nur ich kann es lösen (mit oder ohne Hilfe von Dritten). Stelle Dir vor, Du hättest die Neigung nicht, Dein Leben wäre definitiv viel weniger bunt. Es geht auch nicht darum was die Gesellschaft oder Dein Umfeld über Dich denkt. Es geht ganz stark darum, was Du denkst, was Andere denken.

Aber ist das maßgebend für Dich ? Wenn ja, lebst Du Dein Leben oder lässt Du Dir Dein Leben von anderen bestimmen ?

Wenn Du nicht mehr transen willst, dann lasse es. Wenn Du es nicht lassen kannst, dann lebe es.

Du kennst wahrscheinlich das "Gelasssenheitsgebet":

Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Und eine Ergänzung meinerseits: man muss Transen nicht "hinnehmen", man kann es bewusst leben. Das muss man nicht jeden Tag tun. Man muss auch nicht sein ganzes Leben danach ausrichten. Aber wenn der Wunsch kommt, ist er eben da.

Mach was daraus.

Re: Nur ein Weg beim Therapeuten? Oder: "wie hört man damit auf"?

Verfasst: Mi 11. Nov 2015, 14:14
von Theresa
Hallo Vicky-Rose,

Ich bin zwar nicht Nicki, finde Deinen Beitrag aber sehr hilfreich.
Es stimmt, wäre die Frau in mir weg würde sie ein riesen Loch hinterlassen. Und wenn sie mal ein paar Tage verschwunden ist, fehlt sie mir tatsächlich irgendwie! Genau so, wie der Drang danach sie ausleben zu wollen / müssen, manchmal nervt! :-)

Mein Empfinden hast du sehr gut auf den Punkt gebracht!

Das schlimme ist, ich war schon mal an dem Punkt mich so zu akzeptieren, habe es tatsächlich im täglichen Leben irgendwie aus den Augen verloren.

Danke für den Beitrag. Den sollte ich mir bookmarken!

Viele Grüße

Theresa

Re: Nur ein Weg beim Therapeuten? Oder: "wie hört man damit auf"?

Verfasst: Mi 11. Nov 2015, 21:37
von Nicki
Ich war heute bei einem Therapeuten und habe ihn die Frage des Threads gestellt. Gott, sind Therapeuten anstrengend! Ständig wird mit Gegenfragen oder Hypothesen geantwortet. Er gab mir auf diese Weise dann aber zu verstehen, dass er noch von keinem solchen Fall gehört hat, in dem sich ein betroffener vom TS/TG/CD Sein lösen konnte.
Theresa hat geschrieben:... Das schlimme ist, ich war schon mal an dem Punkt mich so zu akzeptieren, habe es tatsächlich im täglichen Leben irgendwie aus den Augen verloren. ...
Was brachte die Frau in dir wieder zurück?

Re: Nur ein Weg beim Therapeuten? Oder: "wie hört man damit auf"?

Verfasst: Mi 11. Nov 2015, 22:09
von Katrin70
Liebe Nicki,
nur ein kurzer Einwurf von mir zum Thema Psychologische Beratung.
Ich bin seit über zwei Jahren in psychologischer Beratung und das waren absolut wertvolle Termine für mich. Ich konnte da einerseits ganz praktische Themen (z.B. wie gehe ich mit Frau/Kindern um ?) und andererseits kniffelige Fragen nach der stereotypen Wahrnehmung von Frauen und Männern in unserer Gesellschaft besprechen. Es hat mir absolut immer gut getan diese Termine wahrzunehmen (ca. 1 * im Monat) und ich habe jetzt letztlich meine Diagnose. Meine Therapeutin hat sehr vorsichtig abzuklopfen versucht, WAS bei mir der Grund für diese Eigenschaft sein könnte. Aber sie hat mich nie in die eine oder andere Richtung gedrängt und wirkte auch nie gleichgültig ! Also nimm so eine Möglichkeit wahr - es hilft auf seine Weise, so wie dieses Forum hilft, wie Begegnungen mit anderen CD/TS helfen. Als ich vor 3 Jahren die Sätze "Es gibt so viele Wege" und "Jede/r von uns muss den eigenen Weg finden - in der eigenen Geschwindigkeit" dachte ich pappelapapp. ABER: es ist genau so und da es nicht DEN EINEN WEG gibt, wirst auch Du Deinen finden, der zu Dir passt.
Höre auf Dich, auf Deine innere Stimme, mache Dir nichts vor, verletze Dich nicht, verletze andere nicht, gehe sorgsam mit Dir und anderen um und lerne mit der Zeit, was es für ein Geschenk sein kann, so zu sein.
Viele Grüße
Katrin

Re: Nur ein Weg beim Therapeuten? Oder: "wie hört man damit auf"?

Verfasst: Do 12. Nov 2015, 01:34
von Theresa
Hallo Nicky,

So blöde es sich anhören mag: es war einfach Vicky-Roses Beitrag, der meine Gedanken nahezu 1:1 wieder gibt. Dies einfach zu lesen half mir aus dem Frust und der depressiven Stimmung heraus, in die ich mich zu verrennen drohte. Ist vielleicht für Aussenstehende nicht unbedingt nach zu vollziehen.
Die Erkenntnis des weiblichen Anteils vor ca. 2 Jahren war übrigens ähnlich simpel. Nach einer Diskussion über Kleidung, die ich gerne an meiner Partnerin sehen würde, meinte sie, ich sei wohl selber eine Frau. Nach kurzem Nachdenken antwortet ich "ja". Damit war das dünne Eis, dass diese Eigenschaft vielleicht 45 Jahre verborgen hatte, durchbrochen.

Ok, trotzdem wünsche ich mir, einfach normal zu sein damit das Leben, gerade in Hinblick auf eine Partnerschaft, einfacher wäre. Doch wie sähe das dann aus? Diese Frage könnte ich nicht beantworten da ich das Leben ohne die weibliche Seite nicht kenne, auch wenn sie die weitaus längste Zeit verdeckt war.
Viele Grüsse

Theresa

Re: Nur ein Weg beim Therapeuten? Oder: "wie hört man damit auf"?

Verfasst: Sa 14. Nov 2015, 04:28
von ExuserIn-2020-09-08
Hi Nicki,
das ewige hin und her, kenne ich zu genüge.
Daher auch mein Nick jumperlin, ich hüpfe zur frau und auch wieder gerne zu Mann.
Natürlich wird das ewige hin und her auch zur Belastung für mich, gerade im zuehmenden Alter werden die Pausen kürzer.
Bei meiner beruflichen und familiärer Situation bin ich sehr froh darüber, das ich auch noch sehr gerne Mann bin und keine Veränderung anstrebe.
Natürlich ist die Frau in mir dominanter geworden, aber ich entwickle mich Richtung androgyn und trage manche Damensachen im Männermodus.

Na mal sehen wo der Weg noch hin geht.


LG Jumpi

Re: Nur ein Weg beim Therapeuten? Oder: "wie hört man damit auf"?

Verfasst: Do 19. Nov 2015, 22:04
von Tatjana 15
Ich war und bin noch wegen anderer Dinge bei einer Therapeutin. Der habe ich natürlich auch von meiner anderen Seite erzählt(erst stand: von meinem anderem ich), auch wann ich es zum ersten mal gespürt habe was ich in der Pubertät getrieben habe.
Sie sagte es sei nun wirklich nicht ihr gebiet, und wenn ich deswegen jemanden benötige würde sie sich umhören.
Trotz der aussage hat sie mir sehr geholfen:
Sie glaubt es sei ein teil von mir
ich solle einen weg finden es auch zu leben
und sie hat mir, aufgrund unsere gespräche geraten, als ziel nicht unbedingt die GaOP zu sehen.
Das ist noch kein weg, aber den muss ich eh selber finden.
Mein Leidensdruck ist zum glück nicht so groß, so das ich glaube das für mich alles gut wird, ich weiter gehe und an einem gutem Ort ankommen werde.