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Re: Vater, Ehemann und Transfrau? Mein Leben, meine Gedanken

Verfasst: Di 25. Feb 2020, 16:40
von Michaela_mit_a
In einem Monat ist meine OP und danach möchte ich die Möglichkeit nutzen, endlich 100% ich selbst zu sein.
Heute habe ich dazu das Gespräch mit der Geschäftsleitung in meiner Firma geführt.
Wie erhofft habe ich hier einen offenen Austausch gehabt und volle Unterstützung angekündigt bekommen. (flo)
Ein riesiger Stein ist mir vom Herzen gerutscht und ich bin gespannt auf die Wochen nach meiner OP.
LG, Michaela

Re: Vater, Ehemann und Transfrau? Mein Leben, meine Gedanken

Verfasst: Mi 26. Feb 2020, 10:44
von Carry
Michaela_mit_a hat geschrieben: Do 20. Feb 2020, 07:50 Die persönlichen Schwierigkeiten im Umgang mit meiner Frau überschatten leider so viel Positives, was eigentlich schade ist
Liebe Michaela,

zuerst Mal wünsche ich Dir für Deinen Weg und alles, was auf Dich noch zukommen wird, alles erdenklich Gute, ganz viel Kraft und positive Energie.
Ich habe aus Deinen Posts entnommen, dass die Situation mit Deiner Frau Dich sehr mitnimmt. Das tut mir leid! Da ich aber ja quasi auf der "anderen Seite" stehe, möchte ich - natürlich ohne Salz in Wunden zu streuen oder Dir zu nahe zu treten - einen kleinen Versuch unternehmen, ein wenig zu verstehen, was wahrscheinlich in Deiner Frau so vorgeht.
Für einen Menschen, der Transsexualität/Transidentität nicht am eigene Leib erfährt, ist es extrem schwierig, wenn nicht unmöglich, auch nur im Ansatz nachzuvollziehen, was da in euch Transmenschen vorgeht. Wir können es einfach nicht begreifen! Für Deine Frau fühlt es sich wahrscheinlich so an, dass Du - also ihr Mann - sie verlassen hat. Ihren Mann, den Vater ihrer Kinder, hat sie - in ihrer Empfindung - ein für allemal verloren. Und eine Frau, um deren Anwesenheit sie nie gebeten hat, hat sich sozusagen in ihre Ehe gedrängt und ihr genommen, was sie geliebt hat. Da Du nun in Personalunion sowohl der Mann bist, der sie gefühlt verlassen hat, als auch die "andere Frau" , die in ihren Augen "Schuld" daran ist, kanalisiert sich ihre Wut, ihre Verletztheit, ihr Unverständnis komplett auf Dich. Ich kann das absolut nachvollziehen.
Das hilft Dir natürlich nicht weiter, denn weitaus schöner wäre gewesen, man hätte die Trennung in Freundschaft und mit gegenseitigem Wohlwollen über die Bühne bekommen können, aber was in der Gefühlswelt Deiner Frau da so "wütet", ist leider auch nicht zu unterschätzen.
Ich kenne natürlich nicht eure Geschichte, ich weiß nicht, wie alles gelaufen ist, daher kann ich hier nun auch nur Vermutungen anstellen, aber für mich ist das Verhalten Deiner Frau leider sehr nachvollziehbar. Trennungen, wo Kinder beteiligt sind, sollten ja meines Erachtens nach immer so erwachsen und vernünftig, wie irgend möglich über die Bühne gebracht werden, egal aus welchem Grund die Trennung erfolgt.
Aber die Emotionalität Deiner Frau kann ich eben auch gut verstehen. Sie "trauert" um Ihren Mann, und sie kann eben einfach nicht nachvollziehen, dass Du keine andere Wahl hattest, dass Du das nicht "absichtlich" gemacht hast und eure Familie nicht zerstören wolltest - es fühlt sich für sie eben leider genau so an.
Vielleicht kann Dir das in der ein oder anderen Situation und Kommunikation ein wenig helfen, zu verstehen, warum sie wann wie reagiert...
Ich wünsche Dir, ich wünsche euch, dass irgendwann gute und vernünftige Gespräche möglich sein werden und sich auch bei Deiner Frau eine Art "Verstehen" einstellen wird .... Alles Liebe (flow)
...die Carry

Re: Vater, Ehemann und Transfrau? Mein Leben, meine Gedanken

Verfasst: Mi 26. Feb 2020, 12:38
von Michaela_mit_a
Das alles kann ich gut nachvollziehen und verstehe es in Teilen ja auch, aber das macht es nicht einfacher :-(
So wie Du den vermeintlichen Verlust meiner Frau beschreibst, ist auch mir meine Frau abhanden gekommen.
Ersetzt wurde sie durch jemanden, die mir nicht wohlgesonnen ist und alles liebenswerte vermissen läßt, was ich so an ihr geschätzt hatte.
Zwei Monate nach dem von ihr geforderten Auszug hat sie einen neuen Freund, "lebt endlich ihr Leben", "fühlt sich toll" blah, blah, blah und will keine anders lautenden Stimmen um sich herum, die ihr nicht passen könnten.
Kommunikation wird abgelehnt, zu Hause bin ich gelöscht worden, es wird keine Silbe über mich verloren.
Das in solch einem Umfeld die Kinder nicht unberührt davon bleiben, die ja auch mitbekommen, wie sie mit mir umgeht und wie sie mit und über mich redet, ist denke ich nachvollziehbar.
Das meine Frau mit mir vielleicht nichts mehr zu tun haben möchte, dass muss/müsste ich akzeptieren, nur trägt sie es meiner Meinung nach auf dem Rücken der Kinder aus, um sie von mir zu "entwöhnen" und mich zu verletzen.
Solche Charakterzüge hätte ich nicht erwartet, besonders nicht, da sie um die Situation und meine Probleme ja schon ein paar Jahre weiß und ich ihr keinen bewussten Anlass gegeben habe, auf mich sauer zu sein.
Ist aber auch egal, denn sie wird das nicht hören wollen, sich nicht damit beschäftigen, egal wie richtig oder falsch etwas wäre.
Für mich gilt es einen Weg zu finden, damit umzugehen.

Ich weiß, dass ich außer dem Fakt, dass ich transident bin, was ich nicht selbst bestimmt habe, mir nach der Trennung nichts habe zu Schulden kommen lassen, was solch eine Behandlung rechtfertigen würde. Schwacher Trost.
LG, Michaela

Re: Vater, Ehemann und Transfrau? Mein Leben, meine Gedanken

Verfasst: Mi 26. Feb 2020, 14:06
von Carry
Michaela_mit_a hat geschrieben: Mi 26. Feb 2020, 12:38 So wie Du den vermeintlichen Verlust meiner Frau beschreibst, ist auch mir meine Frau abhanden gekommen.
Hey Michaela,

ich kann Deine Gefühlslage da schon auch verstehen, aber ganz so sehe ich das nicht.
DU bist der- bzw. diejeniege, die sich vollkommen verändert hat - deine Frau ist deine Frau - nur in einer zutiefst verletzten und enttäuschten Version, die sich in einem totalen
emotionalen Ausnahmeszustand befindet. Dann "sauer" auf Dich zu sein, ist doch nur ein Schutzmechanismus, um die tiefe Trauer um ihren Mann zu verbergen.
Du darfst bei alledem nicht vergessen, dass Du durch das Anstreben der Transition Deiner Frau die Grundlage einer Hetero-Beziehung unter den Füßen weggezogen hast. - Natürlich hast Du Dir das
nicht ausgesucht, das steht auch gar nicht zur Debatte - ich will nur versuchen, ihre Denkmuster zu erklären.
Für eine Hetero-Frau ist die Grundlage einer Liebesbeziehung die Gegengeschlechtlichkeit. Wirst Du zur Frau, ist die Grundlage entzogen. Wird sie nicht plötzlich lesbisch oder zumindest Bi kann sie damit (in aller Regel) nicht leben.
Dass Sie sich so kurz nach der Trennung bereits einen neuen Mann gesucht hat - nun - auch das kann ich in gewisser Weise nachvollziehen. Er bestätigt ihr als Mann ihr eigenes weibliches Selbstverständnis, er bestätigt sie als Frau und als gegengeschlechtlichen Sexualpartner - Dinge, die Du ihr in dem Moment, wo Du sagst, dass Du eine Frau bist, entzogen hast.
Du wirst ihr sicher mal gesagt haben, dass Du als Frau endlich Dein Leben leben willst, dass Du Dich dann als Frau toll fühlen kannst/wirst - so etwas in der Art...nehme ich an?!
Verstehst Du wirklich nicht, dass Sie es Dir jetzt einfach nur gleich tut und sich ihre persönlichen Bedürfnisse erfüllt, in dem sie sich in die Arme eines Mannes wirft?!

Die Kinder - gar keine Frage - da bin ich 100% bei Dir, dürfen natürlich nicht in diese ganzen Schuldzuweisungen und in diese Wut hineingezogen werden - aber letztlich reagiert sie auch da nur, wie eine Mutter meistens reagiert, wenn sie ihre Kinder als "bedroht" empfindet. Da sie selbst anscheinend keinen Zugang zu dem Thema Transidentität hat, empfindet sie das als "Bedrohung" und projeziert das automatisch auf die Kinder. Dass das in diesem Fall nicht richtig ist, steht hierbei ausser Frage, aber das wird wahrscheinlich ihr "Antrieb" sein. Sie sieht wahrscheinlich einfach im Moment keinerlei Option, dass die Kinder mit einer Mutter und einer "Väterin"(den Begriff hab ich von Anja - finde ich sehr passend!) sehr gut klar kämen, sondern sie sieht lediglich, dass Du eine "zweite Mutter" sein willst, die ihr ihre Rolle streitig machen will. Das ist nämlich auch ein riesen Problem für hetero-Frauen in Beziehungen mit Transidenten. Die Rolle, die man für sich selbst eingenommen hatte, ist aufgelöst. Die Angst, als Mutter die "Sonderstellung Mama" zu verlieren, ist riesig. Da mag es vielleicht helfen, wenn Du deutlich machst, dass Du nie eine zweite Mama sein wirst, denn Du hast die Kinder nicht geboren - Du kannst aber eine prima Väterin sein!

Auf Dich sauer zu sein, ist wahrscheinlich die einzige Möglichkeit, mit dem Schmerz um den Verlust ihres Ehemannes umzugehen. Auch das wäre eine völlig normale Reaktion. Wenn man auf den Menschen, den man eigentlich liebt, aber verloren hat, sauer sein kann, dann wird der Schmerz von der Wut überlagert und damit ein kleines bisschen erträglicher. Innerlich - könnte ich mir zumindest sehr gut vorstellen - ist Deine Frau wahrscheinlich zerbrochen, allein an der Trauer um ihren verlorenen Mann.

die Carry

Re: Vater, Ehemann und Transfrau? Mein Leben, meine Gedanken

Verfasst: Mi 26. Feb 2020, 14:23
von sbsr
Bekanntermaßen bin ich ja tendenziell eher auf der Seite unserer Partnerinnen und versuche ernsthaft Verständnis aufzubringen, so gut es geht. Aber wenn ich lese was hier passiert, fehlt mir jeglicher guter Glaube.

Trauer, Enttäuschung und Wut sind noch das eine, da sagt und tut man Sachen, die vielleicht nicht ganz OK sind. Aber hinterhältige Sabotage, den Menschen den man einst vorgab zu lieben bei den eigenen Kindern in Missgunst zu ziehen, das gehört sich einfach nicht. Den Kindern einzureden, der andere Elternteil ist ein schlechter Mensch, und ihnen den Kontakt verweigern, ohne dem anderen auch nur den Hauch einer Chance zu lassen, ist unfair. Das hat nichts mehr mit Trauer zu tun und lässt sich auch nicht mit Überforderung oder emotionalen Ausnahmezuständen schön reden, das sind ganz gezielte, bewusste und mutwillige Angriffe.

Re: Vater, Ehemann und Transfrau? Mein Leben, meine Gedanken

Verfasst: Mi 26. Feb 2020, 14:31
von Engelchen
Ich halte mich ja bei solchen Themen meistens raus, aber:
Beziehungsstreit auf dem Rücken von Kindern auszutragen geht überhaupt nicht.

Liebe Carry - ich geb dir in vielen Dingen Recht aber hier muss ich vehement widersprechen.

Liebe Michaela fühl dich mal ganz dolle gedrückt.
Wenn deine Frau nach 2 Monaten einen neuen hat kann die Liebe zu dir wohl nicht so groß gewesen sein.

Liebe Grüße
Lisa

Re: Vater, Ehemann und Transfrau? Mein Leben, meine Gedanken

Verfasst: Mi 26. Feb 2020, 14:34
von Carry
sbsr hat geschrieben: Mi 26. Feb 2020, 14:23 Trauer, Enttäuschung und Wut sind noch das eine, da sagt und tut man Sachen, die vielleicht nicht ganz OK sind. Aber hinterhältige Sabotage, den Menschen den man einst vorgab zu lieben bei den eigenen Kindern in Missgunst zu ziehen, das gehört sich einfach nicht. Den Kindern einzureden, der andere Elternteil ist ein schlechter Mensch, und ihnen den Kontakt verweigern, ohne dem anderen auch nur den Hauch einer Chance zu lassen, ist unfair. Das hat nichts mehr mit Trauer zu tun und lässt sich auch nicht mit Überforderung oder emotionalen Ausnahmezuständen schön reden, das sind ganz gezielte, bewusste und mutwillige Angriffe.
Da bin ich absolut zu 100% bei Dir, liebe Svenja!
Es war auch nicht meine Absicht, irgendwas "schön zu reden", sondern lediglich Gedanken -bzw. Gefühlsmuster aufzuzeigen, die aller Wahrscheinlichkeit nach die Verhaltensweisen bedingen.
Es geht ja auch nicht darum, Partei für die eine oder die andere Seite zu ergreifen, sondern meine Absicht war es nur, die emotionale Komponente der einen Seite zu erklären (oder es zu versuchen).

Re: Vater, Ehemann und Transfrau? Mein Leben, meine Gedanken

Verfasst: Mi 26. Feb 2020, 14:38
von Carry
Lisa-Weber hat geschrieben: Mi 26. Feb 2020, 14:31 Liebe Carry - ich geb dir in vielen Dingen Recht aber hier muss ich vehement widersprechen.
Seid doch bitte so lieb, und lest meine Sätze ganz und ohne das "ACHTUNG - hier schreibt der Feind"-Schild davor! :wink: Ich bin zwar eine Cis, aber ich beiße doch nicht ... :wink:
Ich habe doch mehrfach betont, dass ich die Geschichte mit den Kindern ebenso schlimm finde!!!
Ich habe nicht Partei ergriffen, sondern versucht, die Beweggründe der anderen Seite mal etwas zu beleuchten und erörtern, damit man vielleicht verschiedene Verhaltensweisen besser
nachvollziehen kann ...nicht mehr und nicht weniger...

Re: Vater, Ehemann und Transfrau? Mein Leben, meine Gedanken

Verfasst: Mi 26. Feb 2020, 14:47
von Lavendellöwin
sbsr hat geschrieben: Mi 26. Feb 2020, 14:23 Trauer, Enttäuschung und Wut sind noch das eine, da sagt und tut man Sachen, die vielleicht nicht ganz OK sind. Aber hinterhältige Sabotage, den Menschen den man einst vorgab zu lieben bei den eigenen Kindern in Missgunst zu ziehen, das gehört sich einfach nicht. Den Kindern einzureden, der andere Elternteil ist ein schlechter Mensch, und ihnen den Kontakt verweigern, ohne dem anderen auch nur den Hauch einer Chance zu lassen, ist unfair. Das hat nichts mehr mit Trauer zu tun und lässt sich auch nicht mit Überforderung oder emotionalen Ausnahmezuständen schön reden, das sind ganz gezielte, bewusste und mutwillige Angriffe.

Hi Svenja,

ähm?

Du hast also noch nie in einem zutiefst emotionalen Moment der Verletztheit deinen Empfindungen freien
Lauf gelassen? Du bist nie aus Wut oder Ärger selbst verletzend geworden?
Dann bewundere ich deine Beherrschung...

Es ist schon unfair, sicher, aber das frägst du dich in dem Moment nicht-alles was da ist ist der Wunsch nach
Abgrenzung und zwar mit allen Mitteln...ob das rational ist, zählt dann einfach nicht.
Das ist glaube ich von Mensch zu Mensch mehr oder weniger vorhanden...und tief in der Persönlichkeit
verankert. Dafür kann die Ex von Michaela so wenig, wie Michaela für ihre Transidentität...

und natürlich tut mir das für Michaela leid-nicht das jetzt ein falscher Eindruck entsteht...

Alles Liebe Marie (flo)

Re: Vater, Ehemann und Transfrau? Mein Leben, meine Gedanken

Verfasst: Mi 26. Feb 2020, 14:54
von Anja
Moinsen (moin)
sbsr hat geschrieben: Mi 26. Feb 2020, 14:23 Den Kindern einzureden, der andere Elternteil ist ein schlechter Mensch, und ihnen den Kontakt verweigern, ohne dem anderen auch nur den Hauch einer Chance zu lassen, ist unfair. Das hat nichts mehr mit Trauer zu tun und lässt sich auch nicht mit Überforderung oder emotionalen Ausnahmezuständen schön reden, das sind ganz gezielte, bewusste und mutwillige Angriffe.
So ein Verhalten kann eine Partnerin auch durchaus an den Tag legen, ohne das es dabei einen Trans-Hintergrund gibt. Erlebe ich gerade im Familienkreis.
Und auch da glaube ich, das da nicht nur "blinde" Wut dahintersteckt, sondern schon auch Berechnung.
Lisa-Weber hat geschrieben: Mi 26. Feb 2020, 14:31 Wenn deine Frau nach 2 Monaten einen neuen hat kann die Liebe zu dir wohl nicht so groß gewesen sein.
Oder es ist das Gegenteil der Fall und sie befindet sich gerade so im freien Fall, das sie irgendwo "Halt" sucht?
Also mit solchen Äußerungen wäre ich vorsichtig. Als Außenstehende kann man immer schlau daherreden, aber steckt man selbst in der Situation, spielen da eine Menge Emotionen mit rein.
Jeder hat sicher im Zorn schon mal Dinge gesagt, die er eigentlich nicht so meinte.
Für mich wäre aber auch eine Grenze erreicht, wenn Kinder darunter leiden. Leider gibt es anscheinend für manche Menschen so eine Grenze wohl nicht...

Ich wüsste echt nicht, was ich in so einer Situation machen würde.
Michaela, ich wünsche dir ganz viel Kraft für die kommende Zeit.

Grüße
die Anja

Re: Vater, Ehemann und Transfrau? Mein Leben, meine Gedanken

Verfasst: Mi 26. Feb 2020, 15:06
von sbsr
!EmmiMarie! hat geschrieben: Mi 26. Feb 2020, 14:47 Du hast also noch nie in einem zutiefst emotionalen Moment der Verletztheit deinen Empfindungen freien
Lauf gelassen? Du bist nie aus Wut oder Ärger selbst verletzend geworden?
Dann bewundere ich deine Beherrschung...
Hallo Marie,

zum einen, nein, das habe ich tatsächlich noch nie in der Form. Selbst als meine Frau mir alles mögliche an den Kopf geworfen hat, und auch jedes mal wenn ich eine ihrer Spitzen abbekomme, dann habe ich mich so weit im Griff, dass ich besser nichts sage als verletzend zu werden. Vielleicht wäre es für mein emotionales Gleichgewicht manchmal besser, liegt mir aber nicht.

Das aber nur am Rande, denn wenn man Michaelas Thread hier über die Zeit verfolgt, dann reden wir nicht von einer verletzenden Äußerung oder einem emotionalen Moment. Das ganze geht schon länger und hat auch deutlich andere Dimensionen erreicht.

Re: Vater, Ehemann und Transfrau? Mein Leben, meine Gedanken

Verfasst: Mi 26. Feb 2020, 15:13
von Jaddy
Wenn eine Person in der Beziehung schon länger unzufrieden ist, die negativen Punkte in sich aufstaut, keine Lösungen bzw Klärungen finden kann oder will, dann sind solche Ereignisse natürlich ein Anlass, den ganzen Frust rauszulassen und zu projizieren. Vielleicht auch den Ärger über sich selbst zu externalisieren, nicht früher eine Veränderung, Verbesserung angestrebt zu haben oder Selbstvorwürfe, die Beziehung eingegangen zu sein. Alles nur Möglichkeiten. Hanlons Rasiermesser gilt auch hier häufig in gewisser Weise, denke ich. Wobei ich nicht Dummheit (statt Bösartigkeit) unterstellen wollen mag, sondern die ganzen persönlichen Konflikte und Komplexe, die bei vielen von uns wirklich erwachsenes handeln und kommunizieren verhindern. "Erforsche Deine Gefühle, Luke"...

Re: Vater, Ehemann und Transfrau? Mein Leben, meine Gedanken

Verfasst: Mi 26. Feb 2020, 17:35
von Michaela_mit_a
Vielen Dank für eure Anteilnahme. Ich weiß das zu schätzen.

Wie sie mit den Kindern spricht, wenn ich nicht da bin, weiß ich nicht.
Es wird mir nur berichtet, dass ich kein Thema bei ihnen zu Hause bin und nicht über mich geredet wird.
Das kann ich vielleicht auch nicht erwarten, aber wünschen, denn ich werde, egal wie meine Frau es sieht, bis an mein Lebensende ein Elternteil der Mädchen sein.
Mich einfach auszuradieren hilft vielleicht meiner Frau, aber ich bin sicher nicht den Kindern.

Da ich im Moment allerdings nichts, aber auch gar nichts unternehmen kann, was ich nicht schon probiert hätte und sie von einem anderen Weg überzeugen könnte, muss ich vorerst die Krümel nehmen, die mir bleiben und weiter an unserer "nicht partnerschaftlichen Beziehung" arbeiten.
Ruhig, besonnen, sachlich, aber auch traurig :-(
LG, Michaela

Re: Vater, Ehemann und Transfrau? Mein Leben, meine Gedanken

Verfasst: Do 27. Feb 2020, 03:07
von LolAndrea
Kann leider nicht alle Postings lesen, aber wünsche dir viel Kraft Mut und positive Energie auf deinem Weg Michaela! (smili) (flo)

Re: Vater, Ehemann und Transfrau? Mein Leben, meine Gedanken

Verfasst: Sa 7. Mär 2020, 02:17
von MEL
Michaela_mit_a hat geschrieben: Mi 26. Feb 2020, 17:35 Vielen Dank für eure Anteilnahme. Ich weiß das zu schätzen.

Wie sie mit den Kindern spricht, wenn ich nicht da bin, weiß ich nicht.
Es wird mir nur berichtet, dass ich kein Thema bei ihnen zu Hause bin und nicht über mich geredet wird.
Das kann ich vielleicht auch nicht erwarten, aber wünschen, denn ich werde, egal wie meine Frau es sieht, bis an mein Lebensende ein Elternteil der Mädchen sein.
Mich einfach auszuradieren hilft vielleicht meiner Frau, aber ich bin sicher nicht den Kindern.

Da ich im Moment allerdings nichts, aber auch gar nichts unternehmen kann, was ich nicht schon probiert hätte und sie von einem anderen Weg überzeugen könnte, muss ich vorerst die Krümel nehmen, die mir bleiben und weiter an unserer "nicht partnerschaftlichen Beziehung" arbeiten.
Ruhig, besonnen, sachlich, aber auch traurig :-(
LG, Michaela

Liebe Michaela,

bin nicht so regelmäßig im Forum aktiv und somit erst vor 3 Tagen auf dich und dein Thema aufmerksam geworden!

Nachdem ich nun alle Beiträge dazu gelesen habe, möchte ich dir meine Anerkennung aussprechen, wie Du die
wirklich schwierige Situation bis dato meisterst!

Möchte jetzt nicht die einzelnen teils konträren Sichtweisen der anderen Forenmitglieder in diesem thread bewerten,
das steht mir auch gar nicht zu, aber doch meine Sichtweise auf Grundlage der von dir gemachten Schilderungen hier
darlegen.
Es ist natürlich immer Vorsicht geboten, sich auf eine bestimmte Position festzulegen, da der Gegenpart, eben deine
Frau, hier nicht angemeldet ist und somit ihre Sicht der Dinge und im Besonderen ihre Gefühle nicht schildern kann.

Aber als langjähriger Ehepartner, Familienvater und crossdresser (für carry :wink: : mit selbst empfundenen weiblichen Anteilen
auch im biologisch vorgegebenen Modus und Kleidung!) sehe ich in eurer Lage gerade die Kinder in einer besonderen
Situation, auch im Hinblick auf die weitere Entwicklung!

Ich kann in weiten Teilen auch die Nöte und Gefühlslage deiner Frau nachvollziehen, habe auch wenig Hoffnung, dass in eurer
Beziehung da noch was zu kitten ist?! Zumal sie schon in einer neuen Beziehung ist und somit auch einer gewissen Einflussnahme
ihres "Neuen" unterliegt.

Ich möchte auch nicht über die Beweggründe deiner Frau für diese frühzeitige neue Beziehung mutmaßen bzw. diese bewerten.

Vielleicht wendet sich ja in einigen Wochen auch das Blatt, Sie besinnt sich eines besseren ... aber das ist eben nicht vorhersehbar!

Wichtig sind EURE Kinder, die eben auch immer DEINE Kinder sein werden, unabhängig von deinen weiteren Schritten und Entwicklung.

Und hier ist es ganz wichtig, auch wenn sie ja noch relativ jung sind, sie in deinen Entwicklungsprozess mit einzubinden,
wann immer die Gelegenheit dazu da ist und ohne sie dabei zu überfordern. Weniger Fachbegriffe, aber dafür mehr die
Gefühlslage mit einbringen. Anhand von Beispielen dem ganzen eine gewisse Normalität versuchen zu vermitteln.

An erster Stelle muss da immer die Vaterliebe stehen, der Fürsorgegedanke und das Wohl der Kinder im Blick haben, ohne jedoch
sich selbst zu verleugnen und die eigenen Bedürfnisse unter den Scheffel zu stellen (sprich: der Mutter immer und überall den
Vortritt zu lassen! :((a )

Sie müssen sich auch bei Michaela gut aufgehoben und geborgen fühlen, eben immer auch ihren Vater hinter den äußerlichen
Veränderungen erkennen und akzeptieren können. Dazu ist ein regelmäßiger Kontakt unabdingbar, zumal eine ggf. negative
Einflußnahme seitens deiner (zutiefst gekränkten??) Frau nicht ganz auszuschliessen ist.

Also auch hier musst du Zielstrebigkeit und Durchhaltevermögen an den Tag legen, so wie du es nun auch im Hinblick auf deine
Transition tust.

Dazu wünsche ich dir ganz viel Kraft und drücke die Daumen, dass deine Frau mit etwas mehr Abstand zumindest im Sinne
des Kindeswohls und deren Recht auf beide Elternteile sich einsichtig und vesrtändnisvoll zeigt.

Ganz liebe Grüße aus der unmittelbaren Nachbarschaft von Flensburg,

Mel (moin)