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Re: Valeries Welt

Verfasst: Mo 10. Aug 2026, 16:01
von Valerie Bellegarde
Was Valerie alles kann

Letzte Woche sprachen wir über Valeries Rückenschmerzen, unter denen sie ab und zu leidet, besonders dann, wenn am Tag vorher richtig derbe Gartenarbeit angesagt war.

Normalerweise versteht man unter einem Garten ein Fleckchen Erde rund ums Haus mit einer grünen Rasenfläche, daneben vielleicht ein kleines Beet, wo Gemüse für den eigenen Haushalt wächst oder auch ein paar Blumen, das Ganze ist dann schön eingefasst mit einer mannshohen Hecke, um die Terrasse oder den Gartensitzplatz vor den neugierigen Blicken aus der Nachbarschaft zu schützen.

Valeries französischer Garten ist ganz anders, er ist sehr viel größer, fast schon so ein kleiner Park, wo alte Bäume stehen, meistens Olivenbäume und mehrere große schattenspendende Schirmkiefern, ein paar Eschen und ein prächtiger hundertjähriger Mandelbaum, dazwischen dekorative Rosenbeete, die viel Pflege brauchen, und ein paar verstreute Oleanderbüsche in mehreren Farben, die blühen über den ganzen Sommer. Obst und Gemüse hat sie auch, aber darum kümmert sich der Gärtner, der einmal wöchentlich kommt.

Das Land ist so trocken, dass ohne künstliche Bewässerung gar nichts ginge, auch darum muss sich der Gärtner kümmern, ebenso wie um die Schwimmbad-Technik.

Jetzt werden sich einige fragen, worin eigentlich Valeries Aufgabe liegt, den Garten betreffend, und ich sage euch gleich: Nein, ihr habt euch getäuscht, sie macht nicht auf Luxusweibchen und liegt nicht den ganzen Tag am Pool im Liegestuhl, und sie lackiert sich auch nicht jeden Tag ihre Fingernägel.

Die diesjährigen Frühjahrs-Stürme hier unten im Mittelmeerraum haben auch in ihrem Garten viel Schaden angerichtet, hier musste sie bei den Aufräum-Arbeiten kräftig mit zulangen. Das Tollste kommt aber zum Schluss: Valerie hat sich für die Entsorgung des Grünguts einen kleinen PKW-Anhänger zugelegt, mit dem fährt sie alle zwei, drei Wochen zur Grüngut Sammelstelle und zeigt dort der versammelten Mannschaft, wie gut sie mit dem Anhänger rückwärts fahren kann. Anfangs wollte einer der Kerle dort lästern, heute glotzen die Männer nur noch.


Bis demnächst

Valerie

Re: Valeries Welt

Verfasst: Mo 10. Aug 2026, 16:43
von Daniela04
Chère Valérie

Dein Garten möchte ich sehen, da ist mein 1‘700 m2 Naturgarten gerade klein, aber ein Anhänger habe ich auch😃

Bisous
Daniela

Re: Valeries Welt

Verfasst: Mo 10. Aug 2026, 18:24
von Beatrixtg
Daniela04 hat geschrieben: Mo 10. Aug 2026, 16:43 Dein Garten möchte ich sehen, da ist mein 1‘700 m2 Naturgarten gerade klein, aber ein Anhänger habe ich auch
Aha, jetzt musst Du nur noch als Daniela den Anhänger benutzen, und die Männer verstummen auch.

Oh, war nur so der erste Gedanke.
Wir kennen ja alle den Spruch <Frau am Steuer, Ungeheuer>
Oder ist der nur in der Schweiz gebräuchlich?

Und Valerie und Daniela, ja ich kann mir vorstellen, was bei so einem Garten als Arbeit anfällt.

Liebe Grüsse Beatrix

Re: Valeries Welt

Verfasst: Di 11. Aug 2026, 08:18
von Valerie Bellegarde
Ich kenne diesen doofen Spruch so rum: "Frau am Steuer - das wird teuer".

Wie gesagt: echt doof

Re: Valeries Welt

Verfasst: Sa 15. Aug 2026, 17:33
von Valerie Bellegarde
Nils

Noch ein kleiner Nachtrag zum Thema derbe Gartenarbeit. Der letzte Wintersturm hat hier unten in der Mittelmeer-Region so heftig getobt, dass ihn die Meteorologen zum Orkan hochgestuft haben und ihm sogar einen Namen gaben, um die versicherungsmäßig korrekte Abwicklung aller Schäden zu gewährleisten. Sie nannten ihn Nils.

Dieser Nils hat uns im Februar heimgesucht und war so schlimm, dass in Valeries Garten ein paar der ganz alten und starken Bäume umgeworfen hat. Wochenlang hatte es vorher im Languedoc geregnet, so dass das gesamte Terrain total durchweicht war und die Wurzeln der großen Bäume keinen richtigen Halt mehr im Erdreich fanden. So genügte das Gewicht einer einzigen Schirmkiefer (ca. zweieinhalb Tonnen), die der Sturm umwarf und dann auf den Nachbarbaum draufkippte, um quasi eine Kettenreaktion auszulösen und mehrere der eng zusammenstehenden alten Bäume flachzulegen.

Man stelle sich das Bild vor: Vier oder fünf alte Bäume am Boden, die Äste scheinbar unentwirrbar ineinander verkeilt, die Wurzelballen halb in die Luft gestreckt, und da, wo vorher der Baum stand, war jetzt ein metertiefes Loch. Davor unsere kleine Valerie mit der Stihl-Motorsäge in der Hand, sie wusste wirklich nicht, wo sie anfangen sollte. Schließlich halfen Nachbarn und Freunde, am Ende arbeiteten und lärmten vier Motorsägen zur gleichen Zeit im Garten herum, Valerie hatte man zum Kappen und Kleinsägen der Äste eingesetzt, und das Arbeiten mit der Motorsäge machte ihr wirklich Freude. Am Ende musste noch ein Bagger her, den sie mit Hilfe des Gärtners organisierte, der riss die alten Wurzelballen heraus, wirklich eine tierische Arbeit, lärmend, staubig und gefährlich.

Ihr werdet euch fragen, warum sie bei diesen groben Arbeiten so aktiv und eifrig mitmachte. Ist das nicht eigentlich Männersache?

Die Antwort ist klar: Erstens wäre das ein Denken in altmodischen Kategorien, und altmodisch ist sie keinesfalls. Zweitens gibt es heute hervorragende Schutzausrüstungen für solche Gartenarbeiten, Handschuhe, festes Schuhwerk, Schutzbrillen, usw. Auch für Frauen. Nicht einmal einen Fingernagel hat sie bei der Gartenarbeit abgebrochen. Drittens konnte sie während der mehrwöchigen Holzarbeiten schon rein zeitlich nichts anderes mehr machen, es fielen also alle anderen Aktivitäten völlig aus, keine Gymnastik, kein Sport, kein Yoga, und abends war sie von der Arbeit oft so müde, dass an Ausgehen nicht zu denken war. Mit anderen Worten, sie hat also eine Menge Geld gespart und nachts gut geschlafen.

Noch ein weiterer Pluspunkt: Sie hat abgenommen in dieser Zeit. Auch ohne Sport und Gymnastik, und bei gutem Essen. Praktisch ist sie eben auch, unsere Protagonistin.

Bis nächste Woche, Valerie

Re: Valeries Welt

Verfasst: Di 18. Aug 2026, 16:09
von Valerie Bellegarde
Valerie Bellegarde hat geschrieben: Sa 15. Aug 2026, 17:33 Nils
Noch ein weiterer Pluspunkt: Sie hat abgenommen in dieser Zeit. Auch ohne Sport und Gymnastik, und bei gutem Essen. Praktisch ist sie eben auch, unsere Protagonistin.

Bis nächste Woche, Valerie
Zweieinhalb Kilos hat sie abgenommen, und zwar an den richtigen Stellen. Ich wollte das nur nochmals gesagt haben. (arg)
Valerie

Re: Valeries Welt

Verfasst: Sa 22. Aug 2026, 09:55
von Valerie Bellegarde
Toros en San Sebastian

Tauromachie ist ein Begriff, der ganz tief in der Kultur der iberischen Halbinsel drinsteckt, manche sagen auch, es sei integraler Bestandteil der spanischen Volksseele. Große Künstler wie zum Beispiel Pablo Picasso hatten zum Beispiel ihre tauromachistische Phase. Als sich der damals noch nicht etablierte Maler politisch gegen das Franco-Regime engagierte und außer Landes fliehen musste. malte und töpferte er im südfranzösischen Exil eine Zeitlang nur noch Stierkampf-Szenen, offenbar motiviert aus seiner Sehnsucht nach der verlassenen Heimat Andalusien.

Zwei Wörter stecken in dem Begriff Tauromachie drin, Taurus der Stier, und Machismus, die Männlichkeit. Wir alle kennen das Wort Macho und verstehen von daher den Sinn des Begriffs. Tauromachie beschreibt alle Abläufe, Veranstaltungen und Zeremonien, die mit dem Stierkampf zu tun haben. Die Regeln des Spiels. Aber Tauromachie ist auch Teil der spanischen Volkskultur, du findest Teile davon in der Musik, in der Kunst, in den Märchen und Mythen.

Gleichzeitig bekommen die Bekanntesten unter den Beteiligten in der spanischsprachigen Welt, fast Kultstatus. Manche Toreros sind so bekannt wie Rockstars, auch die besten Stiere haben ihren Ruf weg. Man kennt ihre Kampfnamen, man liebt oder hasst sie, man wettet auf diese Kämpfe. Der Schriftsteller Ernest Hemingway hat in seinem Roman „Fiesta“ sehr anschaulich beschrieben, welcher Kult um den Stierkampf in früheren Zeiten betrieben wurde.

Nun leben wir heute in einem neuen Jahrhundert, deshalb stellt sich natürlich sofort die Frage: Passt so ein archaisches Spektakel, wo es um Leben oder Tod geht, noch in die heutige Welt? Bringt uns das etwas? Ist das noch zeitgemäße Unterhaltung?

Hat man nicht aus der Stierkampf-Arena von Bilbao im Baskenland inzwischen ein Tauromachie-Museum gemacht? Wurde nicht einer der ganz großen katalonischen Arenen, die von Barcelona nämlich, sogar abgerissen und in ein modernes Einkaufszentrum verwandelt? Alles richtig, die Zeit bleibt schließlich nicht stehen.

Andererseits: Man glaubt es kaum, aber es gibt sie immer noch, die Kultur des Stierkampfs und auch die der Corrida, wo der Stier wirklich getötet wird. Gerade in den kleinen Städten und konservativen Regionen Spaniens und Südfrankreichs gibt es noch viele alte Arenen und im Spätsommer sieht man überall die Plakate die für die mehrtägige Fiesta oder Feria werben, die Tickets sind teuer, um etwa hundert bis 150 Euro, aber die Arenen sind voller Leute, trotz Sommerhitze und obwohl man dort unbequem sitzt auf Holzbänken oder gelegentlich auch direkt auf dem Steinboden.

Valerie war zum Stierkampf eingeladen. Nicht, dass sie sich selbst etwa intensiver darum bemüht hätte, aber nachdem ein paar Freunde (Hauptsache Männer) sie drängten und damit nervten, sagte sie schließlich zu und ließ sich abends abholen. Um 18.00 Uhr sollte die Corrida losgehen, sechs Stiere sollten dran glauben, die hatten sogar Kampfnamen, richtige kleine lokale Berühmtheiten waren das, so stand es wenigstens in der Lokalzeitung.

Ich will euch nicht mit Details langweilen über Toreros, Picadores oder Banderilleros, aber beim Aufmarsch der Matadoren hat Valerie schon hingeschaut, besonders ein junger Nachwuchs-Matador
fiel ihr ins Auge, schmale Hüften, breite Schultern, offenbar so etwas wie der Star der Show, man bemerkte es an der Reaktion des Publikums. Und wie dieser Torero sich erst bewegte! Wie er um den wilden Stier herumtänzelte, wie er das schwarze Monstrum vorführte und neckte durch kurze ruckartige Bewegungen seiner roten Muleta. Gezirkelte Tanzschritte, stolz in Brust, siegesbewußt, fast wie im Opernhaus.

Nach etwa zweieinhalb Stunden war die archaische Schau vorbei, und sechs Stiere waren tot. Ob es ihr gefallen hat, so alles in allem? Schwierige Frage, die Musik war schön, ebenso die Kostüme, und die Atmosphäre in der Arena unglaublich aufregend. Natürlich: Wenn du zum Stierkampf gehst, musst du wissen, was dich erwartet. Es ist zwar eine Show, aber keine mit Kunstblut, nein, der wilde Stier wird viele Liter echtes Blut spucken, ehe er schließlich unter dem Degen des Matadors in den Staub der Arena fällt.

Im Grunde hat das arme Tier keine Chance.

Valerie