Vom Wesen der Intimsphäre
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Intergeschlechtliche Menschen, Crossdresser, Transgender, Transidente: Diskussionen über partnerschaftliche Aspekte, Rat und Tat für PartnerInnen und Familie
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Lampenschirm
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Re: Vom Wesen der Intimsphäre

Post 1 im Thema

Beitrag von Lampenschirm »

Chapeau!
Es ist was es ist sagt die Liebe (Erich Fried)
HeikeL
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Re: Vom Wesen der Intimsphäre

Post 2 im Thema

Beitrag von HeikeL »

Hallo Freundin,

zunächst mal: toller Beitrag! Deine Gegenüberstellung von 1. und 2. aus der Sicht der betroffenen Partnerin finde ich erstmal ganz toll, um die Partnerseite herauszuarbeiten. Ich bin grundsätzlich auf deiner Seite, wenn du das Recht für die Partnerin einforderst, selbst entscheiden zu können. Aber leider gibt kein NUR schwarz oder NUR weiss.
Freundin hat geschrieben:1. Ein Partner lebt mit einem gegengeschlechtlichen Teil in sich, während der andere nichts davon weiß
2. Ein Partner lebt mit einem gegengeschlechtlichen Teil in sich, wovon der andere auch in Kenntnis gesetzt wurde.
meiner Ansicht nach fehlt da mindestens noch:

3. Ein Partner lebt mit einem gegengeschlechtlichen Teil in sich, während er selbst noch nichts davon weiß
4. Ein Partner lebt mit einem gegengeschlechtlichen Teil in sich, den er selbst noch nicht so einordnen kann
5. Ein Partner lebt mit einem gegengeschlechtlichen Teil in sich, den er für sich noch nicht akzeptiert hat

Punkt 3 - habe ich ca. 42 Jahre durchlebt.
Punkt 4 - kenne ich, erst in ganz schwacher, später in stärkerer Ausprägung (ein dumpfes Gefühl, ein undefinierbares Verlangen) den ich, für mich, in den Bereich Fetisch eingeordnet hatte. Ich wollte es eigentlich unterdrücken, aber es kam immer wieder. Das musste ich erst mal für mich akzeptieren, dann konnte ich mich meinem Schatz anvertrauen. Das war langer schleichender Prozess, der über 10 Jahre dauerte.
Punkt 5 - war ein innerer Kampf, den Susi nach nicht mal 48 Stunden für sich entschieden hat. Dann wusste mein Schatz darüber Bescheid, wo ich zu diesem Zeitpunkt stand. Das war Anfang Juli, im letzten Jahr. Zu dem Zeitpunkt reichte meine Vorstellung bis maximal zur "Dachstubentranse" ohne Perücke.

Mittlerweile kann ich mit meinem Schatz über wirklich alles reden. Nicht alles erfreut sie, aber sie versucht es zu verstehen. Ihre "Zicke" (die nur noch weibl. Unterwäsche und meisten FSH trägt) gehört zum Alltag. Wir können mittlerweile fast ganz selbstverständlich in der Damenabteilung gemeinsam shoppen gehen. Aber sie braucht für manches Mehr an Susi, noch Zeit, es ganz zu aktzeptieren.
Und hier bin ich ganz deiner Meinung. Meine Frau hat, für mich, sogar das Recht, den ganzen gegengeschlechtlichen Teil von mir (soweit mir selbst bewusst) zu kennen und selbst zu entscheiden wie weit sie mich begleiten kann und möchte. Ich nehme Sie lieber mit, als eigene/heimliche Wege zu gehen. Das kostet zwar manchmal viel Kraft und Geduld, bringt uns aber im Ergebnis nur noch näher zusammen.

Hätte Sie aber bei meinen Outings total geblockt, weiss ich nicht, ob ich den Mut aufgebracht hätte, mich weiter zu öffnen. Einige, hier im Forum, haben es leider so erleben müssen.

LG - Susi
Ich bin nicht so stromlinienförmig, wie andere mich gerne haben möchten.
conny
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Re: Vom Wesen der Intimsphäre

Post 3 im Thema

Beitrag von conny »

hallo freundin,

ja, kommunikation ist das stichwort, aber die muß man auch in einer beziehung üben. ein offener umgang setzt voraus, dass beide seiten immer entsprechend reagieren. es wurde hier schon von fällen berichtet, in denen selbst "harmlose" crossdressingvarianten zu einer handfesten krise geführt haben.
und was soll einer machen, der plötzlich lust auf nylons hat und bei dem die partnerin z.b. bei einem zutreffenden thema im fernsehen ungefragt von sich gibt, dass sie so einen perversen kerl gleich rausschmeißen würde, wenn sie davon erführe?

viele paare sind ja noch nicht einmal in der lage, sich gegenseitig ihre sexuellen wünsche zu offenbaren, i.w. davon lebt ja das rotlichtmilieu mit all seinen angeboten.

ich denke, wenn in einer beziehung ein offener umgang und eine tolleranz mit den wünschen und bedürfnissen des anderen gelebt wird, hat die heimlichtuerei keinen nährboden.

ich habe das glück, eine frau zu haben, mit der ich über meine geheimsten wünsche reden kann, deshalb hat auch mein relativ spätes cd bedürfnis unsere beziehung nicht aus der bahn geworfen, aber das ist eben nicht selbstverständlich.
viele stehen sich selbst im weg
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Re: Vom Wesen der Intimsphäre

Post 4 im Thema

Beitrag von ChristinaF »

@ Freundin

Also dein erster Beitrag ist sowas von gut, exakt und gefühlvoll, dass ich dir einfach ein gaaaanz großes Danke sagen möchte.
Es wurde ja schon viel darüber geschrieben und diskutiert wobei sich immer wieder das Eine rausstellt. Eine Partnerschaft in der Toleranz groß geschrieben wird, wo sich die Partner/innen ohne Vorbehalt aussprechen und so leben können, wie sie es sich wünschen, gibt es (leider) nicht so oft.
Liebe Grüße
Chrissie
gaby37
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Re: Vom Wesen der Intimsphäre

Post 5 im Thema

Beitrag von gaby37 »

Hallo,

nach vielen stillen Mitlesen und zustimmen der Rechte der Partnerin...
Freundin hat geschrieben: .....
a) scheinbar so viele (oder einfach zu viele) Frauen das CD als pervers o.ä. ansehen. Das ist mir völlig unbegreiflich.
...
Das eigentliche Problem bei der Komunikation mit der Partnerin ist einfach das was dir (und mir und vielen anderen auch) unbegreiflich ist.

Das stellt sich ein Mensch hin und verliert lieber seinen (langjährigen) Partner als sein Weltbild (Männer in Frauenkleidern sind .......) anzupassen.
Haben viele hier erlebt. Ich -zum Glück- nicht ganz so krass, aber inzwischen über mehr als ein Jahr im "Gesprächsversuch" und so ganz langsam kommt so etwas wie "Gute Miene zum Bösen Spiel" zustande. Vielleicht wird es auch irgendwann mehr/besser.

Das Problem, das ich sehe, das uns die Frauen, die uns verstehen/akzetieren/sich damit beschäftigen nicht helfen können, die Frauen zu verstehen, die es rundheraus ablehenen. Und die, die es rundheraus ablehnen helfen leider auch nicht - genau aus dem Grunde.....

Lieben Gruß Gaby
_______________________________________________________________________________________________
Frauen werden aus Blumen geboren, Männer aus Kohlköpfen. Ich bin aus einem Blumenkohl.
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