Jaddy hat geschrieben: Mo 7. Sep 2026, 10:45
Zurücklehnen und Popcorn futtern lässt sich sagen, wenn eins selbst meint, nichts zu befürchten zu haben. Das ist nun mal für viele nicht der Fall. Wer "nicht deutsch genug" aussieht, wer nicht fit, jung, gesund und mit guten Einkommen versorgt ist zum Beispiel. Queere Menschen, sozial engagierte, die als "links" markiert werden, Menschen, die sich um Bedürftige und Schwächere kümmern - und ihre Klient*innen natürlich auch.
Ich würde dennoch erst mal abwarten, zurücklehen und Popcorn essen ist meinetwegen etwas entspannt ausgedrückt, ich sehe dennoch die Chance, dass bei einem hinreichenden politischen Versagen andere Wähler genauer überlegen werden, wo sie ihr Kreuz setzen.
Vielleicht bin ich auch einfach naiv und glaube noch an ein Fünkchen Vernunft in der Wählerschaft, aber die Hoffnung stirbt zuletzt. In der Hand haben es alle anderen Landesregierungen und die Bundesregierung. Wenn sie jetzt nicht anfangen auf die Bevölkerung zuzugehen und Zugeständnisse zu machen und zusammenarbeiten, anstatt sich gegenseitig zu zerfleischen, während die AfD fröhlich dabei zusieht und sich ins Fäustchen lacht, wird es auch auf Bundesebene bitter werden.
Wie gesagt, verstehe ich alle Befürchtungen, aber am Ende des Tages darf man nicht vergessen: Auch die AfD besteht aus Politikern und warum sollten die im Gegensatz zu allen anderen wirklich halten, was sie versprechen? Ich schätze, man kann nun beginnen die Zeit zu stoppen, bis sie anfangen ihre Versprechen zu brechen und merken, dass der Unfug den sie vorhaben doch gar nicht so möglich ist, wie sie sich das vorstellen.
Wir haben durchaus noch Gesetze und Institutionen, an denen sie scheitern können.
Hauptsache die Bevölkerung bemerkt die negativen Auswirkungen und zieht die richtigen Schlüsse daraus. Würde ich in Sachsen-Anhalt leben würde ich das wahrscheinlich auch nicht so "gelassen" sehen, ich möchte nur nicht in Panik verfallen und etwas Hoffnung verbreiten. Pessimismus haben wir ja schon reichlich.
Vielleicht kommt auch alles anders.. Ist ja meistens so.
Nun noch Beispiele für Demokratien, die dem Rechtsextremismus getrotzt haben:
Finnland in den 1930er Jahren gegen die Lapua Bewegung.
Die Tschechoslowakei blieb bis zur Zerschlagung durch äußeren Druck im Zuge nationalistischer Bewegungen in den 1930er Jahren bis 1938/39 eine parlamentarische Demokratie.
In Spanien scheiterte 1981 ein Putschversuch der Guardia Civil und des Militärs daran wieder eine Diktatur einzuführen, die Franco Diktatur war da noch nicht all zu lange her.
Orban hat 16 Jahre durchgehalten in Ugarn und die demokratischen Institutionen geschwächt, aber er konnte trotzdem abgewählt werden.
Die Niederlande hatte ich erwähnt. Geert Wilders hatte enorme Erfolge, musste koalieren und scheiterte.
Das heißt natürlich nicht, dass alles zwangsläufig gut wird, aber es muss auch nicht zwangsläufig alles den Bach runter gehen. Unsere Institutionen, unser System haben Chancen entgegenzuwirken. Wir sind nicht wehrlos und eins darf man nicht vergessen:
Die AfD hat keine absolute Mehrheit, sie können nicht machen was sie wollen.
Ich wollte die Sorgen gar nicht kleinreden, aber es gibt noch Chancen, Geschichte muss sich nicht wiederholen, vielleicht reimt sie sich ein bisschen, aber ich hoffe mehr schlecht als recht und wir finden wieder zurück, zu einer Lyrik mit menschenfreundlichem Ton und harmonischem Versmaß.
Diese Hoffnung möchte ich nicht aufgeben, egal wie finster die Wolken erscheinen, die gerade aufziehen.