Das faszinierende und gleichzeitig beängstigende an Religion finde ich, dass sie nach meiner Beobachtung wie ein Verstärker der persönlichen Einstellungen funktionieren.
Menschenfreundliche, aufgeschlossene, tolerante Menschen finden darin ihre verstärkende Bestätigung genauso, wie inhumane, restriktive, intolerante. Das macht die Diskussion häufig sehr schwierig, denn die grundsätzliche Kritik an der letztlichen Willkürlichkeit der Glaubenssätze wird häufig mit ein paar Positivanekdoten gekontert. Diese positiven Menschen wären aber meiner Ansicht nach auch ohne ihre Religion oder mit einer anderen humanistisch, hilfreich und unterstützend.
Das Problem mit organisierter Religion, insbesondere mit hierarchisch organisierter, ist meiner Ansicht nach wie bei allen (hierarchischen) Organisationen: Sie ziehen häufig die "falschen" Menschen an und befördern sie überproportional, nämlich solche mit einem Hang zu Hierarchien, Spielregeln, Macht- und Positionsbewusstsein, etc.
Und das prägt natürlich Organisationen und verselbstständigt sich. Netzwerke ziehen ähnliche Charaktere nach sich, die Leute in Positionen machen die organisatorischen Regeln. Der Apparat sorgt für Selbstbestätigung und (Macht)Erhalt.
Eine interessante Studie hat herausgefunden, dass (große, börsennotierte) Firmen, würden sie als Personen untersucht, einwandfrei Persönlichkeitsmerkmale der
dunklen Triade aufweisen. Narzissmus, Machiavellismus, Psychopathie. Sie überhöhen sich, ihre Bedeutung, ihre Absichten, heiligen über ihren Zweck und ihre Ziele alle Mittel, und betrachten andere, auch ihre Kundys oder Klientys als Objekte, nicht als Subjekte. Alles Dinge, die meiner Ansicht nach auch auf religiöse Organisationen zutreffen; je rigider sie strukturiert sind, umso mehr.
Und Religionen haben zusätzlich eben eine Art Freibrief für - sorry - frei erfundenen Unfug, der sich aus dem Konvolut antiker Überlieferungen quasi beliebig herauslesen lässt. Mit diesem Hebel lässt sich fast beliebig radikalisieren und jede Untat rechtfertigen, sofern nicht genügend inhärent menschenfreudnliche Personen direkt dagegen aufbegehren.
Zusammengenommen entsteht quasi zwangsläufig eine Struktur, die mit jeder Hierarchiestufe menchenfeindlicher und abgehobener wird, getragen von einer Menge guter und hilfreicher Menschen, die - aus meiner Sicht unnötigerweise - ihre Menschenfreundlichkeit letztlich auch in die Unterstützung dieser negativen Strukturen stellen.
Denn das sollte auch klar sein: Die Basisarbeit ist das, was Menschen interessiert und ihnen gegebenenfalls auch gut tun kann. Gleichzeitig wird aber auch der menschenfeindliche Teil - Intoleranz, Ausgrenzung - und der negative Einfluss des psychopathischen Apparats auf die Gesellschaft unterstützt.