FAZ: Das gute Recht der Eltern
FAZ: Das gute Recht der Eltern - # 2

Bianca D.
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Re: FAZ: Das gute Recht der Eltern

Post 16 im Thema

Beitrag von Bianca D. »

Moin,

iss ja ganz nett, was ihr da so diskutiert und zugegeben,ich hab e mich mit dieser Thematik noch nicht befaßt und will es auch nicht.Aber eine Frage sei mir gestattet: Was soll das alles? Diese ganze Genderdiskussion nimmt doch langsam Auswüchse an,da kann man sich doch nur an den Kopf fassen und sich fragen,ob die noch alle Tassen im Schrank haben. Beispiel gefällig? oder hier. Solche Stilblüten treibt das schon. Und geht weiter mit entsprechender Gestaltung von Texten,siehe Marielle Beiträge z.B. Haben wir hier in Deutschland keine anderen Sorgen?
Das Kinder/Jugendliche beizeiten in der Schule mit Themen rund um die Sexualität unterrichtet werden sollten-keine Frage! Zustände,wie sie in meiner Kindheit zu Ende der 60iger üblich waren will wohl keiner ernsthaft. Aber alles gleichschalten? Hallo?? Willkommen im Sozialismus! Nee,vielen Dank auch. In diesem Sinne,euch noch viel Spaß bei dieser Diskussion.

LG Bianca
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Marielle
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Re: FAZ: Das gute Recht der Eltern

Post 17 im Thema

Beitrag von Marielle »

Hallo Bianca,

ich bin nicht sicher, aber ich nehme an, dass du mich deswegen in deinem Beitrag nennst, weil ich gelegentlich den Unterstrich in 'geschlechtsspezifischen' Wörter_innen verwende, um dir, mir und vielen anderen einen kleinen freien Platz in der Sprache einzuräumen.

Was sagst du? Für dich reichen die weiblichen Wortformen? Ja, das siehst du so, ich sehe es auch so. Aber rede dir ruhig weiter ein, dass das alle so sehen. Irgendwer im Land wird sich schon drum kümmern, wenn's Zeit wird, nicht wahr?

Du fragst, ob das Land keine anderen Probleme hat ..... Du weisst schon, dass es in dem erwähnten Land Leute gibt, die fragen, ob das Land keine anderen Sorgen hat, als sich mit den Mängeln der Geburtsurkunden von Transmenschen oder, per Krankenkasse, um deren Brüste oder Barthaare zu kümmern? Wie stehst du dazu?

Wie stehst du dazu, dass es im Land Leute gibt, die 'Geschlecht' für das eindeutige Ergebnis einer 'natürlichen Ordnung' halten, in der Trans* gar nicht vorkommt? Wie stehst du dazu, dass es im Land Leute gibt, die Transmenschen für "behindert" und "identitätsverwirrt" halten? Wie stehst du dazu, dass Rollenklischees aufrecht erhalten werden? Sagtest du nicht du hättest Fussball gespielt? Ich verstehe dich nicht.


Der Film ........ der Film beweist nur, dass es auch bei Behörden Leute gibt, die die Bedeutung des Wortes 'Gender' und die daraus entwickelten Ziele nicht verstanden haben und das es beim Fernsehen welche gibt, die damit bei anderen Stimmung machen, die es auch nicht kapiert haben oder es ablehnen. Aber das wird nicht nur bei Behörden und nicht nur in München so sein.


Liebe Grüsse nach Düsseldorf

Mari_elle
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Bianca D.
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Re: FAZ: Das gute Recht der Eltern

Post 18 im Thema

Beitrag von Bianca D. »

Marielle hat geschrieben:Wie stehst du dazu, dass es im Land Leute gibt, die 'Geschlecht' für das eindeutige Ergebnis einer 'natürlichen Ordnung' halten, in der Trans* gar nicht vorkommt? Wie stehst du dazu, dass es im Land Leute gibt, die Transmenschen für "behindert" und "identitätsverwirrt" halten? Wie stehst du dazu, dass Rollenklischees aufrecht erhalten werden?
Moin Marielle,
ich stimme dir in allen drei Punkten zu,daß das keine wünschenswerten Zustände sind.Deswegen schrieb ich ja auch:
Bianca D. hat geschrieben:Zustände,wie sie in meiner Kindheit zu Ende der 60iger üblich waren will wohl keiner ernsthaft.
Weibliche Wortformen? Nein,ich finde es müßig,die deutsche Sprache mit Gewalt verändern zu wollen. Sprache wächst im Laufe der Jahre.So wie viele über die vielen Anglizismen meckern,man kann sie doch nicht einfach abschaffen.Ebenso wenig läßt sich krampfhaft die weibliche Bezeichnung durchsetzen,damit irgend welche Genderpäpstinnen ruhig schlafen können. Früher war mit dem Begriff "die Studenten" als Beispiel beides gemeint.Warum muß das aus einanderklamüsert werden? Ich fühle mich jedenfalls nicht diskriminiert deswegen oder weil einer mich als Bewohner an Stelle Bewohnerin der Stadt bezeichnet.
Marielle hat geschrieben:dass es in dem erwähnten Land Leute gibt, die sich mit den Mängeln der Geburtsurkunden von Transmenschen oder, per Krankenkasse, um deren Brüste oder Barthaare zu kümmern? Wie stehst du dazu?
Find ich grundsätzlich auch ok. Aber das ganze System zu verteufeln,daß man als transidente Person gewisse Hürden zu bewältigen hat,was spricht dagegen? Ok,meine Hürden waren nicht sehr hoch,vielleicht seh ich das deshalb so entspannt.Aber nun hab ich mich schon wieder mehr dazu geäußert,als ich eigentlich wollte. Vielleicht diskutieren wir das mal bei meinem nächsten Besuch bei Anne-Mette. Reden fällt mir leichter als schreiben.

LG Bianca
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Re: FAZ: Das gute Recht der Eltern

Post 19 im Thema

Beitrag von Sylvia »

Möglicherweise zerfällt hier in dieser Diskussion doch auch gerade das Forum in seine zwei großen grundsätzlich eben doch unterschiedlichen Teile: Diejenigen, die "nur" crossdressen, sich in ihrer (von mir aus) sozialen Rolle als Mann wohlfühlen und dementsprechend dem Thema "Gender" nicht so große Bedeutung beimessen. Und diejenigen, die sich im weitesten Sinne im "Trans-"Bereich befinden und dementsprechend größere Affinität zur Dekonstruktion von "Geschlecht" etc. haben. Das dürfte zumindest ein Ansatzpunkt für die unterschiedlichen Standpunkte sein.

Anders gesagt: Wenn ich mir eines Ist-Zustandes gewiss bin (und viele Crossdresser sind sich ihrer "Männlichkeit" sehr wohl bewusst), woher sollte die Notwendigkeit einer Dekonstruktion kommen? Wenn dieser Zustand für mich in der Schwebe ist, kommt diese Nowendigkeit von alleine. Beides ist ok, so wie es auch ok ist, wenn die, die sich "gewiss" sind, ihren Horizont öffnen und diskutieren. Was wir ja hier machen. ;-)

Gruß,
Sylvia
Lukretia
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Re: FAZ: Das gute Recht der Eltern

Post 20 im Thema

Beitrag von Lukretia »

Sehr vernünftig, Sylvia. Sehe ich auch so. Wir sind hier teils sehr verschieden und dürfen nicht alle über einen Kamm scheren.

Grüße nach Ostfriesland

Lukretia
nicole.f
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Re: FAZ: Das gute Recht der Eltern

Post 21 im Thema

Beitrag von nicole.f »

Ich halte es schon, in gewissen Grenzen, für wichtig, dass scheinbare Selbstverständlichkeiten, wie eben bspw. Geschlecht, auf breiter Ebene hinterfragt werden. Nur weil es bisher und bereits seit langer Zeit nicht getan wurde, bedeutet das doch noch lange nicht, dass das auch gut so sei? Neue Möglichkeiten zu entdecken bedeutet auch immer zuerst, neues Wissen zu schaffen. Wissen schafft den Raum, um darin etwas zu entwickeln. Wer sich neuem Wissen veschließt, es ignoriert oder eben darauf verweist, dass es bisher ja auch ohne ging, tritt auf der Stelle. Das ist eine Form von Konservativismus. Veränderungen sind nicht immer leicht. Sie brauchen Zeit, sich daran zu gewöhnen. Und manchmal stellt man erst fest, dass es ein Holzweg war, wenn man ihn beschritten hat.

Aktuell haben wir die Situation, dass Geschlecht per-se mit all seinen Auswirkungen in Sprache, Gesellschaft, Kultur etc. immernoch nur unzureichend erforscht ist. Was aber gut erforscht und historisch nachvollziehbar ist, ist der Einfluss von Sprache auf das Bewusstsein. Als krasses Beispiel sei hier vielleicht das Buch 1984 von Orwell erwähnt. Es ist ein altbekannter Mechanismus, dass durch gezielte Veränderung der Sprache, das (Selbst-)Bewusstsein aller die Sprache Anwendenden beeinflusst werden kann. Wenn ganze Begriffe fehlen, um etwas zu beschreiben, wird bald das Bewusstsein für das zu beschreibende aufhören. Dies sind Mechanismen, die immer wieder vor allem in totalitären Systemen zu finden sind. Die werden das nicht ohne Grund machen.

Ich denke also schon, dass es absolut sinnvoll ist, scheinbar Selbstverständliches stetig zu hinterfragen und dann ggf. auch mal neue Wege zu beschreiten. Vielleicht sind es Holzwege und stören mehr, als das sie helfen. Aber vielleicht kommt ja doch etwas Gutes dabei heraus? Wir würden es nur nie erfahren, wenn sich alle an den Status-Quo klammern, aus Angst vor Veränderung oder aus schierer persönlicher Faulheit, sich an etwas Neues zu gewöhnen.

Es gibt Veränderungen, die kann man kleinschrittig, graduell und schleichend machen. Eine geschlechtliche Gleichstellung der Sprache gehört aber leider nicht dazu. Wenn man dieses Thema anfassen will, wird es immer eine große Veränderung sein. Die aktuell laufenden Diskussionen und Bemühungen dazu treiben, ohne Frage, auch einige recht irrwitzige Blüten. Doch so funktioniert Diskurs in einer offenen pluralistischen Gesellschaft nunmal. Da gibt es auch immer Extrempositionen und das muss man aushalten können. Man muss sie sich bestimmt nicht zu eigen machen, aber im Rahmen eines Diskurses zulassen und versuchen zu verstehen, um anschließend zwischen allen einen tragfähigen Konsens zu finden.

Das Gender-Gap [1], also den Unterstrich, halte ich persönlich zur Zeit für einen der besten Vorschläge dazu, vor allem auch dessen Hintergrund, aus WikiPedia [1]:
"
Der Gender Gap soll ein Mittel der sprachlichen Darstellung aller sozialen Geschlechter und Geschlechtsidentitäten, auch jener abseits des gesellschaftlich hegemonialen Zweigeschlechtersystems sein. In der deutschen Sprache wäre dies sonst nur durch Umschreibungen möglich. Die Intention ist, durch den Zwischenraum einen Hinweis auf diejenigen Menschen zu geben, welche nicht in das ausschließliche Frau-/Mann-Schema hineinpassen oder nicht hineinpassen wollen, wie Intersexuelle oder Transgender.
"
Das "Gap", also die Lücke, ist dann auch in der gesprochenen Sprache spannend. Durch den Unterstrich soll eben auch eine verbale Lücke dargestellt werden, die in der Aussprache berücksichtigt werden soll, bspw. Lehrer<kurze pause>innen. Das ist eine ganz spannende Variante. Auf jeden Fall sehr gewöhnungsbedürftig, aber wer weiß?

Eines hat die ganze Diskussion darum doch aber bereits heute gebracht: Es machen sich jetzt viel mehr Menschen Gedanken darüber, als zuvor. Immerhin, frei nach dem alten Marketing Spruch, auch schlechte PR ist PR. Durch die teils sehr weit gehenden Vorschläge wurde eine breite Diskussion ausgelöst, die auf das sprachliche Gender Problem hinweist. Von der Sprache kommt man aber dann auch wieder ganz schnell zu weiteren Problemen, die rund um das Thema Geschlecht anfallen. Ich denke wir brauchen mehr davon. Bisher war die Gender-Debatte dominiert von der Gleichstellungsdiskussion, also die Aufhebung der Ungleichbehandlung von Frauen gegenüber Männern. Die Feminismus Bewegung hat dafür gesorgt und dieses Thema in die breite Öffentlichkeit gebracht - zu Recht.

Die erste Welle der Diskussion um die Natur von Geschlecht entstand im Rahmen der ersten großen Homosexuellenbewegungen - AB08 erwähnte mal Stonewall, sozusagen der Ursprung der CSD Bewegung. Seinerzeit wurde auch der Geschlechterbegriff in Frage gestellt, da sich Homosexuelle ganz offenbar entgegen ihres Geschlechts verhalten würden. Heute sieht man dies auch wieder deutlich differenzierter und die Homosexuellen haben sich aus der Gender Diskussion weitgehend verabschiedet. Es ist nun an uns, das dichotome Geschlechtermodell zu hinterfragen und durch das Hinterfragen mit dazu beizutragen, dass sich das öffentliche Bewusstsein verändert. Ein Ansatz dazu ist die Sprache. Aber es ist nur einer von vielen. Mit Sprache alleine werden wir nicht alle unsere Probleme lösen können. Aber vielleicht können wir dadurch dann besser darüber sprechen und unsere Anliegen besser transportieren, an jene Stellen, an denen Weichen auch für uns gestellt werden.

Liebe Grüße
nicole

[1] Gender Gap
https://de.wikipedia.org/wiki/Gender_Ga ... guistik%29
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Re: FAZ: Das gute Recht der Eltern

Post 22 im Thema

Beitrag von Marielle »

Guten Tag, Hallo Sylvia,

das Thema scheint sich jetzt mehr um unseren Umgang mit den Möglichkeiten der geschlechtlichen Identitätsbildung zu drehen.

Es bleibt aber doch die Frage (mit der hatten wir angefangen und sind damit m.E. nicht fertig), wie man in dem Zusammenhang solche Artikel wie den von Heike Schmoll beurteilt. Sie macht darin keinerlei Vorschläge, wie man es Kindern und Jugendlichen ermöglicht, sich selbst und andere hinsichtlich sexueller Orientierung und Geschlechtsempfinden besser zu verstehen, sondern ist (vorsichtig formuliert) 'nur dagegen'. Man könnte meinen, in den Schulen ist hinsichtlich dieser Themen alles in bester Ordnung. Ist das auch deine Meinung? Auf meine Frage zur Konsenslage hast du leider nicht geantwortet.

liebe Grüsse

Marielle
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Re: FAZ: Das gute Recht der Eltern

Post 23 im Thema

Beitrag von Sylvia »

Marielle hat geschrieben:Man könnte meinen, in den Schulen ist hinsichtlich dieser Themen alles in bester Ordnung. Ist das auch deine Meinung? Auf meine Frage zur Konsenslage hast du leider nicht geantwortet.


Marielle
Hallo Marielle,

dann versuche ich das jetzt noch mal. ;-)

"Alles in bester Ordnung"... Hm. Meine Tochter ist in der fünften Klasse, gegen Ende des letzten Schuljahres stand dann tatsächlich mal eine Einheit "Sexualkunde" auf dem Lehrplan. Abgelaufen, soweit ich das mitbekommen habe, ist das, wie man es eben von 9-10jährigen erwartet. Die Jungs haben blöde Witze gemacht, um ihre Unsicherheit zu überspielen, bei meiner Tochter war neben einem gewissen Grundinteresse auch der "das-Thema-ist-peinlich"-Faktor zu spüren. Ich habe mir angesichts der laufenden Diskussion versucht vorzustellen, was wohl passiert wäre, wenn die Lehrerin nun qua Bildungsplan verpflichtet gewesen wäre, ausführlich Genderfragen zu behandeln und den Kindern die Unterschiede zwischen biologischem und sozialem Geschlecht etc. pp. zu verklickern. Passiert wäre: Die Jungs hätten noch mehr blöde Witze gemacht und meine Tochter hätte vermutlich daheim nachgefragt, was es denn damit auf sich hat.

Das Abendland wäre also nicht untergegangen, es hätte aber auch keinen größeren positiven Effekt gehabt. Was ich damit sagen will: Mir wäre lieber, die geschlechterdiverse Realität sickerte peu à peu ins Bewusstsein anstatt sie mit dem Holzhammer in die Köpfe zu bleuen. Peu à peu braucht natürlich mutige Vorreiter, ich denke etwa an Conchita. Natürlich hat meine Tochter das wahrgenommen, sie hat auch wahrgenommen, dass bei uns daheim sich niemand darüber lustig gemacht hat, so dass sie letztlich "gelernt" hat: ok, es gibt Männer, die Frauenkleider anziehen und dabei trotzdem auch noch einen Bart haben. Dann ist das eben so. Ach ja, und toll singen konnte die...

Ein aufmerksamer Lehrer hätte übrigens in dem Moment, wo er die (sicher vorhandenen) Klassengespräche über Conchita mitbekommt, das zum Anlass nehmen können, kurz darüber zu sprechen. Da hätten dann (um hier noch mal den Bogen zu schlagen) die Schüler das Thema vorgegeben und es wäre eine gute Gelegenheit gewesen, der "alles-voll-schwul-ey"-Fraktion ganz gelassen den Wind aus den Segeln zu nehmen.

Was den Artikel angeht: Ja, die Autorin ist augenscheinlich "dagegen", und da wir in einer demokratischen Gesellschaft mit Meinungsfreiheit leben, hat sie das gute Recht dazu. Mir ist in der Diskussion von BEIDEN (!) Seiten zu viel "Untergang des Abendlands", ehrlich gesagt.

Und noch mal zu Lara...
LaraC hat geschrieben:
Sylvia hat geschrieben: Steht das bei mir irgendwo? Ich denke nicht"¦ Was soll der Quatsch mit den Fackeln und Heugabeln also?
Das ist genau meine (sicher über spitzte, das will ich zugeben) Darstellung von dem, was du gesagt hast: die Leute haben zwar keine Ahnung von den Inhalten der Gender-Diskussion oder des Bildungsplans, aber sie haben eine diffuse Angst. Diese Angst können sie nicht begründen. Dennoch protestieren sie, gehen auf die Straße, zwar nicht mit Fackeln und Heugabeln, sondern mit Transparenten (wie gesagt: überspitzt), um gegen etwas zu protestieren, was sie nicht verstehen. Genau das hast du so beschrieben.

Aber um zum eigentlichen Punkt zu kommen: Argumente gab es immer noch keine... ;)
Anne-Mette hat geschrieben: Natürlich ist vieles Mist, was an den Schulen läuft und was von "oben" verordnet wird, aber nicht alles - und Miss-Stände sollten Punkt für Punkt erörtert werden und nicht in einem "Gesamtpaket".
Denn das ist genau der Kern der Sache: wenn man sich mal wirklich mit den Inhalten des Bildungsplans auseinandergesetzt hätte (statt irgendwelchen falschen Behauptungen, die man aus dritter Hand hat, hinterherzulaufen), könnte man über einzelne Inhalte konkret diskutieren. Stattdessen wird die gesamte Idee einer Beschäftigung mit Vielfalt von Lebenswirklichkeiten im Grundsatz verteufelt - nur weil man Angst davor hat, dass das eigene "heile" Vater-Mutter-Kind-Familienbild plötzlich nicht mehr die ultimative Wahrheit sein könnte. Das ist eben keine Diskussionsgrundlage.
Über welche Inhalte kann man denn Deiner Meinung nach diskutieren? Bzw. sollte das tun? Es geht ja in dem Bildungsplan nicht ausschließlich um Fragen des Sexualkundeunterrichts, gleichwohl das bei den Protesten so rüberkommt, wenn Du das kritisierst, stimme ich Dir zu. Was mich stört, wenn ich mir den Entwurf anschaue, ist der gequälte Versuch, bei jedem Thema den Sprung zur Genderthematik hinzubekommen. Dort sind inhaltliche Dinge aus verschiedenen Bereichen angesprochen und unter jedem Block folgt ein Hinweis, wie man denn bei diesem Bereich das Thema "Akzeptanz sexueller Vielfalt" unterbringen könne. Das finde ich aufdringlich und überflüssig, sorry. Und ich glaube, das ist es auch, was viele berechtigt stört. Es wird Agenda-setting mit dem Holzhammer betrieben, das bewirkt aber oft das Gegenteil von dem, was man mit milderen Mitteln auch erreichen könnte.

So, genug unbeliebt gemacht... (ki)

Habt einen schönen Tag,
Sylvia
nicole.f
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Re: FAZ: Das gute Recht der Eltern

Post 24 im Thema

Beitrag von nicole.f »

Ich glaube man muss hier auch sehr stark zwischen Ziel und konkreter Durchführung unterscheiden. Nur weil die Durchführung allenthalben schlecht ist, bedeutet das nicht, dass das Ziel falsch ist. Befürchtungsweise sind viele Lehrer einfach mit dem Thema überfordert und können das gar nicht sinnvoll transportieren - soll auch gar kein Vorwurf sein, denn vermutlich haben sie das alles in ihrer Ausbildung damals nicht gelernt. Dann kann es schnell zu beschriebenem Fredmschämen und peinlichen Situationen kommen bzw. das Interesse am Thema bei den Schülern völlig verpuffen.

Das es anders geht und erfolgreich sein kann, ohne peinliche Situationen und ohne, dass sich Schüler überfordert fühlen, zeigen die SchLAu Initiativen in einigen Bundesländern. Wenn es pädagogisch gut aufbereitet ist, mit entsprechend geschulten Leuten und guten Materialien, dann geht das weitgehend ohne Peinlichkeiten.

Man sollte also aufpassen, über was man redet bzw. was man kritisiert. Das Ziel oder die Methoden?
Das Ziel halte ich für ohne jede Frage richtig und wichtig. Über die Methoden sollte man sich sehr intensiv unterhalten.

Liebe Grüße
nicole
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Re: FAZ: Das gute Recht der Eltern

Post 25 im Thema

Beitrag von Sylvia »

Hallo Nicole,

ich glaube, genau das machen wir hier, wir diskutieren über die Methodik. Wenn wir als Ziel definieren, dass andere Lebensweisen, um es mal sehr allgemein zu formulieren, kein Grund zu gesteigerter Aufregung mehr sind, stellt sich eben die Frage, ob man dieses Ziel dadurch erreicht, dass man die Aufregung künstlich anheizt, weil man mit dem Kopf durch die Wand will.

Freundlich Dokumentarisches wie der Artikel über Vivian Cologne immer gerne, ich denke, das trägt tatsächlich zur Akzeptanz bei. Holzhammer und Ideologie: nein danke.

LG,
Sylvia
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Re: FAZ: Das gute Recht der Eltern

Post 26 im Thema

Beitrag von ab08 »

Liebe Nicole

Zitat aus Deinem Beitrag vom Mo 17. Nov 2014, 15:36 "Neue Möglichkeiten zu entdecken bedeutet auch immer zuerst, neues Wissen zu schaffen." Sehr gut formuliert.
Nun zum Beitrag vom Di 18. Nov 2014, 16:02 "Lehrer sind einfach mit dem Thema überfordert und können das gar nicht sinnvoll transportieren" auch richtig erkannt.
Daher sind in der Praxis weder neue Bildungspläne oder neue Leitlinien besonders wichtig.
Es geht zunächst um eine qualitativ gute Ausbildung und Weiterbildung der Lehrkräfte.

In Bayern sind wir daher auf die Akademie für Lehrerfortbildung und Personalführung Dillingen http://alp.dillingen.de/ sehr stolz.

Aus gegebenem Anlass erlaube ich mir zur Aufmunterung für Betroffene darauf hinzuweisen, dass hier auch zu unserer Problematik gute Ansätze erkennbar sind.
Thema einer Fortbildung ist da aktuell zum Beispiel "Gendersensibel Unterrichten"
Dort wird auch grundlegendes Basiswissen aus dem Bereich Biologie vermittelt
http://gendersensibel-unterrichten.alp. ... 5-faktoren

Lehrpläne sollten nicht zu detailliert gefasst sein. Qualifizierte, informierte Lehrkräfte fordern Schüler, aber überfordern sie nicht. Sie arbeiteten altersgemäß, holen Schüler dort ab, wo sie sind http://de.wikipedia.org/wiki/Jean_Piaget und lassen ihnen bekannte Informationen behutsam (sensibel) einfließen.

Liebe Grüße
Andrea(ab)
FÜR: Respekt, Menschenrechte und eine gelebte, demokratische Zivilgesellschaft, die Minderheiten schützt
ERGO: Umfassende Bildung für alle, effektive Regeln in Alltag und Netz, eine gut ausgestattete Polizei/Justiz
Marielle
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Re: FAZ: Das gute Recht der Eltern

Post 27 im Thema

Beitrag von Marielle »

Guten Tag zusammen, Guten Tag Sylvia,

"unbeliebt gemacht" ... bei mir jedenfalls nicht. Ich finde diesen Thread mit allen Beiträgen darin prima. Allein schon weil er zeigt, dass man eben doch darüber diskutieren kann. Vielleicht sollten wir Frau Schmoll zum mitdiskutieren einladen. :wink:


Ich hatte, als ich das Arbeitspapier aus Baden-Württemberg das erste Mal las, tatsächlich auch das Gefühl, dass das Thema sehr breit dort eingefügt wurde. Mein erster Eindruck war, dass sich da jemand die Arbeit mit 'copy n' paste' leicht gemacht und an jeden Fachbereichstext den 'Gender-Text' drankopiert hat. Das Papier war in dem Stadium allerdings ja erstmal nur eine Diskussionsgrundlage, bevor es dann zum Aufreger wurde.


Einen Punkt aus deiner Schilderung möchte ich aufgreifen: "Die Jungs hätten noch mehr blöde Witze gemacht und meine Tochter hätte vermutlich daheim nachgefragt, was es denn damit auf sich hat. ."

Diese 'Witze' gab es schon in meiner Schulzeit; vielleicht so gar noch übler, weil das z.T. noch vor der, damals auch von manchen schwer verteufelten, 'Koedukation' von Jungen und Mädchen war. Rückblickend waren diese Witze und Sprüche zwar tatsächlich auch Ausdruck von Unsicherheit, aber eben auch schon Teil des 'making gender' der Jungen.

Sollte das auch heute noch in der Art durchgängig üblich sein (was ich nicht beweisen, mir aber durchaus vorstellen kann), dann könnte man auch zu dem Schluß kommen, dass das Thema nicht zu früh angesprochen wurde, sondern eigentlich schon zu spät. Hier im Forum kann man nachlesen, dass viele von uns schon in der Kindheit eine Diskrepanz zwischen ihrer Eigenwahrnehmung und dem zugeschriebenen 'gender' hatten, wenngleich manche (die meisten) das erst rückblickend richtig einzuordnen wussten (ich selbst auch). Und manche schrieben hier, dass sie ihr Leben lang, manche mehr manche weniger, unter der fehlenden Möglichkeit zur korrekten Selbstbeschreibung und/oder der fehlerhaften äusseren Beschreibung gelitten haben.

Wenn man also mal davon ausgeht, dass die Eltern in der Lage sind, ihren 'ganz normalen' Kindern genug Eigenständigkeit, Stabilität usw. zu vermitteln, damit diese sich gegebenenfalls (wohl überwiegend) als 'ganz normale' heterosexuelle Mädchen und Jungen' erkennen und beschreiben: Warum sollte man denen dann nicht erklären können, dass es auch ein paar andere Menschen gibt?

Ob man das explizit mit dem Thema geschlechtliche Identität anfängt, oder es in eine allgemeinere Vermittlung von Toleranz und 'Anstand' einbaut, kann man diskutieren. Sicherlich muss man dazu aber auch Pädagogen anhören, die passenden Sachverstand haben. Ich nehme an, dass sich dabei rausstellen wird, dass es ein guter Plan ist, die ganze Sache wohldosiert aber fächerübergreifend unter der allgemeinen Überschrift 'Toleranz und Liberalität' in die Schulen zu bringen und dabei die Aspekte 'Identität' und 'Sexualität' offen anzusprechen. Das wäre dann aber ziemlich genau das, was man aus dem Diskussionspapier zum Bildungsplan B-W auch herauslesen konnte (wenn man wollte).


Eine meiner (wenigen) direkten Erfahrungen mit meiner Selbstdarstellung gegenüber Kindern betrifft drei Geschwister zwischen 12 und 16. Die Eltern waren dafür, dass auch die Kids von meinem Tun erfahren, nachdem ich es ihnen gesagt hatte. Ergebnis: Die Eltern hatten tatsächlich einige Fragen zu beantworten, aber die Kids kamen damit besser zurecht als ich selbst anfänglich. Die kleinste wurde in ihrer Selbstwahrnehmung nicht etwa verunsichert, sondern 'nutzt' mich jetzt als Verbündete gegenüber ihren Eltern, wenn es um 'Frauenfragen' wie 'angemessene' Kleidung geht. Alle drei, da bin ich sehr sicher, werden niemanden mobben, der nicht in das bipolare Geschlechterbild passt. Das ist ein greifbarer Erfolg von Information und Erklärung.


Grade heute morgen gab es im DLF eine im weiteren Sinn dazu passende Sendung, die trotz der Länge von eineinhalb Stunden wirklich zum nachhören zu empfehlen ist. Ganz grob zusammengefasst geht es darin um 'sexting' (Ansprach von Kindern per 'social media' aus sexuellen und anderen niederen Motiven). Damit haben laut Aussagen von Kindern selbst, Eltern und dem an der Diskussion beteiligten Staatsanwalt schon Kids in der FÜNFTEN Klasse zu kämpfen.

Es kam auch zur Sprache, dass betroffene Kinder und Jugendliche sich aus Scham eben nicht an Eltern oder Lehrer wenden. Warum sollte das anders sein, wenn jemand sich wegen seiner Geschlechtsidentität oder -orientierung unsicher ist oder gar gemobbt wird?

Man könnte also auch sagen: Zum Schutz der Kinder durch Stärkung ihrer Selbsterkenntnisfähigkeit und ihrer Selbstsicherheit wird es allerhöchste Zeit, dass sich Eltern und Schule auf das Erlebens- (und leider auch das Bedrohungs)niveau bringen, auf dem die Kids schon jetzt leben, anstatt wegen ihrer eigenen Unsicherheiten alles was mit sex und gender zu tun hat aussen vor lassen zu wollen.


Habt es gut

Marielle

Link zum DLF aod: http://ondemand-mp3.dradio.de/file/drad ... ae4afd.mp3
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Re: FAZ: Das gute Recht der Eltern

Post 28 im Thema

Beitrag von Frida »

Hallo,

ja Marielle, du hast ja so recht...Aufklärung über Sexualität, Gender-und Geschlechtsfragen ist sehr wichtig.
Heute weiß ich, was mir gefehlt hat. Meine Eltern und Pädagogen hatten noch weniger Wissen, weil sie noch unaufgeklärter waren und verbargen ihr Defizit unter dem Deckmantel des Anstandes. Auch ich habe eigentlich versagt bei der Aufklärung meiner Kinder, obwohl ich weniger verklemmt und offener der Sexualität gegenüber bin, als dass meine Eltern waren. Zumindest war ich gelassener und toleranter und unterstütze sie dabei ihren eigenen Weg zu gehen. Aufgrund des Wissens, das heute überall zugänglich ist, sind die Kinder heute sehr im Vorteil.
Eine gute Pädagogik sollte da begleitend wirken und altersgerecht frühzeitig damit anfangen.

Danke für den Link!

Liebe Grüße, Dita ---)))
Sylvia
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Re: FAZ: Das gute Recht der Eltern

Post 29 im Thema

Beitrag von Sylvia »

LaraC hat geschrieben:
Sylvia hat geschrieben: Holzhammer und Ideologie: nein danke.

Für mich klingen deine Aussagen immer so ein bisschen nach: "Ich hab nichts gegen Schwule, so lange ich von ihnen nur nichts sehen oder hören muss. Was die im stillen Kämmerlein tun ist zwar immer noch eklig, aber wenn ich es nicht merke, dann... von mir aus." Das wäre für mich eine ganz üble Tabuisierung des Themas und eine Ausgrenzung der Personen. Und so lange du keine konkreten Kritikpunkte hast, weiß ich echt nicht, wie ich deine Beiträge sonst interpretieren soll...
Das ist genau die gleiche Argumentation wie einige Postings vorher mit den Heugabeln. Nichts davon steht bei mir, und es braucht schon gehörig bösen Willen, um die unterstellten Dinge herauszulesen. Die Respektlosigkeit, die diesen haltlosen Unterstellungen innewohnt, bemerkst Du offensichtlich gar nicht. Weder finde ich Schwule eklig, noch ist es in meinem Freundes- und Bekanntenkreis so, dass ich nichts davon sehe oder höre, da sich dort ausreichend schwule und lesbische Menschen finden, mit denen ich genauso gut oder schlecht klarkomme, wie mit den heterosexuellen Exemplaren. Wobei es übrigens genau das ist, was ich meine: Es spielt für mich in der Beurteilung anderer Menschen schlicht keine Rolle, ob homo-, hetero- trans oder was auch immer.
So viel dazu, glaub es oder lass es.

Meine Kritik am Bildungsplan bzw. an gewissen Ausprägungen der Gender-Debatte hat damit auch überhaupt nichts zu tun. Was mir an den Leitlinien aufgestoßen ist, habe ich ausgeführt. Wenn Du das als schwammig empfindest bzw. an dieser Stelle mindestens eine Seminararbeit erwartest, die Dich dann ohnehin auch nicht beeindrucken würde, muss ich Dich an dieser Stelle eben damit allein lassen. Wird ja für Dich kein Problem sein, da Du das sicherlich als "Sieg" interpretierst. Geschenkt"¦

Respekt vor anderen Menschen, die Akzeptanz anderer Meinungen und Lebensentwürfe ist für mich ein ganz allgemeiner Wert, den es Kinder vorzuleben gilt. Wenn sie diesen Respekt grundsätzlich besitzen, wird er auch für Menschen mit nicht heterosexueller Ausrichtung gelten.
Marielle
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Re: FAZ: Das gute Recht der Eltern

Post 30 im Thema

Beitrag von Marielle »

Hallo Lara,

bei allem Respekt: Dann frag' halt schlicht danach was gemeint ist, statt zu unterstellen das jemand Schwule eklig findet.

Das ausgerechnet wir dafür sorgen, dass die Schmoll doch Recht haben könnte ..... finde ich mehr als ärgerlich.

Marielle
As we go marching, marching, we bring the greater days
For the rising of the women, means the rising of the race
No more the drudge and idler ten that toil where one reposes
But the sharing of life's glories, Bread and Roses, Bread and Roses.
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