Hallo ihr Lieben,
erst einmal vielen Dank für eure Antworten und hilfreichen Tipps.
Nun habe ich es wirklich geschafft, allein in der Öffentlichkeit unterwegs zu sein, und es war fantastisch!
Aber der Reihe nach.
ich hatte ja für Ende August eine Fahrt nach Düsseldorf gebucht, um bei der lieben Kim von "Femininer" einen Schminkkurs zu absolvieren.
Mein Fehler war (glücklicherweise), dass ich die Rückfahrt versehentlich nicht für den Sonnabend, sondern für den Sonntag eingetragen hatte.
So hatte ich einen ganzen Tag mehr in Düsseldorf...
So bin ich also am Donnerstag Abend mit meinem grossen Koffer voller Damenkleidung und Utensilien in meinem Hotel eingetroffen.
Nach einem kurzen Check-in bekam ich meine Keycard und musste mit dieser erst noch durch eine gläserne Schiebetür, die den weiteren Hotelbereich vor unerwünschten Fremden fernhält.
Nach einer unruhigen Nacht am nächsten Morgen geduscht, in einem kleinen Frühstücksraum gefrühstückt, dann den dicken Koffer gegriffen und los ging es ca 1km zu Kim.
Kim empfing mich sehr herzlich und nach einem fröhlichen Stöbern in meiner Kleidung ging es an das "Neugestalten" meines Gesichts.
Kim benutzt dazu mittels Computer eine "goldene Maske" die sie auf mein Foto legte. Daraufhin konnte sie mir gut erklären, was und wie geschminkt wird. Hochinteressant!
Dann der Perückentest. Sie hat mir letztendlich eine aus Ihrem Fundus geschenkt, weil diese am besten zu mir passte.
Dann war sie kurz im Nachbarraum, um chic umgezogen wieder vor mir zu stehen.
"So, nun geht's los. Ich zeige dir die Altstadt" waren Ihre Worte.
Ehe ich mich besinnen konnte hatte ich mein Handtäschchen am Arm und stand vor der Tür?
MEIN ERSTES MAL IM FREIEN! Mein Gehirn war wie ausgeschaltet. Ich dachte: 'nur nicht hinfallen in den Pumps', und schon liefen wir los.
Nachdem die ersten Passanten völlig desinteressiert an uns vorbeiliefen und Kim mir noch den Tipp gab, schön nach oben und nicht auf den Boden zu schauen, wurde mein Kopf langsam klar.
Kim meinte noch, wir wären beide ziemlich chic "aufgebrezelt", da sei es doch wohl selbstverständlich, dass die Leute schauen; dies wäre doch eine Bestätigung.
Weiter ging es durch ein einen kleinen belebten Wochenmarkt runter zum Rheinufer und in einer grossen Kurve wieder zurück ins Atelier.
Schnell noch ein Foto von mir gemacht, schaut selbst:
Oh, schade, klappt nicht.... Füge ich schnellstmöglich nach, wenn ich weiss, wie das geht
Es war erst einmal wie im Traum, aber doch real. Diese vielen Sinneseindrücke! Sich selbst beobachten, die anderen wahrnehmen und beäugen, die ganze Situation zu begreifen; es war schon eine ordentliche Nummer. Aber ich war total stolz auf mich und beschloss, so wie ich war, als Marielle ins Hotel zurückzukehren.
Kim versprach mir, wenn ich will, am nächsten Tag um 10:00 im Atelier zu sein. Wenn ich Lust hätte, würde sie mich noch einmal auffrischen.
Nun aber erst einmal den dicken Koffer gepackt und zurück zum Hotel. Sah bestimmt etwas seltsam aus, aber ich schwebte in einer Wolke (trotz schwerem Koffer, der es auf meine Hacken abgesehen hatte). Problem Hoteleingang: Da die Rezeption, dort die Glastür zum Hotelinneren. Schnell vorbeigehuscht und Keycard an den Scanner. Nichts. Falschrum? Nochmal. Nichts - Tür zu. Nochmal, nochmal - nichts. Na toll! Schon näherte sich der Herr von der Rezeption. Nichts da mit schnell vorbeihuschen.
Ob er mir helfen könne, seine Frage. "Ja, die Karte funktioniert nicht." sagte ich hilflos. Er nahm sie mir ab, ging zu seinem Tresen und schaute in den Computer.
"Welche Zimmernummer?" seine Frage. Zimmer 108. "Name?" Ein etwas längerer Blick, dann: "Ich hab die Karte wieder freigeschaltet". Freundlich öffnete er mir die Schiebetür, damit ich mit dem dicken Koffer gut durchkam. Im Zimmer angekommen, erst einmal aufs Bett fallengelassen und tief durchgeatmet und dann herzlich gelacht.
Kurz gesammelt und dann wieder raus, ich will irgendwo Abendbrot essen! Gleich um die Ecke bei "Rosis" schaute die Kellnerin erst etwas prüfend, aber dann sprach sie mich gleich mit "Du" an und es gab ein leckeres Abendbrot. Danach ein kleiner Spaziergang und ab ins Hotel.
Die Frage war jetzt: abschminken oder versuchen, so zu übernachten. Abschminken hiess, das Abenteuer ist vorbei. Die Antwort verschob ich auf den nächsten Morgen.
Am Morgen war noch alles im Gesicht – nichts im Kissen. Vorsichtig frisch gemacht und nun die Entscheidung: Es ist DIE Chance auf einen ganzen Tag als tolle Frau.
Dann entschied ich mich für einen wundervollen bordeauxfarbenen Overall und bequeme Sneaker, ein wenig Schmuck und mutig zum Frühstück.
Einige etwas längere Blicke von Gästen, aber alles Super. Der Angestellte fragte höflich nach der Zimmernummer. Meine Stimmung wurde immer besser.
Kurze Zeit später war ich schon flotten Schrittes auf zu Kim; diesmal nur mit Handtasche. Die baumelte fröhlich an meiner Hand und hätte es nie bis zu den Hacken geschafft.
Nach einem herzlichen Empfang bei Kim eine kurze Auffrischung und danach…
Ich kann nur sagen: Es war ein wundervoller Tag!!!
Zuerst eine Busrundfahrt (Hopp-on Hopp off), danach eine Dampferfahrt. Die Sonne schien und ich fühlte mich sooo wohl. Weiter ging es das belebte Rheinufer entlang, wo richtig viele Menschen einen schönen Sonnabendnachmittag genossen.
Inzwischen genoss ich den Tag in vollen Zügen, kaufte etwas zu trinken und beobachtete nun meinerseits die Menschen. Wenn überhaupt jemand schaute, dann meist freundlich oder etwas prüfend. Die Leute, mit denen ich interagierte, waren durchweg nett und höflich.
Ich vermute, die meissten Blicke neben den männlichen Zügen meines Gesichts zog mein Overall auf sich, denn wie auch gestern mein Minirock ist dieser keine Alltagskleidung wie Jeans und T-Shirt.
Abends wieder ins „Rosies“, wo mich die Mitarbeiterin vom Vortag ganz herzlich begrüsste.
Auf dem Heimweg zum Hotel stellte ich fest, dass ich Halsschmerzen bekam. Ärgerlich.
Lässig an der Rezeption vorbei, Keycard gezückt – funktioniert nicht. War ja klar. Diesmal ging ich gleich zur Rezeption, wo mich eine nette Dame empfing, die zwei Tage zuvor den Check-in durchgeführt hatte. Mit ihr kam ich sehr nett ins Gespräch – natürlich hatte sie mich erkannt.
Sie bewunderte meinen Mut und mein Overall. Es müsse viel mehr solcher Menschen geben.
Ich fragte nach einer Apotheke und zog noch einmal los.
Der Weg durch die Alltagsstrassen war dann nicht ganz so einfach. Zwischen den „Alltags-Graumenschen“ viel ich doch etwas mehr auf und die Blicke waren kritischer. Eine Truppe Jugendlicher kam mir entgegen. Ein Mädchen beäugte mich und prustete lauthals los. Ich ging erhobenen Hauptes weiter. In der Apotheke wurde ich ganz normal und höflich-nett behandelt.
Aber nun war die Luft raus und ich wollte nur noch ins Hotelzimmer.
Eine andere Gruppe Jugendlicher kam an mir vorbei. Während die Jungs mich gar nicht wahrnahmen, fing wieder ein Mädchen an, laut loszulachen. Auch wenn es bei beiden Malen ein Stich in mir gab, sehe ich das jedoch so, das die Mädels einfach überfordert und noch nicht ganz so reif waren.
Mein Fazit aus dieser Reise: jederzeit wieder!!! Es war wie eine Offenbarung und ein irre tolles Erlebnis. Die vielen Eindrücke, meine eigene Gefühlswelt, das Wahrnehmen und Beobachten der Menschen – das muss jetzt verarbeitet werden. Aber nie, nie, nie im Leben möchte ich diese beiden Tage missen!
Übrigens steht für mich schon eine neue Herausforderung an:
Zu morgen haben mein Schwager und seine Freundin meine Frau und mich in ein Berliner Freilichtkino zur „Rocky-Horror-Picture-Show“ eingeladen.
Da gehe ich doch glatt als Black-Marielle! Ob wir uns auch trauen, die Öffis zu benutzen, ist noch nicht klar…
So, nun aber genug.
Alles Gute an euch alle – und traut euch!!!
Liebe Grüsse von
Marielle
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Marie-Elli
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